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Nach dem "Erec" im Jahr 2007 kann Reclam Hartmanns zweiten großen Artusroman, den "Iwein", in einer Neuausgabe vorlegen. Der Artusritter Iwein hat ein ganz ähnliches Problem wie Erec, höfische Liebe und Ritterlichkeit einerseits mit dem Führen einer ordentlichen Ehe und der Erfüllung der Herrscherrolle zu vereinbaren: Iwein verfährt sich auf einer Tournierreise, die ihm seine frisch errungene und angetraute Herrin Laudine gestattet hat, verspätet sich bei der Rückkehr, wird verstoßen und muss sich bewähren in einer langen Abenteuerkette und Probe auf seine Verlässlichkeit. Der Roman war schon…mehr

Produktbeschreibung
Nach dem "Erec" im Jahr 2007 kann Reclam Hartmanns zweiten großen Artusroman, den "Iwein", in einer Neuausgabe vorlegen. Der Artusritter Iwein hat ein ganz ähnliches Problem wie Erec, höfische Liebe und Ritterlichkeit einerseits mit dem Führen einer ordentlichen Ehe und der Erfüllung der Herrscherrolle zu vereinbaren: Iwein verfährt sich auf einer Tournierreise, die ihm seine frisch errungene und angetraute Herrin Laudine gestattet hat, verspätet sich bei der Rückkehr, wird verstoßen und muss sich bewähren in einer langen Abenteuerkette und Probe auf seine Verlässlichkeit. Der Roman war schon im Mittelalter hochberühmt, breit überliefert und oft nacherzählt, er gilt bis heute als ein viel studiertes Muster seiner Gattung und in allem Farben- und Figurenreichtum jung und frisch geblieben.

Die Neuausgabe erschließt in der Textkonstitution die signifikanten Unterschiede der zwei überlieferten Fassungen, ohne einen Mischtext zu konstruieren, sie bietet eine gut lesbare neuhochdeutsche Übersetzung und einen informativen Kommentar.
  • Produktdetails
  • Reclam Bibliothek
  • Verlag: Reclam, Ditzingen
  • Seitenzahl: 656
  • Erscheinungstermin: Juni 2011
  • Deutsch, Mittelhochdeutsch
  • Abmessung: 194mm x 132mm x 35mm
  • Gewicht: 555g
  • ISBN-13: 9783150107980
  • ISBN-10: 3150107989
  • Artikelnr.: 32626645
Autorenporträt
Hartmann von Aue, um 1165 - um 1210. Zur Biographie des mhd. Lyrikers und Epikers gibt es nur punktuelle Hinweise in seinen Werken. Er gehörte nach eigener Aussage dem Ministerialenstand an und besaß eine lat. Schulbildung. Wem er diente, wo er die Bildung erwarb, wer ihn förderte, ist nicht bekannt, ebenso wenig, auf welchen Ort im Südwesten sich Hartmanns von Ouwe als Herkunfts- oder Dienstort bezieht. H.s Werk entstand ungefähr zwischen 1180 und 1205.
Inhaltsangabe
Iwein

I Prolog und Kalogreants Brunnenabenteuer

II Iweins Sieg und Gefangenschaft

III Iwein und Laudine

IV Gaweins Rat

V Iweins Wahnsinn und Genesung

VI Kampf gegen Aliers und Befreiung des Löwen

VII Lunetes Bedrängnis

VIII Harpin und die Entführung Ginovers

IX Lunetes Befreiung

X Die Töchter des Grafen vom Schwarzen Dorn

XI Iweins Kampf gegen die zwei Riesen

XII Iweins Kampf gegen Gawein

XIII Aussöhnung mit Laudine

Anhang

Zu Textgestalt und Übersetzung

Kommentar

Literaturhinweise

Siglen und Abkürzungen

Ausgaben, Übersetzungen und Nacherzählungen

Kinder- und Jugendbücher

Weitere Werke

Forschungsliteratur

Nachwort
Rezensionen
Besprechung von 22.02.2012
Ein Text gegen alle Zeit

Mit seiner Übersetzung des "Iwein" hat Hartmann von Aue den Deutschen einst einen unerschöpflichen Stoff geschenkt. Eine neue Ausgabe des Textes verpasst die Chance, dies zu zeigen.

Hartmanns von Aues "Iwein", der Roman vom Ritter mit dem Löwen, ist an der Wende vom zwölften zum dreizehnten Jahrhundert entstanden. Wie die anderen deutschen Romane der Zeit ist er kein Originalwerk, sondern die Bearbeitung einer französischen Vorlage. Sie stammt von Chrétien de Troyes, dem genialen Erfinder des Artusromans. Hartmann hatte, wohl um 1180, bereits den Prototyp des Genres, Chrétiens "Erec et Enide", ins Deutsche gebracht. Das war vielleicht sein Erstlingswerk, durchaus ein Wurf, aber behaftet mit allen Mühen des Anfangs. Im "Iwein" sind sie überwunden.

