Rückkehr - Negri, Antonio
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Antonio Negri, Autor des Weltbestsellers Empire und eine lebende intellektuelle und politische Legende, berichtet in seinem autobiografischen Alphabet von den Stationen eines turbulenten Lebens und den theoretischen Leidenschaften eines politischen Denkers. In einem ausführlichen Gespräch mit der französischen Journalistin Anne Dufourmantelle lässt Negri die biografischen Stationen, politischen Ereignisse, intellektuellen Freundschaften und philosophischen Einflüsse Revue passieren. Das Gespräch folgt einer lockeren Serie alphabetisch geordneter Stichworte. So entstand von A (wie Attentat)…mehr

Produktbeschreibung
Antonio Negri, Autor des Weltbestsellers Empire und eine lebende intellektuelle und politische Legende, berichtet in seinem autobiografischen Alphabet von den Stationen eines turbulenten Lebens und den theoretischen Leidenschaften eines politischen Denkers.
In einem ausführlichen Gespräch mit der französischen Journalistin Anne Dufourmantelle lässt Negri die biografischen Stationen, politischen Ereignisse, intellektuellen Freundschaften und philosophischen Einflüsse Revue passieren. Das Gespräch folgt einer lockeren Serie alphabetisch geordneter Stichworte. So entstand von A (wie Attentat) über H (wie Heidegger) bis Z (Zwillingstürme des World Trade Centers) das kaleidoskopartige Bild eines leidenschaftlichen politischen Lebens und eines theoretischen Schaffens, eine Ergänzung zu Empire wie auch eine Einführung in Negris Werk.
  • Produktdetails
  • Verlag: CAMPUS VERLAG
  • Seitenzahl: 237
  • 2003
  • Ausstattung/Bilder: 2003. 237 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm
  • Gewicht: 302g
  • ISBN-13: 9783593372426
  • ISBN-10: 3593372428
  • Best.Nr.: 11165447
Autorenporträt
Antonio Negri war Professor für Philosophie in Padua und Paris und Abgeordneter im italienischen Parlament. Er ist seit den sechziger Jahren einer der führenden Theoretiker der italienischen Linken und lebt heute in Rom.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Antonio Negri, Häftling und "Symbolfigur der italienischen Linksintelligenz", hat eine Menge erlebt und deshalb auch eine Menge zu erzählen, findet der Rezensent mit dem Kürzel "upj." Deshalb ist diese Autobiografie in Stichwortform, die auf einem langen Gespräch zwischen der Journalistin Anne Dufourmantelle und Negri basiert, auch nach Ansicht des Rezensenten "erhellend". Obwohl die meisten Lebenslinien "ins Politische gelaufen sind", kehren die Gespräche doch oft zu den Anfängen zurück, "in die Welt des Gedanken" des jungen Studenten und späteren Philosophieprofessors Negri. Das Buch ist auch eine Rückschau des mittlerweile 70-jährigen Negris, warum sein Leben so und nicht anders verlaufen ist. Genau diese Fragestellung ist es auch, die der Rezensent erhellend findet.

© Perlentaucher Medien GmbH
literaturtest.de
Ein absolut ungewöhnliches Buch
Antonio Negri ist dem deutschen Publikum als der etwas andere Starautor bekannt. Zusammen mit Michael Hardt hatte er mit Empire einen Bestseller vorgelegt, der mehr als nur die universitäre Gemeinde begeistern konnte. Letztere war völlig aus dem Häuschen. Es war zu hören, dass Politik-Seminare an den Unis während des Semesters das Thema wechselten, um sich ausschließlich mit der voluminösen Vision von Negri und Hardt auseinanderzusetzen. Mit diesem Buch ist der Intellektuelle Negri auch außerhalb Italiens zu einer Ikone linker Gegenwartsbewältigung geworden. Rückkehr ist ein absolut ungewöhnliches Buch: ein Interview geführt von der französischen Journalistin Anne Dufourmantelle, geordnet nach thematischen Schwerpunkten. Dufourmantelle nennt es ein "biopolitisches Abécédaire".
Brigate rosse
Dieses Wörterbuch zeichnet die politische und philosophische Biografie dieses engagierten Intellektuellen nach. Da gibt es zum Beispiel das Stichwort "Rote Brigaden". Da dem Universitätsprofessor bewaffnete Verschwörung vorgeworfen wurde, kam er mit Tausenden anderen ins Gefängnis. Entlassen wurde er für kurze Zeit, nachdem er zum Parlamentsabgeordneten gewählt worden war. Um einer weiteren Verhaftung zuvorzukommen, floh er ins Exil nach Paris und kehrte erst 1997 nach Italien zurück - um erneut verhaftet zu werden. Heute lebt er unter Bewährungsauflagen in Rom. Dass er noch immer unbeugsam an früheren Idealen festhält, wird deutlich, wenn man Negri sagen hört: ja, es gebe Terrorismus. Aber zunächst habe es den Terrorismus des Staates gegeben.
Symbol
Negri ist, anders als die meisten deutschen (ehemaligen) Vertreter einer außerparlamentarischen Opposition, noch immer eine Ikone, nicht zuletzt der Globalisierungskritiker. Dass er sich auch weiterhin einmischen und seine Meinung sagen wird, beweist dieser überaus interessante Interviewband.
(Carsten Hansen)
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Besprechung von 18.06.2003
Der Wunsch nach weichem Gang
Rasen statt Beton: Antonio Negri blickt auf sein Leben zurück

