Werke und Freuden - Fisch, Michael

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Diese Biographie entwirft ein neuartiges Bild von einem der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts. Erstmals werden darin die reichen Editionen kürzerer Texte ("Dits et Ecrits") und Vorlesungen Michel Foucaults (1926-1984), die seit Mitte der 1990er Jahre entstanden sind, biographisch ausgewertet und für neue Einsichten in den Zusammenhang von Leben und Werk des einflussreichen Theoretikers fruchtbar gemacht. Stärker als die gängigen biographischen Deutungen (etwa von Eribon und Miller) lässt diese Biographie Foucaults Texte und seine Stimme selbst sprechen und wird so einem Leben, das im…mehr

Produktbeschreibung
Diese Biographie entwirft ein neuartiges Bild von einem der bedeutendsten Denker des 20. Jahrhunderts. Erstmals werden darin die reichen Editionen kürzerer Texte ("Dits et Ecrits") und Vorlesungen Michel Foucaults (1926-1984), die seit Mitte der 1990er Jahre entstanden sind, biographisch ausgewertet und für neue Einsichten in den Zusammenhang von Leben und Werk des einflussreichen Theoretikers fruchtbar gemacht.
Stärker als die gängigen biographischen Deutungen (etwa von Eribon und Miller) lässt diese Biographie Foucaults Texte und seine Stimme selbst sprechen und wird so einem Leben, das im Medium des Denkens nach Freiheit strebte, in besonderer Weise gerecht.
  • Produktdetails
  • Edition Moderne Postmoderne
  • Verlag: Transcript
  • Seitenzahl: 576
  • Erscheinungstermin: September 2011
  • Deutsch
  • Abmessung: 237mm x 163mm x 46mm
  • Gewicht: 1022g
  • ISBN-13: 9783837619003
  • ISBN-10: 3837619001
  • Artikelnr.: 33462042
Autorenporträt
Michael Fisch (Prof. Dr. phil.) ist Literaturwissenschaftler und Schriftsteller. Er lehrte von 2008 bis 2011 in Tunis und forschte im akademischen Folgejahr am Seminar für Semitistik und Arabistik der Freien Universität Berlin. Von 2012 bis 2018 war er Gastprofessor in Kairo und trat im Anschuss die Nachfolge auf den »Walter Benjamin-Lehrstuhl für deutsch-jüdische Literatur- und Kulturwissenschaft« (Walter Benjamin Chair) an der Hebrew University of Jerusalem an.
Rezensionen
Besprechung von 30.12.2011
Armer Foucault!
Ein wichtiger Denker hat Besseres verdient als eine wüste,
unlektorierte Biographie im dunklen Adepten-Sound
Michel Foucault gilt als schwieriger Autor, und er hat selbst nicht wenig dazu beigetragen. Als Historiker hat er sich systematischem Denken verweigert, als Philosoph die Geschichte kühn entlang weiträumiger Thesen rekonstruiert – mit dem schönen Erfolg, dass man seinen Namen in vielen historischen wie auch philosophischen Seminaren bis heute tunlichst nicht aussprechen sollte.
Das tat zwar seiner weltweiten Wirkung als einer der wichtigsten Denker des 20. Jahrhunderts keinen Abbruch. Aber es macht zuweilen den Eindruck, als leide, horribile dictu, die akademische Qualität der Diskussion über Foucault nicht unerheblich darunter, dass sich nicht nur Gläubige und strikte Verächter des 1984 verstorbenen Philosophen (oder Historikers?) gegenseitig beschimpfen, sondern dass neben viel mimetischem Nachvollzug dessen, was Foucault „sagte“, im Grunde auch nur wenig stabilisiertes und anerkanntes Wissen über Foucaults Positionen erarbeitet wurde, das über die manifesten Thesen seiner Bücher hinausginge. Das hängt auch damit zusammen, dass noch immer nicht alle Vorlesungen ediert sind, die Foucault zwischen 1971 und 1984 am Collège de France gehalten hatte. Gerade diese Vorlesungen haben bei ihrem nun schrittweisen Erscheinen unser „Bild“ von Foucault jeweils ergänzt, erweitert, wenn nicht gar verschoben.
Es wäre dennoch zu wünschen, dass jetzt schon entschiedener damit begonnen würde, Foucault zu historisieren – was nicht heißen muss, ihm den Rücken zuzukehren. Historisieren bedeutet vielmehr, in sorgfältiger philosophischer, philologischer und historischer Detail- und Archivarbeit jene intellektuelle Konjunktur in Frankreich zwischen etwa 1955 und 1985 – mit Foucault als einer ihrer Antriebskräfte – zu rekonstruieren, die im Rückblick als eine einzigartig fruchtbare Phase der humanwissenschaftlichen Theoriebildung erscheint.
