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Fremdheit ist universal. Es gibt sie in allen Kulturen, bei allen Menschen. Fremdheit kann verzaubern. Sie kann aber auch als bedrohlich erlebt werden. Heinrichs geht den historischen, ethnologischen und psychoanalytischen Deutungen nach, verbindet Fremdheit mit Erfahrungen und Erlebnissen und konfrontiert uns mit dem politischen Thema unserer Zeit: An welchen Punkten beginnt die Verachtung des Andersseins? Dieses Buch rückt das große Thema der Fremdheit in unsere gedankliche und emotionale Nähe. Es erzählt von der Fremdheit im Erleben der Menschen, die in Not aus anderen Gesellschaften…mehr

Produktbeschreibung
Fremdheit ist universal. Es gibt sie in allen Kulturen, bei allen Menschen. Fremdheit kann verzaubern. Sie kann aber auch als bedrohlich erlebt werden. Heinrichs geht den historischen, ethnologischen und psychoanalytischen Deutungen nach, verbindet Fremdheit mit Erfahrungen und Erlebnissen und konfrontiert uns mit dem politischen Thema unserer Zeit: An welchen Punkten beginnt die Verachtung des Andersseins?
Dieses Buch rückt das große Thema der Fremdheit in unsere gedankliche und emotionale Nähe. Es erzählt von der Fremdheit im Erleben der Menschen, die in Not aus anderen Gesellschaften fliehen, und es erzählt davon, wie jeder von uns Fremdheit erleben kann. Auf Reisen und im sozialen wie im privaten Umfeld, wenn wir mit eigenen, uns fremd erscheinenden Gefühlen konfrontiert werden. Was aber geschieht, wenn diejenigen, die gerade selbst noch Fremde in einem anderen Land waren und willkommen geheißen wurden, ihre positive Fremdheitserfahrung aufgeben? An welchen Punkten beginnen Ablehnung und Diskriminierung anderer Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihres Äußeren? Kennen alle Kulturen die Verachtung des Andersseins? Hans-Jürgen Heinrichs, der bekannte Ethnologe und Schriftsteller, schöpft aus seinem reichen Erfahrungsschatz als Weltreisender und seinem Wissen über europäische und außereuropäische Kulturen und zeigt, dass Fremdheit ein universales Phänomen ist. Das Besondere dieses Buches ist, vom Leben der Menschen zu erzählen, von ihren Ängsten und Absonderlichkeiten, ihren Potentialen und Visionen - ebenso ernsthaft wie heiter und immer spannungsvoll.
  • Produktdetails
  • Verlag: Verlag Antje Kunstmann
  • Artikelnr. des Verlages: 14290
  • Seitenzahl: 245
  • Erscheinungstermin: 13. Februar 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 146mm x 25mm
  • Gewicht: 450g
  • ISBN-13: 9783956142901
  • ISBN-10: 395614290X
  • Artikelnr.: 54484030
Autorenporträt
Heinrichs, Hans-Jürgen
Hans-Jürgen Heinrichs, freier Schriftsteller und Ethnologe mit ausgedehnten Reisen in Afrika, im Vorderen Orient und Pazifik, lebte lange Zeit in Spanien, Amsterdam, Rom und Paris, und wohnt seit 2008 in Berlin. Er ist Autor eines breiten kulturtheoretischen Werks und hat zahlreiche Prosa- und Essaybände publiziert sowie Biografien (u.a. über Leiris, Bataille, Lévi- Strauss, Frobenius, Morgenthaler) und Gesprächsbände, u.a. mit Peter Sloterdijk, Georges-Arthur Goldschmidt, Gerhard Roth, und 2006 im Antje Kunstmann Verlag Schreiben ist das bessere Leben. Er ist auch Herausgeber vieler Werk-Editionen.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 20.08.2019

Heute sagt man divers
Begriffswandel: Hans-Jürgen Heinrichs über Fremdheit

Bis noch vor wenigen Jahren hat der Begriff Fremdheit in den Kultur- und Sozialwissenschaften eine zentrale Rolle gespielt. Die Alteritätsdebatte hatte zunächst von Frankreich ihren Ausgang genommen, wo sie mit den Namen von Emmanuel Levinas, Michel Leiris und Julia Kristeva verbunden war, um später vor allem in der amerikanischen Kulturanthropologie fortgeführt zu werden.

