Doctor Sleep - King, Stephen
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Produktdetails
  • Verlag: SCRIBNER BOOKS CO
  • Seitenzahl: 531
  • Erscheinungstermin: 10. Juni 2014
  • Englisch
  • Abmessung: 208mm x 134mm x 43mm
  • Gewicht: 471g
  • ISBN-13: 9781451698855
  • ISBN-10: 1451698852
  • Artikelnr.: 40144777
Autorenporträt
Stephen King wird am 21. September 1947 in Portland, Maine, geboren. Als er zwei Jahre alt ist verlässt der Vater die Familie, und die Mutter muss King und seinen Bruder mit wechselnden Jobs durchbringen. Durch das Erfinden von Horrorgeschichten will King, der sich stets als Außenseiter empfindet, der Langeweile des ländlichen Lebens entfliehen. Seinen ersten Kontakt mit Horrorliteratur bekommt er, als er eine Kiste mit Horror- und Science-fiction-Büchern im Haus seiner Tante entdeckt. Bereits im Alter von sieben Jahren beginnt King mit ersten eigenen Schreibversuchen. - Von 1966 bis 1970 studiert King Englische Literatur an der University of Maine und arbeitet anschließend als Englischlehrer. Nach den Erfolgen seiner ersten Romane "Carrie" und "Brennen muss Salem" 1974, widmet sich King nur noch seiner Karriere als Schriftsteller. Er veröffentlicht einige Romane unter dem Pseudonym Richard Bachman, "nur um zu testen, ob sich meine Bücher auch gut verkaufen lassen, wenn nicht Stephen King auf dem Umschlag steht" (King). Er ist der meistgelesene Horror-Autor der Welt. In den internationalen Bestsellerlisten ist er Dauergast, oft mit mehreren Titeln gleichzeitig. - Seit 1980 lebt King mit seiner Frau Tabitha, die ebenfalls als Schriftstellerin erfolgreich ist, und seinen drei Kindern in einem viktorianischen Herrensitz in Bangor/Maine. Stephen King ist der populärste Schriftsteller der Vereinigten Staaten und der meistgelesene Horrorautor der Welt. Von seinen Romanen wurden bereits 100 Millionen Exemplare verkauft. Viele davon wurden erfolgreich verfilmt.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 21.01.2014

Schließfächer
des Unbewussten
In Stephen Kings „Doctor Sleep“
kehrt das „Shining“ zurück
Das Schöne an der Literatur ist, dass die Wirklichkeit nie ihr grauses Haupt zu er-heben braucht. Wenn edle Ritter um tö-richte, aber ansonsten recht ansehnliche Jungfrauen buhlen oder andere Helden mit dem Drachen kämpfen, um hinterher in deren Blut zu baden, das sie so gut wie unverwundbar macht, dann ist das hohe Kunst oder jedenfalls weit genug von der neurodermitischen oder ehezänkischen Realität entfernt, die den Leser sonst ge-fangen hält. Eskapismus kann das nur nennen, wer nie ein Buch gelesen hat.
  Stephen King nährt sich nun schon mehr als vier Jahrzehnte von dem literarischen Sub-Genre der Horror-Literatur. Dass er dem Leser damit Angst macht oder der Wirklichkeit entreißt, gilt ihm als Kompliment. Abgesehen vielleicht von ein paar muslimischen oder katholischen Mystikern würde niemand im Ernst einer menstruierenden Schülerin parapsychologische Fähigkeiten zuschreiben. Bisher sind in der freien Wildbahn auch selten Autos beobachtet worden, die zum selbständigen Morden neigen. Doch ereignen sich, wie ein namhafter Phantast bemerkt hat, zwischen Himmel und Erde und erst recht in der Literatur manchmal Dinge, von denen sich unsre Schulweisheit nichts träumen ließe, und der Schriftsteller King phantasiert einfach mehr und besser, als sich das durchschnittliche Unbewusste so zusammenreimt.
  King ist ein wahrer Meister des schlechten Traums: Wie Danny eines Morgens neben einer jungen, aber bereits recht verwahrlosten Frau aufwacht, nicht weiß, wie er an sie geraten ist, darüber nachgrübelt, wie er sein Geld losgeworden ist, bis ein kleines Kind mit überfüllter Windel hereinspaziert, das sich sogleich an dem übrig gebliebenen Kokain bedienen will, weil es wie Zucker aussieht – das ist die Art Wahrtraum, der bei den meisten nie wahr wird, sich aber wegen der realitätsnahen Absturzgeschwindigkeit umso gruseliger liest.
