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"Gäbe es Warschau nicht, wäre ich nicht so lange in Polen geblieben..." Steffen Möller erzählt von Europas meistunterschätzter Hauptstadt, die ihren Besucher mit offenen Armen empfängt. In der man tagsüber in Liegestühlen am Weichselstrand DJs lauschen und abends die goldene Spitze des Kulturpalastes leuchten sehen kann. Er berichtet von einer Liebesgeschichte mit Hindernissen, von Fettnäpfchen und deutsch-polnischen Missverständnissen, von Perlhuhnzüchter Tomek und seiner ersten WG mit den Philosophiestudenten Bolek. Er nimmt uns mit auf eine Zeitreise in frühere Jahrhunderte, zu einem…mehr

Produktbeschreibung
"Gäbe es Warschau nicht, wäre ich nicht so lange in Polen geblieben..." Steffen Möller erzählt von Europas meistunterschätzter Hauptstadt, die ihren Besucher mit offenen Armen empfängt. In der man tagsüber in Liegestühlen am Weichselstrand DJs lauschen und abends die goldene Spitze des Kulturpalastes leuchten sehen kann. Er berichtet von einer Liebesgeschichte mit Hindernissen, von Fettnäpfchen und deutsch-polnischen Missverständnissen, von Perlhuhnzüchter Tomek und seiner ersten WG mit den Philosophiestudenten Bolek. Er nimmt uns mit auf eine Zeitreise in frühere Jahrhunderte, zu einem Spaziergang über den verwunschenen jüdischen Friedhof und durch das ehemalige Ghetto, zeigt uns den Königspark Lazienki, die Hipsterszene am Plac Zbawiciela und die originellste Milchbar der Stadt. FrédéricChopin, Andrzej Stasiuk, der Meisterspion Ryszard Kuklinski - sie alle kommen aus Warschau. Und trotzdem leiden die meisten Menschen hier an einem äußerst sympathischen Minderwertigkeitskomplex... Ein Kniefall vor der Metropole der Polen!
  • Produktdetails
  • Verlag: Malik
  • Seitenzahl: 304
  • Erscheinungstermin: 6. März 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 215mm x 137mm x 24mm
  • Gewicht: 386g
  • ISBN-13: 9783890294599
  • ISBN-10: 3890294596
  • Artikelnr.: 41825946
Autorenporträt
Steffen Möller, Jahrgang 1969, begann nach siebenjährige Tätigkeit als Deutschlektor an der Warschauer Universität seine steile Karriere als polnisch sprechender Kabarettist: Seither moderiert Möller die polnische Version von "Wetten dass" und spielt in der beliebtesten Fernsehserie des Landes "M jak Milosc" (L wie Liebe) mit. Für seine Verdienste um das deutsch-polnische Verhältnis erhielt Möller 2005 das Bundesverdienstkreuz und 2013 wurde er mit dem "Internationalen Brückepreis" der Europastadt Görlitz/Zgorzelec ausgezeichnet. Die Auszeichnung wird an Persönlichkeiten verliehen, "die sich um die demokratische Entwicklung und die Verständigung in Europa in herausragendem Maße verdient gemacht haben".
