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Bewertung von HHarlekin aus Hamburg

Starkes, aufklärerisches Buch! Seit einiger Zeit häufen sich die Bücher zum Thema "schrumpfende Mittelschicht und deren Ausbeutung". Die einen Autoren ertrinken im …


    Broschiertes Buch

3 Kundenbewertungen

Die deutsche Mittelschicht schrumpft. Gleichzeitig werden Reiche immer reicher. Aber: Der Protest bleibt aus. Stattdessen betreiben Handwerker, Beamte und Angestellte sogar noch ihren eigenen Abstieg, indem sie klaglos zulassen, dass die sogenannten Eliten immer weniger Steuern zahlen. Wie kann das sein? Die Antwort: Die Mittelschicht sieht sich selbst als Elite - ein teurer Irrtum.…mehr

Produktbeschreibung
Die deutsche Mittelschicht schrumpft. Gleichzeitig werden Reiche immer reicher. Aber: Der Protest bleibt aus. Stattdessen betreiben Handwerker, Beamte und Angestellte sogar noch ihren eigenen Abstieg, indem sie klaglos zulassen, dass die sogenannten Eliten immer weniger Steuern zahlen. Wie kann das sein? Die Antwort: Die Mittelschicht sieht sich selbst als Elite - ein teurer Irrtum.
  • Produktdetails
  • Piper Taschenbuch Bd.6485
  • Verlag: Piper
  • Seitenzahl: 222
  • Erscheinungstermin: 6. Dezember 2011
  • Deutsch
  • Abmessung: 187mm x 120mm x 18mm
  • Gewicht: 213g
  • ISBN-13: 9783492264853
  • ISBN-10: 3492264859
  • Artikelnr.: 33357107
Autorenporträt
Herrmann, Ulrike
Ulrike Herrmann, Jahrgang 1964, ist Wirtschaftskorrespondentin der Tageszeitung »taz«. Sie ist ausgebildete Bankkauffrau, hat Geschichte und Philosophie studiert und war anschließend wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Körber-Stfitung sowie Pressesprecherin der Hamburger Gleichstellungssenatorin Krista Sager. Ulrike Herrmann ist ein typisches Mittelschichtskind. Sie stammt aus einem Vorort von Hamburg, wo alle Bewohner an den gesellschaftlichen Aufstieg glaubten.
Rezensionen
"Ein dichtes und elegant geschriebenes Buch [...] Dem in bestem Sinn aufklärerischen Buch von Ulrike Herrmann sind möglichst viele Mittelschicht-Leser zu wünschen. Vielleicht geht diesen Verblendeten danach doch noch ein Licht auf.", Berliner Zeitung, 15.05.2010 20151120
Besprechung von 17.04.2010
Wie die Mittelschicht zugrunde geht
Dass die Armen ärmer und die Reichen reicher werden, ist zum Dauerthema geworden. Zahlen die Armen allein den Reichtum der Reichen? Ganz so einfach ist es nicht, wie Ulrike Herrmann in ihrem Buch aufzeigt. Ihre These lautet, dass es vor allem die Mittelschicht ist, die für den Reichtum der Oberen sorgt und dabei selbst langsam zugrunde geht. Trotzdem scheint diese nicht gegen ihr Schicksal aufzubegehren, sondern trägt im Gegenteil noch dazu bei.
Die Autorin ist der Meinung, dass Handwerker, Beamte und Angestellte sogar noch den eigenen Abstieg betreiben, also aktiv handeln. Dies zum Beispiel dadurch, dass die Mittelschicht, welche die Mehrheit der Wähler stellt, für Steuergesetze stimmt, die die Oberschicht einseitig privilegieren. Da steht die Frage im Raum, wie es zu solch einem irrationalen Verhalten kommt. Es lässt sich darüber diskutieren, ob die Mittelschicht aktiv ihren Abstieg betreibt oder ihn einfach zulässt. Fest steht jedoch, dass die deutsche Mittelschicht schrumpft.
Dass dies geschieht, ist Herrmann zufolge vor allem auf ein Phänomen zurückzuführen: Die Mittelschicht sieht sich selbst als Elite, die die Vermehrung der Milliardäre ebenso zulässt wie die Rückkehr zu Suppenküchen. Das Buch widmet sich entsprechend der „Macht der Eliten”, den „Irrtümern der Mittelschicht” oder den „Kosten des Selbstbetrugs”. Die Mittelschicht sieht sich als Opfer des Staates, der ihr immer weniger in der Kasse lässt. Ein Aufbegehren scheint nicht zu erfolgen. Stattdessen will man sich von der Unterschicht abheben – als Elite.
Das Wort Elite erscheint auf den ersten Blick irreführend, aber die Autorin klärt auf, dass im alltäglichen Sprachgebrauch das Wort Mittelschicht gängig ist, während Oberschicht kaum verwendet wird. So wird das Wort Elite benutzt. Gemeint sind diejenigen, die sich mit ihrem Einkommen und Vermögen oberhalb der Mittelschicht etabliert haben. Was erstaunt ist die Tatsache, dass die Mittelschicht der Idee verfallen ist, sich überhaupt in der Nähe der Elite zu glauben. Ulrike Herrmann führt das unter anderem auf einen erfolgreichen Lobbyismus zurück. Lobbyisten, die dafür sorgen, dass Steuersenkungen für Reiche durchgesetzt werden, geben der Mittelschicht das Gefühl, dass sie ebenfalls zur Elite gehört, um sie – wenigstens bei Wahlen – mit an Bord zu holen. Die Mittelschicht betrügt sich somit selbst. Denn Reichtum kann sie nicht vorweisen.
Zur Mittelschicht gehört, wer 70 bis 150 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. Ein Ehepaar mit zwei Kindern benötigt zwischen 2100 und 4600 Euro netto, um zur Mittelschicht zu gehören. Darunter beginnt die Unterschicht, darüber die Oberschicht. Obwohl die Mittelschicht eigentlich erkannt habe, dass durch sie die Reichen reicher werden, wende sie sich weiterhin gegen die Unterschicht, so Herrmann.
Dass es moralisch verwerflich ist, den Armen so wenig Solidarität zukommen zu lassen, ist eine Sache. Das Buch verfolgt jedoch einen anderen Ansatz: Es will zeigen, dass es nicht nur ethisch geboten wäre, die Unterschicht zu unterstützen. Es wäre sogar im Interesse der Mittelschicht, sich mit den Armen zu verbünden. Wenn die „Mittelschichtelite” weiter so handelt, könnte es sein, dass sie tatsächlich allein die Kosten für die Finanzkrise trägt. Sich selbst zur Elite zu zählen, kann teuer werden. Als Konsequenz wird sich die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter öffnen. Bis auf wenige Unklarheiten, etwa wenn Umverteilung als möglich erachtet wird, wie der „New Deal” von Franklin D. Roosevelt angeblich gezeigt hat, ist das Buch lesenswert. Indira Gurbaxani
Ulrike Herrmann: Hurra, wir dürfen zahlen. Der Selbstbetrug der Mittelschicht. Westend Verlag, Frankfurt am Main 2010. 222 Seiten. 16,95 Euro.
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