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Sie beginnen, »ihr Leben zu betrachten, wie man einen langen Regentag betrachtet, die Ellenbogen auf dem Fensterbrett.« Da ist die Frau mit dem großen Hund, die statt ihres Schriftstellergatten eine Stadtschreiberstelle in der ostdeutschen Provinz antritt und ihre eigene Leere findet. Da ist der Lehrer, der nach dem Tod seiner Frau eine Schülerin trifft, die ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. Da ist die Frau, die für andere Leute Blumen gießt und auf erschreckende Geheimnisse stößt. »Geschichten in der beharrlichen Ratlosigkeit«, die Judith Kuckarts Erzählen ausmacht: In Sätzen, die unter die…mehr

Produktbeschreibung
Sie beginnen, »ihr Leben zu betrachten, wie man einen langen Regentag betrachtet, die Ellenbogen auf dem Fensterbrett.« Da ist die Frau mit dem großen Hund, die statt ihres Schriftstellergatten eine Stadtschreiberstelle in der ostdeutschen Provinz antritt und ihre eigene Leere findet. Da ist der Lehrer, der nach dem Tod seiner Frau eine Schülerin trifft, die ihm nicht mehr aus dem Kopf geht. Da ist die Frau, die für andere Leute Blumen gießt und auf erschreckende Geheimnisse stößt. »Geschichten in der beharrlichen Ratlosigkeit«, die Judith Kuckarts Erzählen ausmacht: In Sätzen, die unter die Haut gehen, geht sie auf Erkundungsfahrt in die menschliche Seele. Ob sie die schnellen erotischen Erlebnisse eines Verlagsvertreters mit seinen Buchhändlerinnen beschreibt oder das Schwanken einer Frau zwischen dem jugendlichen Liebhaber und dem Mann, der sie verlassen hat, Judith Kuckart formt alltägliche Begegnungen zu beklemmend nachvollziehbaren Geschichten.
Autorenporträt
Judith Kuckart, geboren 1959 in Schwelm (Westfalen), lebt nach dem Studium der Literatur- und Theaterwissenschaften und einer Tanzausbildung als Autorin und Regisseurin in Zürich und Berlin. Neben Theaterstücken erschienen von ihr die Romane Wahl der Waffen (1990), Die schöne Frau (1994), Der Bibliothekar (1998) und 2002 im DuMont Literatur und Kunst Verlag Lenas Liebe. Judith Kuckart wurde u.a. mit dem Rauriser Literaturpreis und dem Stipendium der Villa Massimo ausgezeichnet.
Rezensionen
Besprechung von 15.05.2003
Sesenheimer Sehnsucht
Judith Kuckarts Erzählband „Die Autorenwitwe”
Was Frauen von der Liebe wollen? Den Männern ist es ein Rätsel – und den meisten Frauen auch. Die Literatur aber spricht Bände, zumindest wenn sie aus weiblicher Feder stammt und in deutscher Sprache geschrieben ist. Ob bei Else Lasker-Schüler, Brigitte Kronauer oder jüngst in Dagmar Leupolds Roman „Eden Plaza”: immer steht die (sexuelle) Einfalt des Mannes gegen den weiblichen Wunsch, mit allen Sinnen, zuvörderst aber optisch und verbal, begehrt zu werden.
Auch die Frauen in Judith Kuckarts jüngstem Erzählband teilen diese doppelte Sehnsucht: Sie wollen angesehen werden und schöne Sätze hören, über sich, über die Liebe, über Gott und die Welt. Das Dumme ist nur, dass die Männer nicht sonderlich gut sind in dieser Disziplin. Weder schauen sie genau hin – kein Vergleich mit dem detailversessenen Rasterblick, zu dem Frauen fähig sind –, noch fällt ihnen etwas Besonderes ein. Sie sind einfach da, eine Zutat des Universums, Träger des y-Chromosoms, auf dem offenbar die Leidenschaft für Fußball sowie der Herdentrieb verzeichnet sind, der gelegentlich vom Sexualtrieb in Schach gehalten wird.
