Die Welt der Philosophin / Antike und Mittelalter

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Ist die Welt der Philosophin eine andere als die ihrer männlichen Kollegen? Dieser Frage geht die Autorin in ihrem Werk nach. Orientierungspunkte sind Philosophinnen aus den verschiedenen Epochen, die in Porträts und Werkauszügen vorgestellt werden. Diesen vorangestellt sind epochenbezogene Überblickstexte, die die historische Situation sowie die Lebenssituation der Frauen anschaulich machen. Eine Kombination aus einführenden Texten und Auszügen aus Primärtexten bietet der Leserin oder dem Leser die Gelegenheit in die Vergangenheit einzutauchen und das Denken philosophierender Frauen in ihrem…mehr

Produktbeschreibung
Ist die Welt der Philosophin eine andere als die ihrer männlichen Kollegen? Dieser Frage geht die Autorin in ihrem Werk nach. Orientierungspunkte sind Philosophinnen aus den verschiedenen Epochen, die in Porträts und Werkauszügen vorgestellt werden. Diesen vorangestellt sind epochenbezogene Überblickstexte, die die historische Situation sowie die Lebenssituation der Frauen anschaulich machen. Eine Kombination aus einführenden Texten und Auszügen aus Primärtexten bietet der Leserin oder dem Leser die Gelegenheit in die Vergangenheit einzutauchen und das Denken philosophierender Frauen in ihrem historischen und gesellschaftlichen Zusammenhang zu sehen. Ein spannendes Lesebuch zur weiblichen Philosophiegeschichte.
  • Produktdetails
  • Philosophinnen Nr.5
  • Verlag: ein-FACH-verlag
  • Seitenzahl: 416
  • Erscheinungstermin: Januar 1995
  • Deutsch
  • Abmessung: 213mm x 149mm x 30mm
  • Gewicht: 580g
  • ISBN-13: 9783928089098
  • ISBN-10: 3928089099
  • Artikelnr.: 25276786
Rezensionen
Besprechung von 10.12.1997
Plapperkrähen unter Streitgeiern
Die Philosophin, der seltene Vogel: Ursula I. Meyer stellt Frauen vor, die denkend aneckten

Vor drei Jahren erschien erstmals ein "Philosophinnen-Lexikon" in deutscher Sprache. Von Agallis von Kerkyra bis Zetkin, Clara versammelte es Mathematikerinnen und Mystikerinnen, politische Aktivistinnen und Physikerinnen, Priesterinnen und Psychoanalytikerinnen. Das Spektrum reichte von legendenumrankten Gestalten wie Diotima, Katharina von Alexandrien und Héloise über Gralshüterinnen philosophischer Grundtexte des zwanzigsten Jahrhunderts wie G. E. M. Anscombe und Elisabeth Ströker bis zu postfeministischen Paradiesvögeln wie Julia Kristeva und Luce Irigaray.

Eine der beiden Herausgeberinnen, Ursula I. Meyer, hat bald darauf eine chronologische und mit Textauszügen angereicherte Neuordnung des Materials begonnen, von der inzwischen der dritte Teilband vorliegt. Unter der Überschrift "Aufklärung und revolutionärer Aufbruch" bietet er eine Auswahl von Texten vom Ende des siebzehnten bis zum Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Der anspruchsvolle Obertitel "Die Welt der Philosophin" erweist sich allerdings selbst dann als Etikettenschwindel, wenn man bereit ist, jenen erweiterten Philosophiebegriff, der auch dem Lexikon zugrunde lag, gelten zu lassen. Was dort als Fülle zu bewundern war, wird hier als Mangel bemerkbar. Sicher haben männliche Autoren die "Grenzen der akademischen Philosophie" oft ungebührlich eng gezogen, nur macht das noch nicht jede Frauenrechtlerin zur politischen Philosophin, schon gar nicht zu "einer der wichtigsten" - eine Auszeichnung, die zu häufig vergeben wird, um noch eine zu sein.

So hält man weniger einen philosophischen Sammelband denn ein Kompendium zur Geschichte der Frauenbewegung in Händen. Mary Wollstonecraft und Harriet Taylor Mill, Louise Otto-Peters und Hedwig Dohm fehlen in keiner Anthologie dieser Art, sie sind auch hier vertreten. Warum aber enthält, wenn es ihr tatsächlich um die Präsentation bisher ungehobener Schätze weiblicher Denkanstrengung zu tun ist, uns die Herausgeberin Mary Astells Locke-Kritik oder Catherine Macaulays Bemerkungen zu Hobbes vor? Oder einen der Briefe, die Sophie Charlotte von Preußen an Leibniz schrieb? Auch von Damaris Cudworth Marsham und Catherine Trotter Cockburn hätte man gerne mehr gelesen als wiederholt ihre wohlklingenden Namen.

