Arbeitslosigkeit in Deutschland - Zimmermann, Bénédicte
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Theorie und Gesellschaft Herausgegeben von Axel Honneth, Hans Joas, Claus Offe und Peter Wagner
Arbeitslosigkeit gibt es als Begriff und als sozialen Status erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Zuvor hatte man ein paar Wochen Arbeit, dann wieder nicht, wer arm war, verdingte sich als Saisonarbeiter. Erst mit Industrialisierung und Bevölkerungswachstum und der damit einhergehenden Sorge des Bürgertums angesichts eines wachsenden Proletariats ergab sich staatlicher und politischer Handlungsbedarf. Bénédicte Zimmermann schließt eine Lücke in der historischen Soziologie des deutschen…mehr

Produktbeschreibung
Theorie und Gesellschaft
Herausgegeben von Axel Honneth, Hans Joas, Claus Offe und Peter Wagner
Arbeitslosigkeit gibt es als Begriff und als sozialen Status erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Zuvor hatte man ein paar Wochen Arbeit, dann wieder nicht, wer arm war, verdingte sich als Saisonarbeiter. Erst mit Industrialisierung und Bevölkerungswachstum und der damit einhergehenden Sorge des Bürgertums angesichts eines wachsenden Proletariats ergab sich staatlicher und politischer Handlungsbedarf. Bénédicte Zimmermann schließt eine Lücke in der historischen Soziologie des deutschen Wohlfahrtsstaates, indem sie von den ersten Debatten bis zur Gründung einer Pflichtversicherung gegen Arbeitslosigkeit die Genese eines sozialen Problems rekonstruiert. Sie nimmt die Akteure in den Blick,von lokalen Verwaltungen über Gewerkschafter, Arbeitgeber und Sozialwissenschaftler bis zu den Politikern, aber auch den Wandel der politischen Sprache, die den Arbeitslosen als solchen benannte. So zeigt sie die langsame Entstehung einer sozialen Institution, die heute eine Grundlage des Arbeitsrechts in Deutschland bildet.
  • Produktdetails
  • Theorie und Gesellschaft Bd.55
  • Verlag: Campus Verlag
  • Seitenzahl: 317
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 317 S. 213.0 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 213mm
  • Gewicht: 405g
  • ISBN-13: 9783593378923
  • ISBN-10: 3593378922
  • Best.Nr.: 14113060
Autorenporträt
Bénédicte Zimmermann ist außerordentliche Professorin für Soziologie an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris.
Inhaltsangabe
Einleitung Von der historischen Soziologie des Wohlfahrtsstaats zu einer Sozio-Geschichte der Kategorien des öffentlichen Handelns Definition eines Problems und kategoriale Formalisierung Die Beschränkungen einer Sozio-Geschichte des situierten Handelns I.Vom Begriff zu einer Kategorie des Handelns 1. Über Worte und ihren Gebrauch Die Arbeit und der Beruf Konstitutive Elemente für den Begriff 'Arbeitsloser' Das Aufkommen eines neuen Begriffs: die Arbeitslosigkeit 2. Arbeitslosigkeit zwischen individueller Schuld und kollektivem Risiko Das Thema Arbeitslosigkeit in den Debatten Armenpflege und Arbeiterversicherungen: zwei konkurrierende Modelle 3. Über die Produktion von Sinn und Wissen: Arbeit zwischen Wissenschaft und Politik Der Verein für Socialpolitik oder die Wissenschaft im Dienste des Handelns Die Institutionalisierung der Arbeiterstatistik Die Volkszählung von 1895 oder der unauffindbare Arbeitslose II. Die situierte Arbeitslosigkeit 4. Die Gewerkschaft, die Arbeitslosigkeit und der Beruf Arbeitslosigkeit: ein Berufsrisiko Statistiken und berufsübergreifende Verfahren zur Bestimmung der Arbeitslosigkeit 5. Die Kommune, die Arbeitslosigkeit und der Wohnort Die Kommune: Instanz zur Behandlung der sozialen Frage Die ersten politischen Maßnahmen im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit Statistiken und andere Verfahren der Kommunen zur Bestimmung der Arbeitslosigkeit 6. Koordinationen von gewerkschaftlichem und kommunalem Handeln Der paritätische Arbeitsnachweis Die Arbeitslosenversicherung nach dem Genter System: die Verfestigung einer Arbeiterelite III. Eine nationale Kategorie des politischen Handelns 7. Vermittlung durch Vereine und die Koalition der Reformer Die Schwierigkeit der Konvertierung von situierten Praktiken auf die nationale Ebene Zusammenschluss in Vereinen und Reformsynergie 8. Die unerreichbare nationale Politik Die Blockade der Exekutive Statistiken, politisches Handeln und Formen des Staates 9. Die Weimarer Republik oder die legitime staatliche Intervention Die Erwerbslosenfürsorge oder die Früchte des Krieges Die demokratische Neuordnung des Staates Arbeitslosigkeit zwischen Armenfürsorge und Versicherung Schluss Danksagung Anhang: Grafiken und Tabellen Quellen- und Literaturverzeichnis Register
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Hochinstruktiv findet Thomas Kreuder diese umfangreiche Untersuchung zur Arbeitslosigkeit in Deutschland, die die Soziologin Benedicte Zimmermann vorgelegt hat. Besonders für die von Zimmermann packend nachgezeichnete Entstehung der Kategorie Arbeitslosigkeit interessiert sich Kreuder - schließlich gab es bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts dafür nicht einmal einen Begriff. In diesem Zusammenhang bescheinigt er der Autorin, die Diskussionen zur Begriffsbildung sowie die langwierige, oft widersprüchliche und von zahlreichen Kämpfen begleitete Entwicklung bis zur Einrichtung einer gesetzlichen Arbeitslosenversicherung 1927 anschaulich zu schildern. Insbesondere die prägnante Darstellung von Anlässen, Motiven und maßgeblichen Akteuren der jeweiligen Positionen zur Arbeitslosigkeit hat Kreuder überzeugt.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Das Buch kann gerade mit Blick auf die gegenwärtigen Diskussionen um die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik mit Gewinn gelesen werden." (Zeitschrift für Politikwissenschaft, 15.12.2006)