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Erscheint vorauss. 17. September 2019
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Fesselnd und dramatisch erzählt der Meister der literarischen Verknappung eine Parabel über das Leben und die Angst. Wohl noch nie ist ein Künstlerleben, das unter den Zwängen der rassistischen Verfolgung im Nationalsozialismus stand, derart verdichtet dargestellt worden. Rom, im Mai 1933. Ein Angriff des Malers Graf von Merveldt zwingt den deutsch-jüdischen Künstler Felix Nussbaum, die Villa Massimo zu verlassen. Die Rückkehr nach Deutschland ist ihm und seiner Lebensgefährtin, der polnisch-jüdischen Malerin Felka Platek, angesichts der Judenfeindschaft des Hitler-Regimes unmöglich.…mehr

Produktbeschreibung
Fesselnd und dramatisch erzählt der Meister der literarischen Verknappung eine Parabel über das Leben und die Angst. Wohl noch nie ist ein Künstlerleben, das unter den Zwängen der rassistischen Verfolgung im Nationalsozialismus stand, derart verdichtet dargestellt worden. Rom, im Mai 1933. Ein Angriff des Malers Graf von Merveldt zwingt den deutsch-jüdischen Künstler Felix Nussbaum, die Villa Massimo zu verlassen. Die Rückkehr nach Deutschland ist ihm und seiner Lebensgefährtin, der polnisch-jüdischen Malerin Felka Platek, angesichts der Judenfeindschaft des Hitler-Regimes unmöglich. Schließlich finden sie eine Bleibe in Brüssel. Obwohl die Bedrohung durch die deutschen Besatzungsbehörden zunimmt, retten sie sich nicht nach Palästina.
  • Produktdetails
  • rororo Taschenbücher .27128
  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • Artikelnr. des Verlages: .19948
  • Seitenzahl: 208
  • Erscheinungstermin: 17. September 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 115mm
  • ISBN-13: 9783499271281
  • ISBN-10: 3499271281
  • Artikelnr.: 54535081
Autorenporträt
Schädlich, Hans Joachim
Hans Joachim Schädlich, 1935 in Reichenbach im Vogtland geboren, arbeitete an der Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin, bevor er 1977 in die Bundesrepublik übersiedelte. Für sein Werk bekam er viele Auszeichnungen, u. a. den Heinrich-Böll-Preis, Hans-Sahl-Preis, Kleist-Preis, Schiller-Gedächtnispreis, Lessing-Preis, Bremer Literaturpreis, Berliner Literaturpreis und Joseph-Breitbach-Preis. 2014 erhielt er für seine schriftstellerische Leistung und sein politisches Engagement das Bundesverdienstkreuz. Hans Joachim Schädlich lebt in Berlin.
Rezensionen
Jeder Satz ein Treffer, das Ganze eine Kondensation aus Wissen und Imagination.
Besprechung von 08.02.2018
Ein letzter Fiebertraum des Malers

Wo das Dunkel wächst, sind große Worte nicht nötig: Hans Joachim Schädlich erzählt in "Felix und Felka" mit ergreifender Präzision vom Leben der beiden Maler Nussbaum bis zum gewaltsamen Ende.

Anfangs ist da nur ein Nasenbluten, das Resultat einer Prügelei unter deutschen Malern, Stipendiaten der Villa Massimo in Rom: Der eine, ein gewisser Graf von Merveldt, wähnt sich als Opfer eines Ideendiebstahls und schlägt den vermeintlich Schuldigen, den Maler Felix Nussbaum, so hart, dass der zu bluten beginnt. Der Arzt sagt dazu: "Es ist nichts Ernstes. Sie können unbesorgt sein", aber weil die Szene im Mai 1933 spielt und das Opfer der Attacke ein Jude ist, hallt der Satz, gelesen in einem 2018 erschienenen Roman, natürlich nach. Es ist ernst, wissen wir, es wird sogar immer ernster werden, und die Spannung zwischen unserem Wissen und dem Ahnen der Figuren ist eines der Elemente, die Hans Joachim Schädlichs Buch "Felix und Felka" prägen.

