Schiffsverkehr - Herbert Grönemeyer
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Nach seinem Best of-Album "Was muss muss" (2008) wird Herbert Grönemeyer 2011 wieder musikalisch von sich hören lassen. Nicht nur seine Fangemeinde wartet sehnsüchtig auf ein neues Album. Am 4. Februar wird seine Single "Schiffsverkehr" veröffentlicht. Weiterhin sind zwei Album-Versionen geplant. Am 18.3. erscheinen sein mittlerweile 14. Album namens "Schiffsverkehr" und eine Special-Edition, die neben der Standard-CD eine weitere CD enthält. Ab Mai 2011 geht Herbert Grönemeyer auch wieder auf Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.…mehr

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Produktbeschreibung
Nach seinem Best of-Album "Was muss muss" (2008) wird Herbert Grönemeyer 2011 wieder musikalisch von sich hören lassen. Nicht nur seine Fangemeinde wartet sehnsüchtig auf ein neues Album. Am 4. Februar wird seine Single "Schiffsverkehr" veröffentlicht. Weiterhin sind zwei Album-Versionen geplant. Am 18.3. erscheinen sein mittlerweile 14. Album namens "Schiffsverkehr" und eine Special-Edition, die neben der Standard-CD eine weitere CD enthält. Ab Mai 2011 geht Herbert Grönemeyer auch wieder auf Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Autorenporträt
Herbert Grönemeyer, geboren 1956, ist ein deutscher Musiker, Musikproduzent, Sänger und Schauspieler. Er gehört zu den populärsten zeitgenössischen Musikern in Deutschland.
Trackliste
CD
1Schiffsverkehr00:04:00
2Kreuz meinen Weg00:03:46
3Fernweh00:03:30
4Unfassbarer Grund00:02:54
5Deine Zeit00:03:50
6Erzähl mir von morgen00:04:35
7Auf dem Feld00:03:44
8Zu dir00:03:57
9Wäre ich einfach nur feige (Album Version)00:03:32
10Lass es uns nicht regnen00:03:51
11So wie ich00:19:27
Rezensionen
Besprechung von 20.03.2011
Sehnsüchte mit Dreitagebart
Neues von Grönemeyer: "Schiffsverkehr"

Irgendwann habe ich begonnen, zum Ausgleich die neue Platte von MEN zu hören. Und zwar nicht, weil das so eine lustige Idee gewesen wäre - die Musik des Mannes, der "Männer" schrieb, mit der Musik einer Band zu kontern, die "Männer" heißt, aber aus einer Frau mit Oberlippenflaum und einer anderen ohne und einem Gitarristen besteht und die billigen, schnellen Disco macht, zu der Queer-Studies-Seminare vermutlich tanzen gehen, weil es um Körper als Politik geht. Nein, MEN taten einfach nur gut als Kontrastmittel zu den elf neuen Liedern Herbert Grönemeyers, der auf seiner dreizehnten Platte jetzt die Rockgitarre wieder Rockgitarre sein lässt und dazu singt, was für ein kantiger, komplizierter Kerl er ist und wie sicher, fest und geborgen er sich, so als komplizierter, kantiger Kerl, in den weisen Händen schöner Frauen fühlt. Unerschütterliche Maskulinität. Sehnsüchte mit Dreitagebart, die Platte heißt "Schiffsverkehr". Ein Mann, ein Meer: Millionen werden diese Songs kaufen.

Und dagegen ist auch nicht viel zu sagen. Es ist gut, dass die Bundesrepublik Deutschland Herbert Grönemeyer für ihren größten Popsänger hält und nicht die etwas älteren, im eigenen Nachruhm erstarrten und in Selbstgefälligkeit badenden Udo Lindenberg oder Marius Müller-Westernhagen. Es ist gut, weil Grönemeyer so angenehm Abstand hält, fast schon Steffi-Graf-haft zu ausgewählten Terminen erscheint, dann meist vernünftig daherredet oder, noch besser, einfach singt. Und weil er, anders als Westernhagen zum Beispiel, nicht einfach die allerneueste Musik jüngerer Menschen, die leider noch kein Bundesverdienstkreuz bekommen haben, in Interviews als seelenlos abkanzelt, um sich selbst teure Studiomusik für seine neue Platte in Amerika zu kaufen. Grönemeyer dagegen hat auch mal selbst versucht, diese allerneueste Musik jüngerer Menschen seiner eigenen einzuverleiben, bei "Bleibt alles anders", seinem Elektroalbum von 1998, und viele halten das für den Wendepunkt in seiner Karriere, für einen Aufbruch.

Aber so eine neue Grönemeyerplatte wie jetzt "Schiffsverkehr" ist eben auch Routine. Im langen Vorlauf, vier, fünf Jahre zwischen den Platten sind inzwischen normal geworden; in den begleitenden Interviews, wenn es dann so weit ist; in den Kritiken, die mal nur von den Texten oder nur von der Musik handeln; und in diesen Texten und dieser Musik dann eben auch: Die freie Grammatik, die seltsamen Arrangements, oft schwer nachpfeifbar, aber immer gleich zu identifizieren. Was andererseits auch sympathisch ist: Man spürt dann den großen Einfluss des sogenannten Krautrocks auf Grönemeyer. Kein Mensch außer ihm in seiner Branche pflegt so liebevoll dieses Erbe. Er gibt auf seinem Label Grönland die Platten von Harmonia und anderen genialen Gruppen der westdeutschen siebziger Jahre heraus, die kaum einer mehr kennt, aber jeder kennen sollte. Und als im Februar 2010 in einer Berliner Bar an der Greifswalder Straße ein solcher Schatz der Öffentlichkeit präsentiert wurde, eine wunderschöne Vinyl-Box mit allen digital überarbeiteten Platten des Düsseldorfer Duos Neu!, da kam Grönemeyer und verneigte sich so tief und mit einer so guten Laune vor der Musik anderer Leute, dass es einfach eine große Freude war, ihm dabei zuzuschauen.

