Hotel Ruanda
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Kigali, Hauptstadt der Republik Ruanda im Jahr 1994: Der Hotelmanager Paul Rusesabagina ist Hutu. Seine Ehefrau ist Tutsi. Er persönlich hat bisher keine Probleme mit den Vertretern der ethnischen Minderheit in Ruanda, doch viele seiner Hutu-Landsleute hegen einen regelrechten Hass auf die Tutsibevölkerung. Die Stammeskonflikte in seinem Heimatland nimmt er zwar mit Sorge wahr, kann sich aber nicht vorstellen, dass die politische Situation weiter eskaliert. Sein Hotel ist voll von UN-Blauhelmsoldaten sowie internationalen Journalisten. Die Hutu-Regierung plant ein Friedensabkommen mit den…mehr

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Produktbeschreibung
Kigali, Hauptstadt der Republik Ruanda im Jahr 1994: Der Hotelmanager Paul Rusesabagina ist Hutu. Seine Ehefrau ist Tutsi. Er persönlich hat bisher keine Probleme mit den Vertretern der ethnischen Minderheit in Ruanda, doch viele seiner Hutu-Landsleute hegen einen regelrechten Hass auf die Tutsibevölkerung. Die Stammeskonflikte in seinem Heimatland nimmt er zwar mit Sorge wahr, kann sich aber nicht vorstellen, dass die politische Situation weiter eskaliert. Sein Hotel ist voll von UN-Blauhelmsoldaten sowie internationalen Journalisten. Die Hutu-Regierung plant ein Friedensabkommen mit den Tutsi-Rebellen - die Lage scheint sich zu entspannen. Doch Pauls Hoffnungen sollen sich nicht bewahrheiten. Über Radiostationen wird die Hutu-Bevölkerung aufgestachelt und radikalisiert. Im Blutrausch durchkämmen Militärs und die Zivilbevölkerung das ganze Land. Jeder, der in den Verdacht gerät Tutsi zu sein, mit einem verheiratet zu sein oder nur mit ihnen zu sympathisieren, wird mit Macheten und Feuerwaffen niedergemetzelt. Paul gelingt es seine Familie und Nachbarn in seinem Hotel in Sicherheit zu bringen, indem er einen Hutu-Offizier besticht. Sein Hotel gleicht immer mehr einem Flüchtlingslager, während draußen das Morden an den Tutsi weitergeht. Doch der Hotelmanager hat nach wie vor gute Kontakte zu Regierungskreisen und hofft diese nutzen zu können, um seine Familie und die restlichen Flüchtlinge in seinem Hotel außer Landes zu bringen, bevor auch sie dem mörderischen Hass der Hutu-Milizen zum Opfer fallen...

Bonusmaterial

- Kinotrailer - Audiokommentare - Featurette - Interviews mit Cast & Crew - Message for Peace: Making Hotel Ruanda - Dokumentation: Return to Hotel Ruanda - Selected Scenes mit Audiokommentar
  • Produktdetails
  • Anzahl: 1 Blu-ray Disc
  • Hersteller: Universum Film
  • Gesamtlaufzeit: 122 Min.
  • Erscheinungstermin: 28. Oktober 2011
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß §14 JuSchG
  • Sprachen: Deutsch, Englisch
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Regionalcode: B
  • Bildformat: 2.35:1 / HDTV 1080p
  • Tonformat: Deutsch DTS-HD 5.1 Master Audio ...
  • EAN: 0886979496293
  • Artikelnr.: 33809940
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 03.04.2005

Die Ästhetik des Grauens
Terry Georges Film "Hotel Ruanda" erzählt vom Völkermord fast nichts

