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Keynes - aktueller denn je
John Maynard Keynes (1883-46) war der bedeutendste, aber auch der umstrittenste Ökonom des 20. Jahrhunderts. Lange Zeit galten seine Lehren als veraltet, obwohl er schon früh die eminente Bedeutung der Finanzmärkte für die Wirtschaft erkannt hatte. In der aktuellen Krise wird seine wichtigste These, wonach Marktwirtschaften gelegentlich stabilisierender Staatseingriffe benötigen, von Politikern und Ökonomen wieder begierig aufgenommen. Keynes war aber nicht nur Ökonom, er war auch Meisterspekulant an der Börse, Kunstfreund und -förderer, Politikberater,…mehr

Produktbeschreibung
Keynes - aktueller denn je

John Maynard Keynes (1883-46) war der bedeutendste, aber auch der umstrittenste Ökonom des 20. Jahrhunderts. Lange Zeit galten seine Lehren als veraltet, obwohl er schon früh die eminente Bedeutung der Finanzmärkte für die Wirtschaft erkannt hatte.
In der aktuellen Krise wird seine wichtigste These, wonach Marktwirtschaften gelegentlich stabilisierender Staatseingriffe benötigen, von Politikern und Ökonomen wieder begierig aufgenommen. Keynes war aber nicht nur Ökonom, er war auch Meisterspekulant an der Börse, Kunstfreund und -förderer, Politikberater, Vermögensverwalter, Gemälde- und Büchersammler, Journalist und Essayist. 'Keynes für Einsteiger' schildert das faszinierende Leben und die wieder modern gewordenen Lehren eines außergewöhnlichen Mannes. Keynes, gut und kurzweilig erklärt
Mehr als eine Biographie über einen der spannendsten Ökonomen
Für alle, die mitreden können möchten
  • Produktdetails
  • Frankfurter Allgemeine Buch
  • Verlag: Frankfurter Allgemeine Buch
  • 2. Aufl.
  • Seitenzahl: 262
  • Erscheinungstermin: September 2009
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 134mm x 20mm
  • Gewicht: 334g
  • ISBN-13: 9783899812039
  • ISBN-10: 3899812034
  • Artikelnr.: 26372007
Autorenporträt
Gerald Braunberger ist Verantwortlicher Redakteur für den Finanzmarkt bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Rezensionen
Besprechung von 14.01.2010
Ein Währungssystem für eine multipolare Welt

Nicolas Sarkozy und die Chinesen wollen ein Weltwährungssystem, das nicht eine einzige Währung wie der Dollar dominiert. Diesen Plan verfolgte vor fast 70 Jahren auch John Maynard Keynes, aber er konnte sich nicht durchsetzen. Über das ungewöhnliche Leben, das Werk und die eminente Wirkung des berühmten britischen Ökonomen informiert ein neues Buch von Gerald Braunberger.

FRANKFURT, 13. Januar. Wie er sich ein Weltwährungssystem vorstellte, fasste John Maynard Keynes in den frühen vierziger Jahren für seinen britischen Kollegen und Schüler James Meade einprägsam zusammen. "Mein Utopia", begann Keynes seine Notiz, "a) Verbot aller Zölle. b) Unbeschränkte Austauschbarkeit (,Konvertibilität') aller Währungen. c) Verpflichtende quantitative Beschränkungen für jedes Land mit Zahlungsbilanzungleichgewichten, damit es dem Schutzmann nicht davonrennen kann."

Noch während des Zweiten Weltkriegs hatten Briten und Amerikaner Verhandlungen über ein Währungssystem für die Nachkriegszeit begonnen, denn die chaotischen Verhältnisse in den Jahren zwischen den Weltkriegen verlangten aus ihrer Sicht klarere Verhältnisse in der Zukunft. Dabei würde das Gold eine Art Nebenrolle spielen, denn eine Rückkehr zum alten Goldstandard ("Goldwährung") hielt man in beiden Ländern für untauglich; Keynes hatte den Goldstandard gar als "barbarisches Relikt" gekennzeichnet.

Allerdings gingen die Interessen der beiden Länder weit auseinander. Die Vereinigten Staaten würden der größte wirtschaftliche Gewinner des Krieges und unangefochtene Führungsmacht des Westens sein, deren Exportindustrie vom Wiederaufbau Europas profitieren würde. Die Amerikaner befürworteten daher ein auf dem (mit Gold unterlegten) Dollar beruhendes Währungssystem, ein möglichst geringes Gewicht internationaler Organisationen sowie freien Kapitalverkehr.