Eine Gattungsbezeichnung trägt es nicht, wohl weil die Erwartungen an ein "Roman" getauftes Werk andere wären. Dieses beginnt wie das Skript zu einem Film, das zunächst die Atmosphäre umreißt ("Ein warmer Mai-Nachmittag"), den Schauplatz vorstellt ("Der Park ringsum in dunklem Grün"), die Protagonisten, natürlich im Präsens ("Auf dem Platz vor der Villa, im Pinienschatten, stehen Felix und Felka"), und dann sofort den Dialog der beiden abbildet.

Zu Beginn ergibt all das eine spürbare, geradezu ausgestellte Kargheit, die über den Verlauf des Textes hin immer weiter zunimmt und schließlich in die äußerste Reduktion mündet, in eine Abfolge von Listen: "Memento", heißt das letzte Kapitel, und da steht dann nur noch eine Reihe von Namen mit den Lebensdaten. Es sind die Protagonisten des Buchs, die uns zuvor in allen ihren Lebensumständen begegnet waren, in Not und Freude, liebend, fürsorglich und mitunter auch einander verletzend, mit dem Wunsch, Kunst zu schaffen und den damit verbundenen Hoffnungen und Enttäuschungen, vor allem aber voller Lebensdrang, der sich noch unter elenden Bedingungen beweist. Nun steht hinter den Namen von Felix Nussbaum und seiner Frau Felka, hinter denen der Eltern, des Bruders und der Schwägerin, der Nichte und schließlich des Cousins als Todesjahr 1944, als Sterbeort "Auschwitz" oder "Stutthof". Nur hinter den Namen von Felka Nussbaums Eltern, den Ostjuden, denen in der saturierten Nussbaum-Familie eine gewisse Reserviertheit galt, steht "verschollen", ohne Jahreszahl, und das ist mindestens so beklemmend wie das Schicksal der anderen.

Erzählt wird bis dahin die Geschichte einer Flucht, die das Maler-Ehepaar Felix und Felka Nussbaum durch Italien und Frankreich führt, nach Brüssel und Ostende, bis die untergetauchten Juden schließlich durch Verrat entdeckt und nach Auschwitz verschleppt werden. Die Flucht setzt ein, als sie beide entscheiden, die Villa Massimo vorzeitig zu verlassen, und zuerst könnte man sich durchaus vormachen, eine Urlaubsreise an die französische Mittelmeerküste zu unternehmen: Noch ist genügend Geld da, noch sind da alte Bekanntschaften, an die man anknüpfen kann, und noch gibt es Abnehmer für die Bilder, die vor allem Felix Nussbaum malt.

Dann wird all das weniger, und Schädlich bildet diesen Prozess inhaltlich wie stilistisch äußerst gelungen ab. Der 1935 geborene, vielfach ausgezeichnete Autor erweist sich als ein Meister der kleinen Form, seine Sätze sind knapp, meist bilden sie dennoch jeweils einen Absatz, und weil das nicht auf möglichst naturalistische Beschreibung abzielt, nicht auf eine die Distanz zwischen jener Zeit und unserer überbrückende Darstellung, die uns die Protagonisten über recherchierte historische Details oder große Gesten menschlich näher brächte, ist der Leser umso stärker gefordert, etwa wenn die Brandstiftung in Nussbaums Berliner Atelier knapp erzählt wird, eine Katastrophe, deren Auswirkung auf die Psyche des Malers man kaum ermessen kann. Zugleich aber erwächst dadurch in der Phantasie des Rezipienten, ausgelöst gerade durch geschickt angebrachte Leerstellen, ein Gespür für den wachsenden Schatten, der über diesen Existenzen liegt.

Der speist sich aus den Realitäten der Flucht, dem Geldmangel, der bald einsetzt, der Notwendigkeit, unterzutauchen, schließlich der Deportation von Felix Nussbaum in ein südfranzösisches Lager - auf dem Weg in eine neue Deportation kann er glücklich fliehen, und die Erfahrung dieses ersten Lagerlebens bringt er dann in ein Bild ein, das zu den erschütterndsten seines Werks gehört.

