Geschichte des Antisemitismus - Bergmann, Werner
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In sechs chronologisch gegliederten Kapiteln gibt der vorliegende Band eine komprimierte Einführung in die Geschichte des Antisemitismus vom frühen Christentum bis zur Gegenwart. Dabei steht die Entwicklung des Antisemitismus in der Neuzeit im Vordergrund. Neben den europäischen Ländern, vor allem Deutschland, Frankreich und Russland, werden auch die Erscheinungsformen des Antisemitismus in der außereuropäischen Welt behandelt. Ein besonderes Augenmerk legt die Darstellung auf das Fortleben antisemitischer Einstellungen und Verhaltensmuster nach 1945.…mehr

Produktbeschreibung
In sechs chronologisch gegliederten Kapiteln gibt der vorliegende Band eine komprimierte Einführung in die Geschichte des Antisemitismus vom frühen Christentum bis zur Gegenwart. Dabei steht die Entwicklung des Antisemitismus in der Neuzeit im Vordergrund. Neben den europäischen Ländern, vor allem Deutschland, Frankreich und Russland, werden auch die Erscheinungsformen des Antisemitismus in der außereuropäischen Welt behandelt. Ein besonderes Augenmerk legt die Darstellung auf das Fortleben antisemitischer Einstellungen und Verhaltensmuster nach 1945.
  • Produktdetails
  • Beck'sche Reihe Bd.2187
  • Verlag: Beck
  • 5. Aufl.
  • Seitenzahl: 143
  • Erscheinungstermin: Januar 2002
  • Deutsch
  • Abmessung: 180mm x 118mm x 12mm
  • Gewicht: 145g
  • ISBN-13: 9783406479878
  • ISBN-10: 3406479871
  • Artikelnr.: 10119170
Autorenporträt
Werner Bergmann ist Professor für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin. Er hat zahlreiche Publikationen zur Geschichte des Antisemitismus vorgelegt.
Inhaltsangabe
Zum Begriff des Antisemitismus

I. Judenfeindschaft von der Antike bis zur Aufklärung

II. Der Widerstand gegen die Judenemanzipation

III. Antisemitismus im Zeitalter des Nationalismus
Das deutsche Kaiserreich
Das Frankreich der Dritten Republik
Das Zarenreich bis zur Oktoberrevolution
Der Erste Weltkrieg

IV. Die Radikalisierung in der Zwischenkriegszeit
Antisemitismus in den unruhigen Nachkriegsjahren
Das Anwachsen des Antisemitismus in den dreißiger Jahren

V. NS-Antisemitismus und Völkermord
Entrechtung, Ausplünderung, Vertreibung: 1933-1939
Die Verschärfung der antijüdischen Politik in anderen europäischen Ländern ab 1938
Der Holocaust

VI. Antisemitismus seit 1945
Die Nachkriegsjahre bis 1953
Die ruhigen Jahre: 1953-1967
Die Wende mit dem Sechs-Tage-Krieg
Die achtziger Jahre: Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit
Das Jahr 1989 und die Folgen

Literatur
Personenregister
Rezensionen
Besprechung von 08.04.2002
Gegen einen äußeren Feind im Inneren
Werner Bergmanns knappe Geschichte des Antisemitismus
Vom Brunnenvergifter zum jüdischen Bolschewiken: Werner Bergmann rafft in seiner „Geschichte des Antisemitismus” auf 143 Seiten die 2000 Jahre alte Geschichte der Diskriminierung und mörderischen Verfolgung. Als christliche Keimzelle des Antisemitismus benennt Bergmann den Vorwurf des Gottesmordes. Die wanderungsgeschichtlichen Wirren der Diaspora deutet er nur an. Ihn interessiert die allmähliche Umwandlung der religiösen Judenfeindschaft in einen rassischen Antisemitismus.
Vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Revolution von 1848 schien es in Deutschland, als könne durch allmähliche rechtliche Gleichstellung die Situation der Juden schrittweise verbessert werden. Die Gründerkrise ab 1873 spülte Fortschrittszweifel an die Oberfläche. „Das eigentliche Problem, die als krisenhaft erlebte Modernisierung, wurde so auf die Juden projiziert, die ihr sozialer Aufstieg zum Symbol der Moderne machte.”
In sechs Kapiteln bündelt Bergmann chronologisch die Entwicklung des Antisemitismus, zeichnet die Mentalitätsentwicklung in Europa nach und wirft einen kurzen Blick auf England und Amerika. In der Zwischenkriegszeit schufen sich viele europäische Staaten ein Judenbild, um den Kampf gegen einen äußeren Feind im Inneren auszutragen: „So war der slowakische Antisemitismus antiungarisch, der ukrainische antipolnisch und der polnische antideutsch und antirussisch.”
In Deutschland war die NSDAP zwar nicht die einzige Partei, die mit tradiertem antisemitischen Gedankengut auf Stimmenfang ging, sie verschärfte aber bereits existierende Vorurteile zu dem, was Saul Friedländer „Erlösungsantisemitismus” nennt, der ideengeschichtlichen Vorbereitung des Holocaust. Traditionelle Ablehnungsmuster wurden fanatisiert, zugespitzt zur Vision eines Endkampfes gegen das Judentum.
Dieser historische Einschnitt wirkt auch nach Kriegsende fort, in manchen Ländern bis heute. Beschränkt durch Vergangenheitsverdrängung und Antizionismus laviert vor allem Ost-Europa immer noch im Umgang mit der jüdischen Bevölkerung. Diffuse Abneigung vernebelt auch durch viele deutsche Köpfe: Zwanzig Prozent sind der Meinung, die Juden besäßen zuviel Macht im Land.
CHRISTIAN JOOSS
WERNER BERGMANN: Geschichte des Antisemitismus. C. H. Beck Verlag, München 2002. 143 Seiten, 7,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Die "Geschichte des Antisemitismus" von Werner Bergmann sei etwas "knapp" ausgefallen, meint Christian Jooss. Recht knapp fällt aber auch die Auskunft des Rezensenten aus: In wenigen Sätzen skizziert er die Kernaussagen des Autors, der in sechs chronologischen Kapiteln die Entwicklung des Antisemitismus in Europa nachzeichne und noch einen kurzen Blick auf England und Amerika werfe. Die "wanderungsgeschichtlichen Wirren der Diaspora" habe Bergmann hier leider nur angedeutet, bedauert Jooß.

© Perlentaucher Medien GmbH