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Am 7. April 2014 jährte sich zum zwanzigsten Mal der Völkermord in Ruanda. Vor dem Hintergrund der aufkommenden Gewalt, die 1994 zum verheerenden Völkermord eskaliert, schildert Scholastique Mukasonga den Schulalltag in den 1970er Jahren. Töchter ranghoher Politiker, Militärs, Geschäftsleute und Diplomaten einerseits, sowie mittelloser Bauern andererseits leben im christlichen Mädcheninternat Notre-Dame-vom-Nil zusammen. Hoch in den Bergen, nahe einer der Quellen des Nils erhalten sie unter strenger katholischer Aufsicht, fernab aller Verführungen der Großstadt, ihre Schulbildung. Sie sind…mehr

Produktbeschreibung
Am 7. April 2014 jährte sich zum zwanzigsten Mal der Völkermord in Ruanda. Vor dem Hintergrund der aufkommenden Gewalt, die 1994 zum verheerenden Völkermord eskaliert, schildert Scholastique Mukasonga den Schulalltag in den 1970er Jahren. Töchter ranghoher Politiker, Militärs, Geschäftsleute und Diplomaten einerseits, sowie mittelloser Bauern andererseits leben im christlichen Mädcheninternat Notre-Dame-vom-Nil zusammen. Hoch in den Bergen, nahe einer der Quellen des Nils erhalten sie unter strenger katholischer Aufsicht, fernab aller Verführungen der Großstadt, ihre Schulbildung. Sie sind größtenteils Hutu, die Aufnahme der Tutsi ist durch eine 10% Quote geregelt. Die schon angespannte Lage spitzt sich weiter zu, als zur Weihung einer neuen Marienstatue an der Nilquelle auch die militante ruandische Jugend geladen wird. Haben die Tutsi-Mädchen richtig eingeschätzt, wie gefährlich die Lage für sie wird?
'Ergreifend und schonungslos' Le Monde
  • Produktdetails
  • Afrika Wunderhorn
  • Verlag: Wunderhorn
  • 1. Aufl.
  • Seitenzahl: 182
  • Erscheinungstermin: 15. Juli 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 139mm x 20mm
  • Gewicht: 322g
  • ISBN-13: 9783884234693
  • ISBN-10: 3884234692
  • Artikelnr.: 40928444
Autorenporträt
Indra Wussow, studierte Literaturwissenschaft, lebt in Johannesburg/Südafrika und auf Sylt. Sie arbeitet als Autorin, literarische Übersetzerin und Kuratorin für verschiedene internationale Einrichtungen. 2002 gründete sie auf Sylt die von ihr geleitete Stiftung kunst:raum sylt quelle. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst. 2008 eröffnete die Stiftung eine Dependance in Johannesburg, das Jozi art:lab.

Andreas Jandl, geboren 1975, lebt in Berlin und übersetzt seit 2000 Dramatik und Belletristik aus dem Englischen und Französischen.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Einen grandiosen Roman über die Hintergründe des Genozids in Ruanda vor zwanzig Jahren annonciert Rezensentin Carla Baum mit Scholastique Mukasongas neuem Buch "Die heilige Jungfrau vom Nil". Die Kritikerin erlebt hier den schwelenden Hass zwischen Hutu und Tutsi an einem katholischen Mädcheninternat im Ruanda der Siebzigerjahre und den Konflikt zwischen traditionellen Familien Ruandas und den Weißen, die neben Bildung, Erziehung und Ernährung auch die kolonialistische Rasseneinteilung prägten. Nicht zuletzt liest sie aber auch von alltäglichen Strukturen und Problemen, etwa von einem Pfarrer, der Enthaltsamkeit predigt, während er die Schülerinnen zum Ausziehen zwingt, von Regenmacherinnen oder ersten, ängstlich erwarteten Regelblutungen. So gelinge es der Autorin, den grausam-abstrakten Vorstellungen des Völkermordes ein konkretes, alltägliches Gesicht zu verleihen, lobt die Rezensentin, die deshalb auch die ein wenig zu "flach" geratene Figurenzeichnung und bisweilen durchblitzende Schulmeister-Manier gerne verzeiht.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 03.11.2014
Auf zwanzig Schülerinnen zwei Tutsi
Ruanda auf dem Weg, der zum Völkermord führte: Scholastique Mukasongas Roman „Die heilige Jungfrau vom Nil“
Es gibt eine Wirklichkeit, die von der Fiktion nicht erfasst werden kann. Kein Roman, kein Spielfilm, keine Parabel hat es bis heute geschafft, auch nur annähernd den ruandischen Völkermord so begreifbar zu machen, wie es Tatsachen- und Augenzeugenberichte vermögen. Wer Dokumentationen gelesen hat wie „Wir möchten Ihnen mitteilen, dass wir morgen mit unseren Familien umgebracht werden“ von Philip Gourevitch, „Kein Zeuge darf überleben“ von Alison Des Forges oder „Handschlag mit dem Teufel“ vom damaligen UN-Chef in Ruanda, Roméo Dallaire, der weiß, dass keine noch so böse Phantasie der Realität des Völkermordes nahekommen kann.