Es wäre das dichte Geflecht der philosophischen und wissenschaftshistorischen Bezüge Foucaults unter die Lupe zu nehmen, die sein Denken prägten oder in deren Netz er seine Positionen entwickelte. Es wären aber auch in vertiefter Weise der Kontext des Kalten Krieges, die amerikanische counter culture , die Schwulenbewegung oder die Protestbewegungen der siebziger Jahre zu untersuchen, um Foucaults Ansichten verständlich(er) zu machen – ob man sie nun teilt oder nicht. „Ihr Gegner und Befürworter Robespierres“, hat der Historiker Marc Bloch einmal gestöhnt, „habt Erbarmen und sagt mir einfach, wer Robespierre war.“ So ungefähr.
Ein neues Buch scheint nun solchen Ansprüchen umstandslos gerecht zu werden, oder zumindest: damit ernst machen zu wollen. Nicht nur von der Geburt bis zum Tod reicht die Darstellung, die das Leben – bzw. die „Freuden“ – und alle Werke zu integrieren verspricht. Vielmehr wartet das Inhaltsverzeichnis innerhalb seiner werkbiographischen Abschnitte mit einer in den Plan der Untersuchung eingefügten, ebenso einschüchternden wie faszinierenden Liste von großen Namen auf, die alle – offenbar – in der jeweiligen Passage in Foucaults Leben und Werk eine Rolle gespielt haben, wie etwa „1951 Martin Heidegger; 1952 Karl Marx; 1953 Friedrich Nietzsche; 1954 Friedrich Binswanger; 1955 Georges Dumézil; 1956 Jacques Lacan“, und so weiter.
Man ahnt schon: Da hat einer Großes vor. Groß sind also auch die Erwartungen des Lesers, und nicht gering ist daher auch die Konsternation, zu der die Lektüre dieses voluminösen Buches schon in den ersten Kapiteln führt. Von Anfang an – und das geht bis zum Schluss – werden selbst schlichte biographische oder historische Informationen zwei- oder mehrfach wiederholt, in anderen Worten oder auch in fast denselben; Erläuterungen zu Biographie oder Werk der unzähligen referierten – wie soll man sagen? – Parallel-Personen finden sich verstreut an verschiedenen Stellen des Buches.
Diese Darstellungen sind zwar zuweilen informationsreich und zeugen, wie das ganze Buch, von der intensiven Lektüre- und Exzerpierarbeit des Autors – oft aber sind sie eben nicht mehr als das: Exzerpte, Notizen auf Karteikarten, zuweilen von der Schlichtheit einer Proseminararbeit. Biographische „Angaben“, die mit Sätzen beginnen wie „Georges Canguilhem ist ein französischer Wissenschaftshistoriker, der fünfzig Jahre älter ist als Michel Foucault“, sind noch ganz abgesehen davon, dass Canguilhelm 21 Jahre älter war als Foucault, in diesem Kontext definitiv zu banal – und wenn dann nur sieben Seiten weiter unten wieder von Neuem eine Biographie von Canghuilhem geboten wird, weiß der Leser, dass der Autor eben zwei Karteikarten zu Canghuilhem in seinem – sei es analogen, sei es digitalen – Kasten hatte.
Es finden sich unzählige solcher Beispiele. Und all diese bestenfalls grob geordneten Parallel-Geschichten sind nun hineingestreut in eine Darstellung von Michel Foucaults Leben und Werk, die ihrerseits etwa schon im Kapitel über den „Aufbruch nach Paris“ (1945) eine hektisch-vorgreifende Skizze über die Architektur des Gesamt-Werkes liefert und von nun an nicht mehr aufhört, biographische Erzählfragmente und Bruchstücke der Theoriediskussion so durcheinanderzuwirbeln, dass man sich besorgt fragt, welcher nicht extrem gut mit Foucaults Texten vertraute Leser hier nicht sofort und rettungslos den Faden verliert – und so von Foucaults Denken mit Sicherheit gar nichts versteht.