Als Paul Rusesabagina (Don Cheadle), der Manager des "Mille Collines"-Hotels in Kigali, zu seinem alten Geschäftspartner George fährt, um bei ihm Bier und Spirituosen für seine Gäste einzukaufen, hat sich das Warenlager des Großhändlers in eine Festung verwandelt. Im Innenhof hält die aus Hutu-Milizionären bestehende Besatzung einige Tutsi-Frauen in Käfigen gefangen. Es ist Nacht, man hört die Schreie der Vergewaltigten, das Stöhnen der Sterbenden, das Grölen der betrunkenen Soldaten. Schüsse knallen, irgendwo in der Ferne explodieren Granaten. Als die Bierkisten in den Jeep des "Mille Collines" geladen werden, erklärt George dem Manager, dies sei das letzte Geschäft, das er mit ihm machen werde; seine Hutus würden die Tutsi-Gäste des Hotels töten, sobald sie mit den anderen Tutsi-Bewohnern der Stadt fertig wären. "Ihr glaubt doch nicht, daß ihr sie alle umbringen könnt?" fragt Rusesabagina entgeistert. "Wieso nicht?" antwortet sein Geschäftspartner. "Wir haben doch schon die Hälfte geschafft."

Im April vor elf Jahren begann im zentralafrikanischen Ruanda der Völkermord an der ethnischen Minderheit der Tutsi. Innerhalb von drei Monaten wurde beinahe eine Million Menschen ermordet, die meisten von ihnen mit Beilen und Hackmessern. Der Film "Hotel Ruanda" erzählt von ihrem Schicksal. Oder besser: Er setzt an, holt aus, um vom Völkermord zu erzählen, und erzählt dann von etwas anderem. Von dem Mann, der übrigblieb. Von seiner Familie. Von den Menschen in seinem Hotel, die er gerettet hat. Und von den UN-Soldaten, die dabeistanden und zuschauten, während das Entsetzliche geschah, den hilflosen Helfern aus Europa und Amerika.

Den Hotelmanager Paul Rusesabagina gibt es wirklich, und er hat tatsächlich getan, wovon in "Hotel Ruanda" berichtet wird. Das ist die starke Seite des Films. Die schwache Seite ist das, was Terry George, der Regisseur, anstellt, um Rusesabaginas Taten ins rechte Licht zu setzen, all das, was normalerweise die Stärke des Kinos ausmacht: Fiktion, Identifikation, Dramaturgie, musikalische Untermalung, geraffte Zeit und verdichteter Raum. Es ist alles da, aber es greift nicht. "Wenn die Leute im Westen diese Bilder sehen", sagt ein englischer Fernsehjournalist (Joaquin Phoenix) in "Hotel Ruanda" zu den Aufnahmen des Massakers, die er auf den Straßen von Kigali gemacht hat, "dann werden sie sagen ,o mein Gott, wie furchtbar', und dann werden sie ihr Abendessen fortsetzen." Mit dem gleichen Gefühl kommt man aus diesem Film.

Der Streit um das politische Kino ist so alt wie das politische Kino selbst. Er begann mit der Debatte um Costa-Gavras' Griechenlandthriller "Z" (1969), und er wird mit "Hotel Ruanda" nicht zu Ende sein. Was linke Kinointellektuelle damals gegen "Z" sagten - und später bei anderen Costa-Gavras-Filmen wie "Missing" und "Music Box" oder bei Richard Attenboroughs Anti-Apartheids-Drama "Cry Freedom" wiederholten -, kann man auch dem Film von Terry George vorwerfen: daß er eine historische Tragödie in Kinounterhaltung verwandelt, daß er den Tod von Hunderttausenden zum Hintergrundgeräusch degradiert. Und was die Verteidiger von Costa-Gavras vorbrachten, kann man auch zugunsten von "Hotel Ruanda" ins Feld führen: daß der Film ein Massenpublikum erreichen will und sich deshalb den Regeln des Markts beugen muß; daß ein Happy-End, wie es Paul Rusesabagina und seiner Frau Tatiana (Sophie Okonedo) zuteil wird, keine Geschichtsfälschung, sondern nur ein "gefühlsbetontes Destillat" (Terry George) der grausamen Wirklichkeit ist; und daß man Massenmorde im Kino sowieso nie realistisch zeigen kann, ohne sich ins Horrorgenre zu verirren.

