10,49 €
versandkostenfrei*

inkl. MwSt.
Versandfertig in 2-4 Wochen
5 °P sammeln

Produktdetails
  • Verlag: RIVERHEAD
  • Seitenzahl: 480
  • Erscheinungstermin: 7. August 2018
  • Englisch
  • Abmessung: 191mm x 108mm x 32mm
  • Gewicht: 268g
  • ISBN-13: 9780525537199
  • ISBN-10: 0525537198
  • Artikelnr.: 53305084
Autorenporträt
Der lange Weg zum Erfolg

Die britische Autorin Paula Hawkins hat als Journalistin gearbeitet, bevor sie mit "Girl on the Train" zum Star der Thrillerszene wurde.

Es sei ihr letzter Würfelwurf gewesen. So beschreibt Paula Hawkins in Interviews immer wieder die Situation, in der sie sich befand, bevor ihr mit eben diesem Wurf der ganz große Erfolg gelang. Der Psychothriller "Girl on the Train", der 2015 erschien, entwickelte sich in Windeseile zu einem weltweiten Phänomen. Bis heute wurde er in mehr als 50 Länder verkauft und in über 40 Sprachen übersetzt. Die Gesamtauflage: über 20 Millionen. Die Hollywoodverfilmung mit Emily Blunt in der Rolle der alkoholkranken und im Mittelpunkt der Story stehenden Rachel Watson brachte dem trickreichen und spannungsgeladenen Roman 2016 einen weiteren Erfolgsschub.

Bis sich das Glück für die Schriftstellerin Hawkins, die 1972 als Tochter eines Wirtschaftsprofessors in Simbabwe (damals Rhodesien) geboren wurde, einstellte, dauerte es - wie schon erwähnt - eine ganze Weile. Nach ihrem Studium der Politikwissenschaft, Philosophie und Wirtschaft in Oxford kam die Britin zur renommierten Londoner Tageszeitung The Times, wo sie vor allem über Themen aus der Finanzwelt schrieb. Danach arbeitete sie als freie Journalistin für zahlreiche Publikationen und Medien, für die sie Geschichten in der ganzen Welt recherchierte, beispielsweise über den Diamantenhandel. In ihrem ersten Buch "The Money Goddess" gab sie spezielle Finanztipps für Frauen. 15 Jahre lang arbeitete Hawkins als Journalistin. Zum Romanschreiben kam sie schließlich, als ein Verlag sie für die Idee begeisterte, unterhaltsame und komische Liebesromane zu verfassen. Allerdings waren die Bücher, die Hawkins unter dem Pseudonym Amy Silver veröffentlichte, nicht sonderlich erfolgreich. Von dem vierten Roman in dieser Reihe verkauften sich lediglich 1.000 Exemplare. Der erhoffte Durchbruch als Autorin blieb Silver/Hawkins versagt.

Hawkins lieh sich Geld von ihren Eltern, um ihr nächstes Projekt angehen zu können, mit dem sie in das Genre der sinistren psychologischen Thriller vorzustoßen gedachte. "Ich wollte es diesmal besser machen als mit den vorangegangenen Büchern", erklärt Hawkins. "Und ich habe in diesem Moment alles auf eine Karte gesetzt. Mir war klar, dass ich wieder als Journalistin arbeiten müsste, wenn mir der große Wurf nicht gelingen sollte." Aber er gelang, der große Wurf - mit einem hochambitionierten und komplexen Thriller, in dem die Autorin das Thema häusliche Gewalt gekonnt mit dem des Drogenmissbrauchs verwebt. Die ehrgeizige Frau, die ein Faible für Vintagekleidung hat und die wenig über ihr Privatleben preisgibt, stieß mit ihrem verstörenden Debüt sofort in die erste Liga der Thriller- und Krimimeister vor, von denen sie Tana French, Harriet Lane, Megan Abbott, Louise Welsh oder Kate Atkinson als ihre literarischen Vorbilder angibt. Dank ihres Überraschungserfolges wurde Hawkins im Jahr 2016 zu einer derbestbezahltenAutor(inn)en der Welt. Das Fachmagazin "Forbes" führt sie mit einer Jahreseinnahme von 10 Millionen US-Dollar auf Platz neun der Liste, direkt hinter Harry-Potter-Erfinderin J.K. Rowling.

Nun ist also der Nachfolger des sensationellen Debüts erschienen: "Into the Water". Wie die Autorin zu dem Thema des neuen Buches erklärt, habe sie interessiert, wie Kindheitserinnerungen die Identität formen und prägen und welche Bedeutung Familienbeziehungen für uns haben. Hawkins gibt aber auch zu, dass ihr die Arbeit an dem zweiten Thriller nicht so leicht gefallen sei. "Als ich meinen ersten Thriller schrieb, war ich noch nicht so bekannt", sagte sie in einem Interview. "Heute kennt mich die halbe Welt. Und da ist der Druck natürlich wesentlich höher." Die ersten Kritiken jedenfalls lassen keinen Zweifel daran, dass Hawkins wieder ein großartiges Buch gelungen ist.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 06.06.2017

Bedrohliches Gluckern

Mit ihrem Debüt "Girl On the Train" landete sie einen Bestseller, jetzt hat Paula Hawkins mit "Into the Water" nachgelegt. Was taugt der Nachfolger?