Daneben ist aber noch das Gewebe aus Angst, Bedauern über verpasste Fluchtchancen, Hoffnungen auf neue Gelegenheiten, die sich etwa aus den allmählich entwickelten Kontakten zu Emigranten in Amerika speisen, mühsam bewahrter Stolz in bedrückenden Umständen und Sorge um die Nächsten: ein Gewebe, das in den Protagonisten entsteht und das Schädlich mit wenigen Strichen skizziert.

Umso auffälliger sind dann die Einschübe in die fortlaufende Erzählung, etwa durch Rückblicke auf die Kindheit vor allem von Felix Nussbaum - Felka bleibt hier eher blass - oder durch einmontierte authentische Briefe des Malers. Dass sich das auffällig mit dem Fluchtbericht reibt, ist Programm, dass hinter dem abstrahierenden Drehbuchstil kurz die Zeugnisse eines höchst realen Lebenslaufs sichtbar werden, ist sicherlich gewollt, und beide Ebenen beleuchten einander auf geglückte Weise.

Zusammen findet das in einer weiteren Liste, die der das tödliche Schicksal resümierenden um einige Buchseiten vorausgeht: Sie ist das Ergebnis eines Fiebertraums des Malers, der kurz vor seinem Tod eine umfassende Ausstellung seiner tatsächlichen Werke imaginiert, die dann wiederum nacheinander genannt werden - der Reichtum eines allzu kurzen Malerlebens, der dem erwarteten Tod die Stirn bietet, hilflos, respektgebietend und unendlich traurig.

TILMAN SPRECKELSEN

Hans Joachim Schädlich: "Felix und Felka".

