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"Erschütternder als ein Krimi - die glasklare, durch solide Quellen gestützte Beschreibung eines bis heute andauernden Staatsskandals." FAZ
Dreißig Jahre nach dem Mord an seinem Vater, Generalbundesanwalt Siegfried Buback, stellt Michael Buback fest, dass vieles an der offiziellen Version über das Attentat nicht stimmt. Er beginnt eine akribische Suche nach der Wahrheit, studiert die wenigen ihm zugänglichen Akten und spricht mit Augenzeugen und damaligen Ermittlern. Der Fall schlägt hohe Wellen in den Medien, neue Fakten kommen ans Licht und bald werden die düsteren Ahnungen für Michael…mehr

Produktbeschreibung
"Erschütternder als ein Krimi - die glasklare, durch solide Quellen gestützte Beschreibung eines bis heute andauernden Staatsskandals." FAZ

Dreißig Jahre nach dem Mord an seinem Vater, Generalbundesanwalt Siegfried Buback, stellt Michael Buback fest, dass vieles an der offiziellen Version über das Attentat nicht stimmt. Er beginnt eine akribische Suche nach der Wahrheit, studiert die wenigen ihm zugänglichen Akten und spricht mit Augenzeugen und damaligen Ermittlern. Der Fall schlägt hohe Wellen in den Medien, neue Fakten kommen ans Licht und bald werden die düsteren Ahnungen für Michael Buback zur Gewissheit: Die wahren Mörder seines Vaters wurden nie angeklagt.

