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Loving - Ruth Negga,Joel Edgerton,Michael Shannon
    DVD

Es sind die 50er Jahre, Richard und Mildred sind sehr ineinander verliebt. Doch Mildreds Hautfarbe macht eine Liebesbeziehung unmöglich. In den Augen der anderen Weißen gehören die beiden nicht zusammen, unabhängig von der starken Zuneigung, die sie füreinander empfinden. Eine Ehe zwischen schwarz und weiß ist in ihrer Heimat Virginia verboten, also reist das Paar in das liberalere Washington DC. Durch eine Hochzeit wollen sie allen zeigen, dass sie für immer zusammengehören, auch offiziell. Doch die Freude währt nur kurz. Nach ihrer Rückkehr werden sie für ihre Tat mit Feindseligkeit und Hass…mehr

Produktbeschreibung
Es sind die 50er Jahre, Richard und Mildred sind sehr ineinander verliebt. Doch Mildreds Hautfarbe macht eine Liebesbeziehung unmöglich. In den Augen der anderen Weißen gehören die beiden nicht zusammen, unabhängig von der starken Zuneigung, die sie füreinander empfinden. Eine Ehe zwischen schwarz und weiß ist in ihrer Heimat Virginia verboten, also reist das Paar in das liberalere Washington DC. Durch eine Hochzeit wollen sie allen zeigen, dass sie für immer zusammengehören, auch offiziell. Doch die Freude währt nur kurz. Nach ihrer Rückkehr werden sie für ihre Tat mit Feindseligkeit und Hass bestraft; als die Polizei sie verhaftet, stellt man sie vor die Wahl: Ein getrenntes Leben in Virginia oder ein gemeinsames Leben fern ihrer Heimat, ihrer Familien, ihrer Freunde. Für die Anerkennung ihrer Ehe, welche heute als ein Grundrecht verankert ist, mussten die beiden viele Opfer bringen. Nach neun schweren Jahren landet ihr Fall 1967 im letzten Schritt endlich vor dem obersten US-Gerichtshof...
Auf einem wahren Fall basierendes Drama um ein Paar aus den Südstaaten, das die Rechtmäßigkeit seiner Ehe vor Gericht erstreiten muss, weil er weiß und sie schwarz ist.

Nur drei Monate, nachdem er "Midnight Special" bei der Berlinale vorgestellt hat, war Jeff Nichols schon wieder bei einem großen A-Festival vertreten: "Loving", der fünfte Film des 36-jährigen Amerikaners, ist sein zweiter Film im Wettbewerb von Cannes nach "Mud" im Jahr 2012 (zuvor lief sein "Take Shelter" in der Semaine) und wenn schon nicht tonal und inhaltlich, so aber doch thematisch mit dem Vorgänger verwandt: In beiden Filmen müssen sich Außenseiter einer feindlichen Umwelt erwehren, die Jagd auf alles Andere und Fremde macht. Wie die vorangegangenen Arbeiten spielt auch "Loving" in den amerikanischen Südstaaten, aber anders als die bisherigen Filme von Nichols ist dieser deutlich konventioneller und berechenbarer. Was natürlich auch dem Umstand geschuldet ist, dass der Filmemacher hier seiner Fantasie nicht freien Lauf lassen kann, weil er von einer historischen Begebenheit erzählt, von der Ehe eines weißen Arbeiters mit einer schwarzen Frau im Jahr 1958 im segregierten Süden, die knapp zehn Jahre später dazu führte, dass der Oberste Gerichtshof im Fall Loving v. Virginia entschied, dass Ehe ein Grundrecht ist, bei dem die Hautfarbe der Eheleute keine Rolle spielt. Die damalige Argumentation war auch im vergangenen Jahr von Bedeutung, als der Oberste Gerichtshof die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare durchsetzte.

Es ist ein außerordentlich sorgfältig gemachter Film mit einem bestechenden Auge für Details: Jedes Automobil, jedes Musikstück, jede zerschlissene Jeans trägt dazu bei, das Publikum Zeit und Ort förmlich spüren zu lassen. Richard Loving und seine schwangere Verlobte Mildred Jeter stehlen sich aus ihrem Heimatstaat in den District of Columbia, um heiraten zu können. Wenig später werden sie in Virginia festgenommen und drangsaliert, und um einer mindestens einjährigen Gefängnisstrafe zu entgehen, müssen sie sich bereiterklären, ihren Heimatstaat 25 Jahre nicht mehr gemeinsam zu betreten. Mit großer Empathie sieht der Film den beiden Liebenden dabei zu, wie sie ihr Leben mit ihren schließlich drei Kindern in Washington DC einrichten, und später unentdeckt doch wieder nach Virginia zurückkehren, um ihren Familien nahe zu sein. Zu dieser Zeit beginnen Bürgerrechtsorganisationen, auf das Ehepaar aufmerksam zu werden und den Kampf gegen die Ungerechtigkeit aufzunehmen.

