Die Pflegeversicherung: Ein Pflegefall - Ottnad, Adrian
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  • Verlag: Olzog
  • Seitenzahl: 160
  • 2003
  • Ausstattung/Bilder: 2003. 160 S. m. Abb.
  • Deutsch
  • Abmessung: 240mm
  • Gewicht: 315g
  • ISBN-13: 9783789281396
  • ISBN-10: 3789281395
  • Best.Nr.: 12347637
Rezensionen
Besprechung von 28.06.2004
Pflegefall Pflege
Adrian Ottnad wirbt für eine Umstellung auf Kapitaldeckung

Adrian Ottnad: Die Pflegeversicherung: Ein Pflegefall. Wege zu einer solidarischen und tragfähigen Absicherung des Pflegerisikos. Olzog Verlag, München 2003, 160 Seiten, 20 Euro.

Die soziale Pflegeversicherung ist kaum zehn Jahre alt - und schon selbst ein Pflegefall. Denn die gesetzliche Versicherung hat Ausgabennöte und ein Finanzierungsproblem. Die Nachfrager nehmen das neue Angebot gern an - rund 1,9 Millionen waren es bereits Ende 2003 - und verlangen mehr und bessere Leistungen. Die Politik hat diese Entwicklung bisher nur durch Verschiebebahnhöfe mit anderen Sozialversicherungen und Leistungsausweitungen begleitet. Die Mehrausgaben können angesichts der Konjunkturlage nur durch ein Aufzehren der in den ersten fünf Jahren gebildeten Reserven finanziert werden. Die werden bei ungebremster Entwicklung 2006 verbraucht sein. Spätestens dann dürfte es also zu einer Beitragssatzerhöhung kommen. Die Regierung erwägt jetzt, die vom Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe verlangte Besserstellung der Eltern von 2005 an durch eine Schlechterstellung Kinderloser zu erzielen. Höhere Beiträge für Kinderlose sollen das Defizit von aktuell rund 700 Millionen Euro decken.

Solcherlei kurzfristiger Aktionismus stellt die angeschlagene Versicherung nicht auf eine dauerhaft solide, sich selbst tragende Basis. Soll bei einer alternden Gesellschaft langfristig das Pflegerisiko abgesichert werden, so geht das nicht ohne Umstellung auf eine weitgehende Kapitaldeckung im Rahmen privater, marktorientierter Versicherungslösungen, stellt Adrian Ottnad, Volkswirt am Bonner Institut für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG), in seiner Untersuchung fest. Der Kapitalstock müsse dabei dem Staatseinfluß entzogen bleiben. Daß dies bei Überlegungen der Rürup-Kommission und der Herzog-Kommission für eine Teilkapitalisierung nicht bedacht sei, moniert der Autor. Verteilungsaufgaben müssen außerhalb der Versicherung vom Steuer- und Transfersystem übernommen werden.

Wie das geschehen könnte, zeigt Ottnad in seiner Untersuchung mit einem Vorschlag für eine schrittweise Neugestaltung der Pflegeversicherung. Dabei blieben alle Bürger, die älter sind als 70 Jahre, im bestehenden gesetzlichen System. Alle jüngeren Bürger würden von Geburt an zum Abschluß einer privaten Versicherung verpflichtet. Beitragserhöhende Altersrückstellungen müßten allerdings verpflichtend erst vom 55. Lebensjahr an angespart werden. Kontrahierungszwang für die Versicherer und Steuertransfers für Einkommenschwache sind notwendige Randbedingungen des Modells.

Wie sehr die Zeit drängt, zeigen Berechnungen, nach denen auch bei einem (politisch illusorischen) Umstieg im kommenden Jahr Pflegebedürftige noch 30 Jahre lang Steuertransfers benötigen würden, bis das System völlig auf Kapitaldeckung umgestellt wäre. Es ist ein Verdienst der Untersuchung, Alternativen durchzuspielen, beispielsweise eine lediglich teilweise Umstellung auf Kapitaldeckung. Doch werden dabei erhebliche Mängel aufgedeckt, die davon abraten lassen, diesen auf den ersten Blick vielleicht verführerischen Weg zu beschreiten. Wirklich empfehlenswert bleibt nur der Komplettumstieg. Ottnad hält einen solchen Weg für "gangbar, wenngleich nicht bequem". Mehr ist aber auch nicht nötig.

ANDREAS MIHM

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Adrian Ottnad, Volkswirt am Bonner Institut für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG), stellt in dieser Untersuchung fest, so berichtet Andreas Mihm, dass das Pflegerisiko in einer alternden Gesellschaft nicht ohne Umstellung auf eine weitgehende Kapitaldeckung im Rahmen privater, marktorientierter Versicherungslösungen abgesichert werden könne. Als ein besonderes Verdienst der Studie hebt der Rezensent hervor, dass Ottnad Alternativen durchspiele, so beispielsweise eine lediglich teilweise Umstellung auf Kapitaldeckung. So könnten dann erhebliche Mängel einzelner Lösungen deutlich werden, die im erwähnten Fall etwa davon abraten ließen, diesen "auf den ersten Blick vielleicht verführerischen Weg zu beschreiten". Wirklich empfehlenswert, so zeige sich, bleibe nur der "Komplettumstieg". Ottnad, berichtet der Rezensent, hält einen solchen Weg für "gangbar, wenngleich nicht bequem". Mehr sei aber auch nicht nötig, so Rezensent Mihm.

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