Mit bisher unveröffentlichtem Material und Augenzeugenberichten.
  • Produktdetails
  • Knaur Taschenbücher Nr.78234
  • Verlag: Droemer/Knaur
  • Erw. Ausg.
  • Seitenzahl: 443
  • Erscheinungstermin: 10. September 2009
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 125mm
  • Gewicht: 515g
  • ISBN-13: 9783426782347
  • ISBN-10: 3426782340
  • Artikelnr.: 26365734
Autorenporträt
Michael Buback, geboren 1945, ist Professor für Technische und Makromolekulare Chemie an der Georg-August-Universität und Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften.
Rezensionen
Besprechung von 29.11.2008
Seltsame Pannen
Der Mord an Siegfried Buback ist noch längst nicht geklärt
Wer ein Buch mit einem so melodramatischen Titel („Der zweite Tod meines Vaters”) aufschlägt, wird vielleicht misstrauisch sein. Hinzu kommt, dass sein Autor, der Sohn des 1977 von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, schon lange keine Gelegenheit auslässt, die Fahndungspannen anzuprangern. Was ist da also noch Neues zu erwarten, und riecht das Ganze nicht ohnehin nach einer Verschwörungstheorie? Doch nach Ende der Lektüre der 365 Seiten muss wohl auch der größte Skeptiker feststellen, dass da noch einiges aufzuarbeiten ist.
Michael Buback musste nicht nur feststellen, dass es der Justiz gar nicht darum geht, exakt festzustellen, wer seinen Vater erschossen hat. Der 63-jährige Chemieprofessor kommt sogar zum Schluss, dass alle drei für das Attentat vom 7. April 1977 verurteilten Täter – Christian Klar, Knut Folkerts und Brigitte Mohnhaupt – es gewiss nicht waren. Zeugenaussagen, wonach eine eher zierliche Person, ein „Reh” oder „Hüpferle”, auf dem Sozius des Motorrads saß und von dort in das Fahrzeug des Generalbundesanwalts geschossen hat, sprechen eher dafür, dass die 1989 von Bundespräsident Richard von Weizsäcker begnadigte Verena Becker die Mörderin war.
Becker war am 3. Mai 1977 zusammen mit Günter Sonnenberg nach einer Schießerei mit der Polizei in Singen festgenommen worden. Dabei wurde die Waffe sichergestellt, die beim Mord an Buback und seinen Begleitern Wolfgang Göbel und Georg Wurster benutzt worden war. Bei Becker wurde ein Schraubenschlüssel gefunden, der zum Werkzeug des Motorrads gehört, auf dem die Karlsruher Attentäter saßen. Im Fluchtauto der Buback-Attentäter lag ein Motorradhelm, nach Feststellungen des Bundeskriminalamtes mit einer „Haarspur” Beckers. Die vor Monaten von der Bundesanwaltschaft mitgeteilte Erkenntnis, DNA-Untersuchungen hätten ergeben, dass sie nicht von Becker stammten, bestätigt noch eher Buback in seinem Verdacht. Denn merkwürdigerweise ging es dabei gar nicht um die Haare im „rotgrundigen Motorradhelm”, von denen das BKA wusste, sondern um – ohnehin schwierig zuzuordnende – „Mischspuren”. Die Bundesanwaltschaft teilte denn auch nicht mit, von wem diese Spuren denn sonst stammen könnten.
Galt anfangs auch Becker als eine der Hauptverdächtigen, so verschwand aus unerfindlichen Gründen ihr Name alsbald aus allen Akten. Sie und Sonnenberg wurden ausschließlich wegen „versuchten gemeinschaftlichen Mordes” an zwei Polizisten in Singen zu einer „lebenslangen” Freiheitsstrafe verurteilt, die für Becker schon nach zwölf Jahren und für Sonnenberg nach 14 Jahren vorbei war. Dabei gilt Sonnenberg, der in Singen selbst schwer verletzt wurde, als Fahrer des Motorrads beim Karlsruher Dreifachmord.
Soweit nur einige der zahlreichen Ungereimtheiten, zu denen noch eine Vielzahl von schlampigen oder widersprüchlichen Ermittlungen kommt, die Michael Buback penibel ermittelt hat. Manches ist bekannt. In drei SZ-„Außenansichten” hat der Göttinger Professor im vergangenen Jahr seine wachsenden Zweifel an dem „offiziellen” Tatablauf geäußert. Mit der Folge, dass die Ermittlungen gegen Stefan Wisniewski, ein weiteres RAF-Mitglied, und inzwischen auch gegen Verena Becker – noch ohne nennenswertes Ergebnis – wieder aufgenommen wurden.
Doch Michael Buback geht inzwischen deutlich weiter. Das Erschreckende für ihn ist, dass sie im Laufe der Zeit nicht mehr an Pannen und Schlampereien glauben konnten. Immer mehr verdichtete sich für sie der Verdacht, dass es keine seltsamen Zufälle waren, die die mutmaßliche Täterin Verena Becker unsichtbar machten, sondern dass es viele Anzeichen gibt, die dafür sprechen, dass sie bewusst gedeckt wird. Damit begibt sich Buback auf ein vermintes Feld. Er wird als Verschwörungstheoretiker und als ahnungsloser Amateur-Ermittler abgetan. Die General-Bundesanwältin Monika Harms rüffelte ihn öffentlich und begegnet ihm, wie er schildert, mit Eiseskälte. Dabei ist inzwischen bekannt, dass Becker mit dem Verfassungsschutz kooperiert und Anfang der achtziger Jahre gegenüber den Geheimdienstlern ausgesagt hat, Wisniewski sei der Todesschütze von Karlsruhe gewesen. Diese wichtige Mitteilung wurde an die Bundesanwaltschaft weitergegeben, ist aber heute angeblich dort nicht mehr auffindbar. Nach Stasi-Erkenntnissen wurde Becker sogar bereits seit 1972 „von westdeutschen Abwehrorganen (. . .) unter Kontrolle gehalten” – was auch immer das genau heißen mag.
Michael Buback ist nicht jemand, der leichtfertig Behauptungen in die Welt setzt. Er bezweifelt immer wieder seine eigenen Zweifel und möchte eigentlich gerne an den Rechtsstaat glauben, der alles in seiner Macht Stehende tut, um Taten möglichst umfassend aufzuklären. Doch bei seinen Recherchen wurde Buback immer entsetzter. Mehrfach schreibt er, dass für ihn „eine Welt zusammengebrochen” sei, dass er „grausige Gedanken” bekam und ihm „fast übel” wurde. Gar nicht gut kommt dabei Bubacks Nachfolger, der 2005 gestorbene Kurt Rebmann, weg, dem offensichtliche Ermittlungsfehler nicht auffielen oder nicht auffallen wollten. Doch Buback ist auch nicht ganz allein. Horst Herold, zehn Jahre BKA-Chef, bescheinigte ihm, er sei „auf der richtigen Spur” und Kay Nehm, bis 2006 Generalbundesanwalt, geht so weit zu sagen: „Vieles von dem, was Buback sagt, hat Hand und Fuß.” RALF HUSEMANN
MICHAEL BUBACK: Der zweite Tod meines Vaters. Droemer, München 2008. 365 Seiten, 19,95 Euro.
„Eine Welt zusammengebrochen”: Michael Buback vor einer Gedenktafel für seinen ermordeten Vater bei einer Veranstaltung in Karlsruhe. Foto: dpa
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Besprechung von 08.12.2008
Wer schont die Mörder von Siegfried Buback?