  Dementsprechend skeptisch blickt man auf Scholastique Mukasongas Ruanda-Roman „Die heilige Jungfrau vom Nil“, der den immer stärker werdenden Hass zwischen Hutu und Tutsi in den Jahren vor dem Völkermord zum Kernthema hat. Die Schriftstellerin hat während des Genozids 1994 einen großen Teil ihrer Familie verloren. Sie selbst war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in Ruanda, schon als 17-Jährige wurde sie 1973 durch die anhaltende Gewalt gegen Tutsi in das Nachbarland Burundi vertrieben. Seit 1992 lebt sie in Frankreich. Und dort hat sie sehr viele Jahre später, genauer gesagt 2012, ihren Entwicklungsroman veröffentlicht, der nicht während des Völkermordes spielt, sondern in den Siebzigerjahren. Ein fiktionales Werk also, Jahrzehnte später aus der Erinnerung, der Wut, dem Schmerz und der Phantasie geboren. Wenn das mal gut geht.
  Dann aber beginnt man zu lesen und hört nicht mehr auf. Denn Mukasongas Buch über das katholische Mädchenkloster „Die heilige Jungfrau vom Nil“ hoch oben in den Bergen Ruandas fasziniert schon durch den Schauplatz und die Figuren. Es geht um das Erwachsenwerden in dieser abgeschiedenen Welt, um die Schülerinnen, deren Eltern Minister, Militärs und reiche Geschäftsleute sind.
  90 Prozent der Mädchen sind Hutu, zehn Prozent Tutsi. Eine Quotenregelung, die damals üblich und Quell ewigen Unfriedens war. Gloriosa, die Tochter eines hochrangigen Ministers, sagt zu Beginn: „Auf zwanzig Schülerinnen zwei Tutsi, das ist also die Quote, und wegen der haben Freundinnen von mir, echte Ruanderinnen vom Hauptvolk, dem Volk-der-Hacke, in der Schule keinen Platz mehr bekommen.“
  Gloriosa ist ein böses, aufsässiges, besserwisserisches Gör, das um die Macht ihres Vaters weiß und dementsprechend zügellos gegen zwei Tutsi-Mädchen zu Felde zieht. Am liebsten wüsste sie diese im Bauch von Krokodilen. Das eine Mädchen heißt Mutamuriza, was übersetzt „Bringt sie nicht zum Weinen“ bedeutet, das andere Tumurinde, zu Deutsch: „Schützt sie“. Was so klingende Namen sind, dass sie das schreckliche Ende des Romans schon erahnen lassen.
  Die Ideologie, der Hass der Mächtigen auf die Minderheit, die Verlogenheit der Kirche und der Kolonialmächte, all das zieht sich durch das gesamte Buch, und man würde es wohl nicht so interessiert lesen, hätte es nicht eine zweite Ebene. Auf der geht es um den Alltag der Mädchen, die mühelos zwischen ihrer ruandischen Identität und den im Kloster herrschenden europäischen Regeln hin und her wechseln. Mutamuriza und Tumurinde, die beiden Tutsi-Mädchen, werden an der Schule nur mit ihren katholischen Taufnamen gerufen, Veronica und Virginia. Und egal, ob Tutsi oder Hutu, alle Schülerinnen wandern problemlos zwischen den Welten. Sie verehren Heilige und auch die Beatles oder Johnny Holiday, schwärmen für den französischen Lehrer mit den langen blonden Locken oder für den neuesten Blockbuster aus Amerika.
  Ebenso sehr vermissen sie ihre Familien, streiten sich um das beste Rezept für Kochbananen oder schleichen sich zum Regenmacher oder zum Hexenmeister, damit dieser mit einem Pulver den Angebeteten für immer an sie bindet. Es sind die Sehnsüchte und Sorgen der Mädchen, die dieses Buch so außergewöhnlich machen, dieses Coming-of-Age in den Bergen Ruandas, von dem man in Europa bisher eher selten gelesen hat. Und je mehr man an dem Leben der Schülerinnen teilnimmt, desto plausibler kommen einem auch Figuren wie der halb verrückte europäische Plantagenbesitzer vor, der in seiner Privatkapelle die Legende der Tutsikönige nachstellen will, oder der Pater, der die Mädchen zwingt, sich vor ihm auszuziehen.
  Und auch, wenn der Hutu-Tutsi-Konflikt das Buch dominiert, auch wenn die Autorin allein schon aufgrund ihrer Biografie nur eine Partei ergreifen kann und sämtliche Hintergründe ausspart, die den Hass der Hutu auf die Tutsi zumindest erklären könnten, in diesem Roman wird der Alltag bessergestellter ruandischer Teenager sehr berührend geschildert. Umso mehr, als der Hass über weite Teile des Buches nur unterschwellig brodelt und erst gegen Ende offen in Gewalt ausbricht. Als Leser erschrickt man dann zwar kurz, aber noch beklemmender ist anschließend das Wissen, dass die Realität in Ruanda schon in den Siebzigern viel grausamer war, als es jede Fiktion darstellen kann.
MICHAEL BITALA
Scholastique Mukasonga: Die heilige Jungfrau vom Nil. Roman. Aus dem Französischen von Andreas Jandl. 182 Seiten. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2014. 24,80 Euro. E-Book 16,99 Euro.
Egal, ob Tutsi oder Hutu, die
Schülerinnen verehren
Heilige und die „Beatles“
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