Und um seinetwillen gibt es das ja manchmal: ein Mann und eine Frau, irgendwo, abgeschlossen von der Welt, vom Paarsein verzaubert für eine gewisse Zeit. Judith Kuckarts Schreiben zielt darauf, diese Mischung aus „Vertrautheit und Zauber” in ihre Prosa hinüberzuretten. Ihre Texte sind aufgeladen mit erotischer Energie, meist wirkt das anziehend, gelegentlich aber auch angespannt.
Der alte Falten-Trick
Die sechs Erzählungen des Bandes kreisen um Bilder, die Frauen für sich und andere abgeben. Die meist weiblichen Erzähler sind Spurenleser. Sie lesen die Wirklichkeit wie ein Buch, deuten die Anordnung von Kindersocken in fremden Wohnungen, die Essgewohnheiten aus den Verpackungen der Fertiggerichte im Müll, entziffern die Züge eines Gesichts als Zeichen einer Kette von Niederlagen, imaginieren sich in ein anderes Leben hinein.
So wird in der Titel-Erzählung, „Die Autorenwitwe”, die dreiundfünfzigjährige Frau eines Autors, die an dessen Stelle ein Aufenthaltsstipendium im Schloss Rheinsberg antritt (er lebt, aber ist verhindert), zum Spiegelbildnis der fünfzehn Jahre jüngeren Erzählerin. Im Gespräch mit ihrer Freundin Wibke, ein Liebesverhältnis verbindet die beiden, wird nicht nur das Aussehen dieser Olga Stosskopf kommentiert, sondern auch ihre Einsamkeit ausgemalt und ebenso ein kleines Abenteuer mit einem der Honoratioren der Stadt. „Ich rede wenig über mich, aber denke mir einiges über andere aus, bis ich auch eine andere bin”, lautet das Credo der Erzählerin. So übt sie das Älterwerden, das in allen Geschichten eine Rolle spielt.
Die Hauptfiguren sind um die vierzig, kinderlos, noch drehen sie, wenn Besuch kommt, die Cremetübchen mit der Aufschrift „Reife Haut” zur Wand, aber heimlich zählen sie schon die Falten und die schwindenden Möglichkeiten. Wenn sie in der Kneipe sitzen, straffen sie geschickt die Gesichtshaut zwischen ihren Fäusten – „alter Trick”. Sie lassen sich treiben, nicht wirklich auf der Suche, aber durchaus bereit, wenn der Richtige (oder Falsche) vorbeikommt.
Am besten glückt das in der letzten Erzählung, denn dort stellt sich die Liebe völlig unerwartet und ganz von selber ein. Der junge Mann, der das gemächlich vor sich hinplätschernde Leben einer Lehrerin durcheinander bringt, ist nicht nur schön – „Scheiße, ist der hübsch”, denkt sie, als sie den fünfzehn Jahre Jüngeren zum ersten Mal sieht –, er sprengt auch mit seiner lässig heiteren Vitalität den kunstvollen Rahmen der Erzählung. Judith Kuckart neigt ein wenig zur Überinstrumentierung. Die Handlung spielt zwischen Sesenheim und Straßburg, und die achtunddreißigjährige Heldin heißt tatsächlich Friederike Brion. Man muss aber die Goethe-Anspielungen nicht allzu ernst nehmen.Sie sind vielleicht nur eine biographische Reminiszenz (an den langjährigen Lebens- und Arbeitsgefährten Kuckarts, der ein Buch über Goethe geschrieben hat).