Sprache und Versbehandlung sind von einer lässig perfekten Eleganz, wie sie im Deutschen bis dahin nicht vorstellbar war. Die Darstellung hält sich eng an die Vorlage und setzt doch, so diskret wie entschieden, eigene Akzente, die der Erzählung ein anderes Gesicht geben. Hartmann begegnet dem französischen Meister nun auf Augenhöhe. Sein "Iwein" gilt zu Recht als der klassische Vertreter der Gattung in der deutschen Literatur, die mit ihm das Niveau erreicht hat, auf dem dann Werke von weltliterarischem Rang möglich geworden sind: Wolframs "Parzival" und Gottfrieds "Tristan".

Die Handlung folgt dem üblichen Schema des Artusromans: Ein Ritter erwirbt durch ein tapfer bestandenes Abenteuer sein Lebensglück, verspielt es und holt es sich in weiteren Abenteuern mühsam zurück, um es endgültig zu besitzen. Iwein tötet den Herrn eines Zauberbrunnens, mit dem ein gefährliches Abenteuer verbunden ist; heiratet die Witwe des Getöteten, Laudine, und wird Herr ihres Landes; vernachlässigt, ja, vergisst Frau und Herrschaft auf ausgedehnten Rittertouren mit seinem Freund Gawein; wird von Laudine verstoßen und fällt darüber in Wahnsinn; kommt mit Hilfe mitleidiger Frauen wieder auf die Beine und bewährt sich in einer Serie von Abenteuern als Helfer von Verfolgten und Bedrängten, wobei ihm ein dankbarer Löwe zur Seite steht, dem er das Leben gerettet hat; am Ende gelingt es Laudines durchtriebener Zofe Lunete, das Paar zu versöhnen. Der Fabel dürfte eine keltische Erzählung zugrunde liegen, in der es um die prekäre Liebe eines Sterblichen zu einer Fee ging. Chrétien hat daraus eine komplexe Geschichte entwickelt, die in spielerischer Verkleidung die großen Fragen von Liebe, Gewalt und Herrschaft verhandelt, die das Publikum an den Adelshöfen in Frankreich und England bewegt haben. Hartmann erzählt sie mit souveräner Distanz nach, mit sicherem Gespür auch für ihre reißerischen Qualitäten, für Exotik und Erotik, und immer wieder mit einem Augenzwinkern, für das die Fachgelehrsamkeit leider wenig Sinn hat. Wenn er nur richtig präsentiert wird, kann der Roman auch einem modernen Publikum ein Lesevergnügen bieten, wie es nicht leicht zu finden ist.

Wer sich darauf einlassen will, hat die Qual der Wahl. Es gibt mehrere Ausgaben, zu denen jetzt noch eine in der anspruchsvoll ausgestatteten "Reclam Bibliothek" kommt, die elegant gebundenen, schön gedruckten Bände dieser Reihe versammeln große Literatur quer durch die Zeiten von Homer bis D. H. Lawrence. Es ist ein illustrer Kreis, in dem Hartmann mit seinem "Iwein" eine gute Figur macht. Die Edition des mittelhochdeutschen Textes und die Übersetzung stammen von Rüdiger Krohn, den Kommentar hat Mireille Schnyder beigesteuert. Wer die Ausgabe erwirbt, erhält den mittelhochdeutschen Text in der Fassung der Gießener Handschrift B aus dem zweiten Viertel des dreizehnten Jahrhunderts, eine lesbare, aber nicht immer korrekte Übersetzung und einen klugen, wohltuend knapp gehaltenen Kommentar. Bedauerlicherweise hat der Herausgeber den Text der zugrundegelegten Handschrift nicht in dem Maße philologisch aufbereitet, wie es nötig gewesen wäre, um falschen Vorstellungen von der Klanggestalt der Dichtung entgegenzuwirken. Von wenigen (nicht durchweg sachgemäßen) Regulierungen abgesehen, behält er die handschriftlichen Formen bei, die den Gewohnheiten und Marotten des Schreibers geschuldet sind. Das Ergebnis ist eine Art Rohtext, der an die vorwissenschaftlichen Ausgaben des achtzehnten und frühen neunzehnten Jahrhunderts erinnert. Der Sache des Dichters, für die die Ausgabe doch werben sollte, ist damit nicht gedient.

JOACHIM HEINZLE

Hartmann von Aue: "Iwein".

Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch. Übersetzt und hrsg. von Rüdiger Krohn. Reclam Verlag, Ditzingen 2011. 656 S., geb., 32,95 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Joachim Heinzle hat seinen Iwein gelesen. Und er macht uns Lust darauf, es ihm gleich zu tun. Hartmann von Aue, versichert er, fügt dem Urstoff von Chretiens de Troyes eigene Akzente hinzu, Erotik und Exotik und Humor sogar! Der Artusroman wird damit zum echten Reißer mit durchaus moderner Prägung und Relevanz, meint der Rezensent. Die vorliegende, "schön gedruckte" Reclam-Ausgabe überzeugt Heinzle allerdings vergleichsweise wenig. Gut findet er den knappen, klugen Kommentar, weniger gut die allzu knappe, die Marotten des Schreibers wesentlich beibehaltene Aufbereitung der mittelhochdeutschen Textgrundlage aus der Gießener Handschrift B, und nur "lesbar", aber nicht immer korrekt die Übersetzung durch Rüdiger Krohn.

© Perlentaucher Medien GmbH