Einvernehmen und Konflikt - Olschowsky, Burkhard
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Die Beziehungen zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen sind - zumal im letzten Jahrzehnt dieser Nachbarschaft - ein bisher wenig beschriebenes Kapitel innerhalb der deutsch-polnischen Geschichte. Der vorliegende Band ist ein wesentlicher Beitrag, um diese Lücke zu füllen. Zeitlich beginnt die Untersuchung mit der Gründung der polnischen "Solidarnosc", jener unabhängigen Gewerkschaft, die die Beobachter in West wie Ost 16 Monate in Atem hielt, und endet mit dem Revolutionsjahr 1989 als Fluchtpunkt zweier sozialistischer Systeme. Mit empirischer Gründlichkeit stellt der Autor die…mehr

Produktbeschreibung
Die Beziehungen zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen sind - zumal im letzten Jahrzehnt dieser Nachbarschaft - ein bisher wenig beschriebenes Kapitel innerhalb der deutsch-polnischen Geschichte. Der vorliegende Band ist ein wesentlicher Beitrag, um diese Lücke zu füllen. Zeitlich beginnt die Untersuchung mit der Gründung der polnischen "Solidarnosc", jener unabhängigen Gewerkschaft, die die Beobachter in West wie Ost 16 Monate in Atem hielt, und endet mit dem Revolutionsjahr 1989 als Fluchtpunkt zweier sozialistischer Systeme. Mit empirischer Gründlichkeit stellt der Autor die politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen beider Diktaturen vor. Diese Sicht "von oben" wird durch eine präzise Beobachtung der Rolle der Kirchen und der Opposition in beiden Ländern sowie der jeweiligen Besonderheiten national geprägter kultureller Muster ergänzt. Die Entwicklung der Beziehungen zwischen der DDR und Polen wird auch im Kontext des Verhältnisses zur Bundesrepublik und zur Sowjetunion behandelt. Die Ereignisse der gesamtdeutsch-polnischen Beziehungen kommen dabei ebenso zur Sprache wie der politische Paradigmenwechsel im Zeichen von Glasnost und Perestroika.
  • Produktdetails
  • Veröffentlichungen der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bundesverband e.V. Nr.7
  • Verlag: Fischer, Peter, Dr. / fibre Verlag
  • Seitenzahl: 690
  • Erscheinungstermin: Januar 2005
  • Deutsch
  • Abmessung: 212mm x 149mm x 45mm
  • Gewicht: 981g
  • ISBN-13: 9783929759945
  • ISBN-10: 3929759942
  • Artikelnr.: 13875335
Autorenporträt
Burkhard Olschowsky, geb. 1969, Historiker, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Das Buch geht auf seine 2002 an der Humboldt-Universität zu Berlin vorgelegte Doktorarbeit zurück.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 03.07.2006

Nicht nur Gewässerstreit
Wie sich die DDR und Polen in den achtziger Jahren wahrnahmen

Die Proteste und Streiks in Polen im Sommer 1980, die Bildung der unabhängigen Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc und deren offizielle Zulassung erfüllten die DDR mit größter Sorge. Die "Konterrevolution" war in dem Nachbarstaat anscheinend ausgebrochen. Erich Honecker setzte daher alles daran, die Unruhen in Polen möglichst rasch zu beenden. Im Januar 1989 kommentierte DDR-Botschafter Jürgen van Zwoll die Zustimmung der PVAP zu einem gewerkschaftlichen und politischen Pluralismus auf dem X. Parteiplenum mit den Worten: "Nun ist die Katze aus dem Sack . . . Es geht der Führung der PVAP um einen anderen Weg zum Sozialismus und einen anderen Sozialismus . . . Sie geht ein gewaltiges, in vielem nicht kalkulierbares Risiko ein. Aber es wird hierzu keine vertretbare Alternative gesehen." Im Unterschied zu 1980/81 setzte die DDR-Führung nicht mehr auf harte Gegenmaßnahmen. Resignation und Realismus traten an die Stelle von Kritik und Konfrontation, so daß im August 1989 die ersten ausländischen Glückwünsche zum Antritt der Regierung Mazowiecki aus Ost-Berlin eintrafen.

