Thirteen Days - Costner,Kevin/Greenwood,Bruce
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Angriffe anderer Nationen auf den eigenen Boden kennen die Vereinigten Staaten nur aus Pearl Harbour - ein Desaster, das Michael Bay im Sommer zu einem Hit machen will. Bereits im März aber kommt ein Film über die bislang wohl größte Bedrohung Amerikas in die deutschen Kinos, die heute nur historische Randnotiz ist, 1962 aber auch die Welt in die Nähe einer nuklearen Katastrophe rückte. Roger Donaldsons Erinnerung an die Kubakrise verbindet Politlektion, Spannungskino und das Porträt zweier mythischer amerikanischer Helden zu einem Film, der die schwierige Aufgabe, einen diplomatisch…mehr

Produktbeschreibung
Angriffe anderer Nationen auf den eigenen Boden kennen die Vereinigten Staaten nur aus Pearl Harbour - ein Desaster, das Michael Bay im Sommer zu einem Hit machen will. Bereits im März aber kommt ein Film über die bislang wohl größte Bedrohung Amerikas in die deutschen Kinos, die heute nur historische Randnotiz ist, 1962 aber auch die Welt in die Nähe einer nuklearen Katastrophe rückte. Roger Donaldsons Erinnerung an die Kubakrise verbindet Politlektion, Spannungskino und das Porträt zweier mythischer amerikanischer Helden zu einem Film, der die schwierige Aufgabe, einen diplomatisch ausgetragenen Konflikt auf der Leinwand umzusetzen, mit formaler und darstellerischer Klasse und ohne musealen Historikermief löst.

Ursprünglich hätte "Thirteen Days" eine Reunion von Kevin Costner mit Phil Alden Robinson, dem Regisseur seinen magischen Dramas "Feld der Träume" werden sollen. Nach Budgetdisputen war aber Robinson plötzlich out und Roger Donaldson in, womit nun das Duo aus Costners Hit "No Way Out - Es gibt kein Zurück" wiedervereint ist. Das Ergebnis zeigt, dass es sehr wohl ein Zurück für den Australier gibt, der hier seinen überzeugendsten Film seit der ersten Zusammenarbeit mit Costner vorlegt. Dessen Mitwirkung hat für die Dramaturgie des Films keine zwingende Bedeutung, wohl aber für seine Verwertung, die ohne den Star angesichts des relativ pathosarm und militärkritisch präsentierten Stoffes vor erheblich größeren Problemen stünde. Aus diesem Grund wird Costners Präsidentenberater O'Donnell an Bedeutung aufgewertet und zum Filter der Ereignisse, die sich über einen Zeitraum von 13 Tagen im Oktober 1962 abspielen. In deren detaillierter Nachzeichnung geht das Drehbuch David Selfs streng chronologisch vor. Es beginnt mit der Entdeckung der auf Kuba eingerichteten russischen Raketenstellungen, die potentiell jede amerikanische Großstadt mit nuklearen Sprengköpfen erreichen könnten. Während Präsidentengattin Jackie eine große Party vorbereitet, muss John F. Kennedy (Bruce Greenwood), beraten von Bruder Robert (Steve Culp) und O'Donnell, eine angemessene Reaktion auf die russische Provokation finden. Das fieberhafte Ringen um eine Lösung zwischen Präventivschlag und Besonnenheit bildet den Schwerpunkt von "Thirteen Days", der es sich mit seiner packenden Präsentation, von einer Luftkampfsequenz abgesehen, leisten kann, auf "Top Gun"-Action zu verzichten, die Hollywood üblicherweise ungeachtet der Verfälschung historischer Ereignisse auch in solche Filme einbaut, ohne danach schlecht träumen zu müssen. Rein diplomatisch wird dieser Konflikt ausgetragen - über Mittelsmänner zwischen den Supermächten, aber auch direkt zwischen Falken und Tauben in der US-Regierung. Deutlich werden dabei der schmale Grat, auf dem damals der Weltfrieden balancierte, aber auch die schwierige Position der Kennedys, die bei FBI, CIA und Militär alles andere als beliebt waren, somit Stärke demonstrieren mussten, aber auch liberale Ideale nicht verraten wollten. Für einen teuren Mainstreamfilm wie diesen nimmt "Thirteen Days" eine kritische Haltung gegenüber dem Militär ein, das hier nicht wie üblich Krisen zur Zufriedenheit der Nation löst, sondern sie mit blinder Aggression schürt. Kommerziell dürfte diese Position für den Film zumindest in Amerika nicht ohne Folgen bleiben, obwohl auch "Thirteen Days", freilich ohne wuchtiges Pathos und subtiler, dem Herzen Oliver Stones folgt und den Verlust der Kennedys als größte Narbe Amerikas beklagt. Sowohl Bruce Greenwood, in amerikanischen Castingagenturen oft in der Rubrik Bösewicht abgelegt ("Doppelmord"), als auch Newcomer Steven Culp liefern Oscar-reife Inkarnationen dieser mythischen politischen Aristokraten ab und werden von einem exzellenten Ensemble unterstützt, in dem auch Costner wesentlich engagierter als in den letzten Jahren wirkt. So wäre es nur verdient, wenn auch das Publikum diese unterhaltende und intelligente Koalition von Stoff, Inszenierung und Darstellung honorieren würde. Bereuen müsste es seinen Besuch jedenfalls nicht. kob.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag

Bonusmaterial

Audiokommentar, Dokumentation, Making of, Videobiografien, Entfallene Szenen, Featurette, Wendecover
  • Produktdetails
  • Anzahl: 1 Blu-ray Disc
  • Hersteller: StudioCanal
  • Gesamtlaufzeit: 146 Min.
  • Erscheinungstermin: 16. Mai 2013
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß §14 JuSchG
  • Sprachen: Deutsch, Englisch
  • Untertitel: Deutsch
  • Regionalcode: B
  • Bildformat: 1:1, 85/1080p
  • Tonformat: dts HD 5.1 MA
  • EAN: 4006680066813
  • Artikelnr.: 37587420
Autorenporträt
Roger Donaldson, geboren 1945 in Ballarat, Australien, ist ein neuseeländischer Filmregisseur, Filmproduzent und Drehbuchautor australischer Herkunft. Donaldson, der 1965, im Alter von 20 Jahren, nach Neuseeland emigrierte, war maßgeblich am Aufbau der dortigen Filmindustrie beteiligt. Allein sein Filmdebüt, der 1977 produzierte Thriller "Schlafende Hunde", war der erste Spielfilm nach 15 Jahren, der in Neuseeland gedreht wurde, und der erste Film Neuseelands überhaupt, der es ins US-amerikanischen Kinos schaffte.
Rezensionen
Roger Donaldsons ("Species") Erinnerung an die 13 Tage andauernde Kubakrise verbindet Politlektion, Spannung und das Porträt zweier US-Helden - der Kennedy-Brüder - zu einem ebenso lehrreichen wie dramatischen Meisterwerk. Neben dem intelligenten Drehbuch besticht vor allem das Darsteller-Dreigestirn Bruce Greenwood ("Doppelmord"), Steven Culp und Kevin Costner als Kennedy-Berater. Ein Gustostück nicht nur für Politikunverdrossene, das trotz fehlender Action-Sequenzen auf breites Interesse stoßen dürfte.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
Besprechung von 13.02.2001
Hoffentlich passiert jetzt nichts im Actionfilm
Denn dann müßte Präsident Kennedy über die Kuba-Krise und ein paar putschende Generäle stürzen: Roger Donaldsons "Thirteen Days" auf der Berlinale

Die Bombe geht gleich in den ersten Sekunden des Films hoch. Der Pilz schießt aus dem Boden, breitet sich langsam aus und entfaltet seine schreckliche Schönheit, bis er das Bild füllt. Doch das ist erst der Anfang. Blitze, heller als tausend Sonnen, setzen die leicht entzündliche Welt in Flammen. Dann wird es dunkel. Ein einsames Flugzeug schwebt lautlos durch die Nacht. Am Horizont zeichnet sich ein schmaler, rötlich schimmernder Streifen ab. Dort hinten scheint die Erde zu glühen. Doch dann merken wir: Es ist nicht der Weltuntergang, sondern der Sonnenaufgang, der sich vor unseren Augen vollzieht. Ein neuer Tag beginnt. Einer von dreizehn Tagen, an denen die Menschheit kurz davor stand, die Bombe zu zünden.

In den ersten Bildern schärft Regisseur Roger Donaldson das Damoklesschwert, das in seinem Polit-Thriller "Thirteen Days", der außer Konkurrenz auf der Berlinale läuft, fast bis zum Ende nicht nur über den Figuren, sondern auch über uns Zuschauern zu hängen scheint. Seine Rekonstruktion der Kuba-Krise im Oktober 1962 zeigt, wie mächtig der Konjunktiv der Fiktion sein kann: Der Film ist spannend, auch wenn wir wissen, daß am Ende der dreizehn Tage nur die Sonne untergeht. Dabei muß er weitgehend gerade auf das verzichten, was das amerikanische Kino vorzugsweise versucht: innere Prozesse zu veräußerlichen. "Thirteen Days" ist ein umgekehrter Actionfilm: Wir hoffen in den meisten Sequenzen, daß nichts passiert.