Wunderbar ist, wie der junge Mann, dem die Autorin den Romantikernamen Clemens wie ein Korsett angelegt hat, immer wieder seine Definition überschreitet. Denn romantisch ist er nicht, ganz im Gegenteil. Er arbeitet bei einer Lebensversicherung, lebt bei der Mutter unterm Dach, liest Stephen King, John le Carré und Englisch für Hochstapler, rennt in jeden Film, wenn das Plakat nur groß und schreiend genug ist. Aber trotz allem spricht er die richtigen Sätze. Kein Liebesgesäusel, das nicht, aber er hat Humor und nimmt der Heldin ihre Verkrampfung.
Und plötzlich kann die Autorin auch auf das Spiel mit der Erzählperspektive verzichten, das sonst manchmal hart an der Grenze zum Misslingen ist, etwa in „Maria mit Selbstauslöser”, wo der Ich-Erzähler am Ende zu Tode kommt, weil er vor lauter Fotografieren unter ein Auto gerät. In „Dorfschönheit” verlässt sie sich auf das bewährte Mittel des auktorialen Erzählers, und das ist gut so, weil auch hier die Hauptfigur stirbt. Dass Friederike Brion im Halbschlaf aus dem Fenster stürzt, aufgewühlt, weil Clemens mit einer ihrer Schülerinnen ins Kino geht, ist trotzdem bedauerlich: Es hätte so gut geklappt mit den beiden.
Das erzählerische Raffinement dieses Textes ist beeindruckend. Geschickt erzeugt Judith Kuckart hier nicht nur Stimmungen, sondern führt die Personen elegant über Kreuz. Während Friederike, genannt Fede, eine alte Liebe wiedertrifft, um sie endgültig abzulegen, taucht parallel die Schülerin Mathilde auf. Sie sieht aus „wie Marylin Monroe, als die noch nicht Marylin Monroe war”, und sie erinnert Fede an sich selbst im gleichen Alter. Damals, als sie jenen inzwischen arrivierten älteren Autor kennen lernte, von dem sie sich nun, mit einem letzten Treffen auf seiner Lesereise, verabschiedet. Das Thema des Alterns, des Abschieds und des Neuanfangs ist hier in eine perfekte kleine Novelle eingearbeitet, an deren Anfang ein toter Papagei als Symbol des drohenden Unheils auf der nächtlichen Straße liegt.
Die Fallstricke der Liebe
Dass sprachgewandte Autorinnen wie Judith Kuckart sich immer wieder der Liebe annehmen – ihr letzter Roman, „Lenas Liebe”, trug sie sogar im Titel und auch „Der Bibliothekar” (1998) handelte von den Fallstricken der Liebe, der vermeintlich käuflichen nämlich –, ist natürlich erfreulich. Und auch, dass sie sich dabei auf die Suche nach der Schönheit und dem Zauber des Augenblicks begeben. Trotzdem bleibt die Frage, ob sich diese Prosa nicht in dieselbe Falle begibt wie die Frauen im wirklichen Leben: der Wunsch, alles so perfekt zu arrangieren, dass sich Schönheit einstellt, schließt diese Prosa in einen Kunstraum ein, der den skrupellos drauflos erzählenden Männern allzu leicht das Feld überlässt. Man muss nur an die schnelle und heftige Resonanz eines Machwerks wie Maxim Billers jüngstem Roman denken, den männliche Leser offenbar tatsächlich für einen Liebesroman halten konnten.
MEIKE FESSMANN
JUDITH KUCKART: Die Autorenwitwe. Erzählungen. Verlag DuMont, Köln 2003. 172 Seiten, 17,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Besprechung von 18.09.2003
Liebe im Polaroidverfahren
Glanz der Abwesenheit: Judith Kuckart nimmt Rache

