Produktdetails
  • Verlag: Mittler & Sohn
  • Seitenzahl: 288
  • Abmessung: 255mm
  • Gewicht: 1260g
  • ISBN-13: 9783813208399
  • ISBN-10: 3813208397
  • Artikelnr.: 13442082
Rezensionen
Besprechung von 07.11.2005
Der Geist von gestern
50 Jahre Bundeswehr: Deutsches Militär im Wandel
Die Bundeswehr wird am 12. November 50 Jahre alt; aber schon seit dem Frühsommer jagt ein Festakt den nächsten. Große Reden und klingendes Spiel, fast scheint es, als müssten die Gesellschaft und ihr Militär einander unablässig und demonstrativ beteuern, wie treu der Staatsbürger in Uniform der Demokratie ergeben sei. Oder sie feiern mit einer gewissen Erleichterung, da dies heute nicht mehr ernsthaft in Frage steht.
Ein Geburtstagsgeschenk in Buchform ist jedenfalls der Band „50 Jahre Bundeswehr”. Die Autoren sind zwei kompetente Fachjournalisten, nämlich Rolf Clement vom Deutschlandfunk und Paul-Elmar Jöris vom WDR: Clement gehört sogar dem Beirat für Innere Führung beim Verteidigungsministerium an. Reich mit Bildern und Dokumenten versehen, schildert ihr Werk die Geschichte der Bundeswehr sachkundig quer durch alle Teilstreitkräfte und Institutionen bis hin zur Militärseelsorge.
Schon der erste Satz ist dabei Programm: „Eine Armee, die ihren 50. Geburtstag feiert, ist eine junge Armee.” Es ist eine Armee, so der Duktus der Verfasser, die vor allem als Truppe der Demokratie und keineswegs in der Tradition der meist unheilvollen deutschen Militärgeschichte, vor allem nicht der Wehrmacht, zu verstehen ist. Den Affären ist nur ein kurzes Kapitel gewidmet. „Immer wieder einmal haben Soldaten auch falsch verstandene Kameradschaft bewiesen”, heißt es da arg verknappt zur Einleitung eines Absatzes über die höchst problematische Wehrmacht-Nostalgie, welche in der Bundeswehr noch lange über die Gründerjahre hinaus verbreitet war. Die massiven Konflikte mit jenen Offizieren, die das Soldatenbild vom Staatsbürger in Uniform nur zähneknirschend oder auch gar nicht akzeptierten, bleiben weitgehend ausgespart.
So hat noch 1976 die Affäre Krupinski, der hier zwei Sätze gewidmet sind, die Bundeswehr tief erschüttert: Walter Krupinski, mit 197 Abschüssen einer der erfolgreichsten Jagdflieger des Zweiten Weltkrieges, hatte sich als General der Bundesluftwaffe durch Nähe zum früheren „Stuka-Ass” Hans-Ulrich Rudel heillos diskreditiert; Rudel war längst ein Rechtsextremer. Krupinski musste gehen, was damals noch zu erheblicher Unruhe in der Truppe führte.
Was solche Auseinandersetzungen für die Bundeswehr bedeuteten, bleibt hier blass; sie erscheinen wie beiläufige Betriebsunfälle. Andererseits kann man den Autoren insoweit beipflichten, dass die Bundeswehr insgesamt das geworden ist, was sie werden sollte: Eine Truppe, die - erstmals seit dem Untergang der tapferen badischen Revolutionsarmee von 1849 - ihren Frieden mit der Demokratie gemacht hat.
Im Buch des Historikers und Friedensforschers Detlef Bald liest sich das ganz anders. Er hat eine betont „kritische Geschichte” der Bundeswehr geschrieben, und bei ihm findet sich überreich, was bei Clement und Jöris fehlt: Rechte Generale, Militaristen in Uniform, schließlich die Auslandseinsätze als „neuer Interventionismus”, dem der Autor sehr negativ gegenübersteht: „Die Stärke des Rechts wich dem Recht des Stärkeren.” Balds Buch ist ein wirksames Gegengift gegen die Selbstgefälligkeit, von der die Dauerfeiern der Bundeswehr zum 50. Geburtstag keineswegs frei sind - es bleibt aber doch ein Gift. So richtig seine Kritik in vielen Punkten ist, Pannen und Affären sind eben nicht die ganze Geschichte der Bundeswehr.
Drückt sich das Buch von Clement und Jöris verlegen um Skandale herum, skandalisiert Bald die Geschichte der Nachkriegsarmee - bis zu einer abenteuerlichen Behauptung: Die Umstellung auf die Auslandseinsätze fördere den überholten Geist einer Kriegerkaste und ein „genuin militärisches Milieu nach rechten Mustern”; Belege sind die Affäre um den irrlichternden KSK-General Reinhard Günzel und der Folterskandal bei der Ausbildung in Coesfeld. Das ist freilich arg dünn, beide Ereignisse waren rare Ausnahmen. Günzel, der die antisemitischen Tiraden des CDU-Abgeordneten Homann unterstützt hatte, wurde sofort gefeuert und war, anders als seinerzeit Krupinski, in der Bundeswehr isoliert.
Balds Buch hat außerdem ein Problem. Es weiß keine Antwort auf die Frage: Was wäre die Alternative zu den Auslandsmissionen gewesen? Bin Laden einen rechtsfreien Raum in Afghanistan zu belassen, dem Wüten der serbischen Militärs im Kosovo hilflos zuzusehen? Eine deutsche Armee, die für die Menschenrechte einsteht, statt, wie vor 65 Jahren, gegen sie, müsste eigentlich im Sinne des Autors sein. Aber so einfach ist die Welt offenbar nicht.
JOACHIM KÄPPNER
ROLF CLEMENT/PAUL-ELMAR JÖRIS: 50 Jahre Bundeswehr. 1955 bis 2005. Verlag E. S. Mittler & Sohn, Hamburg 2005, 288 Seiten, 29,90 Euro.
DETLEF BALD: Die Bundeswehr. Eine kritische Geschichte. Verlag C. H. Beck, München 2005, 231 Seiten, 12,90 Euro.
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Besprechung von 29.08.2005
Angekoppelt

