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So beherrscht man die Welt - Baños, Pedro
Vergriffen, keine Neuauflage

    Gebundenes Buch

Als ehemaliger Chef für Spionageabwehr und Sicherheit der europäischen Streitkräfte ist Pedro Baños ein international gefragter Experte zu Verteidigungsthemen, Geopolitik und Terrorismus. Erstmals führt der Insider jetzt in die undurchsichtige Welt der Machtspiele zwischen den politischen Eliten ein und deckt die Regeln auf, die diesen Machtspielen zugrunde liegen. Informativ und fesselnd wie in einem Thriller beschreibt Baños die Bildung strategischer Allianzen, Manipulation, Rivalität und psychologische Kriegsführung und enthüllt, was sich im Kampf um die Vorherrschaft der Welt hinter den…mehr

Produktbeschreibung
Als ehemaliger Chef für Spionageabwehr und Sicherheit der europäischen Streitkräfte ist Pedro Baños ein international gefragter Experte zu Verteidigungsthemen, Geopolitik und Terrorismus. Erstmals führt der Insider jetzt in die undurchsichtige Welt der Machtspiele zwischen den politischen Eliten ein und deckt die Regeln auf, die diesen Machtspielen zugrunde liegen. Informativ und fesselnd wie in einem Thriller beschreibt Baños die Bildung strategischer Allianzen, Manipulation, Rivalität und psychologische Kriegsführung und enthüllt, was sich im Kampf um die Vorherrschaft der Welt hinter den Kulissen abspielt. Sunzis "Die Kunst des Krieges" für das geopolitische Zeitalter - ein Augenöffner für alle, die wissen wollen, nach welchen geheimen Regeln die Welt gesteuert wird.
  • Produktdetails
  • Verlag: Heyne
  • Seitenzahl: 464
  • Erscheinungstermin: 1. April 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 219mm x 144mm x 41mm
  • Gewicht: 651g
  • ISBN-13: 9783453207110
  • ISBN-10: 3453207114
  • Artikelnr.: 54466766
Autorenporträt
Baños, Pedro
Pedro Baños ist Oberst der spanischen Armee und Reservist des Verteidigungsstabs. Er war nominiert als Chef der nationalen Sicherheit unter der neuen spanischen Regierung und arbeitete lange als Chef der Spionageabwehr und Sicherheit für die europäischen Streitkräfte. Heute ist er einer der wichtigsten Spezialisten Europas und gefragter Experte für Geopolitik, Strategie, Verteidigung, Terrorismus und internationale Beziehungen.

Ruby, Luis
Luis Ruby, 1970 in München geboren, übersetzt neben Clarice Lispector Autoren wie Hernán Ronsino, Eduardo Halfon und Niccolò Ammaniti. Er wurde für seine Arbeit u.a. mit dem Bayerischen Kunstförderpreis und dem Münchner Literaturstipendium ausgezeichnet.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 27.07.2019

Nichts Neues im Reich der politischen Strategien?
Für kleine und große Manipulatoren sowie für Verschwörungstheoretiker: Pedro Baños sammelt Regeln der Durchsetzung von Herrschaft

Ein Buch wie aus der Zeit gefallen, als ob die Staaten noch, wie vor einem Jahrhundert, auf eigene Kosten und auf eigenes Risiko Großmachtpolitik betreiben könnten, als ob es keine festen und dauerhaften Bündnisse und auch keine Vereinten Nationen gäbe, als ob es keine Nuklearwaffen gäbe und selbst bei einem Krieg unterhalb der Atomkriegsschwelle die meisten Staaten bei Luftangriffen nicht tödlich verwundbar wären. Gerade deswegen, so würde der spanische Militärdozent Pedro Baños vermutlich antworten, habe sich die Politik nach Funktionsäquivalenten unterhalb der Kriegsschwelle umgetan und sei dort fündig geworden. Diese Strategien, die sich bevorzugt im Arsenal der Großmächte befänden, wolle er beschreiben, und dabei sei sein Blick keineswegs nur auf die Vergangenheit, sondern sehr wohl auch in die Zukunft gerichtet.

Die Grundannahme von Baños' Darstellung der Strategien im Kampf um regionale und globale Vorherrschaft lautet, dass sich an ihnen im Verlauf von zweieinhalbtausend Jahren nichts Grundlegendes verändert hat und sie allenfalls in der Art ihrer Ausführung den jeweiligen Zeitumständen angepasst wurden. Es ist eine Annahme, die, wenn sie nur allgemein genug formuliert ist, sich kaum widerlegen lässt. Woraus dann folgt, dass - wie bei Baños der Fall - Feststellungen von Thukydides und Xenophon, Machiavelli und Clausewitz herangezogen werden können, als würden sie umstandslos für die Gegenwart gelten.