  Jahre, Jahrzehnte nach dem Unheil, das sich im Hotel Overlook begab, wendet sich Stephen King noch einmal seinem mit dem „Shining“ begabten Danny zu. Er ist nicht mehr fünf wie im gleichnamigen Roman aus dem Jahr 1977, aber er wird die Geister, die sein Vater rief, nie mehr ganz los, auch wenn er lernt, sie in Schließfächern im Gehirn wegzusperren. Fünfunddreißig Jahre nach seinem ersten Auftritt ist er ein ziemlich gewöhnlicher Alkoholiker, ein autodestruktiver Säufer wie sein Vater, nur ohne dessen schöpferischen Ehrgeiz. Nach dem Vater verliert er auch die Mutter, treibt ohne richtigen Beruf durchs Leben, bis er seine Berufung als titelspendender „Doktor Schlaf“ findet, eine Art agnostischer doctor angelicus , der Hospiz-Insassen beim Sterben begleitet und in das hinüberführt, was euphemistisch „Schlaf“ genannt wird.
  Das reicht aber nicht, ohne den vertrauten Horror geht es doch nicht. King erfindet blutsaugerische Untote, die den „wahren Knoten“ bilden, in Wohnmobilen über Land ziehen, das sie nach Scientology-Art ohnehin schon halb aufgekauft haben, und sich von der Lebenskraft, hier als „steam“ (Dampf) bezeichnet, unschuldiger und möglichst junger Menschen nähren. Es entbrennt naturgemäß ein Kampf auf Leben um Tod mit ganz viel „Shining“ und Identitätsspiegelung, der irgendwann auch den geduldigsten Leser erschöpft. Aber es geht nicht um irgendwelche Existenzialismen, sondern um die Bilder, die King dabei zu beschwören versteht. Beiläufig und ge-wiss ohne Not fällt eine Bemerkung, die nur poetologisch zu verstehen ist. Eine emeritierte Englischprofessorin muss sich trotz ihrer akademischen Laufbahn eingestehen, dass auch in ihrem Kopf Aberglauben und Altweibergeschichten herum spuken, dass wie sie die meisten Künstler „ausgesprochen funktionstüchtige Schizo-phrene waren“.
  Stephen King erzählt heute bereitwillig, dass er recht viel getrunken hat, als er „Shining“ schrieb und heute vorbildlich trocken ist. Geholfen haben ihm dabei die Anonymen Alkoholiker, deren abgeklärte Sprüche zur Lebensweisheit den neuen Roman als Werk eines gereiften Mann ausweisen. Das sind zwar eher lähmende Passagen, der Horror entstammt aber nicht einer gut trainierten Phantasie, sondern dem Alltag, eine andere Art von Untergrund. Auch wenn der Roman sich manchmal mit seiner pädagogischen Bemühtheit zu erdrosseln droht, bleibt doch immer der Schrecken des Alltags, der allergewöhnlichste Schrecken, wie in wüsten Träumen gar nicht mehr aus dem Elend herauszufinden.
  „Doctor Sleep“ ist der Roman für die Therapiegesellschaft, die verständlicherweise nichts mehr fürchtet als den Tod. Den Weg dorthin erleichtert Dannys Sterbebegleitung, und dieser letzte Weg ist mit den Vorsätzen der Anonymen Alkoholiker gepflastert. Der Horror, den King für seine vertrauten Fans beschwört, wirkt gegen die Wirklichkeit des Sterbens fast zahnlos. Aber er hat wieder solide Arbeit geleistet, auch beim altersmilden King gruselt es einen nach alter Weise.
WILLI WINKLER
      
Stephen King: Doctor Sleep. Roman. Aus dem Englischen von Bernhard Kleinschmidt. Heyne Verlag, München 2013. 704 Seiten, 22,99 Euro, E-Book 18,99 Euro.
Als titelgebender Doktor Schlaf
ist aus dem begabten Danny
ein Sterbebegleiter geworden
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