BUNDESWEHR. Zum 50. Geburtstag legen die Rundfunk-Journalisten Clement und Jöris - Mitglieder des Beirats für Fragen der Inneren Führung beim Bundesminister der Verteidigung - eine offiziöse Bestandsaufnahme vor. Sie widmet sich in üppig illustrierten Kapiteln der Sicherheitspolitik von 1945 bis zur Gegenwart, der Geschichte der Bundeswehr sowie den drei Teilstreitkräften mit der im Jahr 2000 geschaffenen Streitkräftebasis als gemeinsame logistische Organisation. Eine Chronik, Auszüge aus Dokumenten und eine Bildergalerie der dreizehn Verteidigungsminister, zehn Wehrbeauftragten und vierzehn Generalinspekteure runden die sehr informative Publikation ab. Das Für und Wider einer Berufsarmee wird erörtert. Dabei betonen die Autoren, daß die Wehrpflicht für ihre Befürworter stets ein Garant dafür gewesen sei, daß die Bundeswehr in der Gesellschaft integriert bleibe: "Erfahrungen der Partnerländer, die die Wehrpflicht abgeschafft hätten, zeigten, daß gerade diese Bindung der Gesellschaft an die Streitkräfte wesentlich gelockert würde. Die gesellschaftliche Anbindung sichere auch umgekehrt, daß sich die Bundeswehr von Entwicklungen in der Gesamtgesellschaft nicht abkoppele." Sie sei damit aufgeschlossener für die "Einstellung auf die ethnischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten in den Einsatzländern". Zudem könne die Bundeswehr durch die Wehrpflicht besser ihren Nachwuchs rekrutieren. Bei einem Rückblick auf Wolf Graf Baudissin und dessen Konzeption vom Soldaten als Staatsbürger in Uniform stellen die Verfasser die Wechselwirkung zwischen innerer Führung und Wehrpflicht heraus. Durch die ständige personelle Erneuerung "mit Menschen, die aus dem zivilen Leben und nur für kurze Zeit in die Bundeswehr kommen, blieb die Bundeswehr offen für gesellschaftliche Entwicklungen. Zudem sicherte dies auch das Interesse der Öffentlichkeit an den Vorgängen in der Bundeswehr." Was das in den vergangenen Jahrzehnten heftig diskutierte Verhältnis der heutigen Streitkräfte zur Wehrmacht betrifft, so wird an den Traditionserlaß von 1982 erinnert. Daher sei es "angemessen, denen Respekt entgegenzubringen, die in gutem Glauben ehrenhaft gekämpft haben". Jedoch könnten nur solche Wehrmachtsangehörige traditionsbegründend sein, die "vergeblich versucht haben, den Verbrechen und dem sinnlosen Krieg ein Ende zu setzen", oder "die aus Menschlichkeit den Bedrängten und Verfolgten beistanden und nicht selten dafür mit dem Leben bezahlten". (Rolf Clement/Paul Elmar Jöris: 50 Jahre Bundeswehr. 1955 bis 2005. Verlag E. S. Mittler & Sohn, Hamburg 2005. 288 Seiten, 29,80 [Euro].)

rab.

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

"Sehr informativ" findet der "rab." zeichnende Rezensent diese Bestandsaufnahme, die Rolf Clement und Paul Elmar Jöris zum 50. Geburtstag der Bundeswehr vorlegen. Der reich illustrierte Band widme sich der Sicherheitspolitik von 1945 bis zur Gegenwart, der Geschichte der Bundeswehr sowie den drei Teilstreitkräften mit der im Jahr 2000 geschaffenen Streitkräftebasis als gemeinsame logistische Organisation. Eine Chronik, Auszüge aus Dokumenten und eine Bildergalerie der dreizehn Verteidigungsminister, zehn Wehrbeauftragten und vierzehn Generalinspekteure runden den Band ab. Der Rezensent geht insbesondere auf die Diskussion des Für und Wider einer Berufsarmee ein und hebt hervor, dass sie für ihre Befürworter stets ein Garant für die Integration der Bundeswehr in die Gesellschaft gewesen sei.

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