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Ingeborg Bachmann gehört zu den Schöpfern des modernen Hörspiels als selbstständige literarische Form. "Der gute Gott von Manhattan", das berühmteste Hörspiel, entstand 1957 und erhielt 1959 den Hörspielpreis der Kriegsblinden. "Eine Dichtung, die uns das Herz trifft und die Urteilskraft entzückt", schrieb Werner Weber über dieses Gleichnis unserer Zeit, in dem vor Gericht das Schicksal zweier Liebender aufgerollt wird.…mehr

Produktbeschreibung
Ingeborg Bachmann gehört zu den Schöpfern des modernen Hörspiels als selbstständige literarische Form. "Der gute Gott von Manhattan", das berühmteste Hörspiel, entstand 1957 und erhielt 1959 den Hörspielpreis der Kriegsblinden. "Eine Dichtung, die uns das Herz trifft und die Urteilskraft entzückt", schrieb Werner Weber über dieses Gleichnis unserer Zeit, in dem vor Gericht das Schicksal zweier Liebender aufgerollt wird.
  • Produktdetails
  • Piper Taschenbuch Bd.7212
  • Verlag: Piper
  • Seitenzahl: 93
  • Erscheinungstermin: Juni 2011
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 120mm x 10mm
  • Gewicht: 96g
  • ISBN-13: 9783492272124
  • ISBN-10: 3492272126
  • Artikelnr.: 32646832
Autorenporträt
Bachmann, Ingeborg
Ingeborg Bachmann, am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren. Lyrikerin, Erzählerin, Essayistin. 1952 erste Lesung bei der Gruppe 47. Preise: Bremer Literaturpreis, Hörspielpreis, Georg-Büchner-Preis, Großer Österreichischer Staatspreis, Anton-Wildgans-Preis. Sie lebte nach Aufenthalten in München und Zürich viele Jahre in Rom, wo sie am 17. Oktober 1973 starb.
Rezensionen
Besprechung von 27.10.2005
DAS HÖRBUCH
In die Luft fliegen
Ingeborg Bachmanns „Der gute Gott von Manhattan”
Das Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan” von Ingeborg Bachmann ist nicht langweilig, wie man glauben könnte, wenn man auch beim zweiten Versuch es anzuhören einschläft; es erfordert Aufmerksamkeit auf eine nicht einmal mehr für moderne Poesie-Platten zeitgemäße Art. Im Jahr 1958 wurde dieses Hörspiel zum ersten Mal gesendet. Damals, als das Fernsehen erst aufkam, stand Rundfunk-Kunst im Ansehen deutlich höher als heute und wurde von viel mehr Menschen beachtet. Geduldig anspruchsvollen Texten zu lauschen war nicht unüblich. Dieses letzte Hörspiel von Ingeborg Bachmann behandelt die Angst vor der Kraft der Liebe, welche die Mechanik des Kapitalismus stören kann.
Das klingt spröde und grau, und der rote Faden einer Handlung ist es nicht, der dem Stück Farbe verleiht. Ein Bombenleger, der, assistiert von militärisch organisierten Eichhörnchen, Liebespaare tötet, rekapituliert für seinen Richter die Begegnung seiner Opfer und wie sie ihre Liebe erkennen und unberechenbar werden, also als funktionstüchtige Arbeitskräfte auszufallen drohen. Farbig und lebendig wird das Stück auch weniger durch die Mittel der Inszenierung in der Regie von Gert Westphal, etwa durch den Chor, der beständig über der Metropole New York tönt und anweist: „Weitergehen! Schneller schlafen! Schneller träumen! Bei rotem Licht stehenbleiben!”
Nein, Westphal hat den Wortsatz selbst so eingerichtet, dass es die ruhigen Stellen sind, an denen das Stück die größte Spannung gewinnt: wenn der „gute Gott” das Motiv für sein Tun darlegt: Die Liebenden stellen die Welt in Frage, als vollzögen sie noch einmal - in einem unerhörten Wirbel - den ersten Schöpfungsakt dieser Welt. Aber die Mission des guten Gottes ist komplizierter: Wer sich zum Paar fürs Leben findet, der stört nicht, der hat seine Liebe transformiert, umgewandelt in eine Interessengemeinschaft. Nur die Menschen, deren Liebe so stark ist, dass sie die Liebenden den Halt in der Welt verlieren lässt und vor allem: die an nichts mehr glauben, diese Paare lässt der gute Gott „in die Luft fliegen”, mittels Bombe, damit sie vielleicht unter die Sternbilder versetzt werden.
Wer dagegen schuldig wird am Verrat dieser Liebe und sich fügt in die Ordnung, in die Mechanik, in das geforderte Weitergehen, der darf mit all seinen Gedanken und Gefühlen weiterleben.
Charles Regnier als Täter und Kaspar Brüninghaus als Richter geben ihre Rollen wie Philosophen. Es geht dem Richter nicht um die Subsumierung eines Sachverhaltes unter einem Tatbestand des Strafgesetzbuches. Er sieht die kreative Kraft eines Menschen, der sich über das Gesetz stellt, und er will verstehen.
Den jungen Liebenden spricht Martin Benrath, damals Anfang dreißig. Sein Part ist sicherlich schwierig zu sprechen, denn Benrath musste in die kunstvollen Sätze der Bachmann sowohl die Grübeleien eines grüblerischen Mannes, aber auch die Lebendigkeit eines Verliebten bringen. Es lohnt sich, aufkommende Schläfrigkeit zu überwinden und diese Platte mehrmals anzuhören, Satz für Satz verfolgend, erst dann erschließen sich sowohl die schöne Prosa als auch die kunstvoll verzwirbelten und schrägen Gedanken. Nicht ungewürdigt soll das ausführliche Begleitheft bleiben, in dem Hans Höller das Werk einordnet.
MARTIN Z. SCHRÖDER
INGEBORG BACHMANN: Der gute Gott von Manhattan. Hörspiel. Regie: Gert Westphal. Mit Charles Regnier, Martin Benrath, Gustl Halenke u.v.a. Der Hörverlag, München 2005, 2 CD, 90 min., 19,95 Euro.
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

" Fast ein halbes Jahrhundert hat diese Hörspielaufnahme schon auf dem Buckel. Für Barbara Catoir kein Grund, sie zum alten Eisen zu zählen. Gebannt lauscht sie der "lyrischen Komposition" und der "sprachlichen, stimmlichen und klanglichen Intensität" des Hörspiel-Klassikers. Was dereinst die Kriegsblinden für preiswürdig befanden, meint sie, ist als "lyrisches Hördrama" und "Sternstunde der radiophonen Literatur" auch heut noch ein Ohrenschmaus. Vom Ausgangssetting eines Gerichtssaals geht es unversehens mittenrein in die Geräuschkulisse eines Bahnhofs, wird mittels Einblendungstechnik ein "Hörspiel im Hörspiel" geschaffen, das wiederum durchlässig ist für das Surreale, "krächzende, hämisch lachende Kasperlestimmen" etwa "als Vorboten und Agenten des Bösen". Wie Bachmann die Themen Liebe und Gesellschaft, Norm und Entgrenzung vordergründig als Verhandlung eines Verbrechens, als Verhör, weiter aber als balladeskes Märchen komponiert, als "faszinierend lebendiges Spiel der leisen, intimen Stimmen, Geräusche, Klänge und seltsamen Laute" - das hat Catoir offensichtlich beeindruckt.

© Perlentaucher Medien GmbH"