Rowohlt Verlag, Reinbek 2018. 205 S., geb., 19,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 22.02.2018
„Er fröstelt. Er fiebert.“
Hans Joachim Schädlich erzählt vom Exil des Malers Felix Nussbaum und von dessen
Lebensgefährtin Felka. Jeder Satz des Buches trifft wie ein kleiner Stich
VON ULRICH RÜDENAUER
Am Anfang des neuen Buches von Hans Joachim Schädlich steht ein Boxhieb, ein richtiger Wirkungstreffer. Er lässt nicht nur den Angegriffenen buchstäblich niedersinken, sondern symbolisiert auf gewisse Weise auch den Niedergang einer Epoche. Das kommende Unheil findet in diesem Faustschlag seinen kraftstrotzenden Ausdruck, auch wenn man das im Jahr 1933 noch nicht wissen, höchstens erahnen kann.
Der junge Maler Felix Nussbaum, der in Berlin seine ersten Erfolge feiern konnte, hat ein Stipendium für die Villa Massimo in Rom erhalten. Begleitet wird er von seiner polnischen Lebensgefährtin Felka Platek, auch sie eine Künstlerin. Der wenig später zum repräsentativen Bildhauer der neuen Zeit aufsteigende Arno Breker hält sich in diesen Tagen ebenfalls in der Villa auf, und der Expressionist Hanns Hubertus von Merveldt. Letzterer beschuldigt Nußbaum, eine Bildidee von ihm gestohlen zu haben, holt aus und schlägt zu. Es ist ein satter Punch, der Felix Nußbaum zu Boden streckt. Der Getroffene blutet aus der Nase. Ein Arzt wird gerufen, der zu dem Schluss kommt, es sei nichts Ernstes. „Sie können unbesorgt sein.“
Der Direktor der Villa Massimo sieht sich genötigt, beide Stipendiaten – sowohl Merveldt als auch Nußbaum – frühzeitig aus dem römischen Paradies zu entlassen. Das ist weniger ein Problem für den Grafen Merveldt als für Nussbaum, denn in Deutschland hat unterdessen ein untalentierter Kunstmaler die Macht an sich gerissen, und das jüdische Paar Felix und Felka zieht es klugerweise vor, nicht ins Reich zurückzukehren. Nussbaums Atelier in Berlin wird zerstört, sein Werk vernichtet.
Und nun beginnt, wie für viele andere Künstler in diesen Jahren, ein Nomadendasein, eine Odyssee durch halb Europa, eine Zeit der Angst und der kleinen Hoffnungsschimmer, der Aussichts- und Mittellosigkeit, der Abhängigkeit vom Wohlwollen anderer und fortwährender Furcht vor Verrat. „Felix und Felka“ heißt Hans Joachim Schädlichs jüngstes Prosastück, das keine Gattungsbezeichnung trägt. Eine lange Literaturliste ist ihm angehängt. Sie verbürgt Tatsachentreue.
Nussbaum, 1904 in Osnabrück geboren, war ein Meisterschüler Hans Meids. Seine Wiederentdeckung als Vertreter der Neuen Sachlichkeit liegt noch gar nicht so lange zurück. Felka steht als Malerin in seinem Schatten, aber in Schädlichs literarischer Vergegenwärtigung ist sie eine gleichberechtigte Figur.
Die Flucht führt beide von Italien nach Belgien, aber selbst die gemeinsame Erfahrung der Verfolgung kann nicht über die Spannung hinwegtäuschen, die Schädlich in diesem Paar gefunden hat und die symptomatisch ist für das deutsche Judentum im 20. Jahrhundert. Felka entstammt dem polnischen Schtetl; die assimilierte, bürgerliche Familie von Felix blickt mit Verachtung herab auf das Ostjudentum. Vater Nussbaum fühlt sich als Deutscher, er erkennt viel zu spät, dass die Nazis keinen Unterschied machen zwischen West und Ost, zwischen ihm als Veteranen des Ersten Weltkriegs und den „Ghetto-Juden“ in Warschau. Dieser tragische historische Konflikt spaltet die beiden Familien, und Schädlich hat ihn feinsinnig als weitere Ebene in die nicht unproblematische Beziehung zwischen Felix und Felka eingebaut.
Mit Kriegsbeginn wird das Exil für das Paar immer gefährlicher. Die Aufenthaltsgenehmigung ist nun nichts mehr wert. Felix Nussbaum wird im französischen Lager Saint-Cyprien inhaftiert, der „Pyrenäenhölle“, wie Walter Mehring den Ort genannt hat. Aber er kann fliehen, entgeht der Auslieferung, kehrt zurück nach Brüssel. Fortan lebt das Paar in Verstecken. Es gibt Freunde, auf die auch im Exil Verlass ist, die ihr Leben riskieren, um Felix und Felka Unterschlupf zu gewähren oder Bilder aufzubewahren. Wichtig wird die emigrierte Familie Klein in den USA, frühere Bekannte, die noch vor der Okkupation Belgiens einige von Nussbaums Zeichnungen und Gemälden in ihrer neuen Heimat verkaufen können. Felix beschreibt in einem von Schädlich ins Buch eingeflochtenen Brief seine Situation: „Wie ich vor zirka 6 Jahren Osnabrück verließ, um als Gast des deutschen Staates nach Rom zu reisen, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass meine Rückfahrkarte verfallen würde.“ „Wandernd und suchend“ ist er wie alle Vertriebenen, „stets bepackt mit Rollen von Bildern und einem großen Fragezeichen im Koffer“. Die Fantasie, sich das vorzustellen, was später Holocaust genannt werden wird, haben weder Felka noch Felix; das alltägliche Überleben ist zu herausfordernd. Eine Einladung in die USA schlagen sie aus; nach England, wo Freunde leben, versuchen sie erst gar nicht zu gelangen. Mit Belgien sind sie vertraut, und so schlimm werde es schon nicht kommen, denken sie. Im Sommer 1944 werden die beiden aufgespürt und deportiert.