Durch seine Veröffentlichungen zur französischen Ethnologie und Ethnopoesie hat der Schriftsteller und zeitweise Verleger Hans-Jürgen Heinrichs damals entscheidend dazu beigetragen, die Debatte auch in Deutschland einem breiteren Publikum näherzubringen. Bereits 1992 richtete die Volkswagenstiftung zu dem Thema eines ihrer erfolgreichsten Förderprogramme ein, an dessen Verlauf sie erst vor zwei Jahren mit einer großen Tagung erinnerte.

Inzwischen sieht es freilich anders aus. Fremdheit scheint auf dem besten Wege, zu einem tabuisierten Begriff zu werden. Das Wort "Fremdenfeindlichkeit" solle im Amtsgebrauch möglichst nicht verwendet werden, so konnte man neulich lesen, da es doch nur negative Assoziationen auslösen würde. Statt Fremdheit ist heute Diversität zum neuen Schlüsselbegriff geworden. Während einzelne Gruppen ihre, sei es religiöse, kulturelle oder auch sexuelle Andersheit besonders hervorkehren, unterliegt deren Hervorhebung durch Außenstehende zugleich einer Art von Bann.

Wie kontraproduktiv eine solche Attitüde sein kann, belegt der auch durch seine Arbeiten zur Ethnopsychoanalyse hervorgetretene Heinrichs in seiner neuesten Abhandlung. Das Fremde wie das Eigene seien Konstrukte, die sich gegenseitig bedingten, denn erst durch die Abgrenzung von dem als fremd Wahrgenommenen konstituiere sich das Eigene. Dies ginge aber nur um den Preis, dass die in jeder Person auch immer vorhandenen fremden Anteile - Freud sprach bekanntlich einmal vom "inneren Afrika" - zugunsten einer Homogenisierung des Ichs unterdrückt werden müssten.

Die Verdrängung dieser Anteile erkläre, weshalb die Begegnung mit dem realen Fremden häufig Gefühle der Abwehr auslöst, die sich in Hass und Aggressionen äußern. Heinrichs führt dafür viele Beispielen an, die seit dem Ausbruch der Flüchtlingskrise tagtäglich in den Medien zu verfolgen sind. Wie sich umgekehrt ein "Fremder" fühlt, der sich an die ihm unvertraute Umgebung anzupassen versucht und dann doch gegen deren Normen und Regeln verstößt, konnte er selbst auf den zahlreichen Reisen erleben, die ihn als jugendlichen Globetrotter über Afrika und Asien bis nach Ozeanien führten.

Die alte ethnologische Einsicht, dass Fremderfahrung zugleich auch immer Selbsterfahrung ist, durchzieht so wie ein roter Faden den breit angelegten Streifzug durch Ethnopsychoanalyse, Philosophie, Literatur und Gegenwartskunst. Zwar kritisiert Hans-Jürgen Heinrichs die "maßlose Verzerrung und Überhöhung der Differenz zwischen Eigen und Fremd", doch weiß er zugleich von dem Reiz und der Anziehungskraft, die vom Fremden schon immer ausging. Schade, dass gerade dieser Aspekt in seinem Buch etwas in den Hintergrund getreten ist.

KARL-HEINZ KOHL

Hans-Jürgen Heinrichs: "Fremdheit". Geschichte und Geschichten der großen Aufgabe unserer Gegenwart.

Verlag Antje Kunstmann, München 2019.

245 S., Abb., geb., 22,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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