Natürlich ist es unmöglich, nicht von dieser Geschichte berührt zu sein, von dieser Liebe, die sich mit stiller Halsstarrigkeit allen Repressalien und Härten widersetzt. Besonders Ruth Negga ist großartig als willensstarke Mildred Loving, die die Dinge in die Hand nimmt, während Joel Edgerton in seiner zweiten Rolle für Nichols nach "Midnight Special" den bulligen und wortkargen Richard mit der nötigen Intensität spielt, um einer so nach innen gekehrte Figur, die jeden Augenkontakt meidet, die nötige Präsenz zu verschaffen. Anstatt auf großes Feuerwerk im Gerichtssaal setzt dieser Film nur auf seine beiden Protagonisten, und er macht es ganz still, ganz ruhig, ohne kaum je die Stimme zu erheben oder Tränen zu vergießen. Allerdings kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass sich in diesem Szenario ein noch viel besserer Film versteckt, dass die Möglichkeiten des Stoffs nicht richtig genutzt werden, weil sich der Regisseur den historischen Eckdaten verpflichtet fühlt: Man erfährt nichts darüber, wie sich Richard Loving in einer schwarzen Gemeinde fühlt, wie der Film auch nicht darauf eingeht, wie ein schwarzes Viertel auf seinen scheinbar einzigen weißen Einwohner reagiert. Was denken die beiden Hauptfiguren, was fühlen ihre Kinder? Das wäre noch spannender gewesen. ts.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag

Bonusmaterial

- Entstehung von "Loving" - Besetzung von "Loving" - Der Fall "Loving" gegen Virginia - Virginia: Wo "Loving" spielt - Filmkommentar mit Regisseur Jeff Nichols
  • Produktdetails
  • Anzahl: 1 DVD
  • Hersteller: Universal Pictures Video
  • Gesamtlaufzeit: 118 Min.
  • Erscheinungstermin: 26. Oktober 2017
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß §14 JuSchG
  • Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch
  • Untertitel: Deutsch, Hindi, Türkisch, Finnisch, Portugiesisch, Französisch, Isländisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Niederländisch, Englisch
  • Regionalcode: 2
  • Bildformat: 2.40:1 / SDTV 576i (PAL) / Anamorph
  • Tonformat: Deutsch DD 5.1 ...
  • EAN: 5053083103378
  • Artikelnr.: 47659768
Rezensionen
Besprechung von 17.06.2017
Der Sheriff vertritt das Unrecht

Mehr als ein halbes Jahrhundert ist der Fall her, aber er bietet manchen Schlüssel zur Gegenwart: Jeff Nichols erzählt im Film "Loving" die Geschichte einer verfolgten Liebe.

Im Jahr 1958 meinte der Staat Virginia in Amerika, seinen "Frieden" und seine "Würde" gegen zwei Menschen verteidigen zu müssen, die eigens in den benachbarten Staat Washington gefahren waren, um dort zu heiraten: Richard Loving und Mildred Jeter. Sie durften in Virginia nicht ehelich zusammenleben oder gar das Bett teilen, weil sie nicht dieselbe Hautfarbe hatten. Richard war weiß, Mildred hingegen "colored", ihre Beziehung war eine "miscenegation", eine Vermischung von Rassen. Für die Rassen hat Gott unterschiedliche Lebensbereiche eingerichtet, heißt es im Film "Loving" von Jeff Nichols einmal beiläufig in einer Urteilsbegründung, und hätte er gewollt, dass sie sich vermischen, dann hätte er das auch geographisch deutlich gemacht, und nicht den "Roten" Amerika und den "Schwarzen" Afrika zugeteilt. So ist das eben mit dem Rassismus, er macht sich seine eigene Vernunft, auch wenn sie hanebüchen ist.

Der Fortschritt nimmt in Amerika häufig den Weg durch die juristischen Instanzen. Das führt zu Konstellationen, in die das Kino gut einsteigen kann. Denn ein Verfahren Richard und Mildred Loving gegen den Staat von Virginia ist eines, in dem Menschen aus Fleisch und Blut auf Prinzipien treffen, die aber auch von Menschen aus Fleisch und Blut vertreten werden. In der Version, wie Jeff Nichols die Geschichte der Liebe der Lovings erzählt, ist es vor allem ein Sheriff, der mit seinen Ansichten noch tief im neunzehnten Jahrhundert zu stecken scheint. Und auch bei dem ersten von vielen Gerichtsterminen, den Richard und Mildred zu bestehen haben, hat man das Gefühl einer Zeitreise. Aber genau darum geht es ja auch tatsächlich bei "Loving", mit dem das amerikanische Kino seine Rekapitulation der afroamerikanischen Emanzipation in den Bürgerrechtsbewegungen seit den fünfziger Jahren fortsetzt.