Das zweite Buch ist immer das schwerste. Dieses Naturgesetz des Literaturbetriebs gilt erst recht, wenn der Autor mit seinem Debüt einen Bestseller hingelegt hat. Dann warten bald einige Gegner auf ihn, gegen die es anzuschreiben gilt - die Zeit, hohe Erwartungen, der Verdacht, eine Eintagsfliege zu sein. Für Paula Hawkins war der Druck gewaltig. Ihren 2015 veröffentlichten Erstling "Girl on the Train" (F.A.Z. vom 22. Juni 2015) fanden die Kritiker so gelungen, dass sie selbst vor Vergleichen zu Gillian Flynns Thriller "Gone Girl" nicht haltmachten. Noch begeisterter zeigten sich die Leser, die den in mehr als vierzig Sprachen übersetzten und mit Emily Blunt verfilmten Roman bis heute gut zwanzig Millionen Mal erwarben.

Hawkins, inzwischen eine der am besten verdienenden Schriftstellerinnen überhaupt, hat nicht lange gefackelt und nun mit "Into the Water" nachgelegt. Schauplatz des Geschehens ist die englische Gemeinde Beckford, wo seit Jahrhunderten bemerkenswert viele Frauen in einer als "Drowning Pool" bezeichneten Flussbiegung ums Leben kommen. Zufall? Keineswegs. "Beckford ist ein Ort, um unbequeme Frauen loszuwerden", notiert Nel, die von den Todesfällen fasziniert ist und ihrerseits schon vor dem Beginn der am analytischen Detektivroman orientierten Handlung stirbt. Daraufhin geht es einerseits um die in der Zukunft liegende Aufklärung ihres Todes, andererseits um die in die Vergangenheit zurückreichende Vorgeschichte.

Diese zeitliche Doppelstruktur ist der Autorin augenscheinlich zu dünn, weswegen sie weitere, mitunter völlig irrelevante Sterbefälle schildert und zur Enträtselung freigibt. Darunter leidet die Überschaubarkeit, so dass nach wenigen Kapiteln nicht mehr klar ist, wer wann was zu wem gesagt hat und wer wem was verheimlicht. Das Resultat ist ein nur mit Mühe zu entwirrender Plotsalat, der die Lektüre erschwert und aus folgender Figurenäußerung eine ironische Pointe macht: "Irgendwann hab ich aufgehört, mich zu konzentrieren, hab an andere Dinge gedacht, mich neuen Themen zugewandt, nicht mehr zugehört und so den Faden verloren."

Problematisch auch das abgegriffene Personal. Da ist zum Beispiel die Familie Townsend, bestehend aus Sean (Polizist, verhaltensauffällig), Patrick (sein Vater, sinister) und Helen (seine Frau, blutleer) - ein Trio, das die Psychotherapie vor ganz neue Herausforderungen stellen könnte. Oder Nels Schwester Julia, die so viel Schicksalslast mit sich herumschleppt, dass ihr Geburtsort ein Schnupperkurs für kreatives Schreiben zu sein scheint. Besondere Nachsicht wird dem Leser bei Nickie abverlangt, einer Seherin mit lila Haaren und schwarzem Eyeliner, die von Hawkins, sozusagen als Bonbon, einen Samtschlapphut aufgesetzt bekommt. Hogwarts ist da nur noch einen Besenritt entfernt.

Insgesamt haben wir es mit elf Hauptfiguren zu tun, die leistungsstarke Überdrusskatalysatoren abgeben, sobald sie sich - obwohl über mancherlei im Bilde - kryptodämlich raunend zu Wort melden. Eine ihrer Funktionen ist es, uns jenes Unbehagen abzupressen, das sie selbst pausenlos empfinden und das bei ihnen Reaktionen provoziert, die sich vor keinem Groschenheft verstecken müssen: "Sämtliche Härchen an meinem Körper stellten sich auf", "wobei sich mir die Nackenhaare aufstellten", "ich bekam eine Gänsehaut", "meine Kopfhaut kribbelte nervös", "meine Kopfhaut begann zu kribbeln".

Während Hawkins in Bezug auf die Todesfälle höhere Geheimniskrämerei kultiviert, schüttet sie am Reißbrett entworfene Konstellationen und klischeehafte Gimmicks ohne jedes Feingefühl über uns aus. Das Gruselregister etwa klingt so: "In den Bäumen hinter der Hütte konnte ich eine Eule rufen hören und dann noch einmal: jemanden husten." Birken erscheinen plötzlich wie Gespenster, der Handyempfang ist gestört, und das "Gluckern des Flusses klang nicht mehr fröhlich, sondern bedrohlich". In diesem Ambiente aus "Hunderten von Horrorfilmen" quaken schließlich sogar die Kröten, bevor sich zur Entschärfung der Lage ein blökendes Schaf blicken lässt.

Durchgehend bemüht die Autorin das Wasser als Leitmotiv, wobei sie seine Formlosigkeit mit der düsteren Handlung verknüpft. Das haben wir schnell verstanden, doch der Wille zur morastigen Droste-Hülshoff-Stimmung treibt Hawkins in die ästhetische Ausschweifung: Beharrlich und bis zum Ende wird in diesem strapaziösen zweiten Buch das von Schlamm und Modder ausgehende Unheil heraufbeschworen. Da braucht es tapfere Leser, denen es egal ist, dass sie bereits nach wenigen Seiten kein Land mehr sehen.

KAI SPANKE

Paula Hawkins:

"Into the Water". Traue keinem - außer dir selbst.

Roman.

Aus dem Englischen von Christoph Göhler.

Blanvalet Verlag, München 2017. 480 S., br., 14,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr
"Paula Hawkins does it again! Into the Water is a moody and chilling thriller that will have you madly turning the pages. A gripping, compulsive read!" Shari Lapena