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Millionen Deutsche jubelten Adolf Hitler zu und begeisterten sich für die Ideen des Nationalsozialismus. Doch in allen Gesellschaftsschichten gab es ebenso Menschen, die sich dem Dritten Reich entzogen. Wo endet bloße Verweigerung, wo beginnt Widerstand? Wolfgang Benz bietet in diesem Buch einen ebenso knappen wie informativen Überblick über diejenigen, die sich dem Nationalsozialismus entgegenstellten.…mehr

Produktbeschreibung
Millionen Deutsche jubelten Adolf Hitler zu und begeisterten sich für die Ideen des Nationalsozialismus. Doch in allen Gesellschaftsschichten gab es ebenso Menschen, die sich dem Dritten Reich entzogen. Wo endet bloße Verweigerung, wo beginnt Widerstand? Wolfgang Benz bietet in diesem Buch einen ebenso knappen wie informativen Überblick über diejenigen, die sich dem Nationalsozialismus entgegenstellten.
  • Produktdetails
  • Beck'sche Reihe Bd.2798
  • Verlag: Beck
  • Seitenzahl: 127
  • Erscheinungstermin: 10. Februar 2014
  • Deutsch
  • Abmessung: 180mm x 116mm x 12mm
  • Gewicht: 135g
  • ISBN-13: 9783406661068
  • ISBN-10: 3406661068
  • Artikelnr.: 39454706
Autorenporträt
Wolfgang Benz ist Prof. em. der Technischen Universität Berlin; er leitete bis März 2011 das Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin.
Rezensionen
Besprechung von 15.07.2014
Haltung und Handlung
Geschichte des Widerstands gegen Hitlers Diktatur: Hans Rothfels wollte den Historikern die Richtung vorgeben

Wolfgang Benz gehört zu den profiliertesten und publizierfreudigsten Zeithistorikern. Schon 1994 veröffentlichte er ein Lexikon des Widerstands. Jetzt gelingt ihm das Kunststück, auf 120 Seiten wichtige Gegner und Gegner-Gruppierungen des Nationalsozialismus vorzustellen, die in allen Gesellschaftsschichten verankert waren und eine "nicht unbeträchtliche Minderheit" bildeten. In 14 Kapiteln handelt Benz Probleme der Definition, Formen des regimekritischen Verhaltens, die Arbeiterbewegung, Christen und Kirchen, das Attentat von Georg Elser, Opposition der jungen Generation, "Widerstand von Juden und Widerstand für Juden", die traditionellen Eliten, die Militäropposition, das Exil, das Nationalkomitee "Freies Deutschland", Kriegsdienstverweigerung und Fahnenflucht, den 20. Juli 1944 sowie die "Wahrnehmung und politische Instrumentalisierung des Widerstands nach 1945" ab.

Um die "Wirklichkeit" der Hitler-Diktatur zu erfassen, müsse man "Widerstand im eigentlichen Sinn nicht nur als Haltung definieren, sondern als Handeln, das auf grundsätzlicher Ablehnung des Nationalsozialismus beruhte, das aus ethischen, politischen, religiösen, sozialen oder individuellen Motiven darauf abzielte, zum Ende des Regimes beizutragen". Demgegenüber war etwa die "Opposition der jungen Generation" (Edelweißpiraten, Meuten, Swing-Jugend) meist mehr "vom Bedürfnis der Auflehnung gegen gesellschaftliche Normen und der Verweigerung gegenüber den Zwängen staatlicher Bevormundung" getrieben: Individualität zur Abgrenzung von der Konformität der Hitlerjugend. Besonders berührend schreibt der Autor über Hilfe für verfolgte Juden. Die Geschichte "des solidarischen Handelns gegenüber der tödlich bedrohten jüdischen Minderheit" entziehe sich der systematischen Betrachtung: "Die Geschichte der Geretteten und ihrer Retter besteht vor allem aus einzelnen Schicksalen. Sie stehen jeweils für sich allein."