Über die Auswahl läßt sich streiten, unbestreitbar schlecht sind die "epochenbezogenen Überblicke" zur europäischen Geschichte, Gesellschaftsentwicklung und Philosophie, die Meyer ihrer Textauswahl voranstellt. Während die Einführungen zur Situation der Frau im betreffenden Zeitraum und die biographischen Porträts der einzelnen Autorinnen - letztere teilweise textidentisch mit den Lexikonbeiträgen - zumindest informativ sind, unterbieten die allgemeinhistorischen Einleitungen an Ausführlichkeit den dtv-Atlas zur Weltgeschichte. Wessen Schulbildung nicht ausreicht, muß ihn bei der Lektüre ohnehin danebenlegen, denn bei Frau Meyer verliert schon mal ein König eine Ziffer aus seiner Herrscherzählung, ein anderer fünf Monate zu spät seinen Kopf. Die Misere mangelnder Präzision setzt sich im Philosophischen fort. Grob vereinfachende Kurzreferate zu bedeutenden Philosophen sind nicht nur ärgerlich, sondern auch überflüssig, wenn die großen Denker ohne erkennbare Bedeutung für die Gedankenwelt der Autorinnen waren. "Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?" Dieses "Bonmot des Höchsten Gesetzgebers" auf der Hochzeit zu Kana formulierte Olympe de Gouges zu einer Frage um, die sie den Gesetzgebern des revolutionären Frankreich in den Mund legt: "Frauen, was gibt es Gemeinsames zwischen uns und euch?" Die Antwort ist dem gleichheitsgläubigen Zeitalter der Verfasserin gemäß: "Alles." Gemeinsam sind den schreibenden Frauen und ihren männlichen Gegnern oder Mitstreitern - das läßt sich anhand der Texte über zwei Jahrhunderte hinweg verfolgen - die Argumentationsstrategien.

Amalie Holst führt vor, wie sich mit Bibelzitaten trefflich für das Recht der Frauen auf Bildung streiten läßt. Einem weiblichen Lesepublikum versucht Mary Astell die Befürchtung zu nehmen, gebildete Damen seien für die Herren der Schöpfung weniger attraktiv und dem Schöpfer nicht wohlgefällig. Ihren männlichen Adressaten erläutert Dorothea Leporin Erxleben, daß "die Studia" zur Erkenntnis beitragen und den Menschen geschickt machen, anderen zu dienen - also sowohl die "ewige Glückseligkeit" befördern als auch dem zeitlichen Wohlbehagen der Ehemänner zuträglich sein können. Auf "des Nächsten Nutze" bedacht gibt sich fast jede der Autorinnen, bevor Harriet Taylor gemeinsam mit John Stuart Mill das utilitaristische Argument für die Gleichstellung der Frau zur Vollendung führt. Der Amerikanerin Elizabeth Cady Stanton hingegen, ganz dem individuellen pursuit of happiness verpflichtet, den die Gründungsurkunde ihrer Nation zum unveräußerlichen Menschenrecht erklärte, geht es nicht darum, den Nutzen der Rechte der Frauen für die (Ehe-)Gemeinschaft darzulegen. Aus der "unermeßlichen Einsamkeit des Selbst" und der "Isolation der menschlichen Seele" leitet sie die Pflicht zur Selbstverantwortung ab. Louise Otto-Peters schließlich, um die Verbesserung von "Frauenleben im Deutschen Reich" bemüht, weiß um die Schlagkräftigkeit ihres Arguments, wenn sie "in den Zeiten des Culturkampfes" darauf hinweist, daß den Frauen das Stimmrecht zu verweigern kein altehrwürdiger germanischer Brauch, sondern eine römische Unsitte ist.

Die beiden einzigen im engen Sinne philosophischen Texte des Bandes stehen isoliert zwischen den gesellschaftspolitischen Schriften, aber inmitten der philosophischen Strömungen ihrer Zeit. Mit ihrem "Grundriß einer Weltweisheit für das Frauenzimmer" (1751) verfolgt Johanna Charlotte Unzer das aufklärerische Anliegen, das gesamte damals verfügbare philosophische Wissen in einer weiblichem Laienpublikum verständlichen Weise darzustellen. Hedwig Bender versucht am Ende des neunzehnten Jahrhunderts, die Eigentümlichkeit der Philosophie gegen die empirischen Wissenschaften zu behaupten.

"Vom richtigen Gebrauch der Worte" hatte die Unzer gehandelt - und davon, "daß man reden kann, ohne zu denken". Die Damen wissen ihre Worte mit Bedacht zu setzen, ihre der herrschenden Meinung gegenläufigen Gedanken passen sie subversiv der gängigen politischen Redeform an. Wenn Olympe de Gouges "die Sturmglocke der Vernunft" gegen die Despotie des männlichen Geschlechts läutet, liefert sie ein Musterbeispiel revolutionärer Rhetorik. Und wenn Lily Braun die Frau "an der Schwelle des zwanzigsten Jahrhunderts" stehen sieht, "die Märthyrerkrone der Noth auf dem Haupt, in den Händen die Siegespalme der Arbeit", sind feministisches und sozialistisches Pathos untrennbar. Die Verfasserin der "Memoiren einer Sozialistin" bricht auch mit dem Vorurteil, daß aus der Muße Philosophie, aus dem Elend Gebet entstehe: "Die Noth lehrt denken." Noch einmal tut am Vorabend einer Revolution das weibliche Denken den Schritt vom Boudoir auf die Straße.

In der Not werden aus Frauenrechtlerinnen radikale Feministinnen. Helene Druskowitz, der radikalsten eine, ging in Schopenhauers pessimistische Schule und stand der Misogynie des Philosophen an Männerfeindlichkeit nichts nach. Obwohl sie den "Mann als logische und sittliche Unmöglichkeit und als Fluch der Welt" empfand, nahm sie von diesem Verdikt den Philosophen aus. Nur leider sei er "eine rara avis". Noch seltener sind die weiblichen Exemplare dieser Spezies. Seltene Vogelarten aber schützt man nicht, indem man ihnen alles zuordnet, was heftig mit den Flügeln schlägt. MARTINA BRETZ

Ursula I. Meyer (Hrsg.): "Die Welt der Philosophin". Dritter Teilband. Aufklärung und revolutionärer Aufbruch. ein-FACH-Verlag, Aachen 1997. 444 S., geb., 49,- DM.

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