Denn auch die Darstellung von Foucaults philosophischen und historischen Thesen ist nicht nur von überaus verwirrenden Sprüngen, Rückbezügen und Vorgriffen geprägt, sondern auch von einer Art dunklem Adepten-Sound, der Sätze erzeugt wie: „Mit der Erkenntnis um den Zusammenhang von Bevölkerung und Ökonomie entwickeln sich Technologien der Polizei, um mit der Entstehung des ökonomischen Denkens das politische Problem der Bevölkerung zu erkennen.“ Oder: „Dieser Diskurs der Wahrheit verbindet sich mit der Ästhetik der Existenz zur Biomacht als einer modernen Macht“, was vielleicht dasselbe heißt wie: „Biomacht kann nur auf dem Fundament eines Wissens vom Leben als etwas Lebendigem entstehen.“ Man möchte an solchen Stellen dem Autor verzweifelt zurufen: „Bitte zeichnen!“
Mit anderen Worten: So geht es wirklich nicht. Und die Kritik richtet sich dabei nicht nur mit einiger Verwunderung gegen den Autor, sondern auch gegen den Verlag. Man gewinnt den Eindruck, dass Michael Fisch im Geflecht seiner intensiven Lektüren – und seiner stupenden Kenntnisse – den Über- und Durchblick in einem Maß verloren hat, dass einzig ein Lektor, der erbarmungslos nach argumentativer Klarheit verlangt und Wiederholungen streicht, das Manuskript hätte retten können. Dies hält aber der Verlag offenkundig, jedenfalls in diesem Fall, für verzichtbar.
Dass das Buch dank der Druckkostenübernahme durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst sowie durch die „Deutsche Botschaft in Tunesien (Tunis)“ finanziert wurde, wo der Autor drei Jahre lang arbeitete, macht hinreichend deutlich, wie diese Art von akademischer Publizistik funktioniert: Keiner liest das Manuskript, das er finanziert oder druckt, weil man sich – wie soll man das nennen? – als Profi wechselseitig vertraut. Vor allem aber vertraut man offenbar dem Thema, wenn es verspricht, eine gewisse Aufmerksamkeit zu erregen. Wenn die Finanzierung sichergestellt ist, reicht das vollkommen.
Auf eine zeitgemäße Foucault-Biographie, die zu ihrem Gegenstand ebenso eine informierte Nähe zu entwickeln wie analytische Distanz zu wahren vermag, müssen wir daher noch warten.
PHILIPP SARASIN
MICHAEL FISCH: Werke und Freuden. Michel Foucault – eine Biographie. Transcript Verlag, Bielefeld 2011. 576 Seiten, 39,80 Euro.
Neue akademische Publizistik:
Keiner liest das Manuskript,
das er finanziert oder druckt.
O je, wie schreibt man nur sein Leben? Michel Foucault 1977. Foto: Laif
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Nicht nur schade, sondern sogar verheerend für dieses Buch ist der Mangel, den Rezensent Roman Veressov dem Autor und seinem Projekt unterstellt. So vielversprechend dem Rezensenten Michael Fischs Programm einer Verständigung über Foucault als Textkörper zunächst auch erscheinen mag, so gut Fischs philologische und erzählerische Kenntnisse dabei Hand in Hand gehen, so wenig, findet Veressov, kann der Auror dem Rätsel Foucault analytisch nahekommen. Alle Behutsamkeit die Widersprüche in Foucaults Werdegang betreffend, sämtliche Exkurse über Weggefährten, jedes noch so fleißig eingebrachte Zitat zu den Hauptthesen des Meisters können eines nicht leisten: Das System Foucault zu erschließen. Genau das aber hätte das Buch zu mehr gemacht als zu einer archivarischen Glanzleistung, schließt Veressov bedauernd.

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"Das Buch ist unter anderem auch deshalb sehr lesenswert, weil Fisch sich nicht nur auf die Hauptwerke konzentriert, sondern auch Vorlesungen und Aufsätze mit einbezieht. [...] Die Lektüre macht [...] Lust, Foucault selbst wieder zu lesen." Gudrun Hauer, Lambda Nachrichten, 3 (2012) "Wer sich bisher vor allem für Foucault als Theoretiker interessiert hat, kann bei der Lektüre dieser Biographie wichtige Erfahrungen machen." Clemens Kammler, kultuRRevolution, 61/62 (2012) Besprochen in: GMK-Newsletter, 1 (2012) kritisch-lesen.de, 3 (2012), Philippe Kellermann PRIDE, 127/4 (2012), Rainer Bartel Philosophische Rundschau, 58/4 (2011), Frieder Vogelmann www.gaybooks.de, 11 (2011) amazon, 7 (2014), Johannes Heinrichs www.perspectivia.net, 1 (2016), Christina Reimann