Pnin - Nabokov, Vladimir
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Produktdetails
  • Verlag: BRILLIANCE CORP
  • Gesamtlaufzeit: 360 Min.
  • Erscheinungstermin: 28. Juli 2015
  • ISBN-13: 9781501264825
  • Artikelnr.: 42556428
Autorenporträt
Vladimir Vladimirovich Nabokov was born on April 23, 1899, in St. Petersburg, Russia. The Nabokovs were known for their high culture and commitment to public service, and the elder Nabokov was an outspoken opponent of antisemitism and one of the leaders of the opposition party, the Kadets. In 1919, following the Bolshevik revolution, he took his family into exile. Four years later he was shot and killed at a political rally in Berlin while trying to shield the speaker from right-wing assassins. The Nabokov household was trilingual, and as a child Nabokov was already reading Wells, Poe, Browning, Keats, Flaubert, Verlaine, Rimbaud, Tolstoy, and Chekhov, alongside the popular entertainments of Sir Arthur Conan Doyle and Jules Verne. As a young man, he studied Slavic and romance languages at Trinity College, Cambridge, taking his honors degree in 1922. For the next eighteen years he lived in Berlin and Paris, writing prolifically in Russian under the pseudonym Sirin and supporting himself through translations, lessons in English and tennis, and by composing the first crossword puzzles in Russian. In 1925 he married Vera Slonim, with whom he had one child, a son, Dmitri. Having already fled Russia and Germany, Nabokov became a refugee once more in 1940, when he was forced to leave France for the United States. There he taught at Wellesley, Harvard, and Cornell. He also gave up writing in Russian and began composing fiction in English. In his afterword to Lolita he claimed: "My private tragedy, which cannot, and indeed should not, be anybody's concern, is that I had to abandon my natural idiom, my untrammeled, rich, and infinitely docile Russian tongue for a second-rate brand of English, devoid of any of those apparatuses-the baffling mirror, the black velvet backdrop, the implied associations and traditions-which the native illusionist, frac-tails flying, can magically use to transcend the heritage in his own way." [p. 317] Yet Nabokov's American period saw the creation of what are arguably his greatest works, Bend Sinister (1947), Lolita (1955), Pnin (1957), and Pale Fire (1962), as well as the translation of his earlier Russian novels into English. He also undertook English translations of works by Lermontov and Pushkin and wrote several books of criticism. Vladimir Nabokov died in Montreux, Switzerland, in 1977.
Rezensionen
Besprechung von 26.05.2012
Pnin

Dean H., britischer Germanist in Deutschland, hatte ein einfaches Kriterium für gute Literatur. Wenn er dreimal an den Rand eines Buches "Wow!" schreibe, so warf er in eine recht akademische Kneipendiskussion ein, sei es gut. Da mussten wir herzlich lachen. Anschließend hatten wir Mühe, ihm seinen Lieblingsschriftsteller aus der Nase zu ziehen: Charles Dickens, den wir zuletzt in Kindertagen gelesen hatten. Zweite Lachsalve. Dickens? Weil er es verstehe, einfache Leute trefflich zu schildern. Betretenes Schweigen über so viel existentiellen Ernst. Am liebsten kaufte Dean gebrauchte Bücher, weil er den Geruch und den Gedanken an frühere Lektüren mochte. Sonst war er eher ein harter Knochen, ständig blank, Ovo-Vegetarier und immun gegen die Wirkung von Alkohol. Nur in einer Situation habe ich ihn nervös und laut werden sehen: Jedes Mal, wenn er - zurück in England - die Mitstudentin traf, die ihn während seines Deutschland-Aufenthaltes verlassen hatte, die Liebe seines damaligen Lebens.

Was hat das alles mit Romanhelden zu tun? Beim Nachdenken über meine Favoriten fiel mir auf, dass ich echte Menschen sehr viel lieber mag als Romanmenschen, was wohl daran liegt, dass man mit echten Menschen interagieren kann. Während der unnachahmliche Reiz von Romanen letztlich doch in der Position des Autors zu seinen Figuren und nicht in den Figuren selbst liegt. Der Autor interagiert statt unserer mit seinen Figuren, und wenn uns das Spiel gefällt, mögen wir sein Buch. Trotzdem mögen wir natürlich auch Romanfiguren unterschiedlich gerne, wofür es nur subjektive Gründe gibt.

Als ich kürzlich zum ersten Mal "Pnin" von Vladimir Nabokov gelesen habe, ein unfassbar gutes Buch, kam mir alles bekannt vor. Gleich habe ich den Titelhelden, einen kahlen Russen mit breiten Schultern, liebenswürdigem Akzent und der Bereitschaft zur unglücklichen Liebe ins Herz geschlossen. Dreimal und noch öfter habe ich an den Rand des Buchs nicht "Wow!", aber doch ein dreifaches Ausrufezeichen gesetzt. Ohne die Bekanntschaft mit Dean H. wäre das wohl nicht möglich gewesen. Diese heimatlose, tragikomische Würde muss man erlebt haben, um sie auch im Kleinsten zu verstehen. Drei an sich unbedeutende Nebenszenen haben mich besonders beeindruckt: Pnin, der in ein schlechtes Restaurant geht aus "Solidarität mit der Erfolglosigkeit", Pnin, der leidenschaftlich mittelmäßig Schach spielt, und Pnin, der uralte Leihbücher liest. Näher muss man dem wahren Leben in seiner ganzen Komik erst einmal kommen. Das kann man von Dean und Pnin lernen: Bei guten Büchern braucht man das Leben zum Vergleich, um zu erkennen, wie literarisch es ist.

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