Aber, um auf MEN zurückzukommen: Irritation, Nervosität, Zweifel, Orientierungslosigkeit, Euphorie, Fehler, Atemlosigkeit, Hysterie, Schwachsinn, Prätention, Zufall, Verkleidung, Parolen, all das, was Popmusik am Leben hält und einzigartig macht (Melodien gehören natürlich auch dazu), findet man wohl eher, wenn drei Gestalten mit gender issues aus Brooklyn Discokunst machen. Auf "Schiffsverkehr" findet man dagegen einen Mann mit großer Karriere, der seine Mitte längst gefunden hat. Von dort tritt er dann hin und wieder an den Bühnenrand und haut ein Lied wie "Mensch" heraus, "ist schon okay, es tut gleichmäßig weh", und setzt mal hier, mal da Signale, irgendetwas anders, aber nicht ganz neu zu machen.

Rockgitarren also diesmal. Ansonsten: die große Verlässlichkeit. Balladen. Ein selbstironischer Schlussakkord. Ein persönliches Lied an die alzheimerkranke Mutter. Dann eins gegen den Krieg. Und viele andere Lieder, die von Beziehungen handeln, erzählt von einer Stimme, die will, das alles anders bleibt um ihn herum: "Ich suche einen, der sich stellt / der gewohnt ist, sich durchzuschlagen / gegen den Rest der Welt / und der sich für mich vergisst" ("Kreuz meinen Weg"). Oder: "Weg mit dem fixen Problem" ("Schiffsverkehr"). Oder: "Ich gewöhn mich nicht / an keinen Augenblick" ("Zu Dir"). Oder: "Monotonie / ist wie ein Schuss ins Knie / Und weiter bringt sie einen nie" ("Fernweh").

Man könnte jetzt sagen: Da langweilt sich jemand und versucht, das zu sublimieren. Aber darum geht es nicht. Bei Grönemeyer, und das gilt für seine Musik wie für seine Texte, ist Unwucht automatisch immer mit eingebaut. Er singt "Lass es uns nicht regnen" oder "Ihr habt mich weit entfernt" oder "Bevor ich hier leersteh / versehn ich mich". Er hadert mit dem klaren Satz. Er kämpft gegen den klaren Satz. Wenn er ihn aber zulässt, den klaren Satz, sind das die schönen Augenblicke dieser neuen Platte und seiner ganzen Karriere: "Du darfst nicht gehn", singt er im Lied an seine Mutter. "Du fehlst", sang er bei "Mensch".

Wenn Fernsehmoderatoren ausgebildet werden, bringt man ihnen bei, dass sie ihre Nachrichten so erzählen sollen, als wären die Zuschauer Freunde oder Nachbarn, die sie im Treppenhaus treffen. Sie sollen das Medium überwinden, in dem sie reden. Die meisten halten sich aber nicht daran und verbiegen ihre Satzmelodie, überbetonen oder pausieren an den seltsamsten Stellen. Mit dem Unwuchteffekt in Grönemeyers Texten ist es ähnlich. Grönemeyers Texte hören sich oft so an, wie Marietta Slomka ihre Sendung moderiert. Oder Wolf von Lojewski früher: Es schwankt. Man wird leicht seekrank davon. Immer ist klar, in welchem Medium Grönemeyer redet, dass er durch ein Medium redet: ein Lied, da kann man nicht einfach irgendwelche dahergelaufenen Worte benutzen. Andere deutsche Sänger wie Jochen Distelmeyer von Blumfeld haben lange dafür gebraucht, aus ihren Rätseltexten wieder herauszufinden zu einfachen Sätzen wie "Wo kommen all die grauen Wolken her? / Ich schau nach draußen auf den Tag / Es regnet, und ich kann nicht mehr." Grönemeyer geht schon seit Jahren den umgekehrten Weg.

Und das ist prätentiös, Bochum hin oder her. Nur Grönemeyer kriegt es hin, für das Kulturhauptstadtjahr 2010 eine Hymne auf die Ruhrgebietsgeradlinigkeit zu schreiben, mit der er aber, wenn er dann mal am Büdchen so reden würde, bestimmt nicht weit käme: "Dass der Rhein sich neu genießt / Liegt an diesem Glücksgebiet." Doch seine Fans lieben ihn dafür. Das ist Kunst: Überhaupt nicht zu reden, wie es Menschen normalerweise tun, aber ihnen aus dem Herzen zu sprechen. Man muss nur mal ein Konzert von Herbert Grönemeyer erleben, wie innig da mitgesungen wird. Und demnächst dann eben auch Zeilen von der neuen Platte wie "Kannst Du mich Dir borgen, Dir leihn."

Und das ist auch Popmusik, nicht nur Irritation, Verkleidung und Zufall, nicht nur Frauen mit Oberlippenflaum, die Disco machen: Sondern auch ein Sänger, mit dem seine Fans so große Augenblicke erlebt haben, dass sie darauf vertrauen, dass es auch in Zukunft wieder solche Augenblicke geben wird. Und dass ein Lied schon von Liebe handeln wird, auch wenn man das vor lauter Dativ nicht gleich kapiert. Eigentlich braucht Herbert Grönemeyer gar keine neuen Platten mehr, um so verehrt zu werden. Es gibt nicht viele Künstler, von denen man das sagen kann.

TOBIAS RÜTHER

"Schiffsverkehr" (Grönland/EMI)

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