Kritisch sieht Benz das Regierungsprogramm der Verschwörer vom 20. Juli 1944, insbesondere Bemerkungen zu Kriegsverbrechen und Greueltaten hinter der Front. Hier habe man "eine Lebenslüge der Nachkriegszeit vorweggenommen, nämlich die Vorstellung, dass die ehrenhaft kämpfende Wehrmacht mit den Verbrechen nichts zu tun gehabt habe, dass diese vielmehr ausschließlich SS, Sicherheitsdienst und SD sowie deren Gefolge zur Last fielen". Nach 1945 heroisierte die DDR den kommunistischen Widerstand, während die frühe Bundesrepublik vor allem "die Erinnerung an den Widerstand der Männer des 20. Juli, des Kreisauer Kreises, der Goerdeler-Gruppe, aber auch der Studenten der Gruppe ,Die Weiße Rose' und der Militäropposition oder der Diplomaten" zum Bestandteil ihrer politischen Kultur machte. "Stilbildend und richtungsweisend" war Hans Rothfels, der 1934 als Jude seinen Lehrstuhl in Königsberg verloren hatte, später in die Vereinigten Staaten emigriert war und sich 1951 in Tübingen niederließ. Der Mentor des Instituts für Zeitgeschichte nutzte laut Benz "seine moralische Autorität und die Möglichkeiten als Herausgeber der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte", um "den Nimbus des Widerstandes konservativer Eliten zu begründen und mit nachhaltiger Wirkung zu pflegen". Entgegengesetzte Geschichtsbilder in West und Ost hätten die deutsche Wiedervereinigung einige Zeit überdauert. Für Benz gehört der Widerstand gegen Hitler "zu den wichtigen sinnstiftenden Ereignissen der deutschen Geschichte".

rab.

Wolfgang Benz: Der deutsche Widerstand gegen Hitler. Verlag C. H. Beck, München 2014. 127 S., 8,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 19.07.2014
KURZKRITIK
Die Wenigen
Wolfgang Benz über
Widerstand im „Dritten Reich“
Die Erinnerung an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus ist in beiden deutschen Staaten politisch instrumentalisiert worden. Auch nach dem Ende des Kalten Krieges blieben viele eilfertiger im Urteilen als im Fragen. Wer sich heute über die Wenigen informieren will, die Flugblätter verteilten, Pläne für ein Deutschland ohne Hitler schmiedeten, Attentate unternahmen, Verfolgten halfen, desertierten oder sich der Gleichschaltung entzogen, der findet in diesem Band der berühmten Beck-Wissen-Reihe reichlich Material. Wolfgang Benz, lange Jahre Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, zeigt die Vielfalt der Milieus, individuellen Geschichten und Widerstandsformen: von der Arbeiterbewegung über Christen und Kirchen, Edelweißpiraten, die „Weiße Rose“, jungen Arbeitern, den Kreisauer Kreis, den um Goerdeler bis hin zur Militäropposition. Georg Elser wird ebenso gewürdigt wie die Zeugen Jehovas, das Nationalkomitee „Freies Deutschland“ oder Fahnenflüchtige. Schon dieses Nebeneinander, etwas von Kommunisten, konservativen Eliten und in der sowjetischen Gefangenschaft bekehrten Wehrmachtsoffizieren hätte bis weit in die Achtziger hinein Widerspruch provoziert.
  Was einte sie? Aus der Ablehnung des Regimes wurde, so Benz, „Widerstand durch das Bekenntnis und die Bereitschaft, Konsequenzen der Haltung und Handlung zu tragen“. Deutlich warnt Benz vor Heroisierungen wie Herabsetzungen und vor Verfälschung. Im Kreisauer Kreis ist nicht die Bundesrepublik geplant worden, in der Herbert-Baum-Gruppe nicht die DDR. Doch mindert das den Mut weder der einen noch der anderen. Im Gedächtnis bleibt dem Leser vor allem das Kapitel über den Widerstand von Juden und für Juden und die Frage: Warum so wenige.
JBY
Wolfgang Benz: Der deutsche Widerstand gegen Hitler. Verlag C. H. Beck, München 2014. 127 Seiten, 8,95 Euro. E-Book 7,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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