Inhaltsangabe
1 Eine Legende am Horizont Keine Ahnung, aber voll dagegen Ein Blitzbesuch Schock auf der Plattform Mit dem Gasfuß durch die Grenzregion 2 Mein Pakt mit Warschau Einfahrt in die Unterwelt Lebensgefahr Die Horrorkonferenz 3 Von Krakau nach Warschau Ein Spätentwickler Elche auf Wanderschaft Das Schicksalsfeuer Ein echter Warschauer Die zweite Sigismundssäule Gemeinsamkeiten Unterschiede Auch Warschau hat Kultur Auch Krakau hat Nachteile 4 Durchbruch zur Integration Euphorie im Sandkasten Bolek Deutsch-polnische Missverständnisse Die besten Berliner Warschaus 5 Meister im Kombinieren Griechischer Grillfisch beim chinesisch- vietnamesischen Polen Kombinationsweltmeister J. Kaczynski Taxitherapie 6 Von Pech und Perlhühnern Klapa, klapa, klapa Perlhühner und Amway 7 Ein utopisches Experiment Der Königstrakt Die Adelsdemokratie Keine Bannmeile 8 Im Wohnungswahn Das Kaufdogma Pan Wlodek, der Immobilienhai 9 Danke für den M-Komplex Ein Städter ist ein Schimpfer Brüchiger Stolz Abrakadabra - aus Warschau wird Polen Nicht ich bin schuld - Polen ist es gewesen Kalte Maske, heißes Herz Zwei Therapieversuche Geheimtipp: Warschaus beste Milchbar Umarme die Komplexbeladenen Waschpulver made in Germany 10 Schweden und Russen in Warschau Viele Nachbarn, viele Kriege Vom Invasor zum Möbelproduzenten Waren die Sowjets wirklich schlimmer? Das russische 19. Jahrhundert Das Wunder an der Weichsel Das geheime Zusatzprotokoll Das Vitkac 11 Der Himmel über dem Pilsudski-Platz Das Herz der Stadt Das Grabmal des Unbekannten Soldaten Der Brühlsche Palast Im Reigen der Regime Kabaret Moralnego Niepokoju 12 Die Deutschen in Warschau (friedlich) Die alte deutsche Minderheit Nach 1945 Brief an eine polnische Putzfrau Franzosen sind schlauer 13 Die Deutschen in Warschau - der Zweite Weltkrieg Kein deutsches Trauma Herbst 1939 Das jüdische Ghetto Die Große Aktion Der Ghettoaufstand Der jüdische Friedhof Esperanto Das Museum für die Geschichte der Juden in Polen Jan Karski Die Aktion am Arsenal General Anders Der brave Soldat Wojtek Der Warschauer Aufstand Die Rolle der Sowjets Eine Delegation aus Sylt Das Museum für den Warschauer Aufstand Wladyslaw Szpilman Ein vergessener Galgen Der Grzybowski-Platz Jiddisch Stunde null Die Nonnen aus Darmstadt 14 Wiederaufbau Die Altstadt Bernardo Bellotto Stadtkern oder Freilichtmuseum? Geheimtipp Lichtshow Die gemütlichsten Teestuben 15 Der Koloss von Warschau Eltern in Moskau, Großeltern in New York Vom Hassobjekt zur Pop-Ikone Der Lazienki-Park 16 Frédéric Chopin Die Sonntagskonzerte Franzose oder Pole? Das Chopin-Museum Das Herz in Kognak Krystian Zimerman 17 Von Hipstern, Lemmingen und Einmachgläsern Palmen in Warschau Schluss mit direkt Die Hipsterei Der Regenbogen der Toleranz Lemminge gegen Einmachgläser Veturilo 18 Partybezirke Powisle Der Poniatówka-Strand + Geheimtipp Fähre Praga 19 Meisterspion Ryszard Kuklinski Eine Postkarte an die CIA Tote Briefkästen Die Flucht Ein polnisch-deutscher Geschichtskonflikt Bösewicht aller Reko-Gruppen 20 Museen Das Nationalmuseum Das Wissenschaftsmuseum Kopernikus Geheimtipp Planetarium 21 Jazz und Kleinkunst Der Tygmont-Klub Der ernste Piotrek 22 Warschau für Gralssucher Vier Touristentypen Geheime Sportplätze und Klöster 23 Seelenwanderung Zufällige Reiselektüre 24 Essen und Trinken Sterne-Restaurant "Amaro" Restaurant "Adler" "Klub Vega" Biomarkt unter freiem Himmel Klubrestaurant "Miedzy Nami" 25 Die Hala Mirowska Meine schöne israelische Sonnenbrille Was es in Warschau sonst noch alles nicht gibt Mein idealistisches Polenbild 26 Weichselfahrt Strom mit großer Vergangenheit Jacek, der Baumkünstler Jurek, der Anscheißer Tymek und die französischen Panzer Drei Aspirin und ein Kaffee 27 Ein Philosoph tappt in die Falle Eintrittsfreie Tage der wichtigsten Warschauer Museen