Die Briten waren in einer völlig anderen Lage. Selbst als Siegermacht gegenüber Deutschland würden sie den Krieg wirtschaftlich geschwächt und verschuldet gegenüber den Vereinigten Staaten überstehen. Der Dollar hatte das Pfund endgültig als Weltwährung abgelöst, New York war an London als Finanzzentrum vorbeigezogen. Die Briten wollten ein auf den Dollar gestütztes Währungssystem durch die Gründung einflussreicher multinationaler Institutionen so weit wie möglich unterlaufen, und zumindest in der ersten Nachkriegszeit glaubten sie angesichts ihrer Schwäche nicht auf Kapitalverkehrskontrollen verzichten zu können. Das ähnelt den aktuellen Vorstellungen Chinas.

Mister Keynes entwirft einen Plan

Die britische Konzeption wurde wesentlich von John Maynard Keynes ausgearbeitet, auch wenn sie später noch Änderungen erfuhr. Der Brite glaubte keinen Moment, dass sich sein Land in den Gesprächen mit den weitaus mächtigeren Amerikanern durchsetzen würde, und so verstand er seinen Entwurf als ein Ideal und als utopisch in dem Sinne, "dass er einen höheren Grad an Verständnis, Geist mutiger Innovation und von internationaler Kooperation und Vertrauen voraussetzt, als man sicher oder vernünftigerweise annehmen kann".

Keynes' Vorschlag beruhte, wie praktisch sein gesamtes Werk, auf einem liberalen Fundament mit einer Prise staatlichen Managements. Der Welthandel sollte dereguliert und auch die Währungen sollten frei von Beschränkungen ("konvertibel") sein. Jedoch hielt Keynes im Geiste seiner Zeit wenig von völlig flexiblen Wechselkursen. Er favorisierte prinzipiell feste Wechselkurse, die allerdings bei wirtschaftlicher Notwendigkeit verändert werden konnten. Diese Sicht entspricht heute zwar nicht mehr der überwiegenden Auffassung in der westlichen Welt, während Schwellenländer wie China gegenüber prinzipiell festen Wechselkursen sehr viel offener entgegenstehen. Insofern könnte das Modell von Keynes in den kommenden Jahren durchaus noch einmal durch Initiative von Schwellenländern auf der Tagesordnung landen.

In diesem Modell unterhalten die nationalen Notenbanken Konten bei einer Internationalen Abwicklungsbank ("International Clearing Bank", ICB). Die Konten der nationalen Notenbanken würden in einer internationalen künstlichen Währung, dem Bancor, geführt werden. Diese Konstruktion erinnert an den heutigen Internationalen Währungsfonds (IWF) und sein Kunstgeld, die Sonderziehungsrechte, aber es existieren Unterschiede. Die Sonderziehungsrechte bestehen aus einem Währungskorb, in dem der Dollar eine dominierende Rolle spielt. Die Chinesen haben mit dem Gedanken an eine Unterlegung durch einen Warenkorb gespielt, was ein wenig an Keynes erinnert, der seinen Bancor mit etwas Gold unterlegen wollte. Das Gold hätte in diesem Modell aber keine zentrale Rolle gespielt.

In diesem Modell werden Leistungsbilanzsalden der Staaten über die Konten der Notenbanken bei der ICB abgewickelt. Ein Leistungsbilanzüberschuss äußert sich in einem Guthaben der Notenbank, ein Leistungsbilanzdefizit in einer Belastung des Kontos. Es lag in Keynes' Absicht, die Bildung großer Leistungsbilanzsalden zu verhindern, die er nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus politischen Gründen ablehnte, da sie ernsthafte Spannungen zwischen Nationen hervorrufen könnten.