Der Sohn des 1977 ermordeten Generalbundesanwalts hat ein atemraubendes Buch geschrieben, das alle politisch Verantwortlichen herausfordert, den Mord an seinem Vater endlich zu klären.

Manche kennen Michael Buback aus dem Fernsehen. Er war bei Sabine Christiansen und sprach dort über seine Begegnung mit Jürgen Trittin. Ein anderes Mal traf er sich im NDR mit Peter Jürgen Boock. Der Sohn des 1977 ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback war auch mal im niedersächsischen Landtagswahlkampf als Hochschulexperte von Christian Wulff unterwegs.

Doch niemand, der diese Auftritte gesehen hat, ist auf die Sprengkraft dieses Buches vorbereitet. Es ist erschütternder als ein Krimi, denn es ist die glasklare, durch solide Quellen gestützte Beschreibung eines bis heute andauernden Staatsskandals. Mit einer irgendwie überemotionalisierten Verschwörungstheorie eines trauernden Sohnes hat dieses Werk nichts zu tun. Buback ist Naturwissenschaftler, er lehrt physikalische Chemie an der Universität Göttingen.

Sein Buch ist das Protokoll einer Untersuchung. Seine Leitfrage ist, wer am Gründonnerstag 1977 seinen Vater und dessen Begleiter Georg Wurster und Wolfgang Göbel erschossen hat. Entdeckt hat er dabei nicht nur die mutmaßlichen Schützen, sondern vor allem einen einzigartigen Komplex von Ermittlungsdefiziten, die sich schlüssig nur durch die Hypothese eines behördlichen Schutzes der Hauptverdächtigen erklären lassen, ein Schutz, dessen Gründe im Dunklen liegen.

Den unbefangenen Leser muss schon der Umstand erstaunen, dass der Mord nicht aufgeklärt ist. Er gehört längst zur bundesrepublikanischen Geschichte. Doch gerade weil der Fall für jedermann, außer die Angehörigen der Opfer, abgehakt ist, konnten sich jene juristischen Zwielichtigkeiten halten, die in diesem Buch beschrieben sind. Streckenweise meint man, ein Pamphlet aus der härtesten Sympathisantenszene zu lesen, und dann wünscht man fast, es wäre so, das hier Beschriebene ließe sich leicht abtun. Das geht aber nicht. Das Buch ist für Autor wie Leser ein Bildungsroman: Vom überzeugten Anhänger der Arbeit der Bundesanwaltschaft, die sein Vater geleitet hatte, entwickelt sich der Autor nach und nach und äußerst widerstrebend zum Skeptiker des Justizapparats. Alle paar Seiten "bricht ihm eine Welt zusammen". Er lernt dazu - notgedrungen.

Buback erfährt auf seiner Suche vielfältige Hilfe, auch von Zeugen, deren Aussagen von den Justizbehörden nicht in vollem Umfang gewürdigt worden waren. Einer hatte als Schüler, natürlich ohne es zunächst als solches erkennen zu können, das Motorrad der Terroristen gesehen und es beim Aussteigen aus dem Wagen seiner Eltern beinahe zu Fall gebracht. Das war am 6. April 1977 in Karlsruhe, direkt vor der Bundesanwaltschaft, Siegfried Buback stand mit seiner Frau auf dem Bürgersteig. Die Mörder kamen dann am nächsten Tag wieder und setzten ihr Vorhaben in die Tat um. Dieser "Zeuge vom Vortag", wie er in dem Buch heißt, bringt Buback auf eine entscheidende Spur: Auf dem Soziussitz, von dem aus wahrscheinlich geschossen wurde, hat er eine schmächtige Gestalt erkannt, wie von einer Frau. Auch der direkte Zeuge des Attentats, ein Jugoslawe, der den Wagen neben dem des Generalbundesanwalts fuhr, sagt aus, er habe eine Frau zu erkennen geglaubt.