Wer liebt, dem schrumpft das Universum. Je fixierter der Blick auf die verästelten Gefühle, desto verschwommener wird der Rest der Welt. Unter dieser Formel könnte man Judith Kuckarts sechs Erzählungen über die amourösen Nebenwege ihrer Heldinnen und Helden zusammenfassen. Die Schriftstellerin erweist sich in ihrem neuen Buch "Die Autorenwitwe" als Meisterin im Sezieren von beunruhigenden Emotionen - wobei sie literarisch eher auf Desillusionierung und Fiasko zielt als auf den Höhenflug. Ihre Geschichten reden von lauwarmen Gefühlen, von halberotischen Leidenschaften, von mittelmäßiger Liebescourage. Und sie leuchten unter das Mäntelchen erhabener Verzückung, wo sich Selbsttäuschung und Verdrängung vorsichtig ducken.

Die Typen, die in ihren Geschichten auftreten, sind aus dem Leben entliehen: Wir sehen langsam verbleichende und durch jüngere Objekte ersetzte Schriftstellergattinnen, die den Rest ihrer Lebenskraft darauf verwenden, das entschwundene Eheleben zu fingieren. Fräuleins, die geschickt zwischen zwei Männern lavieren. Einen Vertreter des Liebesverrats, der sich zur delikaten Gewinnmaximierung alle Möglichkeiten offenhält und mit einer Bauchlandung endet. Eine verhärmte Blumengießerin, die in fremden Wohnungen nach Spuren von Leben fahndet und hinter dem Rollschrank einen Mann findet.

Im Zentrum dieser Texte sind also stets originelle Einfälle versteckt. Und die Manöver in der Sparte Verstrickung und Debakel gelingen Judith Kuckart schon deshalb, weil sie die Balance zwischen ironischem Auslachen und neugieriger Anteilnahme problemlos aushält. Als Nachteil erweist sich die Fokussierung auf dieses Thema auf die Länge dann aber doch wieder: Spätestens dann nämlich, wenn sich nach all den Capriccios im Leser die Einsicht festsetzt, daß Damenliebe und -leben, literarisch gesehen, auch zur Beschränkung werden können, wenn die große Welt in der kleinen Welt ausgespart bleibt.

Das sind Vorbehalte, die man neben den Vorzügen dieser Erzählungen durchaus nennen muß. Beobachten kann man die erzählerischen Qualitäten allerdings gleich in der Titelgeschichte. Judith Kuckart verfolgt die Irrbewegungen der abgesetzten Gattin, die sich standhaft weigert, dem eigenen Schicksal ins Auge zu blicken. Eines Nachmittags trifft sie mit Koffern und Hund in der Stiftung ein. Sie stellt sich dem Leiter als Vertreterin ihres Mannes vor, dem die Stadtschreiberstelle auf dem Schloß zugesprochen wurde. Der berühmte Schriftsteller Oskar Stosskopf komme später nach, sagt Olga Stosskopf, er werde aufgehalten durch Verpflichtungen. Die Frau mit den mädchenhaften Kniekehlen und dem alternden Körper legt sich morgens eine dicke Schicht Niveacrème über die Augenringe. Ob sie "mein Mann oder nein Mann" sagt, ist nicht immer zu verstehen, da sie undeutlich spricht. Das hat sie nun also von diesem "Mann, der immer nur glänzt in ihrem Leben. Durch Abwesenheit." Eine böse, eine hellsichtige Geschichte, die Judith Kuckart mit einer kleinen Schadenfreude entwickelt und einem witzigen Ende zuführt, in dem ein Hundeherz als Stellvertreter-Opfer zerrissen wird.

Ein Überraschungseffekt ist ebenfalls in "Die Blumengießerin" verpackt, der in der Einsicht der ledigen Bediensteten kulminiert, daß hinter allem etwas anderes liege. In diesem Fall verbergen sich ein Mann und ein Stapel von Couverts mit erotischen Fotos, schön numeriert und mit Adressen und Aufnahmedaten versehen, im Schrank. Der Mann, der zu den Schnappschüssen gehört, ist zwei Jahre jünger als der Vater der Blumengießerin. Ein einsamer, aber zärtlicher Herr, doch beziehungstechnisch eine Enttäuschung. Frauenliebe verschafft er sich aus der ungefährlichen Distanz, im Polaroidverfahren. Er schreibt den ganzen Tag in kleine, schwarze Hefte und macht sich dabei wichtig.