Beide Ereignisse bilden den Rahmen für die Studie von Burkhard Olschowsky zum Verhältnis zwischen der DDR und Polen. Sein Ziel ist "keine Beziehungsgeschichte im Sinne von Diplomatiegeschichte". Es geht ihm vielmehr um "Verhältnisgeschichte und Vergleich" unter Einbeziehung der wechselseitigen Wahrnehmung durch die parteistaatlichen Akteure. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf dem umfassend angelegten Vergleich der beiden staatssozialistischen Länder, wobei die Hauptaufmerksamkeit den Staatsparteien, der Wirtschaft und Wirtschaftspolitik, den Arbeitern und der Opposition, der Justiz, den Kirchen sowie dem Umbruch von 1988/89 gilt. Bedenkenswert sind dabei seine Überlegungen im Hinblick auf die unterschiedlich ausgeprägte Bereitschaft zu Streiks und Opposition: Das Verhalten der DDR-Arbeiter ging - anders als das ihrer polnischen Kollegen - nicht über Ansätze individueller Selbstbehauptung hinaus, da es ihnen an anderen Erfahrungen sowie an einer außerstaatlichen "schützenden Lebenswelt" gefehlt habe.

Was die Parteien betrifft, zog in der SED abweichendes Verhalten in der Regel Sanktionen nach sich, während die PVAP durch eine begrenzte Meinungsvielfalt gekennzeichnet war. Daß die evangelische Kirche in der DDR über sehr viel weniger Einfluß verfügte als die katholische in Polen, ist zwar unbestritten. Dies jedoch vornehmlich auf das unterschiedliche kirchliche Verhalten unter nationalsozialistischer Herrschaft zurückzuführen ist indes unzutreffend: Entscheidend war vielmehr, daß die protestantische Kirche aufgrund ihres Kirchenverständnisses nie eine solche Bindungskraft zu entfalten vermochte wie die katholische.

Gegenüber den etwas ausufernden Betrachtungen zur parallelen Entwicklung und zur Wahrnehmung der polnischen Ereignisse im Ausland - so wird etwa auch auf die Haltung der Vereinigten Staaten, der SPD und der westdeutschen Schriftsteller zur Solidarnosc ausführlich eingegangen - kommen die politisch-diplomatisch-wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der DDR und Polen zu kurz. Eingehend wird lediglich der Territorialgewässerstreit zwischen beiden Staaten in der Oderbucht zwischen 1985 und 1989 behandelt, der von Polen ausgelöst wurde und vor allem dank der Kompromißbereitschaft der DDR beigelegt werden konnte.

Anders als der Titel des Werkes suggeriert, bestand Olschowsky zufolge niemals "Einvernehmen", sondern immer nur "Konflikt" zwischen beiden Staaten. Wenn er die Jahre 1984/85 als "Zeit der Normalisierung" bezeichnet, bezieht er sich lediglich auf die innere Lage in Polen. Doch kamen sich beide Seiten nach 1983 trotz fortgesetzten Mißtrauens der SED in die unvollständige Wiederherstellung der PVAP-Herrschaft nicht auch politisch wieder näher? Jaruzelski war immerhin der Garant für relative Stabilität in dem krisengeschüttelten Polen. Auf Rivalitäten der beiden Ostblockstaaten mit Blick auf die Sowjetunion wird zwar kurz hingewiesen. So hätten sich unter Gorbatschow die sowjetisch-polnischen Beziehungen auf Kosten der sowjetisch-ostdeutschen intensiviert, und der sowjetische Parteichef habe Jaruzelski gegenüber Honecker bevorzugt. Doch gerade über das Beziehungsdreieck Polen-DDR-Sowjetunion hätte man gern mehr erfahren. Etwas unvermittelt werden abschließend die ostdeutsch-polnischen staatlichen Beziehungen "als ein Verhältnis von geopolitischen Abhängigkeiten, ideologischem beziehungsweise national motiviertem Mißtrauen, aber auch von verpaßten Chancen" bezeichnet. Wo dabei welche Chancen verpaßt wurden, bleibt jedoch unklar. Hier rächt sich der Verzicht auf eine systematische Betrachtung der diplomatischen Beziehungen.

HERMANN WENTKER

Burkhard Olschowsky: Einvernehmen und Konflikt. Das Verhältnis zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen 1980-1989. Fibre Verlag, Osnabrück 2005. 690 S., 32,50 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Insgesamt zufrieden ist Rezensent Herrmann Wentker mit Burkhard Olschowskys Studie über das Verhältnis der DDR und der Volksrepublik Polen in den Jahren 1980 bis 1989. Als Zentrum der Arbeit identifiziert Wentker einen ausführlichen Vergleich der wechselseitigen Wahrnehmung der politischen Hauptakteure beider Länder sowie der Staatsparteien, der Wirtschaft, der Arbeiter, der Opposition, der Justiz, der Kirchen und des Umbruchs von 1988/89. Lobend äußert er sich über Olschowskys Ausführungen zur unterschiedlich ausgeprägten Bereitschaft zu Streiks und Opposition in DDR und Polen. Die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Staaten bleiben zu seinem Bedauern dagegen unterbelichtet. Auch das Beziehungsdreieck Polen-DDR-Sowjetunion, das Wentker besonders interessiert, kommt für seinen Geschmack zu kurz.

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