Schlafes Bruder
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Bewertung von Don Alegre -pfiats eich - aus Bayern

...ein anspruchsvoller Choral ...ein anspruchsvolles Thema. Es wurde von Robert Schneiders gelöst, sei es das Buch oder sei es der Film ...kein einfaches Vorhaben, beides zu …


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2 Kundenbewertungen

Elias ist ein musikalisches Genie. Aber zu Beginn des 19.Jahrhunderts gibt es in dem abgelegenen Alpendorf Eschberg dafür wenig Bedarf, und Elias wächst als Außenseiter heran. Später verliebt er sich unsterblich in die Schwester seines besten Freundes Peter, was Peter, der Elias abgöttisch verehrt, dazu veranlasst, vor Eifersucht das Dorf in Brand zu stecken. Bald darauf erlebt Elias im Dom zu Feldberg doch noch seinen künstlerischen Triumph - doch da hat er bereits mit seinem Leben abgeschlossen.
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DVD-Ausstattung / Bonusmaterial: - Kinotrailer - Kapitel- / Szenenanwahl -
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Produktbeschreibung
Elias ist ein musikalisches Genie. Aber zu Beginn des 19.Jahrhunderts gibt es in dem abgelegenen Alpendorf Eschberg dafür wenig Bedarf, und Elias wächst als Außenseiter heran. Später verliebt er sich unsterblich in die Schwester seines besten Freundes Peter, was Peter, der Elias abgöttisch verehrt, dazu veranlasst, vor Eifersucht das Dorf in Brand zu stecken. Bald darauf erlebt Elias im Dom zu Feldberg doch noch seinen künstlerischen Triumph - doch da hat er bereits mit seinem Leben abgeschlossen.

Bonusmaterial

DVD-Ausstattung / Bonusmaterial: - Kinotrailer - Kapitel- / Szenenanwahl - Fotogalerie - Schlafes Bruder – Die Entstehungsgeschichte eines außergewöhnlichen Films
  • Produktdetails
  • Hersteller: ARTHAUS
  • Gesamtlaufzeit: 127 Min.
  • Erscheinungstermin: 03.05.2004
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß §14 JuSchG
  • Sprachen: Deutsch
  • Untertitel: Deutsch
  • Regionalcode: 2
  • Bildformat: 16:9 (anamorph codiert), PAL
  • Tonformat: Deutsch DD 5.1
  • EAN: 4006680030760
  • Artikelnr.: 12663223
Autorenporträt
Robert Schneider, geboren 1961, lebt in Meschach, einem Bergdorf in Vorarlberg. Für seinen Debütroman (1992) erhielt er zahlreiche in- und ausländische Preise.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 05.10.1995

Komm, o Tod, und führe mich nur fort
Unheilige Liturgie: Joseph Vilsmaiers Film "Schlafes Bruder" nach dem Roman von Robert Schneider

Der Anstieg in das Hochtal ist äußerst beschwerlich. Die Luft, drückend vom Regen, preßt auf die Lungen. Gesteinsbrocken und reißende Wasser schieben sich der Hebamme in den Weg, die sich mürrisch bergan kämpft und nicht nur an ihrem Gewand mit unzähligen Lagen Tuch und ihren Utensilien in der einen Hand zu schleppen hat, sondern auch noch an ihrem weit ausragenden Schirm in der anderen.

Gleich die erste Szene von Joseph Vilsmaiers Film "Schlafes Bruder", die den Betrachter wie magisch in den archaisch anmutenden Mikrokosmos dieses Zeugnisses aus fremder Zeit zieht, ist ein Synonym für die außerordentlichen und im deutschen Kino rar gewordenen Anstrengungen, mit denen dem Bestsellerroman Robert Schneiders seine visuellen Entsprechungen geschaffen werden sollten. Das Geworfensein des Menschen unters Joch eines Schicksals, das nur Elend und Leiden kennt, ist das zentrale Motiv des Buchs, das bei seinem Erscheinen im Herbst 1992 von der literarischen Kritik als unfromme Heiligenlegende und höhnisches Andachtswerk klassifiziert wurde, "geschrieben im Geist skeptischer Aufklärung und durchwirkt von heißer Leidenschaft", ein Raunen und Beschwören aus längst vergangenen Tagen.

Der künstlichen, in die Phantasie des Lesers konstruierten Welt des Romans muß der Film die pure Anschauung entgegensetzen, und um die nicht ins Mystische verdämmern zu lassen, hat der bayerische Regisseur, Kameramann und Produzent Vilsmaier sich für strenge Authentizität innerhalb des Fiktiven entschieden. Also Vorarlberg zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, die grenzenlos enge Welt der Abgeschiedenheit eines Weilers namens Eschberg, wo inmitten von Mongoloiden, zwecks Lausabwehr geschorenen Buben und Inzüchtigen der von der Dorfgemeinschaft als Sonderling gemiedene Elias aufwächst und wegen seiner unerhörten musikalischen Begabung zum Objekt von Neid, Mißgunst, Spott wird. Die Schinderei in Dreck und Kälte, die Vilsmaier seinen Schauspielern zumutete, hat sich gelohnt: Physische und psychische Verstümmelung der Eschberger sind unmittelbar nachzuempfinden, die in den Hauptfiguren aufscheinende Apotheose der Trias Tod, Liebe und Kunst wird schlüssig aus urmenschlichem Geschehen begründet. Aufgestauter Haß entlädt sich gegen Unschuldige, Unbegreifliches wird verteufelt, Andersartiges als Widersetzlichkeit verstanden. Der szenische Reichtum der Details ist immens, die Natur in ihrer Abbildung den Menschen ein Widerpart. Die Emphase von Vilsmaiers "Stalingrad" trifft sich mit der hingebungsvollen Beobachtung seiner "Herbstmilch".