Situationen wie die aktuelle, in der die Vereinigten Staaten seit Jahren exorbitante Leistungsbilanzdefizite ausweisen, während China seit Jahren als Folge hoher Leistungsbilanzüberschüsse gewaltige Währungsreserven akkumuliert, wären in Keynes' Modell unmöglich gewesen. Es gibt bekannte Ökonomen, die in diesen erheblichen Ungleichgewichten in der Leistungsbilanz eine Ursache (neben anderen) der aktuellen Krise sehen. Um derartige Exzesse zu vermeiden, hatte Keynes einen Sanktionsmechanismus vorgesehen. Jedem Land wird eine Quote zugeteilt, die sich aus den Umsätzen im Außenhandel der vergangenen Jahre berechnet. Diese Quote ist der Höchstbetrag, um den die Notenbank eines Landes im Falle eines Leistungsbilanzdefizits ihr Konto bei der ICB überziehen darf. Umgekehrt darf kein Überschussland ein Guthaben auf seinem Konto führen, das seine Quote übertrifft. Eventuelle zusätzliche Guthaben muss die Notenbank an die ICB abführen. Damit keiner dieser Extremfälle eintritt, hatte Keynes Beschränkungen eingebaut. So soll ein Land, das Defizite aufbaut, ab einer bestimmten Höhe einen Zinsaufschlag auf den Kredit zahlen. Im Gegenzug darf es seine Währung um maximal 5 Prozent abwerten, um seine Exportchancen zu verbessern. Tritt keine Besserung ein, kann man das Land zu weiteren Abwertungen zwingen. Falls gar nichts mehr hilft, muss ein Land das Währungssystem verlassen.

Eine wichtige Eigenart des Modells besteht darin, dass Keynes auch Sanktionen für Länder mit Leistungsbilanzüberschüssen vorsah, die von Aufwertungen ihrer Währungen bis zur Zahlung von Strafzinsen auf Guthaben bei der ICB reichten. Keynes hatte sich schon früh dafür ausgesprochen, die Lasten außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte nicht allein die Defizitländer tragen zu lassen. Dieser Plan soll vor allem verhindern, dass, wie die Amerikaner in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, Länder Überschüsse im Außenhandel erzielen, diesen aber nicht den Defizitländern zur Verfügung stellen, sondern in Form von Goldbarren in Fort Knox in der Erde versenken. In Keynes' Modell erhalten die Defizitländer im Rahmen ihrer Quoten Zugriff auf die von den Überschussländern bei der ICB angelegten Guthaben.

"Das prinzipielle Ziel lässt sich in einem Satz erklären", erläuterte der zum Lord geadelte Keynes im britischen Oberhaus. "Dafür zu sorgen, dass Geld, das man durch den Verkauf von Gütern in einem Land erhält, dafür ausgegeben werden kann, Produkte eines anderen Landes zu kaufen. Alles andere in dem Plan ist dem gegenüber untergeordnet."

Keynes war selbst an führender Stelle in die Verhandlungen zwischen London und Washington eingebunden und sah dort seine anfängliche Vermutung einer amerikanischen Dominanz bestätigt. Das aus den Verhandlungen entstandene Währungssystem von Bretton Woods entsprach eher den amerikanischen als den britischen Vorstellungen. Das Währungssystem von Bretton Woods wurde ein Dollarstandard, dessen Golddeckung keine wesentliche Rolle spielte. Einen Bancor hat es nie gegeben; das System wurde, solange es existierte, von den Amerikanern dominiert. Sie richteten es auch zugrunde, indem sie seit den sechziger Jahren immer offener eine Inflationspolitik betrieben, die den Dollar als Anker des Währungssystems entwertete. Anfang der siebziger Jahre brach Bretton Woods zusammen.

Keynes wäre über eine solche Nachricht kaum erstaunt gewesen, weil er den Amerikanern von vornherein nicht zugetraut hatte, die Führungsrolle verantwortungsbewusst wahrzunehmen. "Die Amerikaner haben keine Vorstellung von internationaler Kooperation", schrieb er seinem Lieblingsschüler Richard Kahn in den vierziger Jahren. "Da sie die stärksten Partner sind, glauben sie, sie haben das Recht, in allen Punkten den Ton anzugeben. Wenn sie die Musik kennten, wäre das nicht so schlimm, aber leider haben sie keine Ahnung von der Musik."

Die Rolle der Ordnungspolitik

Keynes galt vielen Gegnern als ein gewissenloser Geselle, der sich nur für die kurzfristigen Folgen von Politik interessiert habe. Sein Werk steht im Widerspruch zu diesen Behauptungen. Keynes' jahrzehntelange Beschäftigung mit Währungssystemen belegt, dass langfristige Ordnungsfragen für ihn von Bedeutung waren. Ob sein Modell besser funktioniert hätte als das von den Amerikanern propagierte System von Bretton Woods, ist schwer einschätzbar.