So entsteht ein Regelbuch der Durchsetzung von Herrschaft, das sich zur Anleitung für kleine und große Machtpolitiker eignet, aber ebenso auch für deren Kritiker, die hier all die Hinweise finden, wie sie den Machtmenschen auf die Spur kommen können. So jedenfalls lässt sich das Buch lesen, und dabei stößt man auf die eine oder andere interessante Beobachtung. Vor allem Leser, die den wohlklingenden Erklärungen der großen Mächte schon immer misstraut und hinter ihrer Versicherung humanitärer und altruistischer Absichten das nackte Eigeninteresse vermutet haben, dürften sich durch Baños' Darstellung bestätigt sehen. Bezüglich der Geostrategien, die im Titel angekündigt werden, lässt sich im Buch hingegen kaum etwas finden. Nur am Rande nämlich beschäftigt sich Baños mit Geostrategie im engeren Sinn, etwa wenn es um Meerengen und Handelswege geht, die zu kontrollieren eine der Grundlagen von Weltherrschaft ist. Aber kaum hat er das abgehandelt, beschäftigt er sich mit der Bedeutung des Luft- und des Weltraums für die Geopolitik, womit er seine Grundannahme von der ewigen Gültigkeit der Beherrschungsregeln ungewollt in Frage stellt. Hier geht es nämlich allein um technologische Überlegenheit, und all die Überlegungen zur Ausnutzung geographischer Gegebenheiten, die Baños zuvor unter Bezug auf Strategietheoretiker wie Sun Tsu, Clausewitz oder Liddell Hart als dem Wandel der Zeit enthoben dargestellt hat, spielen mit einem Mal keine Rolle mehr.

Wenn zutrifft, was Baños über den Kampf um die Beherrschung des Weltraums sagt, nicht nur im Hinblick auf die Kontrolle der Erde, sondern auch als Rohstoffreservoir, dessen Ausbeutung die irdischen Machtverhältnisse grundlegend verändert, so haben wir es tatsächlich mit einer tiefgreifenden Zäsur in der geopolitischen Regelkunde zu tun. Man kann aber nicht beides zugleich haben: ewig gültige Regeln und einschneidende Zäsuren.

Vermutlich ist Baños dieser Widerspruch entgangen, weil es ihm um die Strategien und Taktiken regionaler wie globaler Herrschaft im Allgemeinen geht und er sich mit genuin geostrategischen Fragen nur am Rande beschäftigt. Unter den 22 geostrategischen Regeln, die er genauer beschreibt, ist nur die der Einkreisung im engeren Sinn als geopolitisch zu bezeichnen. Alle anderen, die vom Grundsatz der Abschreckung über Täuschen und Tarnen sowie Teilen und Herrschen bis zum "Mad Man", dem Vorspiegeln des Verrücktseins, reichen, behandeln eher allgemeine Methoden, den Gegner zu verwirren und zu schwächen, um den eigenen Willen durchzusetzen.

Dass Baños, je mehr seine Strategieanalyse sich ins Allgemeine wendet, immer weniger auf Clausewitz, Fuller und Liddell Hart, also genuine Militärstrategien, rekurriert, sondern weit häufiger den chinesischen General und Strategietheoretiker Sun Tsu als Referenzautor zitiert, ist ein Indiz dafür, dass auch in Baños' Sicht die Durchsetzung des politischen Willens immer weniger in militärischer Form und als Krieg erfolgt, sondern dass wirtschaftlicher Druck und politische Einflussnahme in Form von Desinformationskampagnen zunehmend an Bedeutung gewonnen haben. Auch das spricht implizit gegen die Grundannahme von ewig gültigen Regeln der Herrschaft über andere.

Baños' Buch kann freilich auch ganz anders gelesen werden, nämlich als Fundgrube für Verschwörungstheoretiker, die grundsätzlich davon ausgehen, dass in Wahrheit nichts so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint, sondern sich dahinter immer andere Ebenen von politischen Plänen und Absichten auftun. Für Baños gilt dabei als Regel, dass eine Großmacht umso erfolgreicher ist, je mehr sie es versteht, ihre wahren Absichten zu verbergen und ihre eigenen Interessen durch hochstehende politische und moralische Ziele zu camouflieren. Dass dabei seine Aufmerksamkeit neben Großbritannien vor allem den Vereinigten Staaten gilt, mehr jedenfalls als der Sowjetunion beziehungsweise Russland und China, kann nicht verwundern, denn dem Projekt der Weltherrschaft sind die Vereinigten Staaten bis vor kurzem und die Briten über lange Zeit sehr viel näher gekommen als alle ihre Konkurrenten.

Man kann freilich auch, ganz im Sinne des im Buch kultivierten Blicks auf Hintergedanken und verborgene Absichten, davon ausgehen, dass der Spanier Baños dabei an die Demütigungen und Niederlagen gedacht hat, die dem einstigen Weltreich Spanien durch die Vereinigten Staaten und zuvor durch Großbritannien zugefügt worden sind. Das Buch wäre dann als subtile Rache an denen zu lesen, die sich im Ringen um die Weltherrschaft den Spaniern als überlegen erwiesen haben - indem ihre Tricks und Geheimnisse aufgedeckt werden.

HERFRIED MÜNKLER

Pedro Baños: "So beherrscht man die Welt". Die geheimen Geostrategien der Weltpolitik.

Aus dem Spanischen von Luis Ruby.

Heyne Verlag, München 2019. 464 S., geb., 24,- [Euro].

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