François Truffaut Collection 2
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"Sie küssten und sie schlugen ihn": Der 13-jährige Antoine Doinel schwänzt die Schule, hält sich mit Diebstählen über Wasser und landet im Erziehungsheim. "Geraubte Küsse": Als 24-Jähriger schwankt Antoine zwischen verschiedenen Jobs und zwei Frauen - und entscheidet sich für seine Langzeitfreundin Christine. "Tisch und Bett": Die ersten, nicht immer einfachen Ehejahre von Antoine und Christine. "Liebe auf der Flucht": Der mittlerweile von Christine geschiedene Antoine trifft auf seine Jugendliebe Colette und erinnert sich an alte Zeiten. "Schießen Sie auf den Pianisten": Barpianist Charlie…mehr

Produktbeschreibung
"Sie küssten und sie schlugen ihn": Der 13-jährige Antoine Doinel schwänzt die Schule, hält sich mit Diebstählen über Wasser und landet im Erziehungsheim. "Geraubte Küsse": Als 24-Jähriger schwankt Antoine zwischen verschiedenen Jobs und zwei Frauen - und entscheidet sich für seine Langzeitfreundin Christine. "Tisch und Bett": Die ersten, nicht immer einfachen Ehejahre von Antoine und Christine. "Liebe auf der Flucht": Der mittlerweile von Christine geschiedene Antoine trifft auf seine Jugendliebe Colette und erinnert sich an alte Zeiten. "Schießen Sie auf den Pianisten": Barpianist Charlie wird durch seinen Bruder Chico in eine Auseinandersetzung mit einer Gangsterbande verwickelt.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag

Bonusmaterial

DVD-Ausstattung / Bonusmaterial: - Kapitel- / Szenenanwahl
  • Produktdetails
  • EAN: 4010324015273
  • Best.Nr.: 15131451
  • Artikeltyp: Film
  • Anzahl: 4
  • Datenträger: DVD
  • Erscheinungstermin: 25.09.2005
  • Hersteller: EuroVideo
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß §14 JuSchG
  • Sprachen: Deutsch, Französisch
  • Untertitel: Deutsch
  • Regionalcode: 2
  • Bildformat: Diverse
  • Tonformat: Dolby Digital 1.0
  • Gesamtlaufzeit: 442 Min.
Rezensionen
Besprechung von 18.01.2000
Der Lebenskünstler, wie er liebt und flieht
François Truffauts "L'Amour en fuite" in der Kulturfabrik

1978 beschließt François Truffaut den fünfteiligen Zyklus der Antoine-Doinel-Filme. Zwanzig Jahre nach "Sie küßten und sie schlugen ihn" flunkert Antoine Doinel (gespielt von Jean-Pierre Léaud), inzwischen Schriftsteller, noch immer so liebenswert, und noch immer ist er auf der Flucht. Ein normaler Mann würde ein paar Hemden und sein Rasierzeug bei ihr deponieren, befindet seine Geliebte Sabine, statt morgens vor dem Frühstück nach Hause zu eilen. Auch ein normaler Mann habe eben seine lieben Gewohnheiten, erwidert Antoine. "Gewohnheiten oder Manien?" fragt sie sehr zart und sehr bestimmt zurück. Zu Hause hat sich Antoine eben eingeseift, da ist Christine am Telefon: Ob er etwa ihren Scheidungstermin vergessen habe? Außer Atem und unrasiert rast Antoine davon.

Wenig später führt François Truffaut die nächste Schöne in den Liebesreigen ein. In einer komisch-tragischen Schlafwagenszene entfaltet er die dritte Facette des Liebes- und Lebensdilemmas seines Helden. Die Hommage an die berühmte Schlafwagenepisode zwischen Eva Marie Saint und Cary Grant in Hitchcocks "Der unsichtbare Dritte" gerät Antoine allerdings zu einem Fiasko. Aus der viel versprechenden Situation - seine Jugendliebe Colette versteckt ihn nur zu bereitwillig vor den Kontrolleuren in ihrem Abteil - entwickelt sich eine bitter-komische Abrechnung Colettes mit ihrem Verehrer. Nicht nur die historischen Ungenauigkeiten seines autobiographischen Romans "Les salades de l'amour" wirft sie ihm vor. Zwar sei das Buch gut geschrieben, aber ein wirklicher Schriftsteller werde er erst dann, wenn er seine Geschichten erfinde.

Die mit Ernst und Leidenschaft vorgetragene Rechtfertigung, sein neues Buch sei ja erfunden, bringt Antoine erst recht in Schwierigkeiten. Von der Geschichte eines Mannes, der das zerrissene Porträt einer Frau findet und sich augenblicklich in die schöne Unbekannte verliebt, ist Colette zunächst fasziniert. Auch dass der Mann die abgebildete Frau schließlich findet und ihre Liebe gewinnt, hört sie wie verzaubert an. Als aber Antoine seine Ratlosigkeit über den weiteren Verlauf der Geschichte eingesteht, entlädt sich ihr ganzer Zorn. Derselbe Egozentriker sei er geblieben.

Das Versagen der männlichen Scheherazade hat bittere Konsequenzen, Antoine bleibt nur, die Notbremse zu ziehen und - wieder einmal - zu flüchten. Von Christine geschieden, mit Colette und Sabine entzweit, ist Antoine doppelt allein: ohne Liebe und ohne Romanstoff. François Truffauts Umwandlung des "Suspense" ist in "Liebe auf der Flucht" besonders amüsant gestaltet. Früh erfährt der Zuschauer, was Antoine der Geliebten erst in letzter Filmminute gesteht: dass sie, Sabine, die Frau auf dem zerrissenen Bild ist und er, Antoine, diese Geschichte nicht erfunden hat. Nur so, mit einem Bild als Beweis, gewinnt er sie doch noch zurück. Nach all den heiter-melancholischen Rückblenden fallen die Kunst und das Leben schließlich in eins.

WIEBKE HÜSTER

Filmrauschpalast in der Kulturfabrik, Lehrter Str. 35 in Moabit, 18. und 19. Januar, 20 und 22 Uhr.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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