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 18.04.2015

Psst, ein
Geheimtipp
Steffen Möller erzählt von der am meisten
unterschätzten Metropole Europas. „Viva Warszawa“
weckt das, was die Polen „rajzefiber“ nennen
VON JENS BISKY
Es dürfte schwerfallen, außerhalb Warschaus einen Polen zu finden, der begeistert über diese Stadt spricht. Zur üblichen Abneigung gegen die Hauptstadt kommt der Augenschein: Schön wirkt Warschau weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick. Wer Kraków, Wrocław oder Gdańsk kennengelernt hat, mag von Warschau rasch irritiert sein. Im Oktober 2010 notierte der vielgereiste Philosoph Peter Sloterdijk nach einer Konferenz in der geschäftigen Stadt mit ihren 1,7 Millionen Einwohnern: „Du meinst, in ein altes gut katholisches Land zu reisen, und landest im grellsten Konsumismus, wo die Attraktionen dich anschreien, um die ultimate shopping experience zu bieten. In der Innenstadt plärren riesige Reklamen mit Dessous und Autos auf Plastikplanen im Format zwanzig mal zwanzig Metern vor den Häuserfassaden.“
  Abgesehen davon, dass auch dies seinen Reiz hat, unterlaufen, wie der Warschau-Kenner Steffen Möller vorrechnet, Sloterdijk einige Fehler. Wer den Katholizismus in Warschau suche, sei einfach im falschen Film, er könne auch „die Formel 1 in Karlsruhe suchen“. Außerdem reiche ein Kurzbesuch im Zentrum nicht aus, man müsse die interessanten Orte zu finden wissen. Wer sich für diese interessiert, der kann an der Seite Möllers den jüdischen Friedhof, den Hipsterstrand, einen vergessenen Galgen aus der Besatzungszeit, Einkaufsgelegenheiten wie die postsozialistisch improvisationsfreudige Hala Mirwoska oder das postsowjetische Luxuskaufhaus Vitkac kennenlernen und obendrein Konditoreien – was Torten und Krapfen betrifft, scheint Deutschland im Vergleich zu Polen ein Entwicklungsland. Nach der Lektüre der heiteren Liebeserklärung „Viva Warszawa“ glaubt man dem Autor bereitwillig: Ja, Warschau ist die am meisten unterschätzte Hauptstadt Europas. Da muss man hin, um mehr von unserer Gegenwart zu verstehen.
  Steffen Möller weiß, wovon er spricht, ist er doch 1994 nach Warschau gezogen, hat dort als Sprachlehrer gearbeitet, eine Kabarettistenlaufbahn begonnen, eine Wohnung gekauft und in der polnischen Fernsehserie „M jak Miłość“ einen deutschen Kartoffelbauern mit vielfachen Eheproblemen gespielt. In Polen kennt ihn fast jeder, hierzulande waren seine Bücher über das Leben in zwei Kulturen – „Viva Polonia“ oder „Expedition zu den Polen“ – Bestseller, auch weil er einen neuen, urbanen Ton in das deutsch-polnische Gespräch einbrachte. Er führte es aus dem Schatten des 20. Jahrhunderts hinaus, ohne die Schreckensgeschichte zu verschweigen. Die Deutsche Nationalstiftung zeichnet ihn dafür am 26. April mit dem Richard-von-Weizsäcker-Preis aus.
  Sein neues Buch profitiert davon, dass Möller stets deutsche wie polnische Leser gleichermaßen im Auge zu haben scheint. Gewiss, vieles von dem, was er aus der Geschichte der Stadt erzählt, ist in Polen Schulstoff, aber er streitet auch mit polnischen Selbstbildern, dem verbreiteten Hang, Eigenheiten unbeschadet der patriotischen Grundstimmung außergewöhnlich scharf zu kritisieren, sich unter der „Smogglocke der Unzufriedenheit“ einzurichten. Wobei Möller eben nicht streitet, agitiert, sondern unterschiedliche Positionen einnimmt und dadurch jedem das Laster madig macht, immer das letzte Wort haben zu wollen.