Nun kommt die Ehefrau von Michael Buback ins Spiel, Elisabeth. Sie führt, heute aus der Mode gekommen, aber im vorliegenden Fall höchst brisant, ein Zeitungsarchiv. Und dort sind Ausschnitte vom Tag nach der Tat aufbewahrt, in denen, auf Angaben der Karlsruher Polizei beruhend, von der möglichen Täterschaft einer Frau die Rede ist. So meldet es auch die Tagesschau vom Abend der Tat. Doch schon am nächsten Tag ist in allen Medien einschließlich der Tagesschau nur noch von drei männlichen Tätern die Rede. Dabei waren gar keine neuen Hinweise hinzugekommen.

Die differenzierte, aber gut nachzuvollziehende Argumentation des Buches läuft darauf hinaus, dass Verena Becker in den engen Täterkreis rückt. Buback resümiert seine Erkenntnisse am Ende des Buchs: "Am Vortag der Morde wurde eine zierliche Frau in einer Bekleidung, wie sie auch bei der Tat benutzt wurde, auf dem Soziussitz des späteren Tatmotorrads gesehen, das ein recht großer Mann mit Bart lenkte. Auch am Tattag gab es Hinweise auf eine Frau auf dem Soziussitz. Eine zierliche Frau und ein großer Mann mit Bart wurden vier Wochen nach dem Attentat mit der Tatwaffe aufgegriffen. Sie hatten einen Suzuki-Schraubenzieher bei sich, wie er im Tatmotorrad fehlte. Beide Personen waren im Jemen bei der Vorbereitung der Tat dabei gewesen. (...) In BKA-Unterlagen steht, dass Haarspuren in der Haarbürste von Verena Becker identisch seien mit der Haarspur in einem der Motorradhelme." Dennoch wurde gegen Verena Becker wegen des Mordes an Buback, Wurster und Göbel nicht einmal Anklage erhoben.

Mehr noch: jeder Hinweis auf diese Frau, die zumindest zeitweise als Informantin des Verfassungsschutzes tätig war, wurde aus den Akten, die der Bundesanwaltschaft zur Grundlage ihrer Prozessführung dienten, entfernt. Sie wurde wegen der Schießerei vor ihrer übrigens völlig zufällig nach dem Hinweis einer Rentnerin erfolgten Festnahme in Singen zu lebenslanger Haft verurteilt und 1989 begnadigt.

Drei Personen wurden im Zusammenhang mit den Morden in Karlsruhe verurteilt: Knut Folkerts, Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt. Das Buch legt dar, dass bei diesem Trio allenfalls von einer Mitschuld ausgegangen werden kann: Mohnhaupt war zum Zeitpunkt der Tat nicht in Karlsruhe, Folkerts wahrscheinlich in Amsterdam, und Klar hat höchstens das Fluchtfahrzeug gesteuert.

Aus der Vogelperspektive stimmt die juristische Gesamtbalance: Es wurden Personen wegen des Buback-Mords angeklagt und verurteilt, und das Trio Becker/Sonnenfeld/Wisniewski musste lebenslänglich in Haft - dass sich der eine Teil des Satzes nicht logisch auf den anderen bezieht, dass also Personen verurteilt wurden, die nicht geschossen haben, und dass die, die geschossen haben, wegen anderer Vergehen verurteilt wurden, diese Feinheit beschäftigt nicht den Staat und schon gar nicht die Terroristen, die beschäftigt nur die Angehörigen der Mordopfer.

Wer das Buch liest und sich einen common sense bewahrt hat, wird nicht umhinkommen festzustellen, dass Verena Becker als Tatverdächtige in diesem Fall geschont wurde, bis heute. Aber warum? Journalisten des SWR haben unabhängig von Michael Buback herausgefunden, dass vor der Begnadigung Verena Beckers ein Treffen mit Vertretern der Bundesanwaltschaft, des Bundesverfassungsschutzes und des Bundesnachrichtendienstes stattfand. Aber was hat unser Auslandsgeheimdienst mit dem Fall zu schaffen? Becker gehörte ja nicht zu denen, die in die DDR geflohen waren.

