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Alles beginnt 1848, als der Seemann Laurids Madsen in den Himmel fliegt und unversehrt wieder zur Erde zurückkehrt - der Tod habe ihn noch nicht gewollt. Irgendwann verschwindet Laurids dann auf den Weltmeeren, und sein Sohn Albert macht sich auf den Weg in die Südsee, um seinen Vater zu suchen. Als er zurückkommt, weiß er, dass im neuen Jahrhundert die Zukunft in den Frachträumen der großen Segelschiffe liegt: Von Marstal aus sollen noch mehr Schiffe in See stechen. Doch Albert hat nicht mit den Frauen gerechnet. Sie hassen das Meer, das ihnen ihre Männer und Söhne genommen hat und immer wieder nimmt. Eine von ihnen eröffnet den Kampf.…mehr

Produktbeschreibung
Alles beginnt 1848, als der Seemann Laurids Madsen in den Himmel fliegt und unversehrt wieder zur Erde zurückkehrt - der Tod habe ihn noch nicht gewollt. Irgendwann verschwindet Laurids dann auf den Weltmeeren, und sein Sohn Albert macht sich auf den Weg in die Südsee, um seinen Vater zu suchen. Als er zurückkommt, weiß er, dass im neuen Jahrhundert die Zukunft in den Frachträumen der großen Segelschiffe liegt: Von Marstal aus sollen noch mehr Schiffe in See stechen. Doch Albert hat nicht mit den Frauen gerechnet. Sie hassen das Meer, das ihnen ihre Männer und Söhne genommen hat und immer wieder nimmt. Eine von ihnen eröffnet den Kampf.
  • Produktdetails
  • Penguin Taschenbuch .10264
  • Verlag: Penguin Verlag München
  • Originaltitel: V, de druknede
  • Seitenzahl: 816
  • Erscheinungstermin: 14. Mai 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 136mm x 58mm
  • Gewicht: 798g
  • ISBN-13: 9783328102649
  • ISBN-10: 3328102647
  • Artikelnr.: 49956733
Autorenporträt
Jensen, Carsten
Carsten Jensen, geboren 1952, wuchs in Marstal auf der dänischen Insel Æro auf. Er ist einer der profiliertesten politischen Journalisten Dänemarks. Daneben arbeitet er auch als Literaturkritiker und schreibt Bücher. Mit seinem Bestseller »Wir Ertrunkenen«, seinem dritten Roman, gelang ihm der internationale Durchbruch. 2009 wurde er mit dem Olof Palme Preis ausgezeichnet.

Sonnenberg, Ulrich
Ulrich Sonnenberg, geboren 1955 in Hannover, arbeitet als freier Übersetzer und Herausgeber in Frankfurt/Main. 2013 erhielt er den Übersetzerpreis des Staatlichen Dänischen Kunstrats. Er übersetzte u.a. Bücher von Hans Christian Andersen, Carsten Jensen, Karl Ove Knausgaard und Jens Andersens Astrid Lindgren-Biografie.
Rezensionen
"Dieser Roman hat Geschichte geschrieben - eine unglaubliche Erfolgsgeschichte!" ARD, Titel, Thesen, Temperamente