Vielleicht muß man sich ein paar andere Bilder derselben Sache anschauen, um zu begreifen, woran es in "Hotel Ruanda" fehlt. Im Spätsommer 1994, kurz nach den Massakern, flog der amerikanische Fotograf James Nachtwey nach Ruanda. Er besuchte überfüllte Flüchtlingslager, entvölkerte Dörfer, Krankenhäuser voller Waisen und Krüppel. Seine Aufnahmen zeigen, was nach dem Blutrausch übrigblieb: halbverweste Leichen, die mit dem Lehmboden zu verschmelzen scheinen; Macheten, zu Haufen gestapelt; ein Mann mit zerschnittenem Gesicht; Kinder, denen ein Arm, ein Bein, ein Ohr fehlt. Nachtweys Fotos sind ruhig, beinahe abgeklärt, sie laden den Betrachter ein, die Details zu studieren, die Form der Narben, die Farbe der Kleider, den erstarrten Schrei auf den Gesichtern der Toten. Es ist eine Ästhetik des Grauens, die das, was sie nicht erzählen kann, als Hohlform umschreibt: den eigentlichen Mord, den Augenblick des Sterbens, die Lust der Täter und die Qual der Opfer. Was Susan Sontag in ihrem Essay "Das Leiden anderer betrachten" an der Kriegsfotografie kritisiert, den Gestus des Dabeigewesenseins, die Illusion der Authentizität, ist bei Nachtwey durch Sachlichkeit überwunden. Seine Bilder gehen einem nach, weil sie das Naheliegende festhalten, das, was jeder sich vorstellen kann, auch wenn er beim Gemetzel nicht dabei war.

Auch in "Hotel Ruanda" gibt es ein Bild, das man nicht vergißt. Auf dem Rückweg vom Lager des Großhändlers verirren sich Rusesabagina und sein Fahrer im Gelände. Es ist früher Morgen, als sie im Nebel durch einen Vorort von Kigali rollen. Plötzlich wird die Straße zur Buckelpiste. Der Hotelmanager steigt aus, um sich zu orientieren. In diesem Augenblick reißt der Nebel auf, und man sieht, daß die Buckel, über die der Wagen holpert, menschliche Körper sind. Wie ein Teppich bedecken sie die Straße. Den Rest ergänzt die Phantasie.

"Hotel Ruanda" wäre kein großer, aber ein besserer Film, wenn er sich öfter die Zeit nähme, solche Bilder zu betrachten. Aber der Ire Terry George - er schrieb das Drehbuch zu Jim Sheridans "Im Namen des Vaters" - ist so fasziniert von der Aussicht, in der Geschichte von Paul Rusesabagina die Dramaturgie von "Schindlers Liste" mit der Ästhetik des Reportagefilms zu verbinden, daß ihm das Makabere an dieser Art von Kino-Fusion völlig entgeht. Tatsächlich gibt es in "Hotel Ruanda" eine Menge Szenen, die man anderswo schon gesehen hat, und zwar besser. Und es gibt rings um den großartigen Don Cheadle eine Entourage von Nebenfiguren, auf die man gerne verzichtet hätte, wenn dafür das Drama im Zentrum, der Kampf eines Mannes um das Überleben seiner Familie und die Würde seines Landes, deutlicher zum Vorschein gekommen wäre. Schließlich gibt es noch Nick Nolte als UN-Colonel, der zornig und verschämt die Ehre des Westens rettet und nebenbei den Produzenten von "Hotel Ruanda" geholfen hat, den Film auch in Länder außerhalb Afrikas zu verkaufen. Auch das politische Kino ist eben vor allem eins: ein Geschäft.

ANDREAS KILB

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