Es ist ein weiterer, wichtiger Hinweis auf die immer noch zu wenig erforschten Verbindungen zwischen Linksterrorismus und Geheimdiensten, die in Italien seit Jahren für heftige Diskussionen sorgen. Ist es nicht auch hierzulande längst Zeit für eine Aufarbeitung der jüngeren Geschichte der Dienste?

Buback spekuliert nicht. Er formuliert seine Hypothesen stets so klar, dass man sie, wenn denn an seinen Vermutungen wirklich nichts dran ist, durch simple Tests falsifizieren könnte. Die sollten bald erfolgen.

Michael Bubacks Vorwurf darf so nicht stehenbleiben. Es ist unerträglich anzunehmen, heute in Freiheit lebende Personen könnten über Wissen verfügen, das die deutsche Öffentlichkeit fundamental zu erschüttern vermochte. Auch so hätte sich der Staat erpressbar gemacht. Haben wir eine Pressekonferenz von Verena Becker zu fürchten? Oder ist es umgekehrt so, dass ihr ehemalige Genossen nach dem Leben trachten?

Das ist der Komplex hinter dem Baader-Meinhof-Komplex. Ihn zu erforschen ist nicht bloß das Interesse des Sohnes eines der Ermordeten von Karlsruhe. Und es ist nicht allein die Aufgabe der Justiz. Es geht die gesamte Öffentlichkeit an, denn jede Unkorrektheit im Umgang mit dem Komplex RAF hat, wie eine kleine Wunde in tropischem Klima, das Potential zu schweren Infektionen des Staatskörpers.

Alle Zeugen und alle Verdächtigen leben noch. Die Schritte, Tests und Gegenüberstellungen, die zu einer Aufklärung der Tat führen werden, sind im Buch klar und plausibel formuliert. Es bedarf nur einer demokratischen Instanz, sie nun auch zu veranlassen.

Norbert Lammert ist als Präsident des Deutschen Bundestages der zweite Mann im Staat. Er hat im letzten Jahr auf einer großen Feierstunde eine wichtige Rede über die RAF und ihre Opfer gehalten. Er hat ein Buch über die Notwendigkeit, "Flagge zu zeigen", verfasst. Er könnte eine parlamentarische Untersuchung dieser skandalösen Verhältnisse anregen.

Schließlich ist die Bundeskanzlerin persönlich gefordert. Ihr Versprechen, den Mord an Generalbundesanwalt Buback aufzuklären, steht seit dem April 2007 folgenlos im Raum.

NILS MINKMAR.

Michael Buback: "Der zweite Tod meines Vaters". Droemer Knaur Verlag, München 2008. 364 S., geb., 19,95 [Euro].

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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Ralf Husemann zeigt sich erst vorsichtig skeptisch gegenüber Michael Bubacks Buch über die Ermordung seines Vaters, des Generalbundesanwalts Siegfried Buback, durch die RAF im Jahr 1977. Die Lektüre des Buchs aber belehrt ihn eines besseren. Am Schluss scheint ihm klar, dass in diesem Fall noch viel aufzuarbeiten ist. Er berichtet über die zahllosen Schlampereien, Widersprüche und Ungereimtheiten der Ermittlungen, die Buback akribisch nachverfolgt hat. Dabei unterstreicht er, dass der Göttinger Professor niemand ist, der leichtfertig unsichere Behauptungen in die Welt setzt. Plausibel wird für ihn jedenfalls, dass die 1977 verurteilten Täter Christian Klar, Knut Folkerts und Brigitte Mohnhaupt die Tat nicht begangen haben, sondern höchstwahrscheinlich Verena Becker. Er hebt in diesem Zusammenhang die von Buback zusammengetragenen Anzeichen dafür hervor, dass Becker bewusst gedeckt wird. Husemann betont, dass der ehemalige BKA-Chef Horst Herold und der einstige Generalbundesanwalt Kay Nehm dem Autor bescheinigen, mit seinen Recherchen auf der richtigen Spur zu sein.

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