North Korea - The Power of Dreams - Bender, Xiomara
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Die Fotodokumentation ist das Ergebnis etlicher Reisen in eine Welt voller Mysterien. Mit dem Fotoapparat unterwegs in einem Land, in dem unbedacht gemachte Fotos schmerzhafte Repression für die Menschen vor der Kamera bedeuten können. Auf Spurensuche in Nordkorea, wo das Individuum scheinbar keine Spuren hinterlässt und das Volk angeblich alles ist. Xiomara Bender wagt es, die vorgegebenen Routen zu verlassen, um einen Zugang zu den einfachen Menschen zu finden. Ein flüchtiges Lächeln hier. Ein neugieriger Blick dort. Momente, in denen die staatlich verordnete Isolation überwindbar scheint,…mehr

Produktbeschreibung
Die Fotodokumentation ist das Ergebnis etlicher Reisen in eine Welt voller Mysterien. Mit dem Fotoapparat unterwegs in einem Land, in dem unbedacht gemachte Fotos schmerzhafte Repression für die Menschen vor der Kamera bedeuten können. Auf Spurensuche in Nordkorea, wo das Individuum scheinbar keine Spuren hinterlässt und das Volk angeblich alles ist. Xiomara Bender wagt es, die vorgegebenen Routen zu verlassen, um einen Zugang zu den einfachen Menschen zu finden. Ein flüchtiges Lächeln hier. Ein neugieriger Blick dort. Momente, in denen die staatlich verordnete Isolation überwindbar scheint, festgehalten in diesem außergewöhnlichen Buch.
Xiomara Bender (geb 1987) gehört zur Avantgarde junger Fotokünstler. Zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, wie der C/O Berlin Foundation "Close Up!" und der International Photography Award würdigen schon zu Beginn der Karriere ihre unverwechselbare Bildersprache. Mit Empathie und Respekt vor dem Individuum dokumentiert sie Menschen in ganz alltäglichen Situationen. Als Objekt eingefangen, bleiben sie doch stets Subjekt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Kehrer, Heidelberg
  • Seitenzahl: 124
  • Erscheinungstermin: 6. Oktober 2016
  • Deutsch, Englisch
  • Abmessung: 250mm x 188mm x 18mm
  • Gewicht: 604g
  • ISBN-13: 9783868287356
  • ISBN-10: 3868287353
  • Artikelnr.: 45098044
Autorenporträt
Tom Jacobi, geboren 1956, ist Art-Director des "stern". Er kam durch Axel Springer jr. zur Fotografie, arbeitete mehrere Jahre als Fotoreporter für den "stern" und später als freier Fotograf in den USA und Europa. Veröffentlichungen unter anderem in "Geo", "Life" und im "New York Times Magazine".
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 05.10.2017

Das vergessene Volk

Jenseits der Machtdemonstrationen: Die Fotografin Xiomara Bender zeigt eine andere Seite Nordkoreas, indem sie den Menschen in die Gesichter schaut.

Von Axel Weidemann

Raketen, Bomben und Respekt sind in Nordkorea eng miteinander verknüpft. Die angespannte Weltlage bezeugt es. Doch unter all den Ländern, von denen sich kaum jemand ein eigenes Bild macht, ist Nordkorea das Land, dem abseits von militärischen Machtdemonstrationen am wenigsten Respekt zuteil wird. Ein überwiegender Teil der Öffentlichkeit konzentriert sich auf die blutigen Fehden der Herrscher-Dynastie, ihre Skurrilitäten, Schnurren, Frisuren. Durch etliche - schlechte, zynische ebenso wie schmerzlich entlarvende - Parodien (die stets stärker haften bleiben, als jede ernste Reportage) hat sich in der Weltöffentlichkeit das Bild eines atombetriebenen Diktatoren-Disneylands etabliert.

Glauben wir den Bildern, die nach außen dringen, scheinen die Menschen, die dort wohnen, vornehmlich damit beschäftigt, Paraden abzuhalten oder ihnen beizuwohnen. Ihr großer Führer dient bis heute mehr als Maskottchen denn als Vorbild für Autokraten. Doch das hat System: Seit mehr als drei Generationen lenkt der vermeintlich ulkige Kim-Clan die Aufmerksamkeit von dem ab, was ein Land ausmacht, gleichzeitig aber die uneingeschränkte Herrschaft darüber gefährdet: dem Volk.