Diese Figur gehört zum Set der häufig ziemlich viel älteren Männer, die in Judith Kuckarts Geschichten jüngeren Frauen gegenüberstehen. Die Männerporträts gelingen ihr durchwegs. Sie formt sie mit psychologischem Scharfsinn und abgeklärter Ironie. Mit geringem sprachlichem Aufwand werden die Bilder hingetupft. Dabei bleibt genügend Raum, damit sich der Leser seine Sache selber denken kann. Fast hat man den Eindruck, man könnte all die Unhelden, die durch Judith Kuckarts Geschichten geistern, wie Puzzleteile zusammensetzen und am Ende würde einem das immer gleiche Gesicht aus den Buchseiten entgegenwinken. Bei den weiblichen Figuren dagegen fällt auf, daß ihre Identität ab und zu nicht kohärent mit Sprache und Denkleistung korrespondiert. Die schlichte "Blumengießerin" spricht wie eine Intellektuelle, während die tumbe "Dorflehrerin" ihr Verhängnis auf dem Niveau einer psychoanalytisch Gebildeten reflektiert.

Ein spannender Fall ist die Figur des Wendisch, Protagonist der letzten Geschichte in der Sammlung. Sie ist exemplarisch für das ganze Buch und als Typ am besten gelungen. Beim sprechenden Namen denkt man unwillkürlich an einen Wendehals, und so präsentiert sich der Mann denn auch. Ein erfolgreicher Romanautor mit Preisen, Frauen, Reisen und Suchtproblemen. Die Frauen, schreibt Judith Kuckart, die ihrem Helden nichts erspart, lieben ihn dafür, daß er die Frauen liebt. Ein anziehendes Exemplar mit monströsen Zügen. Die Schatten des alten Mannes haben noch lange nach der Trennung das Leben der Dorfschullehrerin verdüstert. Doch mit der Zeit hat sie die seelische Fähigkeit verloren, sich Täuschungen zu überlassen.

Als sie ihn Jahre später wieder trifft, ist sie mit dem jüngeren Clemens liiert, der den Rivalen kühl taxiert: Dieser sei ein Autor, der für Frauen kurz vor der Menopause seinen Namen auf die erste Seite seines Romans schreibe. Judith Kuckart gelingt es in dieser Abrechnungs- und vielleicht auch Rachegeschichte, ihren Figuren mit der notwendigen Härte und der gebotenen Zärte auf den Leib zu rücken und dabei der alten Geschichte von Mann und Frau und der energischen Befreiung aus dem Netz eine leichtfüßige Variante hinzuzufügen.

PIA REINACHER

Judith Kuckart: "Die Autorenwitwe". Erzählungen. DuMont Buchverlag, Köln 2003. 172 S., geb., 17,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

"Als Meisterin im Sezieren von beunruhigenden Emotionen lobt Rezensentin Pia Reinacher Judith Kuckart für ihr neues Buch. Die darin enthaltenen sechs Erzählungen "reden von lauwarmen Gefühlen, von halberotischen Leidenschaften, von mittelmäßiger Liebescourage", lesen wir. "Und sie leuchten unter das Mäntelchen erhabener Verzückung, wo sich Selbsttäuschung und Verdrängung vorsichtig ducken". Die Typen dieser Erzählungen findet die Rezensentin aus dem Leben entliehen, im Zentrum dieser Geschichten stets originelle Einfälle versteckt. Auch die Manöver in der Sparte "Verstrickung und Debakel" beurteilt die Rezensentin in der Regel als gelungen. Auf die Länge der Erzählungen allerdings erweist sich für sie, bei allen erzählerischen Qualitäten, die Fokussierung auf das Thema Damenliebe und -leben als Nachteil: denn mit der Zeit setzt sich in ihr die Einsicht fest, dass es literarisch gesehen zur Beschränkung werden kann, wenn die große Welt in dieser kleinen Welt ausgespart bleibt. Fast hat sie schließlich den Eindruck, dass ihr aus jeder Geschichte am Ende das immer gleiche Gesicht entgegenblickt.

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„Kuckart hat eines der besten Bücher dieses Frühjahrs geschrieben.“ DER SPIEGEL „Ihr Roman geht unter die Haut, und trotzdem bleibt das Offengelegte geheimnisvoll.“ FRANKFURTER RUNDSCHAU „Ein Roman der nachhallt, weil er völlig unaufdringlich die großen Sinnfragen stellt.“ BRIGITTE „Eines der rar gewordenen Bücher, die im Leser weiter murmeln, leuchten und leben.“ DIE ZEIT