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Von Montag bis Donnerstag führt Peter Vorden ein Feinschmecker-Restaurant in Lothringen. Danach beginnt sein richtiges Leben. Denn dann zieht Vorden sich zurück in seine deutsche Wohnung und schreibt Kurzgeschichten. Er tut es für seinen erfolgreichen Bruder Paul, den Schriftsteller, dem er damit immer wieder aus der Klemme hilft. Paul ist sein Zwillingsbruder und hat vor vielen Jahren Anne geheiratet, die einzige Frau, die für Peter je infrage kam. Seither lebt Peter mit Affären - und ahnt doch, dass er den großen Konflikt in seinem Leben endlich lösen muss. - Thommie Bayer erzählt die…mehr

Produktbeschreibung
Von Montag bis Donnerstag führt Peter Vorden ein Feinschmecker-Restaurant in Lothringen. Danach beginnt sein richtiges Leben. Denn dann zieht Vorden sich zurück in seine deutsche Wohnung und schreibt Kurzgeschichten. Er tut es für seinen erfolgreichen Bruder Paul, den Schriftsteller, dem er damit immer wieder aus der Klemme hilft. Paul ist sein Zwillingsbruder und hat vor vielen Jahren Anne geheiratet, die einzige Frau, die für Peter je infrage kam. Seither lebt Peter mit Affären - und ahnt doch, dass er den großen Konflikt in seinem Leben endlich lösen muss. - Thommie Bayer erzählt die Geschichte eines ungewöhnlichen Doppellebens und stellt die spannende Frage, was es heißt, aus Anstand auf die große Liebe verzichten zu wollen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Piper
  • Seitenzahl: 192
  • Erscheinungstermin: 26. Juli 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 134mm x 22mm
  • Gewicht: 332g
  • ISBN-13: 9783492056113
  • ISBN-10: 3492056113
  • Artikelnr.: 44881441
Autorenporträt
Bayer, Thommie
Thommie Bayer, 1953 in Esslingen geboren, studierte Malerei und war Liedermacher, bevor er 1984 begann, Stories, Gedichte und Romane zu schreiben. Neben anderen erschienen von ihm »Die gefährliche Frau«, »Singvogel«, der für den Deutschen Buchpreis nominierte Roman »Eine kurze Geschichte vom Glück« und zuletzt »Seltene Affären«.
Rezensionen
»Thommie Bayer erzählt in ›Seltene Affären‹ eine wunderbare, anrührende Liebesgeschichte.«, Frankfurter Neue Presse, 08.07.2017
Besprechung von 26.11.2016
Gehen wir ein Stück, oder wachen wir auf?

Wenn die Traumfrau Form annimmt: Thommie Bayer ist ein unterhaltsamer, wirklichkeitssatter Künstlerroman über alte Liebe gelungen.

Von Jan Wiele

Ein melancholischer Romanheld, der im Auto laut Leonard Cohen hört, ist schon mal nicht verkehrt und kommt in diesen Tagen gerade recht. Dass er auch noch Weinkenner ist und auf gewisse Weise zur Toskana-Fraktion gehört, nähert ihn wohl dem Klischee an - aber man kann diesen Erzähler aus Thommie Bayers Roman kaum nicht mögen, wie er da das zynische Lied "The Future" voll aufdreht, während er doch bekennenderweise "seit über dreißig Jahren in der Vergangenheit lebt".

Außerdem hat dieser Mann mit der alten schwärenden Liebeswunde eine ziemlich interessante Existenz: Er ist nämlich zur Hälfte Gastronom und zur Hälfte Schriftsteller. Von Montag bis Donnerstag betreibt er ein Nobelrestaurant in den Vogesen, am Wochenende fährt er in seine Wohnung jenseits des Rheins in der südwestdeutschen Provinz, zu der er sich ebenso herzhaft bekennt wie zu ihrer französischen Nachbarregion. Das Schreiben betreibt er allerdings nur zum Spaß, wie es zunächst scheint: Er liefert seinem Zwillingsbruder, der im Hauptberuf Schriftsteller ist und oft Ladehemmung hat, die Basisgeschichten, und der verfeinert sie dann für seine Zwecke.

