DanebenLeben - Jochimsen, Jess
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Eine dokumentar-satirische Reise durch Gottes vergessene Gegenden, wo man nicht ins Wellnessstudio, sondern ins Fingernagelstübchen geht. Abseits der Metropolen liegt die Welt der Frisörsalons, Trinkhallen und Bordelle, die der Autohäuser, Bestattungsunternehmen, Kleingärten und Pensionen mit Tiernamen. Den Hochglanzabzug der Republik kennt man zur Genüge, dieser Bildband kümmert sich um dessen Rückseite und versammelt unfreiwillig komische Werbung, groteske Läden, schlimme Imbissbuden und sinnlose Straßenschilder aus einer zehnjährigen Irrfahrt durch die deutschen Lande. Jess Jochimsen hat…mehr

Produktbeschreibung
Eine dokumentar-satirische Reise durch Gottes vergessene Gegenden, wo man nicht ins Wellnessstudio, sondern ins Fingernagelstübchen geht.
Abseits der Metropolen liegt die Welt der Frisörsalons, Trinkhallen und Bordelle, die der Autohäuser, Bestattungsunternehmen, Kleingärten und Pensionen mit Tiernamen. Den Hochglanzabzug der Republik kennt man zur Genüge, dieser Bildband kümmert sich um dessen Rückseite und versammelt unfreiwillig komische Werbung, groteske Läden, schlimme Imbissbuden und sinnlose Straßenschilder aus einer zehnjährigen Irrfahrt durch die deutschen Lande. Jess Jochimsen hat die muntere Mutmacherkampagne "Du bist Deutschland" beim Wort genommen. In 140 Farbfotografien und einer Handvoll Kurzgeschichten skizziert er nicht das pralle Leben, sondern das "Daneben".

Auf der Buchmesse in Frankfurt 2007 traf Wolfgang Tischer von literaturcafe.de den Autor zum Interview. Hören Sie sich den Podcast hier an (ca. 13 Minuten):http://www.literaturcafe.de/jess-jochimsen-danebenleben-buchmesse-podcast-2007//a
  • Produktdetails
  • dtv Taschenbücher Bd.21034
  • Verlag: DTV
  • Seitenzahl: 160
  • Erscheinungstermin: 1. November 2007
  • Deutsch
  • Abmessung: 212mm x 140mm x 15mm
  • Gewicht: 378g
  • ISBN-13: 9783423210348
  • ISBN-10: 3423210346
  • Artikelnr.: 22828691
Autorenporträt
Jess Jochimsen, 1970 in München geboren, studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie und lebt als Autor und Kabarettist in Freiburg. Seit 1992 tritt er auf allen bekannten deutschsprachigen Bühnen auf. Er ist regelmäßiger Gast in verschiedenen Fernsehsendungen (u.a. im >Scheibenwischer< und im >Quatsch Comedy Club<, >Mitternachtsspitzen<) und Talkshows (u.a. >3 nach 9<, >Kölner Treff<, >NDR Talkshow<). Seit 2006 ist er Gastgeber der >SWR-Poetennächte<. In seiner Freizeit fotografiert er traurige Dinge, um diese dann als Dias vorzuführen oder Bücher damit zu bebildern. Bei dtv erschien 2000 sein Debüt >Das Dosenmilch-Trauma<. Es folgten >Flaschendrehen< (Erzählungen), >DanebenLeben< (Bildband), >Was sollen die Leute denken< (Monolog), >Krieg ich schulfrei, wenn du stirbst?< (Erzählungen), >Liebespaare bitte hier küssen< (Bildband) sowie der Roman >Bellboy<, der Christian Lerch zu seinem Kinofilm >Was weg is¿, is' weg< inspirierte. Zuletzt erschien sein Roman >Abschlussball< bei dtv. Seine CDs erscheinen bei WortArt. Preise: Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor (Förderpreis), Deutscher Kabarettpreis, Prix Pantheon, Passauer Scharfrichterbeil, zuletzt: Kleinkunstpreis Baden-Würtemberg 2011.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 15.11.2007

Willkommen im Fachhandel für Senioren und Linkshänder

Abends auf der Bühne sorgt der Kabarettist Jess Jochimsen für Heiterkeit. Tagsüber streift er mit seiner Kamera durch die Städte und findet überall die absurde Komik deutscher Tristesse.