"Das ist die Geschichte des Musikers Johannes Elias Alder, der zweiundzwanzigjährig sein Leben zu Tode brachte, nachdem er beschlossen hatte, nicht mehr zu schlafen": Wie gleich im ersten Satz des Romans das gespaltene Leitmotiv anklingt, so faltet auch der Film, zu dem Robert Schneider selbst das Drehbuch schreiben durfte, das Versagen des Lebens vor der Kunst und das der Kunst vor dem Leben auf. Die Eschberger erkennen das Genie ihres Elias, können ihn aber nicht davor bewahren, gerade an seiner phänomenalen Musikalität zugrunde zu gehen. Und seine Liebe zur Musik, die sich im Rausch an der Orgel austobt, macht ihn sprachunfähig bei seinen Empfindungen gegenüber der Nachbarstochter Elsbeth. Es ist eine rührende Verstocktheit, die ihm die Zunge lähmt, und Vilsmaier findet dafür ein ebenso schlichtes wie schlagendes Bild: wenn Elias, für einen halben Tag mit Elsbeth in der Stadt Feldberg im Tal unterwegs, seiner Angebeteten heimlich eine Spieluhr kauft, sich dann aber außerstande zeigt, sie ihr tatsächlich zu schenken. So versäumt er diese ganze große Liebe. In einer Parallelmontage erlebt der Autodidakt Elias seine erste Offenbarung an der Orgel - die karge Kirche des Weilers scheint sich zur Kathedrale zu weiten -, während Elsbeth, ohne Hoffnung mehr auf Elias, sich in einer Scheune dem Bauernlümmel hingibt, dem sie von den Eltern vor langem zur Hochzeit versprochen worden war.

In das Tosen der Klangwetter und Klangwüsten, die der Roman beschwört und der Film, nicht zuletzt dank der Bach-Kantate "Kömm, o Tod, du Schlafes Bruder", grandios einlöst, bricht, verstörend für Elias, der Herzschlag Elsbeths und ihres Liebesspiels, das eher einer Vergewaltigung gleicht. Schon einmal hatte sich dieses elementare Hörwunder ereignet, als der heranwachsende Bub seine musikalische Initiation erfuhr und das Tönen des Universums sich in seiner Ohrmuschel konzentrierte: im Summen des Bluts, im Fallen eines Blatts, im Dröhnen der Gedanken, im Schall der Sonne, im Wehschrei aller Kreatur - und als Wurzel der Liebe im Herzschlag eines noch ungeborenen Kindes, Elsbeths.

Die heikle Szene meistert der Film mit Anstand und dem Geschick der Komponisten Norbert J. Schneider und Hubert von Goisern sowie dem der auf einem Dutzend Tonspuren voller nie gekannter Geräusche hexenden Techniker. In seiner Annäherung an die Kakophonie, ohne ihr zu erliegen, leistet der Film im ursprünglichen Wortsinn Unerhörtes. Der psychologische Schlüssel zum Verständnis aber verbirgt sich mehr noch als in der unerfüllten Sehnsucht von Elias und Elsbeth nach Gemeinsamkeit in der homoerotisch gefärbten Spielart einer unmöglichen Liebe. Denn stärker als die junge Frau ist Elsbeths Bruder Peter dem Elias verfallen, dessen Genie er unbedingt zu fördern und zugleich um des eigenen Vorteils willen zu hemmen sucht. Für ihn macht Peter sich zum Brandstifter und indirekt zum Mörder, als die Dorfwut einen Schuldigen sucht und ihn im Köhler Michel gefunden zu haben glaubt, der mit Reisig auf einem Karren festgezurrt und lebendigen Leibs verbrannt wird.

Vilsmaiers Zugriff auf den Stoff und die Bravour der Effekte sind eine Wucht, sein Vermögen ist bemerkenswert, die Staffage der Laiendarsteller, wobei vornehmlich der undenunziatorische Umgang mit den Mongoloiden besticht, über den Rang der Statisterie hinauszuheben und mit den bis in die winzigsten Nebenrollen exzellenten Schauspielern zu einem großen Ensemble zu verschmelzen. André Eisermann glüht nach seinem Kaspar Hauser zum zweitenmal geradezu als Außenseiter, Dana Vávrová ist als Elsbeth nicht nur Getriebene, sondern mindestens so sehr hilflos Treibende, und Ben Beckers Feuer brennt dem Rotschopf Peter eine Intensität ein, die ihn - darin dem Roman unterschieden - insgeheim zur Hauptfigur macht.

"Schlafes Bruder", fremd und ergreifend im Kino, gleicht einer unfrommen Liturgie, die bannt, aber auch auf Distanz hält. Vilsmaier hat das Geschehen vollkommen der fernen Zeit überantwortet. Die Analogien ins Heute sind alleine dem Zuschauer aufgetragen. HANS-DIETER SEIDEL

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