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"Irgendwie fanden wir es nicht richtig, dass die Welt sich weitergedreht hatte, während es Auschwitz gab, dass die Leute gelacht und gescherzt, getrunken und sich geliebt hatten, während Millionen starben und wir um unser Leben kämpften."
"Ich kann nicht vergeben. Meine Flucht aus Auschwitz" ist ein einmaliges Erinnerungsdokument. Es erzählt, wie ein erst siebzehnjähriger Slowake in Auschwitz überlebte. Wie er sich vor der Willkür der SS und ihren Kapos schützte, wie er Strafen und Krankheiten überstand, sich bei den Widerstandskämpfern im Lager Respekt verschaffte und sogar einen seltenen…mehr

Produktbeschreibung
"Irgendwie fanden wir es nicht richtig, dass die Welt sich weitergedreht hatte, während es Auschwitz gab, dass die Leute gelacht und gescherzt, getrunken und sich geliebt hatten, während Millionen starben und wir um unser Leben kämpften."

"Ich kann nicht vergeben. Meine Flucht aus Auschwitz" ist ein einmaliges Erinnerungsdokument. Es erzählt, wie ein erst siebzehnjähriger Slowake in Auschwitz überlebte. Wie er sich vor der Willkür der SS und ihren Kapos schützte, wie er Strafen und Krankheiten überstand, sich bei den Widerstandskämpfern im Lager Respekt verschaffte und sogar einen seltenen Augenblick der Liebe erlebte. Mehr noch: wie er es als einer der wenigen schaffte, zusammen mit seinem Freund Alfréd Wetzler dieser hermetisch abgeriegelten Hölle zu entfliehen. Doch dieser junge Mann war nicht allein auf seine Freiheit bedacht, sondern versuchte alles, um die letzte große Massenmordaktion der Nationalsozialisten, die Deportation der ungarischen Juden, zu verhindern. Tatsächlich rettete der im April 1944 erstattete "Vrba-Wetzler-Bericht" hunderttausend Menschenleben.
  • Produktdetails
  • Verlag: Schöffling
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 528
  • Erscheinungstermin: Januar 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 212mm x 141mm x 48mm
  • Gewicht: 760g
  • ISBN-13: 9783895614163
  • ISBN-10: 3895614165
  • Artikelnr.: 29752340
Autorenporträt
Vrba, Rudolf
Rudolf Vrba wurde 1924 im slowakischen Topol'cany geboren. Mit siebzehn Jahren versuchte er, sich der 'Aussiedlung' in deutsche 'Arbeitslager' durch Flucht nach England zu entziehen. An der Grenze zu Ungarn verhaftet, wurde Vrba über die Lager Nováky und Majdanek nach Auschwitz gebracht. Als Häftling Nr. 44070 war er dort fast zwei Jahre inhaftiert. Nach dem Krieg studierte Vrba in Prag und gelangte über Israel und England nach Kanada, wo er 2006 starb. 'Ich kann nicht vergeben', erstmals 1963 in England veröffentlicht, wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Klarsfeld, Beate
Beate Klarsfeld, geboren 1939 in Berlin, lebt in Paris und betreibt dort die 'Serge und Beate Klarsfeld Foundation'. Sie ist Journalistin und kämpft für die Aufklärung und Verfolgung von NS-Verbrechen.

Knellessen, Dagi
Dagi Knellessen, geboren 1962, Studium an der Technischen Universität Berlin. Magisterarbeit über Adolf Eichmann. Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fritz Bauer Institut bis 2005, seitdem freie Erziehungswissenschaftlerin und Publizistin.

Renz, Werner
Werner Renz, seit 1995 wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Fritz Bauer Institut, leitet dort die Abteilung Archiv/Bibliothek. Zahlreiche Publikationen zur Geschichte von Auschwitz und den Frankfurter Auschwitz-Prozessen.

Ruschmeier, Sigrid
Sigrid Ruschmeier, geboren 1945, lebt in Berlin. Seit 1988 ist sie Übersetzerin aus dem Englischen.

Walitzek, Brigitte
Brigitte Walitzek, geboren 1952, lebt in Berlin. Seit 1986 ist sie Übersetzerin aus dem Englischen.
Rezensionen
Besprechung von 07.04.2011
Die Wahrheit für den Milchmann
In neuer Übersetzung: Rudolf Vrbas Auschwitz-Bericht "Ich kann nicht vergeben"

Seine Erinnerungen an Auschwitz erschienen unter dem Titel "I cannot forgive" 1963 zuerst auf Englisch. Obwohl Rudolf Vrbas Buch schon ein Jahr später in deutscher Übersetzung vorlag, wurde es in Deutschland kaum wahrgenommen. Es stand von Beginn an im Schatten von Hannah Arendts wirkungsmächtigem Prozess-Bericht "Eichmann in Jerusalem" und Harry Mulischs "Strafsache 40/61". War es für eine Auseinandersetzung mit der Opferperspektive Anfang der sechziger Jahre noch zu früh? Interessanter, vielleicht aber auch leichter zu ertragen als der Bericht eines ehemaligen Auschwitz-Häftlings war damals offenbar der Blick auf die Täter, von denen einem im fernen Jerusalem der Prozess gemacht wurde. Nun aber liegt Vrbas autobiographischer Bericht, mit Bildmaterial und Anmerkungen sowie einem Vorwort von Beate Klarsfeld versehen, in einer neuen Übersetzung vor.