Richard Loving (Joel Edgerton) ist ein unwahrscheinlicher Held für eine historische Entwicklung, und das macht ihn natürlich zum idealen Helden. Ein schweigsamer Mann, der vor allem geschickt mit den Händen ist, als Maurer oder Mechaniker. Er liebt Mildred so, als wäre das alles ganz normal, und das ist es ja auch, nur nicht in der Welt, in der er lebt. Es ist eine bukolische Welt, immer wieder achtet Jeff Nichols darauf, die landschaftliche Pracht des Südens zu zeigen. Es könnte geradezu paradiesisch sein, allerdings zeigen sich Richard und Mildred im Film zum ersten Mal öffentlich bei einem Dragster-Race, einem Beschleunigungsrennen zwischen auffrisierten Autos. Fünfziger-Jahre-Karossen, wohlgemerkt, also eher feist als furios. In dieser Welt bewegt Richard sich ohne Arg.

Sein Name gibt Jeff Nichols die Gelegenheit, dem Film einen doppelten Boden einzuziehen. Denn es geht auch darum, was das heißt, dass zwei Menschen sich lieben, wenn zunehmend die ganze Welt an ihrem Leben Anteil zu nehmen beginnt. In der ersten Hälfte von "Loving" bleibt fast ein wenig rätselhaft, was Richard und Mildred eigentlich verbindet, so selbstverständlich gehen sie miteinander um, ohne dass Nichols es darauf anlegen würde, diese Ehe, dieses Lieben, durch die eine oder andere Schlüsselszene zu charakterisieren.

Erst allmählich gewinnt Mildred in der Beziehung an Profil. Ruth Negga in der Rolle der Mildred ist die größte Entdeckung in einem Film mit vielen guten Charakterdarstellern. Mit Sharon Blackwood, die Richards Mutter spielt, fühlt man sich beinahe in die verwunschene Welt eines Klassikers wie "Night of the Hunter" zurückversetzt, als Frauen noch Waffen trugen. Die Darsteller der Familie von Mildred sind alle bisher eher unbekannt, auch das ein Indiz für ein einseitiges Starsystem, dem sich Nichols aber ohnehin immer schon verweigert hat. 2007 begann er mit "Shotgun Stories" seine Erkundungen des ländlichen Amerikas. 2016 war er mit "Midnight Special" im Wettbewerb der Berlinale. In dieser unorthodoxen Verbindung aus Sektenthriller und Science-Fiction-Abenteuer war auch schon Joel Edgerton zu sehen gewesen, und Nichols zeigte sich darin vor allem als exzellenter Beobachter dieser vielen Kleinigkeiten, in denen Amerika meint, ganz bei sich zu sein - man könnte eine Kulturgeschichte darüber schreiben, wie Männer in Filmen das Bier halten, oder das Lenkrad, und wie es als Ausweis von Virilität zu gelten scheint, so undeutlich wie möglich zu artikulieren. Auch Loving ist so ein Grummler, er spricht, als müsste er dauernd mit sich ringen. Umso größer wirkt dann der eine Satz, auf den es ankommt, eine Liebeserklärung, die so einfach ist, dass der Supreme Court darauf ganze Gesetzeswerke begründen könnte.

Man braucht einen längeren Atem, um mit "Loving" nicht die Geduld zu verlieren, wird dann aber belohnt. Mit der Ankunft zweier junger Anwälte von der Ostküste bekommen die einfachen Menschen von Virginia eine ambivalente Vertretung, der gegenüber sie sich nach besten Kräften behaupten - der Populismus von Nichols liegt ja gerade darin, dass die Lösung aus den Figuren selbst kommen muss. Nur so bleibt das Urvertrauen gewahrt, mit dem das amerikanische Kino in seinen Geschichten darauf setzt, dass sich im Zweifelsfall von selber versteht, worauf es ankommt. In dieses Selbstverständnis, das in Wahrheit natürlich eine Konstruktion nicht zuletzt dieses klassischen Kinos ist, in dessen Tradition Nichols sich so klug stellt, wird in "Loving" auch die afroamerikanische Bevölkerung einbezogen, und mit dem Ehepaar Richard und Mildred Loving gewinnt Amerika inklusive Virginia schließlich seine Würde zurück. Was den inneren Frieden anlangt, das ist eine andere Sache.

BERT REBHANDL

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