Drehort Heimat - Chronik einer deutschen Jahrhundert-Saga - Landgrebe,Gudrun/Arnold,Henry
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"Drehort Heimat" beleuchtet Hintergründe und Erinnerungen rund um Edgar Reitz deutsche Jahrhundertsaga. Den Prolog zur Trilogie bildet die Dokumentation "Geschichten aus den Hunsrückdörfern", die von Menschen aus der Region, in der Reitz seine berühmte Trilogie angesiedelt hat, erzählt. Edgar Reitz lässt sie zu Wort kommen, ohne durch Interviewfragen zu lenken und zeichnet auf diese Weise ein authentisches Bild der Hunsrücker. Mit "Heimat Fragmente: Die Frauen" nimmt der Regisseur nach Vollendung der preisgekrönten Trilogie Abschied von seinen geliebten Figuren. Sein filmischer Rückblick…mehr

Produktbeschreibung
"Drehort Heimat" beleuchtet Hintergründe und Erinnerungen rund um Edgar Reitz deutsche Jahrhundertsaga. Den Prolog zur Trilogie bildet die Dokumentation "Geschichten aus den Hunsrückdörfern", die von Menschen aus der Region, in der Reitz seine berühmte Trilogie angesiedelt hat, erzählt. Edgar Reitz lässt sie zu Wort kommen, ohne durch Interviewfragen zu lenken und zeichnet auf diese Weise ein authentisches Bild der Hunsrücker.
Mit "Heimat Fragmente: Die Frauen" nimmt der Regisseur nach Vollendung der preisgekrönten Trilogie Abschied von seinen geliebten Figuren. Sein filmischer Rückblick enthält bisher unveröffentlichte Szenen und berichtet von Lulu, der 35-jährigen Tochter des Musikers Hermann, die die Orte der Vergangenheit besucht und die Kuriosität der eigenen Erinnerung erforscht.

Bonusmaterial

DVD-Ausstattung / Bonusmaterial: - Kapitel- / Szenenanwahl
  • Produktdetails
  • Anzahl: 3 DVDs
  • Hersteller: ARTHAUS
  • Gesamtlaufzeit: 260 Min.
  • Erscheinungstermin: 18. Mai 2007
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren gemäß §14 JuSchG
  • Sprachen: Deutsch
  • Untertitel: Deutsch
  • Regionalcode: 2
  • Bildformat: 16:9 (anamorph codiert), PAL
  • Tonformat: Deutsch DD 2.0 Stereo
  • EAN: 4006680040035
  • Artikelnr.: 22622565
Autorenporträt
Edgar Reitz, Jahrgang 1932, gehörte zu den bedeutenden deutschen Filmschaffenden. Mit der 'Geschichte der Familie Simon aus dem Hunsrückdorf Schabbach' verarbeitete er auch seine eigene Lebensgeschichte. Für sein Lebenswerk u. a. ausgezeichnet mit der Carl-Zuckmayer-Medaille.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 22.12.2006

Die Abschaffung des rechten Winkels
Edgar Reitz sammelt die Reste seines Jahrhundertfilmprojekts: "Heimat-Fragmente: Die Frauen"

Nein, dieser Film ist nicht der krönende Abschluß von "Heimat". Eher ist er ein filmischer Notbehelf: szenische Fragmente, unbenutzte Bilder, outtakes aus einer fünfundzwanzigjährigen Produktionszeit, gesehen mit den Augen der Urenkelin, der letzten aus dem Geschlecht der Simons von Schabbach . . . Und doch ein Schluß, ein Ausklang - gerade weil diese "Heimat-Fragmente" keine Geschichte eröffnen, keinen Horizont aufreißen, weil sie nur Rückblick, Kommentar und Selbstbetrachtung sind. Ein Ende: nicht mit einem Knall, sondern mit Gewimmer.

Die Idee zu "Heimat-Fragmente: Die Frauen" kam Edgar Reitz bei der Sichtung seiner Bestände. Im Frühjahr 2005, nach der Fernsehausstrahlung von "Heimat 3", löste Reitz sein Produktionsbüro und einen Teil seines Filmarchivs auf. Dabei stieß er auf verborgene Schätze: "mehr als sechs Stunden schönster Szenen, viele davon fertig montiert . . . Die Besichtigung erfüllte uns mit Wehmut und Abschiedsschmerzen." So redet kein fröhlicher Nachlaßverwalter, sondern ein trauernder Witwer, ein düpierter Enthusiast.

Das Drama des Regisseurs von "Heimat" liegt darin, daß zuletzt immer weniger Leute diesen Enthusiasmus teilen wollten. Schon die Zuschauerquote der "Zweiten Heimat" blieb 1992 unter den den Erwartungen; bei "Heimat 3" sah sich Reitz unter dem Druck der Fernsehsender zu Kürzungen gezwungen, die den ohnehin überspannten Handlungsbogen noch brüchiger machten. So schwand nicht nur die künstlerische Substanz, sondern auch die Wirkung des "Heimat"-Stoffs mit jeder Fortsetzung dahin. Es spricht für Edgar Reitz, daß er es mit der dritten, insgesamt zwiespältig aufgenommenen Staffel von "Heimat" nicht bewenden lassen und seinem Schmerz ein Denkmal setzen wollte. Aber es sagt auch viel über diesen Regisseur und sein Projekt, daß man diese Trauer beim Anschauen seiner "Heimat-Fragmente" nur selten mitempfinden kann.