Der vor fünf Jahren als emeritierter Professor für Pharmakologie in Vancouver verstorbene Vrba wurde 1924 als Walter Rosenberg im westslowakischen Topolcany geboren, im Alter von achtzehn Jahren 1942 in Auschwitz inhaftiert, bevor ihm am 10. April 1944 gemeinsam mit Alfréd Wetzler die Flucht von dort gelang. Unmittelbar nach der Flucht diktierte er die als "Vrba-Wetzler-Bericht" bekannt gewordene Auschwitz-Chronik, die im Juni 1944 zu den westlichen Aliierten gelangte. Etliche ungarische Juden konnten auf diese Weise vor der Ermordung gerettet werden. Die Schwierigkeit, die Vrba und Wetzler zunächst hatten, den slowakischen Judenrat von der Authentizität ihres Berichts zu überzeugen, ist erschütternd; und auch der Umstand, dass der Vorsitzende eines zionistischen Rettungskomitees, Rudolf Kasztner, angeblich um Schlimmeres zu verhindern, ausgerechnet Adolf Eichmann von dem Bericht informierte. Obwohl der "Vrba-Wetzler-Bericht" beim Eichmann-Prozess 1961 erörtert wurdee, war Vrba selbst nicht als Zeuge geladen worden.

In seiner Londoner Zeit zu Beginn der sechziger Jahre veröffentlichte Rudolf Vrba dann über Auschwitz eine Artikelserie im "Daily Herald". Als ihm eines Morgens sein Milchmann, der im Krieg selbst gegen die Deutschen gekämpft hatte, auf die Zeitungsartikel anspricht und ihm unverblümt erklärt, er halte seine Schilderungen für bösartig und unglaubwürdig - Vrba wolle offenbar "mit der Verbreitung von unglaublichen Lügen über die Deutschen die guten Nachkriegsbeziehungen zu Deutschland zerstören" -, da dämmert Vrba, dass er offenbar nicht gut genug erklärt hatte, wie umsichtig die in die Vernichtung mündenden Deportationen organisiert worden waren.

Nicht für Auschwitz-"Experten", weder für Betroffene noch für Historiker, wollte Rudolf Vrba nun ein Buch schreiben, sondern für Leute wie eben diesen Milchmann. Dieser Absicht verdankt sich wohl auch sein erzählerischer, manchmal gar abenteuerromanhafter Ton, der das Werk "Ich kann nicht vergeben" durchzieht - dessen Neuauflage 1999 unter dem Titel "Als Kanada in Auschwitz lag" veröffentlicht wurde.

Vrbas Buch vermittelt auch einen Eindruck davon, wie die Nationalsozialisten die Opfer selbst in die Arbeit an ihrer Vernichtung einbezogen. Der Bericht von einem bevorstehendem Lagerbesuch Heinrich Himmlers verdeutlicht diese erzwungene Mitarbeit: Das Lager-Orchester hat sich am Eingang postiert, alle stehen stramm und aufgereiht in nervöser Erwartung. Die Anspannung herrscht unter SS-Männern und Lagerinsassen gleichermaßen: "Auch wir wollten nicht", schreibt Vrba, "dass irgendetwas schiefging".

Und dann geht doch etwas schief, es geschieht "die Katastrophe". Der Blockälteste entdeckt in einer der hinteren Reihen des angetretenen Blocks an der Jacke eines Juden fehlende Knöpfe, woraufhin dieser weggeschleppt und, erst unter Geschrei, dann unter "Gewinsel", totgeschlagen wird: "Es dauerte und dauerte, füllte das Vakuum der Stille, zerrte an mühsam unter Kontrolle gehaltenen Nerven, erfüllte alle mit Panik, übertönte das hässliche, dumpfe Geräusch der herabprasselnden Schläge. Ich glaube, in diesem Augenblick gab es keinen von uns, der Jankel Meisel nicht hasste, den kleinen alten Juden, der alles verdarb, allen nichts als Ärger machte mit seinem langen, einsamen, vergeblichen Prozess."

Himmler bekommt von dem Vorfall nichts mit. Für das nächste Mal bereitet man eine Fließbandermordung vor. Ein eigens angeforderter Sondertransport von 3000 polnischen Juden führt direkt in die schalldichten Kammern. Alles ist bereit, aber Himmler ist noch beim Frühstück und kommt erst zwei Stunden später, um dann der Vergasung beeindruckt beizuwohnen. Als der Rauch über den Schornsteinen dichter wird, verabschiedet er sich. "Ein Uhr. Zeit fürs Mittagessen". Vrba beschreibt das alles aus kühler Distanz, auch als er berichtet, dass Knochen und Asche der Ermordeten zu "erstklassigem Dünger" verarbeitet wurden. Der Autor schildert aus eigenem Erleben das System der Vernichtung, das Hannah Arendt lange vor "Eichmann in Jerusalem" in einem luziden Aufsatz als "Organisierte Schuld" beschrieben hatte. Um nicht im Kollektiven den Boden der konkreten Schuldzuweisung zu verlieren, bindet Vrba das Böse zurück an die Person: "Der Böse geht so gerissen vor, dass nur wenige die Wahrheit erahnen." Vrbas neu übersetzter Bericht kreist um die Erfahrungen der Opfer. Es ist zu hoffen, dass das Buch in diesem zweiten Anlauf mehr Leser finden wird als zur Zeit seines erstmaligen Erscheinens.

FRIEDERIKE REENTS

Rudolf Vrba:

"Ich kann nicht vergeben". Meine Flucht aus

Auschwitz.

Aus dem Englischen von Sigrid Ruschmeier u. Brigitte Walitzek. Mit einem Vorwort v. Beate Klarsfeld. Hg. u. mit einem Nachwort v. Dagi Knellessen u. Werner Renz. Schöffling & Co, Frankfurt am Main 2010. 528 S., Abb., geb., 28,- [Euro].

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