Kevin Costner spielt Kenneth P. O'Donnell, den persönlichen Sicherheitsberater von Präsident Kennedy (Bruce Greenwood). Als aus Bildern eines Aufklärungsflugzeugs hervorzugehen scheint, daß die UdSSR auf Kuba Raketen stationieren will, die in wenigen Minuten amerikanische Städte an der Ostküste erreichen könnten, beginnt der Countdown der dreizehn Tage. Wie muß man handeln, wenn der größte Feind hinter einem steht, genau in dem Moment, wenn einem der Rücken gestärkt werden müßte? "Thirteen Days" erzählt vom Kalten Krieg im eigenen Lager. Der Film stilisiert Kennedy zu einem Mann auf höchstem, aber fast verlorenem Posten, der im Land der Kriegstreiber das Oval Office zusammen mit seinem Bruder Robert und ein paar Getreuen wie die letzte Wagenburg der Friedfertigkeit verteidigen muß.

Damit teilt er das Schicksal von Fredric March, der 1964 in John Frankenheimers Film "Sieben Tage im Mai" einen amerikanischen Präsidenten spielt, der beinahe durch einen Militärputsch entmachtet wird, als er einen Friedensvertrag mit der Sowjetunion unterzeichnen will. Wohl eher der Zufall als durchdachte Programmierung hat dafür gesorgt, daß dieser Film auf der Berlinale im Rahmen der Kirk-Douglas-Retrospektive am Vorabend von "Thirteen Days" gezeigt wurde. Frankenheimers Film, der auf einem Roman von Charles Bailey II und Fletcher Knebel beruht, ist eine fiktionalisierte Aufarbeitung der Kuba-Krise. John F. Kennedy setzte sich persönlich dafür ein, daß dieser Film gedreht wurde, und verschaffte dem Filmteam Zugang zum Weißen Haus. Als "Sieben Tage im Mai" herauskam, war Kennedy tot, erschossen an einem Tag im November.

Donaldson und sein Autor David Self schließen - basierend auf den Erinnerungen des Kennedy-Beraters O'Donnell - dramaturgisch an Frankenkeimers Film an. Doch während in "Sieben Tage im Mai" die Jüngeren an die Macht drängen, um einem alten Mann das Ruder aus der Hand zu nehmen, ist es in "Thirteen Days" gerade die Jugend der Kennedy-Brüder und ihr Mangel an Erfahrung, die ihnen zum Vorwurf gemacht werden. In beiden Filmen wehren sich die Falken dagegen, sich die Flügel stutzen zu lassen. So muß die militärische Hierarchie unterlaufen werden, um die Befehle direkt aus dem Weißen Haus an die Soldaten zu erteilen. O'Donnell ist der Mann, der hinter den feindlichen Linien im eigenen Lager agiert. Er bittet die Piloten inständig, sogar dann, wenn sie von der Flugabwehr auf Kuba beschossen werden sollten, zu behaupten, es wäre nichts passiert.

Wie "Sieben Tage im Mai" erzählt auch "Thirteen Days" von den verzweifelten Versuchen eines Krisenstabes, das Schlimmste abzuwenden. Wohin sich die Filme auch bewegen, sie führen immer wieder schnell in den Zirkel der Macht zurück, wo nicht die Welt, sondern die amerikanische Demokratie in ihre größte Krise gerät. Doch während Frankenheimer die Militärs (verkörpert von Kirk Douglas und Burt Lancaster) respektiert, sie ernst nimmt, ihnen gute Gründe gibt und sie erst dadurch zu einer starken Gegenkraft macht, begibt sich Donaldson insbesondere in den ersten dreißig Minuten oft an den Rand der Karikatur. Die meisten der Generäle wollen Krieg und Macht und sonst gar nichts. Etwas zu selbstsicher geht der Film mit der Tatsache um, daß ihm die Historie recht geben wird.

So wie die Gegenkräfte verzerrt dargestellt werden, verklärt der Film die Kennedys. Die Ambivalenz verlegt er gänzlich in die Auseinandersetzung mit dem unsichtbaren Verhandlungspartner: der Sowjetunion. Die größte Spannung dieses Films entsteht im Kopf, den wir uns zusammen mit den Protagonisten rund um die Uhr darüber zerbrechen, wie die diplomatischen Sätze und die militärischen Gesten interpretiert werden könnten - in einer Situation, in der ein einziges falsches Wort Millionen Menschenleben kosten kann.

Wir lernen dabei eine sehr indirekte Sprache der Verständigung, die uns laufend zwingt, alles, was gesagt und getan wird, kompliziert zu dechiffrieren. Und weil wir diese Sprache am Ende des Films selbst in Ansätzen zu beherrschen glauben, sind wir froh und zugleich enttäuscht, wenn die dreizehn Tage, von denen dieser Film erzählt, schließlich vorbei sind.

LARS-OLAV BEIER

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