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Josef Joffe, Herausgeber der "Zeit" und einer der besten Kenner Amerikas, schildert den Weg der USA zur Alleinherrschaft: in der Politik, in der Wirtschaft und in der Kultur. Mit dem Zusammenbruch der UDSSR im Dezember 1991 stiegen die USA zur einzigen Supermacht der Erde auf. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die USA, welche für den Rest der Welt? Dieses Buch mutet beiden Seiten unangenehme Wahrheiten zu.…mehr

Produktbeschreibung
Josef Joffe, Herausgeber der "Zeit" und einer der besten Kenner Amerikas, schildert den Weg der USA zur Alleinherrschaft: in der Politik, in der Wirtschaft und in der Kultur. Mit dem Zusammenbruch der UDSSR im Dezember 1991 stiegen die USA zur einzigen Supermacht der Erde auf. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die USA, welche für den Rest der Welt? Dieses Buch mutet beiden Seiten unangenehme Wahrheiten zu.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hanser
  • Deutsch
  • Abmessung: 21, 5 cm
  • Gewicht: 487g
  • ISBN-13: 9783446207448
  • ISBN-10: 3446207449
  • Artikelnr.: 20747083
Rezensionen
Besprechung von 25.09.2006
Der große Rückversicherer
Eine Philippika gegen antiamerikanische Klischees und ein Appell an die Verantwortung der USA
Dieses Buch kommt zur rechten Zeit am rechten Ort. Josef Joffe, im deutschen Qualitätsjournalismus bestens bekannt, leistet Aufklärungsarbeit. Sein USA-Verständnis ist differenziert, historisch belegt und klar: Die USA sind kein blutrünstiger Tyrannosaurus; das machtgierige, militante und rücksichtslose Bild Amerikas hängt schief; die Vereinigten Staaten sind ein komplexes System – mit dunklen und hellen Seiten. Der Autor hält nichts von Verteufelungen und anti-amerikanischen Klischees. Das ist ein großes Verdienst.
Ebenso wertvoll sind die Thesen seines Buches „Die Hypermacht”: Die USA fungieren für Joffe als Scharnier zwischen „Berlin-Berkeley” und „Bagdad-Peking”, tragen globale Verantwortung, zahlen einen hohen Preis für ihre Vorherrschaft und sind – trotz aller Kritik am militanten Unilateralismus der Bush-Regierung und der „Neokons” – kein Moloch oder Superkrake, der die Welt auffrisst. „Es ist nicht bekannt, dass Russland, China oder Japan je eine internationale Institution wie UN oder Weltbank erfunden hätten”, schreibt Josef Joffe. Wie wahr!
Dreh- und Angelpunkt
Dieser Faden durchzieht das Buch. Europa, so der Autor, ist kein strategischer Player, weil es kein e pluribus unum ist. Europas Horizont reicht nicht über das Mittelmeer und dessen Hinterland hinaus. Strategische Aktionen – auf dem Balkan oder in Afghanistan – geschehen „nur im Gefolge der USA”. Auch Japan spielt keine wahrhaft globale Rolle. Zwar schreitet Japans Wiederbewaffnung voran – aber nur unter dem pazifischen Dach der USA. Japans Sicherheitsinteressen sind regionaler und nicht globaler Natur. Der japanische Horizont reicht nicht über den Westpazifik hinaus.
Und die anderen Weltmachtaspiranten? Russland ist eine „Großmacht
im Wartestand”, China ein „erwachender Riese”, Indien ein Land, das im Innern mit religiös-nationalistischem
Aufruhr kämpft und „nicht so bald in
die Ordnung des fernen Auslands investiert”. Für Joffe sind die USA der
Dreh- und Angelpunkt der Weltpolitik: Es gibt niemand anderen, der für eine halbwegs stabile internationale Ordnung sorgen könnte. Weder Europa,
Japan, Russland, China oder Indien sind in absehbarer Zukunft befähigt, eine
globale Rolle zu spielen. Eine begründete These, die – so muss man einräumen – selbstverständlich umstritten ist. Im
letzten der sieben Kapitel erinnert Joffe die USA eindringlich an ihre globale Verantwortung. Vorherrschaft sei eine „wackelige Größe” im Leben der Völker. Große Macht bringe große Verantwortung mit sich.