Klingt etwas märchenhaft? Nun, märchenhafte Züge hat diese Geschichte so einige. Aber das merkt man erst mit der Zeit und vergisst es mitunter auch immer wieder, weil Thommie Bayer sie so einfach und leichthändig erzählt, reich an handgreiflicher Wirklichkeit. Wie er etwa den Gastronomiebetrieb und dessen Gäste beschreibt, ist von angenehm ironischer Lebensweisheit geprägt. Und fast könnte man denken, dieser selbstbestimmte und freie Single von Anfang sechzig, der lange in Volterra gewohnt hat, sein Leben der Literatur, Musik und Kulinarik widmen kann und nun mit seiner zwanzig Jahre jüngeren französischen Geschäftsführerin Magali eine Art "Freundschaft plus" pflegt, habe es vielleicht gar nicht so schlecht getroffen.

Seine Beteuerungen, die Einsamkeit täte ihm nicht weh, wirken allerdings bald halbherzig, und an einigen Signalstellen verrät er dann auch, wie es eigentlich steht: "Mein Bruder hat die Frau geheiratet, die als einzige für mich in Frage kam", sagt er, und dass "die Chance auf ein Liebesleben, das mehr wäre als erotische Anziehung und Ermattung", nur ein einziges Mal vor ihm gelegen habe, vor sehr langer Zeit nämlich. "Alles danach war Rückzugsgefecht, Ersatz, Echo oder schlechte Kopie." Deswegen also hört der Mann Leonard Cohen.

Wie also jetzt noch Spannung in diese offenbar aussichtslose Liebesgeschichte bringen? Bayer macht das mit einem gewissen Trick, der auf Anhieb etwas derb klingt: Er setzt dem Melancholiker eine neue Putzfrau ins Haus, eine reizvolle noch dazu. Der Witz ist aber, dass der Erzähler diese nur von ferne sieht und nie im Haus trifft, sie sich und dem Leser also in der Phantasie ausmalen muss, während er bald immerhin über gewisse Zeichen in der Wohnung mit ihr zu kommunizieren beginnt. Und dann wird es wieder märchenhaft: Die Unbekannte erscheint dem Erzähler Nacht für Nacht im Traum, und langsam beginnt der Leser zu begreifen, dass sich in dieser Traumfrau auch eine Wiedergängerin der großen Liebe namens Anne verbirgt. Die Erinnerungen an diese verschieben und verdichten sich mit der Vorstellung der Unbekannten - und in diesem Träumen lauert sogar die Chance, dass etwas Neues das Alte endlich ablösen könnte.

Das ist die Grundspannung des Buches, und aus ihr heraus legt der Erzähler in fragmentarischen Rückblicken den Glutkern der Geschichte frei, nämlich die schon in der Jugend der beiden Zwillingsbrüder Peter und Paul (ihre Namen seien "dem biederen Humor unseres Vaters geschuldet", bemerkt der Erzähler) gerissene Wunde, die im Verschwinden der besagten Anne besteht. Mit Paul war sie damals zusammen, doch auch Peter war schon in sie verliebt, und dann wanderte sie von heute auf morgen mit ihrer Familie nach Amerika aus. Der eine Bruder reagierte darauf mit monatelangem Schweigen, der andere durfte jahrelang seine ebenso große Trauer nicht zeigen - und für beide wird die Verlusterfahrung lebens- und auch schaffensprägend, denn sie muss auf je eigene Weise künstlerisch sublimiert werden.

Wie Anne dann doch noch durch eine wiederum traumhaft wirkende Begegnung in Florenz in beider Leben zurückfindet und für eine Verwicklung vom Ausmaß antiker Tragödien sorgt, davon sollte man hier noch nicht zu viel verraten, wohl aber, dass es Bayer gelingt, einen diese kaum glaubliche Liebesräuberpistole mit sehr angenehmer musikalischer Begleitung, diese zutiefst romantische Künstlererzählung mit metafiktionalem Subtext, die manchmal nahe am Kitsch segelt, doch glauben zu lassen. Ja, einen sogar manchmal bangen zu machen, dass sie gut ausgeht.

Thommie Bayer: "Seltene Affären". Roman.

Piper Verlag, München 2016. 192 S., geb., 18,- [Euro].

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