Bevor Antonio Negri aus französischem Exil 1997 nach Italien zurückkehrte, um sich dort den Behörden zu stellen, die ihn 1979 zu siebzehnjähriger Haft verurteilt hatten, konzipierte er mit dem amerikanischen Soziologen Michael Hardt das gemeinsame Buch "Empire". Als Negri schon wieder inhaftiert war, entwickelte es sich zum Welterfolg und machte seinen italienischen Verfasser berühmter, als er es jemals gewesen war. Und das will schon etwas heißen, denn Negri wurde in den späten siebziger Jahren als mutmaßlicher Chefideologe der Roten Brigaden verhaftet, und seine Freilassung 1983, als er ins italienische Parlament gewählt wurde, dann die Aufhebung seiner Immunität mit manchen Stimmen der eigenen Fraktion und die sofortige Flucht nach Paris boten eine intellektuelle Biographie, die ohne Beispiel war.

Sein neuestes Buch besteht aus einem langen Interview, das die französische Philosophin und Psychoanalytikerin Anne Dufourmantelle im Herbst 2001 mit ihm geführt hat. Sie wählte als Modell das Alphabet und fragte so Buchstabe für Buchstabe zentrale Begriffe, Orte und Namen aus Negris Leben ab. Heraus kam ein seltsamer Zwitter aus Rück- und Ausblick, nennen wir es Beschwörung, die vor Erscheinen des bereits angekündigten zweiten Bandes von "Empire" deutlich macht, was Negri in den letzten Jahren bewegt hat.

Für die deutsche Ausgabe wurde noch ein kurzes Interview angefügt, das der Übersetzer des Bandes, Thomas Atzert, im Januar dieses Jahres mit Negri geführt hat. Dadurch wird die Konzeption des "Empire", unter dem Negri eine globalisierte Welt mit bestimmendem Einfluß einer einzigen Kultur versteht, mit der jüngsten Golfkrise, die dann trotz europäischem Widerstand zum Krieg führte, konfrontiert. Die Hoffnung auf eine "Biopolitik", die sich als Wahrung der Interessen des bios definiert, also des Lebens in der Gemeinschaft, sieht sich zwar in den Demonstrationen des 15. Februar bestätigt, in dem auch Habermas das Gründungsdatum für ein neues europäisches Selbstbewußtsein erkennt, aber Negri gibt sich keiner Illusion über die Erfolgsaussichten dieses Widerstands hin. Denn ein Europa als Nationalstaat sei sinnlos; seine Aufgabe könne Europa nur in der Rolle einer "Multitude", wie Negri die individuell geprägte Gemeinsamkeit nennt, die ihm als Gegenmodell zum Empire vor Augen steht, finden - also als Ort einer Menge von Menschen, die sich gerade als Gegensatz zu jener Masse verstehen, wie sie ein Nationalstaat ausbildet.

Der Weg in die goldene Zukunft ist lang und voller Hindernisse, aber Negri weiß immerhin, was am Ende kommt, wenn man die steinige Strecke hinter sich hat: Als intensivsten Eindruck nach vier Jahren Gefängnis hat er das Gefühl im Gedächtnis behalten, wieder über einen Rasen gehen zu können.

ANDREAS PLATTHAUS.

Antonio Negri: "Rückkehr". Alphabet eines bewegten Lebens. Aus dem Französischen von Thomas Atzert. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2003. 237 S., br., 17,90 [Euro].

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