Diesen Menschen spürt die Berliner Fotografin Xiomara Bender in ihrem Bildband "North Korea - The Power Of Dreams" nach. Dreimal reiste sie nach Korea - 2011, 2015 und 2016, um sich einzulassen auf den schmalen Grat zwischen Verantwortung und Voyeurismus. Um die Menschen wieder sichtbar zu machen, isolierte sie sie innerhalb der kollektiven Scharade. Im Vorwort schreibt sie von Pjöngjang als der Stadt, "die von der Welt vergessen wurde". Aus dieser Ignoranz, schreibt Bender, müsse "Verantwortung erwachsen". Gemeint ist das flüchtige Bewusstsein dafür, dass dort zwischen Nutzflächen, Monumentalbauten und unberührter Natur vierundzwanzig Millionen Menschen versuchen, ein Leben zu führen.

Die Nordkoreaner, die das Regime in Genossen, Wackelkandidaten und Feinde einteilt, leben seit 112 Jahren in einem Zustand der Unterdrückung. Im Jahr 1905 wurde die gesamte Halbinsel durch das japanische Kaiserreich annektiert und zur Provinz Chôsen erklärt. Vierzig Jahre später wurde sie entlang des 38. Breitengrades geteilt. Der nördliche Teil geriet unter sowjetische Kontrolle. Moskau wollte einen Staat nach seinem Bilde formen, der vor allem als Festung gegen Japan dienen sollte. Im vom Norden begonnenen Korea-Krieg erlitt Nordkorea eine Niederlage. Die amerikanische Luftwaffe ebnete viele Städte unter einem Bombenteppich ein. Wer fliehen konnte, machte sich auf den Weg. In den Sechziger kamen viele von ihnen auch nach Deutschland - sie wurden Krankenschwestern oder Bergarbeiter.

Wenig später beginnt das, was Nordkoreas Chefideologen unter Kim Il-sung mit "Chuch'e", einer Ideologie der "Autarkie", propagieren: Für sie ist es Unabhängigkeit. Für das Volk bedeutet es die totale Isolation. So ist es mittlerweile fast eine Art Sport unter Fotografen, in Nordkorea hinter die staatlichen Kulissen zu blicken. Dabei hat man bisweilen den Eindruck, sie gingen den Inszenierungen des Regimes auf den Leim, anderen gelingt es, die Schablone westlicher Sehgewohnheiten zu sprengen.

Xiomara Bender wählt einen anderen Weg. Sie versucht nicht, mit ihren Bildern Fassaden einzureißen oder jene Tristesse und Leere einzufangen, die uns so viele Bilder aus der Demokratischen Volksrepublik vermitteln wollen. Selten sind auf ihren Bildern mehr als zwei Menschen zu sehen. Lebendig wirken diese Bilder aber dadurch, das viele der Porträtierten direkt in die Kamera schauen. Ihr Blick trifft den Betrachter. Zwei Jungen mit roten Pionierhalstüchern, die sich im Kieferngehölz oberhalb eines weiten Platzes versteckt haben, auf dem just in diesem Moment eine große Schauveranstaltung des Kimilsungistisch-Kimjongilistischen Jugendverbandes stattfindet, blicken wie ertappt und zugleich fast belustigt in die Kamera. Eine junge Frau in Militär-Uniform massiert sich den Oberarm und streift die Fotografin im Vorbeigehen mit einem Blick. Nur eine alte Dame, die sich auf die Stufen einer fahrenden Rolltreppe gesetzt hat, sieht der Fotografin voller Gelassenheit entgegen. Stärker noch sind jene Fotos, in denen die Menschen aus der Begrenztheit des Bildausschnitts hinausblicken. Dort hat die Fotografin Momente der Abwesenheit eingefangen, die dem Titel des Buches, "The Power Of Dreams" einen Teil seiner Kitschigkeit nehmen. Diese Bilder zeigen Menschen, die für einen Moment, dem Blick von oben und von außen entzogen sind. Sie sind ganz bei sich. Auch der "große Führer" wird niemals erfahren, wohin sich der Junge träumt, der das sonnenbeschienene Gesicht an den Rücken eines Mannes, seines Vaters vermutlich, lehnt, während die beiden mit dem Fahrrad fahren, der Junge auf dem Gepäckträger. Wenn Alltag auch heißen kann, sich jeglichem Blick zu entziehen, dann ist es Xiomara Bender paradoxerweise gelungen, den vielbeschworenen Alltag der Menschen in Nordkorea - der stets zur Sprache kommt, wenn es darum geht, Gewalt aller Art zu bebildern - festzuhalten. Dazu zeigt sie nicht auf den Menschen in einem System, das die individuelle Freiheit in Ketten legt. Sie zeigt den Menschen selbst.

"North Korea - The Power Of Dreams" von Xiomara Bender. Kehrer Verlag, Heidelberg 2017. 120 Seiten, zahlreiche Farbfotografien. Gebunden, 35 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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