  Die Erkundung der Stadt beginnt mit dem unvermeidlichen, aber für ein Urteil nicht ausreichenden Blick von der Aussichtsplattform des Palastes der Kultur und Wissenschaften, der 1955 als Geschenk der Sowjetunion eingeweiht und wenig geliebt wurde. Nach 1989 gab es immer wieder Forderungen, das Monstrum abzureißen, aber es ist inzwischen Pop geworden, aus dem Zentrum Warschaus nicht mehr wegzudenken. Der Blick von oben hat wenig Erbauliches: „Das Betonmeer da unten ist nun mal beim besten Willen keine romantische Postkartenidylle, sondern das Ergebnis einer deutschen Radikalzerstörung, aus der anschließend eine Spielwiese des sozialistischen Realismus wurde.“
  Bevor das Dritte Reich mit Beistand Stalins Polen überfiel, war Warschau eine schöne Stadt. Alte Filmaufnahmen beglaubigen die Geschichte von zwei Reisenden: einem Moskauer, der nach Paris, einem Pariser, der nach Moskau wollte. Auf dem Bahnhof von Warschau wähnten sich beide am Ziel ihrer Reise. Damals wurde in der Stadt vielfach noch Jiddisch gesprochen, ein „Bindeglied zwischen den germanischen und slawischen Sprachen, ein multilinguales Amalgam“. Bis heute gibt es Spuren des Jiddischen im Polnischen: „frajda“ meint Freude oder Gaudi, „rajzefiber“ versteht sich von selbst, und „kieszeń“, die Hosentasche, leitet Möller vom hebräischen „keschene“ ab.
  Man lernt eine Menge in diesem Buch, auf Spaziergängen durch die wiederaufgebaute Altstadt, zu den Partyorten am Weichselufer oder im Stadtteil Praga, in Museen und vor Denkmälern. Die Geschichte der deutschen Besatzung, des jüdischen und polnischen Widerstands nimmt großen Raum ein. Möller beendet sie mit dem Bericht über eine Zeitungsanzeige aus dem Jahr 2014. Die evangelische Marienschwesternschaft Darmstadt bat um Vergebung für Krieg, Besatzungs- und Vernichtungspolitik. Eine Veteranin des Warschauer Aufstands, die fast neunzigjährige Wanda Traczyk-Stawska lud die Schwestern daraufhin nach Warschau ein, man sprach miteinander, umarmte sich. Szenen wie diese erklären, wie die glückliche Entgiftung des deutsch-polnischen Verhältnisses gelingen konnte.
  Mit Sympathie und Sinn für Nuancen berichtet Möller von den vielen einfachen Menschen, die er während seiner Warschauer Jahre traf, und erzählt, wie sie sich mal trickreich, mal leichtsinnig durchs Leben schlagen. Dadurch enthält sein Stadtporträt auch eine kleine Geschichte der Transformation, des Übergangs vom Sozialismus zum Kapitalismus mittels Schocktherapie. In dieser Zeit bewährte sich eine Liberalität, die ebenso zu Polen gehört wie der Katholizismus, bewährte sich eine „fatalistisch-lustige Stimmung“, wenn etwas nicht klappte, entfalteten sich Unternehmergeist und Kombinationstalent. Dass man kombinieren müsse, Verschiedenstes zusammenbringen, davon sind die Warschauer überzeugt. Daher gibt es hier mehr Hipster als andernorts, und rings um den Kulturpalast stehen neue Wolkenkratzer. Der Ton kann rau sein, aber es geht selten aggressiv verbiestert zu: „Fehler, Versäumnisse und Gedankenlosigkeiten“ werden eher toleriert.
  Die Frage, ob sein Polenbild nicht zu idealistisch sei, stellt Möller selber; Polen, die in Deutschland leben, werfen ihm ab und an Idealisierung vor. Ihm erscheint der Alltag in Deutschland „vorhersehbar und langweilig“, wogegen man im Nachbarland morgens nicht wisse, was abends passieren werde. – „Es existiert keine Planung“, erwidert ein polnischer Anwalt. Das Streitgespräch nimmt noch einige Wendungen. Es bestärkt den Verdacht, Europäer könnten derzeit in Warschau Aufregenderes erfahren als in Berlin.
Steffen Möller: Viva Warszawa. Polen für Fortgeschrittene. Piper Verlag, München/Berlin 2015. 304 Seiten, 16,99 Euro. E-Book 12,99 Euro.
In Wuppertal wuchs
Steffen Möller auf, heute lebt er
in Warschau und Berlin.
Foto: imago/STAR-MEDIA
Blick aus der Panorama-Bar des Hotels Marriott
auf den Palast der Kultur und Wissenschaften inmitten
Warschaus. Der Palast ist noch immer das höchste Gebäude Polens und nach einigem Streit über das sowjetische
Geschenk längst Pop.
Foto: Dagmar Schwelle/laif
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"Nach dieser Lektüre bekommt man Lust auf einen Trip Richtung Osten, und zwar ausdrücklich nicht nach Masuren.", Südwest-Presse, 02.07.2015