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In was für einer Welt leben wir? Am 11. September 2001 hat eine neue Epoche begonnen, und lange war nicht klar, was ihr Leitmotiv sein würde. Der Kampf mit dem Islam? Die grenzenlose Vorherrschaft der USA? Es ist anders gekommen: Das Schlüsselphänomen unserer Zeit ist die Schwäche des Westens. Er wird doppelt herausgefordert, von den zornigen Muslimen und vom Aufstieg Asiens. Nicht allein die Macht des Westens ist in Frage gestellt, sondern auch seine Werte wie Menschenrechte, Christentum und Säkularisierung. Europa täuscht sich, wenn es nur Amerika in der Krise sieht: Wir sind es auch. Von…mehr

Produktbeschreibung
In was für einer Welt leben wir? Am 11. September 2001 hat eine neue Epoche begonnen, und lange war nicht klar, was ihr Leitmotiv sein würde. Der Kampf mit dem Islam? Die grenzenlose Vorherrschaft der USA? Es ist anders gekommen: Das Schlüsselphänomen unserer Zeit ist die Schwäche des Westens. Er wird doppelt herausgefordert, von den zornigen Muslimen und vom Aufstieg Asiens. Nicht allein die Macht des Westens ist in Frage gestellt, sondern auch seine Werte wie Menschenrechte, Christentum und Säkularisierung. Europa täuscht sich, wenn es nur Amerika in der Krise sieht: Wir sind es auch. Von den Perserkriegen über die Kreuzzüge und Türkenfeldzüge bis zu den Kolonialreichen und zum Systemwettstreit mit der Sowjetunion ist der Westen eine unverwechselbare historische Kraft gewesen, und meistens siegreich. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten stellt sich jetzt die Frage nach dem Ende der westlichen Weltherrschaft. Fünfzehn Jahre nach Fukuyamas These vom «Ende der Geschichte» diagnostiziert Jan Roß das Gegenteil: Statt ihren Siegeszug vollendet zu haben, drohen die liberalen Demokratien zum Verlierer im Kampf der Kulturen zu werden. Ein hochaktuelles Buch mit welthistorischen Linien.
  • Produktdetails
  • Sachbuch RB Bd.596
  • Verlag: Rowohlt, Berlin
  • Originalausgabe
  • Seitenzahl: 224
  • Erscheinungstermin: März 2008
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 136mm x 23mm
  • Gewicht: 315g
  • ISBN-13: 9783871345968
  • ISBN-10: 3871345962
  • Artikelnr.: 22812249
Autorenporträt
Roß, Jan
Jan Roß, 1965 in Hamburg geboren, ist Mitglied der politischen Redaktion der «Zeit» in Hamburg, für die er zuvor Korrespondent in Delhi war. 1998 erschien «Die neuen Staatsfeinde», 2000 «Der Papst. Johannes Paul II. - Drama und Geheimnis», 2005, gemeinsam mit Richard von Weizsäcker, «Was für eine Welt wollen wir?» und 2008 «Was bleibt von uns? Das Ende der westlichen Weltherrschaft», sowie 2012 «Die Verteidigung des Menschen».
Rezensionen
Besprechung von 19.08.2008
Hoffen auf die „freie Welt”
Die Überlebenschancen des westlichen Demokratiemodells
Wer verstehen will, warum China im Mai erstmals ausländische Retter bei einer Naturkatastrophe ins Land gelassen hatte oder warum Peking mit Abgesandten des Dalai Lama verhandelt, der kommt an diesem Buch nicht vorbei. Denn es stellt eine Frage an das „Reich der Mitte”, die an den Westen gerichtet zu sein scheint, in Wirklichkeit aber Peking gilt: Was bleibt? Nicht viel, möchte man nach der Lektüre antworten. Denn nicht die westlichen Demokratien müssen sich ernsthaft vor ihrer Zukunft fürchten, sondern autoritäre Staaten wie China oder Russland.
Zwar schildert Jan Roß ausführlich, welche Faszination Peking auf die gesamte nichtwestliche Welt ausübt. Denn China steht für das Beispiel, dass man es schaffen kann. Es steht für Hunderte Millionen, die aus der Armut geholt wurden, für ein einstmals gedemütigtes Land, das nun seine früheren Unterdrücker das Fürchten lehrt. Aber, und hier entwickelt die Analyse des ZEIT-Redakteurs ihren Reiz: Es ist sehr wahrscheinlich, dass der „Goodwill” gegenüber Peking schwinden wird. Schon jetzt gibt es in Afrika Proteste und gelegentlich Gewaltakte gegen chinesische Projekte, Firmen und Mitarbeiter. Südafrikas Präsident Thabo Mbeki warnt sogar vor der Gefahr eines neuen – dieses Mal chinesischen – Kolonialismus. Denn China exportiert die Schattenseiten seiner eigenen Gründerzeit dorthin, wo es investiert: schlecht bezahlte Arbeit ohne Rechte für die Beschäftigten, teils skandalöse Sicherheits- und Gesundheitsbedingungen, rücksichtsloser Umgang mit Natur und Ressourcen.