Von Oliver Maria Schmitt

Deutschland ist nach allgemeinem Dafürhalten 357 093 Quadratkilometer groß. Schätzungsweise 280 500 davon hat der Kabarettist und Schriftsteller Jess Jochimsen als Handlungsreisender in Sachen Komik schon gesehen. Seit Anfang der neunziger Jahre tingelt er durch die Republik, seit elf Jahren hat er eine Kamera im Reisegepäck, eine schöne dicke Spiegelreflexkamera mit Film und Blende und Teleobjektiv. Denn wer die Clubs und Kleinkunstbühnen bespielt, hat zwar abends und nachts einen Arbeitsplatz, tagsüber jedoch vor allem Zeit. Dann durchstreift der Bühnenmann sein Heimatland, schaut in Läden, Fenster und hinter Bauzäune, besucht Parkplätze und Fußgängerzonen, immer auf der Suche nach dem Verqueren, Merkwürdigen und Misslungenen. Er sieht das Verstellte, Liegengebliebene, Nochnichtabgerissene, das als Einzelbild kaum auffallen mag - in seiner Ballung jedoch zur bedrückend komischen Gesamtschau wird.

Die erschütterndsten Ansichten hat Jochimsen nun zu dem Fotobändchen "Danebenleben" kompiliert; der Titel ist von seinem Kabarettkollegen Sigi Zimmerschied entlehnt. Auf 160 Seiten finden sich fast ebenso viele Fotos, außerdem hat der Autor zwei Geschichten beigegeben, insgesamt also ein schöner Spaß für eine kleine, zum Glück nur virtuelle Entdeckungsreise durch Deutschland. Denn das Thema des schönen, im Querformat zu besichtigenden Büchleins ist natürlich Tristesse, und zwar die taghelle Tristheit im Freien unter meist bedecktem Himmel. Diffuses Licht und ein unklares Ziel treiben den Fotografen vom Zentrum unserer Städte und Gemeinden in deren Weichbild, dorthin, wo sich Deutschland schleichend auflöst, weder Stadt noch Land ist, weder schön noch scheußlich, sondern eher geprägt von einer gewissen Ratlosigkeit, ob man denn hier schon anfangen solle zu wohnen - oder doch lieber aufhören.

Viele Bilder sind im Wortsinne Momentaufnahmen, sie haben ein Davor und ein Danach, wobei man über Ersteres nur spekulieren kann und Letzteres manchmal gar nicht so genau wissen will. Der offene Fensterflügel mit der herausgewehten Gardine: Hat da jemand gerade den Absprung gewagt, weil er den Fassadenanblick von gegenüber nicht mehr ertragen mochte, den in sinnlosen Frakturlettern aufgepinselten Schriftzug "Schmidt's Fashion Point"? Auch viele sprechende Bilder sind zu sehen, denn insgesamt noch mehr als Verbote und Vorschriften scheint der Deutsche das Beschriften überhaupt zu schätzen. Was für ein Wald an Schildern, Tafeln, Zetteln! Wen mag wohl die Werbetafel "www.glied.de" ansprechen? Vor allem, wenn darunter zu lesen ist: "All you need is glied!"?

Das Schaufenster von "Samen Hambrecht" indes öffnet sich durch den unverhofften Zusatz "Brautmoden" für völlig neue, abgründige Deutungsebenen; das Türschild "WC Lehrerinnen + Behinderte" verströmt barrierefreie Komik, und überhaupt finden sich im Getriebe des nationalen Klein- und Einzelhandels die merkwürdigsten Dinge: Will man da wirklich Kunde werden - beim "Fitness Studio Kuchen" oder bei der "Tier- und Trophäen-Präparation Walter Rupff"? Was gibt es in einem Geschäft mit der Aufschrift "Zoo+Angel+Billard"? Welches Menschenbild wird im "Fachhandel für Senioren, Behinderte und Linkshänder" gepflegt?

Von ihrer einladenden Seite zeigt sich die deutsche Gastronomie: "Paul's Schlemmerbude" mit dem schon üblichen falschen Apostroph, der "Germanen Grill", die "Ranch Stube" und der "Brauereigashof" mit dem heruntergefallenen T warten auf Gäste, die niemals kommen; und ein umsichtiger Caféwirt warnt seine Besucher schon am Eingang: "Im ganzen Kaffeebereich Rutschgefahr!" Könnte man da nicht einfach mal aufwischen?

Die Menschen fallen in dieser Welt nicht weiter auf. Jochimsen will ihnen nicht zu nahe treten, will sie nicht als bemitleidenswerte Subjekte ihrer Lebenswelt zeigen, denn dann müsste man ihre Opferrolle thematisieren. Nein, hier kommen sie nur als Randerscheinung vor, als Schemen, als letzter Abhub des nicht mehr lebenden Lebens. Denn freilich wissen wir nicht, welches Ziel der Mann ansteuert, der im Nieselregen die geschlossene "Grill Station zum Hähnchen Albert" passiert. Sicher ist nur: Gleich wird er am rechten Bildrand verschwunden sein. Deutschland aber bleibt da.

"Danebenleben" von Jess Jochimsen. dtv, München 2007. 160 Seiten, zahlreiche Fotos, 9,95 [Euro].

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"Mit treffsicheren Kommentaren verziert und humorvollen Kurzgeschichten gespickt zeigt Jess Jochimsen auf clownesque Weise groteske Bilder der Stadtlandschaft."
Mathilde Mai/Juni 2008