China in der Modernisierungsfalle - He Qinlian
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China wird heute von einem Bündnis aus mächtigen politischen und wirtschaftlichen Interessengruppen dominiert, die über hervorragende Verbindungen zum ausländischen Kapital verfügen. Diese herrschende Schicht ist der große Gewinner der Wirtschaftsreformen und bestimmt die Politik des Landes. Während die kleine Mittelschicht bescheidenen Anteil am Wohlstand hat, um den Preis der ökonomischen und politischen Abhängigkeit von diesen Interessengruppen, sind die Arbeiter und Bauern die Verlierer. Chinas ökonomische Wandlung hat zu einer wachsenden Schwäche der Regierung, zu systemischer Korruption,…mehr

Produktbeschreibung
China wird heute von einem Bündnis aus mächtigen politischen und wirtschaftlichen Interessengruppen dominiert, die über hervorragende Verbindungen zum ausländischen Kapital verfügen. Diese herrschende Schicht ist der große Gewinner der Wirtschaftsreformen und bestimmt die Politik des Landes. Während die kleine Mittelschicht bescheidenen Anteil am Wohlstand hat, um den Preis der ökonomischen und politischen Abhängigkeit von diesen Interessengruppen, sind die Arbeiter und Bauern die Verlierer. Chinas ökonomische Wandlung hat zu einer wachsenden Schwäche der Regierung, zu systemischer Korruption, einer sich zuspitzenden Krise der Landwirtschaft, zu um sich greifender Untergrundwirtschaft sowie zu wachsenden Unterschieden zwischen Arm und Reich geführt. China gilt heute als eines der Länder mit der größten wirtschaftlichen Ungleichheit. Wohl die verheerendste Auswirkung dieser Entwicklung ist der fast völlige Zusammenbruch gesellschaftlicher Moral. Da weder moralisch-ethische noch gesetzliche Restriktionen beachtet werden, findet eine zunehmende Verwahrlosung lokaler politischer Macht statt. Auf dem Land, wo noch immer die Mehrheit der Bevölkerung lebt, breiten sich wieder alte hierarchische Klan-Strukturen aus. Gleichzeitig ist die Kriminalität - von Korruption bis Menschenhandel - erschreckend angestiegen, bedingt auch durch die hohe Arbeitslosigkeit und die prekäre Lage des großen Heeres der Wanderarbeiter. China treibt auf eine tiefe soziale Krise zu. Qinglian He räumt grundlegend mit dem Mythos "vom Wandel durch Handel" auf. Anders als viele professionelle China-Beobachter, die, fixiert auf die hohen Wachstumsraten, nur den vermeintlich unaufhaltsamen Aufstieg Chinas zur Großmacht sehen, beschreibt sie das heutige China als ein Land, das gesellschaftlich "auf einem Vulkan" sitzt, der jederzeit ausbrechen kann. Trotz der bemerkenswerten Öffnung Chinas und größerer gesellschaftlicher Freiheiten hat es die neue herrschende Schicht bisher vermocht, eine breite gesellschaftliche Bewegung für eine soziale, gerechte, marktwirtschaftlich orientierte und demokratische Gesellschaft zu verhindern. Das starre Festhalten an der diktatorischen Einparteienpolitik wird die Probleme weiter verschärfen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hamburger Edition
  • Seitenzahl: 550
  • Erscheinungstermin: Oktober 2006
  • Deutsch
  • Abmessung: 235mm
  • Gewicht: 945g
  • ISBN-13: 9783936096682
  • ISBN-10: 3936096686
  • Artikelnr.: 20867700
Autorenporträt
Qinlian He wurde in der Provinz Huan geboren und studierte Geschichte und Ökonomie an der Fudan-Universität in Shanghai. Zunächst als Pädagogin tätig, hat sie sich dann dem Journalismus gewidmet. Seit Mitte der 1990er Jahre haben ihre Veröffentlichungen zu den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in China und deren soziale Folgen nicht nur in ihrer Heimat, sondern auch international große Beachtung gefunden. Die chinesische Ausgabe des vorliegenden Buches wurde in der VR China schließlich verboten, und um der Verfolgung durch die chinesischen Behörden zu entgehen, floh Qinlian He in die USA, wo sie heute lebt, forscht und publizistisch tätig ist.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Bestnoten vergibt Rezensent Tilman Spengler an diese Studie der chinesischen Wirtschaftwissenschaftlerin Qinglian He, die er zum Besten zählt, was in den letzten Jahren über China geschrieben wurde. Es geht seinen Informationen zufolge um die enorme Kluft, die durch den rasanten Aufstieg Chinas zur Wirtschaftsmacht zwischen Modernisierungsgewinnern und -verlierern entstanden ist. Inzwischen sei China das Land mit den spektakulärsten Unterschieden zwischen Arm und Reich auf der Welt. Dies sei zu einer gewaltigen Bedrohung des sozialen Friedens im Land geworden. Die Autorin untersuche neben strukturellen Problemen zwischen Land und Stadt auch Fragen der Inkompatibilität zwischen kommunistischer und marktwirtschaftlicher Mentalität, deren Lösung sie einzig in einer Demokratisierung sieht. Sie argumentiert im Rahmen ihrer klassischen politökonomischen Studie außerdem "in einem chinesisch altmodischen Sinn moralisch", was für den Rezensenten ein besonderes Qualitätsmerkmal ist. Auch beeindruckt die Autorin ihn mit einer "fast erdrückenden Materialmenge", die aus seiner Sicht jedoch im Spannungsfeld ihrer Argumente und Betrachtungsweisen nie langweilig wird.

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