Gerade die Erfahrung mit Bretton Woods lehrt auch die Probleme mit weltumspannenden Systemen fester Wechselkurse. Das heißt aber nicht, dass Debatten über die Währungsverhältnisse in der Welt obsolet geworden sind. Gerade selbstbewusste Schwellenländer wie China werden sie auch künftig führen wollen.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 31.10.2009
Pragmatisch und lernbereit
Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat einem Ökonomen zu neuer Beachtung verholfen, der lange Zeit als widerlegt galt: John Maynard Keynes, 1883 in Cambridge geboren, in einem bildungsbürgerlichen Milieu aufgewachsen, erfolgreich als Publizist und Politikberater, Autor wirtschaftswissenschaftlicher Standardwerke, 1942 zum Lord geadelt, 1946 verstorben – eine enorm vielseitige Persönlichkeit. Gerald Braunberger, Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, hat ihm eine unterhaltsam geschriebene, gleichwohl anspruchsvolle Biographie gewidmet.
Die erste Hälfte des Buches nutzt Braunberger dazu, Leben und Überzeugungen dieses Ökonomen darzustellen. Er geht dabei dankenswerterweise nicht strikt chronologisch vor, sondern skizziert zunächst das „Leben eines Solitärs”, stets geschickt verknüpft mit dessen publizistisch-wissenschaftlichem Wirken. Er schildert Keynes als einen „in seiner insularen Heimat fest verankerten Mann”, ausgestattet mit einer gehörigen Portion Arroganz insbesondere gegenüber den „unkultivierten Amerikanern”. Der einträglicheren Tätigkeit als Publizist opferte Keynes die akademische Karriere. Mehrere Angebote angesehener englischer Universitäten lehnte er mit der Begründung ab, eine ordentliche Professur „könne er sich finanziell nicht leisten”. Eine wichtige Rolle spielte er auch als unbezahlter Berater und Unterhändler der britischen Regierung, insbesondere bei den bilateralen Verhandlungen über US-Kredite während des Zweiten Weltkriegs und bei den internationalen Verhandlungen über die künftige Weltfinanzarchitektur in Bretton Woods.
Braunberger skizziert aber auch den eher „privaten” Keynes, dessen Interesse an Gemälden und Büchern, seinen aus Künstlern, Schriftstellern und Kritikern bestehenden Freundeskreis und seine Aktivitäten als Mäzen. Schließlich erwähnt er auch Keynes’ durch Höhen und Tiefen gekennzeichnete, am Ende aber überaus erfolgreiche Bemühungen um die Mehrung des privaten Vermögens: Bei seinem Tod betrug dieses überwiegend aus Kapitalanlagen stammende Vermögen umgerechnet rund 22 Millionen Euro. Keynes’ Anlagestrategie beruhte übrigens auf der Überzeugung, „dass die richtige Form der Kapitalanlage darin besteht, recht große Beträge in Unternehmen zu investieren, von denen man denkt, etwas zu verstehen, und deren Management man vollständig vertraut”.
Im zweiten Teil setzt sich Braunberger kritisch, aber wohlwollend mit dem wissenschaftlichen Werk auseinander. Den größten Raum beansprucht das einflussreiche Hauptwerk, die „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes”. Keynes artikulierte seine Zweifel an den „Selbstheilungskräften des Marktes” und unterstrich die Bedeutung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. „Kein kompaktes, in sich geschlossenes Werk”, das deshalb unterschiedliche, teilweise gegensätzliche Schlüsse zulasse, urteilt Braunberger im Einklang mit dem Mainstream der Keynesforschung. Angesprochen werden auch Keynes’ Ansichten zu Finanzpolitik und Inflationsproblematik. Es folgt die Wirkungsgeschichte, mit einem Abschnitt über die Rezeption und Anwendung der Lehren Keynes’ in Deutschland.
Was hat uns Keynes heute noch zu sagen? Braunberger betont den lernbereiten Pragmatismus dieses Jahrhundertökonomen, sein Wissen um den Zweck der Ökonomik, „das Leben der Menschen zu verbessern”, seine Bejahung geld- und finanzpolitischer Eingriffe des Staates in Zeiten schwerer Krisen, seine Skepsis gegenüber makroökonomischer „Modellschreinerei” und schließlich seinen Optimismus. Werner Bührer
Gerald Braunberger: Keynes für jedermann. Die Renaissance des Krisenökonomen.
Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt 2009. 264 Seiten. 17,90 Euro.
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