In dem Maße, in dem China mächtiger wird, verliert es den Underdog-Bonus, der ihm in einer einstweilen noch amerikanisch dominierten Welt zugebilligt wird. Wie bei Russland und den USA sind es der Großmachtstatus und das Auftreten, die Ressentiments wecken. China wird das ebenfalls zu spüren bekommen. Wenn seine Macht nicht mehr zu leugnen ist, wird es Angst machen und Widerstand hervorrufen. Und das auch in der Dritten Welt, für die China bislang noch eine Hoffnung ist. Die Welt, da ist sich Roß sicher, wird genau hinsehen und fragen, ob da noch mehr und anderes ist als bloße Macht – Verantwortung, globales Bewusstsein, eine Idee.
Doch eben eine solche fehlt. Die Geschichte des heutigen China ist eine Geschichte von Leistung und Erfolg, nicht mehr die eines alternativen Sozialmodells. Pekings Reiz einer „Soft Power” für die Entwicklungsländer ist zwar real, aber reaktiv und parasitär: Er lebt vom Protest gegen Amerika und den Westen. Doch es ist bietet kein neues Bild einer lebenswerten Gesellschaft oder internationalen Ordnung. Peking befindet sich
ideenpolitisch in der Defensive.
Vom inneren Mangel an Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Pluralismus abgesehen, fragt Roß, was passiert, wenn die von Peking hofierten Diktaturen in Birma, Simbabwe oder Usbekistan stürzen und die Völker sich fragen, wer in der Zeit der Unterdrückung ihren Peinigern zur Seite stand. Das Image und die Glaubwürdigkeit der USA haben sich bis heute nicht von der moralischen Infektion durch die Militärregime und kleptokratischen Tyranneien erholt, mit denen sich die Amerikaner im Kalten Krieg gegen die UdSSR verbündet hatten.
Doch auf lange Sicht bleibt nach Roß die Expansivität und Anziehungskraft des „American Way of Life”, die Sogwirkung auf Einwanderer und die globale Exportfähigkeit einer ganzen Kultur ein unschätzbarer Vorteil gegenüber China oder Russland. Eine Pekinger oder Moskauer Freiheitsstatue, einen „chinesischen” oder „russischen Traum” gibt es nicht – als global spürbare, individuell einladende Hoffnung nicht nur auf ein besseres, sondern auf ein gutes Leben.
Es ist das Verdienst von Roß, die Merkwürdigkeiten einer Welt zu beschreiben, die in ihrer Machtgeographie polyzentrisch wird, aber ideenpolitisch unipolar bleibt. Ein ideologischer Widersacher steht Amerika und Europa nicht gegenüber. Der Westen mag schwächer werden, seine Ideen bleiben ohne prinzipielle Alternative, er steht mit seinen Werten langfristig besser da als mit seiner Macht. Die „freie Welt” ist schon heute größer als das atlantische Bündnis: Auch Indien und Südafrika, Indonesien und die Philippinen gehören zur demokratischen Familie. Darum bleiben die Amerikaner in den Augen von Roß so wichtig – nicht wegen ihrer Macht, sondern wegen ihres unheilbaren Optimismus. Und darum, um seiner Transzendenz und Weitherzigkeit willen, nicht als Stärkungsmittel oder Feldzeichen, braucht der Westen auch das Christentum. Denn irgendwo zwischen Washington und Rom liegt noch immer ein Gravitationszentrum der Humanität. THOMAS SPECKMANN
JAN ROSS: Was bleibt von uns? Das Ende der westlichen Weltherrschaft. Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2008. 223 Seiten, 17,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Dieses Buch sollte man vielleicht von hinten lesen, schlägt Martin Meyer vor. Denn erst einmal entwirft Jan Roß, Redakteur bei der "Zeit", ein Schreckensszenario, das seinen Ausgang am 11. September nimmt, um in seinem prophetischen Ausblick in die globale Zukunft ein "Ende der westlichen Weltherrschaft" zu diagnostizieren. Roß' Einschätzung, dass die westliche politische Kultur von Islamismus und asiatischem Wirtschaftswachstum bedrängt wird, findet Meyer durchaus treffend. Die Einschätzung des Autors dagegen, das westliche Selbstverständnis sei seit seinen griechischen Ursprüngen vornehmlich eine Politik der Machtbegrenzung, scheint Meyer mit Hinweis auf die Französische Revolution nur eingeschränkt richtig. Dass Roß am Ende seines Essays dann doch zu besonneneren Tönen findet und trotz seines vehementen Abgesangs auf das westliche Selbstbewusstsein die Errungenschaft der Moderne zu schätzen weiß und auf die Kraft der Demokratie setzt, scheint der Rezensent mit einer gewissen Erleichterung zur Kenntnis zu nehmen.

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