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Das Erlernen einer Fremdsprache ist oft ein mühsamer Weg, und viele von uns, die sich hierbei mit schwierigen Grammatiken und wahren Vokabelbergen herumplagen, blicken sehnsüchtig auf die Zeit zurück, in der sie als Kleinkinder scheinbar mühelos ihre Muttersprache erlernten. Doch diese Erinnerung ist trügerisch. Zwar 'spielt' das Kind phasenweise mit dem gerade Erworbenen, aber auch sein Weg zur Sprache ist voller Hindernisse und Umwege. Der Spracherwerb ist die komplexeste Aufgabe, die ein Kind im Laufe seiner frühen Entwicklung zu bewältigen hat, und so verwundert es nicht, dass auch das…mehr

Produktbeschreibung
Das Erlernen einer Fremdsprache ist oft ein mühsamer Weg, und viele von uns, die sich hierbei mit schwierigen Grammatiken und wahren Vokabelbergen herumplagen, blicken sehnsüchtig auf die Zeit zurück, in der sie als Kleinkinder scheinbar mühelos ihre Muttersprache erlernten. Doch diese Erinnerung ist trügerisch. Zwar 'spielt' das Kind phasenweise mit dem gerade Erworbenen, aber auch sein Weg zur Sprache ist voller Hindernisse und Umwege. Der Spracherwerb ist die komplexeste Aufgabe, die ein Kind im Laufe seiner frühen Entwicklung zu bewältigen hat, und so verwundert es nicht, dass auch das Erlernen der Muttersprache über viele kleine Siege errungen werden muss.
In diesem Buch erklärt ein renommierter Sprachwissenschaftler die wichtigsten Stationen des Erwerbs der gesprochenen Muttersprache durch das Kleinkind. Darüber hinaus erläutert er die hierzu wichtigsten Aussagen der modernen Spracherwerbstheorien und vermittelt einen kurzen Einblick in die wichtigsten Störungen des kindlichen Spracherwerbs.
Autorenporträt
Jürgen Dittmann war von 1980 bis 2012 Professor für Neuere deutsche Sprachwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. Seine Forschungsschwerpunkte sind Neurolinguistik und Gegenwartsdeutsch.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 09.05.2003

Korrektes Brabbeln
Jürgen Dittmann erklärt,
wie Kinder Sprache lernen
Es liegt nicht viel zwischen Mensch und Schwein – genetisch gesehen: Zu mehr als 90 Prozent sind beider Erbanlagen identisch. Die wenigen Unterschiede aber haben es in sich, in ihnen scheint etwas zu schlummern, das mehr als alles andere den Menschen ausmacht: die Befähigung zur Sprache. Der nahezu perfekte Erwerb der Muttersprache innerhalb der ersten fünf Lebensjahre gehört zu den größten Lernleistungen, die Menschen im Laufe ihres Lebens vollbringen. Trotzdem passiert das Unmögliche tagtäglich viele Millionen mal.
Wie, das ist bisher noch unvollständig verstanden. In „Der Spracherwerb des Kindes” stellt der Freiburger Sprachwissenschaftler Jürgen Dittmann die derzeit gängigen Theorien vor. Mit einigen Missverständnissen räumt der Autor gleich am Anfang auf: Der Weg zur Muttersprache ist eben kein Kinderspiel, sondern voller Hindernisse und Umwege – das Kind muss sich jeden Etappensieg hart erkämpfen. Und der Mensch bereitet sich viel früher aufs Sprechen vor, als angenommen: Schon im Mutterleib übt sich der Fötus darin, die Prosodie, d.h. die Sprachmelodie seiner Mutter zu erkennen; wenn man vier Tage alte französische Säuglinge mit Russisch konfrontiert, reagieren sie irritiert. Wenn der Säugling mit vier Monaten zu „babbeln” beginnt, ohne jedes verständliche Wort, tut er dies bereits in der charakteristischen Intonation seiner Muttersprache. Wie sich daraus in letzter Konsequenz die Fähigkeit entwickelt, den „Faust” zu verfassen, daran scheiden sich allerdings die Geister: Wird Sprache „von außen nach innen” erworben, also ausschließlich durch nachahmendes Lernen an den sprachlichen Äußerungen der Bezugspersonen? Oder ist Sprache nichts weiter als „Instinkt” – etwas im Genom Angelegtes, das nach der Zeugung lediglich, „von innen nach außen”, noch einer relativ oberflächlichen Vervollkommnung zu Deutsch, Koreanisch oder Pidgin bedarf? Dittmann schlägt eine Synthese der beiden Extrempositionen vor: Unbestreitbar, dass das Kind Sprache am Vorbild, in Auseinandersetzung mit seiner Umwelt lerne. Dieser Lernfähigkeit aber setze ein Grundgefühl für grammatische und syntaktische Regeln voraus, das wohl angeboren ist – auch wenn die zugehörigen „Sprachgene” noch nicht identifiziert sind.
Ganz ohne linguistische Fachtermini kommt Dittmanns dichte Monographie angesichts der Komplexität ihres Gegenstands nicht aus. Aber der Autor erklärt jeden einzelnen und führt nachvollziehbar vom Einfachen zum Komplizierten; Sprechprotokolle von Kindern machen die abstrakten Mechanismen des Spracherwerbs plastisch. Der ist übrigens nicht das Funktionieren von Gehör und Sprechorganen gebunden: Taubstumme Kinder lernen die Gebärdensprache in den gleichen Entwicklungsschritten und mit der gleichen Perfektion wie ihre hörenden Altersgenossen die akustische Sprache.
ANDREAS GRABNER
JÜRGEN DITTMANN: Der Spracherwerb des Kindes. Verlauf und Störungen. C. H. Beck Verlag, München 2002, 127 Seiten, 7,90 Euro.
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