„Gutes zu tun ist gut für eine Nummer 1, die es auch bleiben will”, resümiert der Autor. Amerika sei die „unverzichtbare Nation”, doch die USA müssten die Interessen der anderen mitbedienen, während sie die eigenen verfolgen. Dieser Appell, vernünftig zu handeln und ein globales Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln, geht in Richtung Bush-II-Regierung: Die „wahrhaft Großen” würden auch für die anderen sorgen. Die Hypermacht müsse ihre Kraft im Konzert der Nationen ausspielen wollen. Das sei Auftrag und Verpflichtung.
Die Stärke des Buches liegt in dem ausgewogenen Urteil und einem amerika-sympathischen Unterton. Joffe erinnert daran, dass die USA Westeuropa seine Sicherheit bis zum Fall der Berliner Mauer „praktisch gratis serviert haben”. Amerika war der Große Rückversicherer, und auf der Police stand „Europäische Sicherheit Made in USA”. Die europäische Integration entstand unter dem amerikanischen Dach: „Unter dieser Glocke konnten die edlen Triebe zwischenstaatlicher Existenz wie Frieden und Gemeinschaftsgeist gedeihen.” Dieser Satz tut gut. Europa – und besonders Deutschland – stehen dafür in amerikanischer Schuld.
Derart viel Lob darf nicht ohne Kritik verteilt werden. Die Titel der englischen und deutschen Ausgabe sind unglücklich gewählt. Das Wort „Überpower” gibt es im Englischen nicht. Und „Denglish” oder „Germlish” passt nicht zu Joffe. Der Untertitel der deutschen Ausgabe lautet: „Warum die USA die Welt beherrschen”. Die USA beherrschen die Welt nicht. Im Buchtext erscheint diese Begrifflichkeit nicht: Der Autor spricht von „überragen” und „dominieren”, von Hegemonie und Vorherrschaft.
Auch die 13 Lobeshymnen auf den Autor sind im englischsprachigen Klappentext und auf dem Cover bedenklich. Seit wann braucht Josef Joffe derart viele Fürsprecher? Weil er im englischen Sprachraum weniger bekannt ist als im deutschen? Zu viel ist zu viel.
Trotz kleiner verzeihlicher Schwächen ist Josef Joffes Werk äußerst lesenswert und anregend. Die deutsche Übersetzung von „Überpower” liest sich gut. Dem Buch sei Erfolg und Verbreitung gewünscht – diesseits und jenseits des Atlantiks. Joffes Werk stärkt den amerika-freundlichen Trend in der deutschen Publizistik.
FRIEDERICH MIELKE
JOSEF JOFFE: Die Hypermacht. Warum die USA die Welt beherrschen. Carl Hanser Verlag, München 2006. 264 Seiten, 21,50 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Eine Dienstleistung der DIZ München GmbH
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Rezensent Thomas Leuchtenmüller beurteilt Josef Joffes Studie über die "Hypermacht" USA überwiegend positiv. Die Ausführungen über den Aufstieg der USA nach dem Ende des kalten Kriegs zur einzig verbleibenden Supermacht und die entstandenen Gefahren dieser neuen Stärke findet Leuchtenmüller wohldurchdacht und präzise formuliert. Interessant scheinen ihm Joffes Empfehlungen, wie die USA den neuen Gefahren wirkungsvoll begegnen könnten. Der Autor plädiere hier für eine verantwortungsvolle, klassische Elemente britischen und Bismarckschen Handelns integrierende Politik, die auf internationale Legitimation setzt und die Interessen der anderen Nationen berücksichtigt. Leuchtenmüller hebt hervor, dass Joffe in seine "packenden" Schilderungen fiktionale und echte Dialoge, Aussprüche von Personen und Ausschnitte aus Leserbriefen einbindet. Lobend äußert sich der Rezensent auch über die historischen Exkurse, mit denen der Autor die heutige Politik etlicher Länder erklären könne. Zu beanstanden gibt es für Leuchtenmüller nur einige Redundanzen sowie das Fehlen eines Literaturverzeichnisses.

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