Der Film beginnt mit einem Spaziergang am Morgen des neuen Jahrtausends. Lulu (Nicola Schössler), die Tochter von Hermann Simon und Waltraud alias "Schnüßchen", geht mit zwei Freunden am Mainufer entlang. Die drei erträumen sich die Zukunft: "In der Architektur wird der rechte Winkel abgeschafft. Männer werden Frauen und Frauen werden Männer sein. Und Aids wird heilbar sein." Das klingt nach den Studentengesprächen der "Zweiten Heimat", und tatsächlich bildet diese, ästhetisch und quantitativ, den Schwerpunkt der Fragmentesammlung. Sechsundzwanzig Stunden hat die "Zweite Heimat" gedauert, mehr als eine Stunde fügt Reitz jetzt hinzu - natürlich ist auch das nicht genug, denn wer von der Jugend, der verlorenen, erzählen will, kommt nie zum Schluß. An diesem Anspruch, ein ganzes Generationsschicksal in Fernsehbilder zu packen, ist Reitz vor vierzehn Jahren gescheitert, aber er kann von ihm nicht lassen, so wie ein Maler, dem die Kathedrale über dem Kopf einstürzt, in den Trümmern weiterzumalen versucht.

Und so sehen wir sie alle wieder: Hermann, Waltraud, Helga, Clarissa und Olga, die schöne, traurige Evelyne und den todgeweihten Ansgar, das blonde Dorli, von Veronica Ferres mit westfälischem Liebreiz gepolstert, und die von den Wunden des Jahrhunderts gezeichnete Frau Cerphal Hannelore Hogers. Lulu, die auf den Spuren ihrer Vorfahren von Schabbach nach München und wieder zurück reist, spürt ihre Bilder gleichsam im Vorbeigehen auf, so als steckten sie noch in den Wänden, in denen sie ihr fiktives Leben gelebt haben. Wir sehen aber auch Marita Breuer als Maria Simon, Michael Lesch als Paul und Gudrun Landgrebe als Clärchen aus der ersten "Heimat" - und obwohl die Szenen, in denen sie auftreten, einen viel geringeren Raum einnehmen als die Schnipsel aus den anderen beiden "Heimat"-Staffeln, leuchten sie doch aus der Bilderflut heraus.

Wenn man das Gesicht von Marita Breuer betrachtet, die vor sechs Jahren in Tom Tykwers "Der Krieger und die Kaiserin" die Mutter von Franka Potente gespielt hat und seither nur noch in Nebenrollen im "Tatort" und andern Fernsehkrimis aufgetreten ist, wird auch klar, was der zweiten wie der dritten "Heimat" so bitter fehlt: Einfachheit. Deutlichkeit. Intensität. All die geographischen und dramaturgischen Umwege, die allegorischen Verzerrungen, die historischen Skizzen und Bezüge haben den Geist des Epos verdünnt, seinen Kraftquell versiegen lassen.

In den gefundenen Bildern aus der ersten "Heimat" aber ist alles wieder da: die Stille der Provinz, die erstickende Intimität des Dorfes, die Einsamkeit, die wie ein Schleier über Marita Breuers Zügen liegt; und jene unerfüllte Hoffnung auf ein neues, besseres, menschlicheres Zeitalter, die uns mehr als alles andere beim Betrachten dieser Bilder berührt. Mit einem Handbohrer rückt Nicola Schössler den Steinböden im Simon-Haus über dem Rheintal zu Leibe, um ihrer eigenen Geschichte auf den Grund zu kommen. Aber es bleibt eine leere Geste; mehr als das, was in den Bildern steckt, wird nie zu sehen sein.

Das weiß auch Edgar Reitz. Deshalb versucht er die Funde aus seinem Archiv auf andere Weise zum Sprechen zu bringen. Er betextet sie: "In den Gräbern liegen auch die Lebensalter, die Häutungen. Wie oft muß sich einer häuten, bis er fliegen kann? Mit jedem Traum verliert man einen Körper." So klingt es an vielen Stellen der "Heimat-Fragmente", und weil es Nicola Schössler ist, die solche Sätze spricht, könnte man meinen, der Film handle tatsächlich, wie es sein Titel verspricht, von den Frauen, den wahren Helden der "Heimat"-Trilogie. In Wahrheit ist es der Regisseur Reitz, der seinem Abschiedsschmerz in einem zweieinhalbstündigen Monolog Luft macht. Und die Bilder antworten ihm. Aber nur ihm.

Die erste "Heimat" war ein Epos, wie es im deutschen Fernsehen nicht mehr wiederkehren wird. Die zweite war ein unübersichtliches Geschichtenpuzzle, die dritte ein überfrachtetes Geschichtsalbum. Mit "Heimat-Fragmente: Die Frauen" reicht Edgar Reitz nun die Fußnoten nach. Ihm selbst wird das nicht genügen. Aber nun ist es genug.

ANDREAS KILB

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