Wie schon die letzten Bücher des 82-jährigen Autors ist auch das neueste von beachtlicher Konsequenz. Die literarischen Mittel werden äußerst ökonomisch eingesetzt, das Entscheidende sind die Leerstellen. Er verdichtet das Gesagte, bis es komprimierter kaum möglich zu sein scheint, das Unausgesprochene nimmt im Text den größten Raum ein. Dennoch hallt es im Leser am deutlichsten nach. Die karge Benennung, die spärliche Beschreibung folgen einer Ästhetik der Verknappung, je feiner die Dosierung, desto größer die Bildproduktion im Gehirn. Wo die Gefühle nicht be- und damit vorgeschrieben werden, können sie ihre Wirkung erst so richtig entfalten. Herta Müller, die zu den Bewunderinnen Schädlichs gehört, schrieb vor einigen Jahren, seine Sätze seien schlau, „sie sehen aus, als wären sie ahnungslos in ihrer spöttischen Tragik und ihrer verletzten Ironie, dass man sich bei Schädlich immer denkt beim Lesen, viel weiter kann man nicht gehen, ohne sofort zu verzweifeln“.
Seither hat er seine Reduktionskunst immerzu verfeinert, und die Verzweiflung hat sich noch tiefer eingeschrieben. „Felix auf der Holzpritsche im SS-Sammellager Mechelen. Er fröstelt. Er fiebert. Er träumt die große Ausstellung. In Brüssel? In Paris!“ Jeder Satz trifft wie ein kleiner Stich. In Hans Joachim Schädlichs Prosa – so zurückgenommen, lakonisch und sachlich wie Regieanweisungen – wird das 20. Jahrhundert entschlüsselt. Seit vierzig Jahren zeigt er den Zusammenhang von Macht und „Unmacht“, ein Begriff des Autors, in seinen Büchern auf. So ist „Felix und Felka“ nicht nur eine literarisch höchst konzentrierte, historische Erzählung, sondern auch eine Warnung an die Zeitgenossen.
„Nur fort aus Europa!“, heißt es darin einmal. Die Aufforderung entstammt einem Albtraum, der Felix quält und der im „Chaos der Trümmer abendländischer Kultur und Zivilisation“ siedelt. Der Tod spielt dazu Trompete. „Felix erwacht. Er schwitzt. Er zittert.“ Das Erwachen aber ist schlimmer noch als jeder Alb. Schädlich weiß, dass diese Wirklichkeit sich nicht schildern lässt. Das Buch endet mit nüchternen Zahlen: „Der 26. Transport mit 563 Personen, darunter 47 Kinder, verließ Mechelen am 31. Juli 1944 und erreichte Auschwitz am 2. August.“ Felix und Felka sind zwei davon.
Hans Joachim Schädlich: Felix und Felka. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2018. 204 Seiten. 19,95 Euro. E-Book 16,99 Euro.
Die Flucht führt sie nach
Belgien, nach Kriegsbeginn
müssen sie in Verstecken leben
Im Sommer 1944 werden
Felix und Felka aufgespürt
und deportiert
„Die Gerippe spielen zum Tanz“: 1944, im Jahr, in dem er deportiert wurde, malte Felix Nussbaum diesen „Triumph des Todes“.
Foto: mauritius images / Paul Fearn / Alamy
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensent Ulrich Rüdenauer braucht viele Worte, um bewundernd zu beschreiben wie es dem Autor Hans-Joachim Schädlich gelingt, mit wenigen Worten die entscheidenden Leerstellen zu öffnen und zu umkreisen, durch welche sich auf ein Leben im Exil, ein Leben auf der Flucht, ein Leben als jüdischer Künstler im Europa unter Hitler blicken lässt. Eine "Ästhetik der Verknappung" nennt er Schädlichs Erzählstil in "Felix und Felka", mit dem Schädlich so vieles ausdrückt ohne es auszusprechen - die Spannungen zwischen dem Künstler und seiner Partnerin, zwischen den Ostjuden und den assimilierten deutschen Juden, die anhaltenden Hoffnungen und Ängste, kurz: die Gefühle dieser beiden Menschen, die für sich stehen, aber auch für eine Zeit, für ein Volk und für die Opfer der Schoa. Jedes Wort in diesem Buch "trifft", so der berührte Rezensent. Und wie der Autor Briefe von Felix, der stets "mit einem großen Fragezeichen im Koffer" reisen musste, einflicht, hat Rüdenauer ebenfalls beeindruckt.

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