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 14.10.2008

Ein Schrumpfkopf liegt im Nirgendwo
Erzählen mit beschränkter Haftung: „Wir Ertrunkenen”, das Insel-Epos des dänischen Kapitänssohns Carsten Jensen, flottiert frei zwischen Historie und Legende, Seemannsgarn und privaten Erinnerungen Von Ulrich Baron
Mein Vater ist ertrunken”, sagt der sechsjährige Knud Erik, und er sagt es in einem Ton, „als liefere diese Todesart einen Anlass, besonders stolz auf seinen Vater zu sein.” In Marstal auf der dänischen Ostseeinsel Ærø scheint jeder Sohn ein Telemachos zu sein, während die Väter den Männern des Odysseus gleichen, die nie zurückkehrten. Selbst Laurids Madsen, den Himmel und Meer verschmäht haben, ist eines Tages in der Fremde verschwunden, doch anders als die Ertrunkenen hat er dort einfach weitergelebt.
Mit Laurids Madsens Himmelfahrt lässt der 1952 in Marstal geborene Carsten Jensen sein Jahrhundertepos über die abwesenden Väter seiner Insel beginnen – mit einem enormen Knalleffekt, mit dem im Jahre 1849 das dänische Linienschiff Christian VIII. vor den deutschen Stellungen in der Eckernförder Bucht explodiert. Mit einem kleinen Krieg beginnt dieses Buch, einem Krieg zwischen Dänen und Deutschen, und mit einem großen Weltkrieg wird es 1945 schließen. Trotz dieses Rahmens ist „Wir Ertrunkenen” eher Geschichten-Roman als historischer Roman – literarisches Denkmal einer kleinen Welt inmitten einer großen und grenzenlosen. Was mit einer Himmelfahrt anhob, wird in einem Totentanz enden. Das Leben wird weitergehen, doch das ist eine andere Geschichte, die man anders erzählen müsste.
Sehr hoch war Laurids Madsen übrigens nicht gekommen, bis zur Großrahe allenfalls, als das Deck in die Luft flog. Seine Seestiefel hatten ihn wieder hinabgezogen, und bedauert hat er das nicht: „Er hatte am Tor des Paradieses gestanden und den heiligen Petrus gesehen, doch es war nur der Arsch, den der Hüter der Pforte zum Jenseits ihm gezeigt hatte.” Nach dieser profanen Vision war Laurids für kurze Zeit ein Held und für immer ein Anderer geworden. Bald blieb er fort. Jahre später wird ihn sein Sohn Albert auf Samoa aufspüren, um zu erfahren, dass Väter einem schon zu ihren Lebzeiten verloren gehen können. Doch Laurids Geschichte ist nur die erste von vielen, die der Chor der Erzähler anstimmt.
Der Chor ist die interessanteste formale Eigenart dieses vom epischen Erzählen des 19. Jahrhunderts, von Melville, Hugo und Conrad inspirierten Werks. „Das ,Wir’ weiß ja alles”, meint Carsten Jensen über diese besondere Erzählerstimme, „so ist es in einer kleinen Stadt, und was man nicht weiß, dichtet man dazu. Das nennt man Klatsch.”
Dieses „Wir” ist also nur eine viel-, aber keine allwissende Erzählinstanz, und sie trägt die Scheuklappen von Marstals vaterloser Gesellschaft. Bisweilen ist der Chor auf die Solostimme personalen Erzählens angewiesen. So berichten nur Alberts Aufzeichnungen, was ihm in der Südsee zugestoßen ist – wo er erlebt hat, dass das Herz der Finsternis auch auf einem Schiff schlagen kann und von wo er den Schrumpfkopf Captain Cooks mit nach Hause gebracht hat.
Das ist ein Erzählen mit beschränkter Haftung, das sich auch Inkongruenzen und Widersprüche leisten darf. So verteidigt ausgerechnet Albert die Seeleute Marstals mit den Worten „aber wir kommen wieder nach Hause”, obwohl doch gerade sein Vater aus freien Stücken nicht mehr heimgekehrt ist. Nicht nur Ich-, sondern auch Wir-Erzähler können unzuverlässig sein, und so flottiert die Geschichte frei zwischen historischen Fakten, lokalen Legenden, Seemannsgarn und privaten Erinnerungen. Der Erzählton wechselt dabei auf einer breiten Klaviatur zwischen dem derben Barock eines Marstalers im Himmel und der einfühlsamen Wiedergabe jener unerhörten Laute, mit denen Kinderseelen zerbrechen.
„Viele Geschichten habe ich gehört, aber ich habe auch zusätzlich recherchiert und sehr viel im Archiv des Seefahrtsmuseums gefunden oder in Gesprächen mit Menschen aus Marstal erfahren”, sagt Jensen. Seine bewundernswerte literarische Leistung zeigt sich darin, wie sich diese Fülle von Stoff und Erzählsträngen über Abschweifungen und Verwindungen hin auf das große Finale zubewegt. Ein prügelnder Lehrer, ein brutaler Vatermörder und ein seegeborener Nachfahre des legendären Dänenkönigs Harald Blauzahn spielen darin ebenso mit wie die Vorahnungen drohender Kriege, die einen Albert Madsen ein Kontobuch künftiger Toter anlegen lassen.
Bei all ihrer Ubiquität kennen die Männer aus Marstal die Welt nur punktuell, kennen nur Schiffe, Häfen und dazwischen das Meer. So groß auch das Meer sein mag, so groß die Geschichte und die Kriege, leben und sterben sie recht eigentlich doch in einem Mikrokosmos, in dem sich die paar hundert Marstaler Seeleute immer wieder begegnen.
Es sind nicht Entfernungen, die entscheiden, wer zusammengehört und wer nicht. Ærø ist keine sehr große Insel, aber groß genug, um ein Binnenland zu haben, dessen Bauernwelt anderen Gesetzen folgt als die der Seeleute von Marstal. Dieses Binnenland spielt im Roman nur eine kleine Nebenrolle, so wie auch die Handwerker und Kaufleute Marstals. Zu kurz kommt auch der lokale Friedhof, weil so viele Söhne der Stadt ihr Grab im Wasser finden. Doch während der Chor der Erzähler beschreibt, wie die Söhne den Vätern in ein fernes Irgendwo folgen, wie sie Mütter, Frauen und neue Söhne zurücklassen, geht Ærøs große Zeit zu Ende, weil die Segler von Dampfschiffen verdrängt werden und eine verbitterte Witwe gegen das Meer kämpft, das ihr den Mann genommen hat.
In Gestalt dieser Klara Friis kollidiert der Fatalismus des Erzählchors mit dem Aufbegehren einer Frau, die das Meer, wie einst Xerxes, gern mit Ruten peitschen würde. Mittel dazu hat sie, denn sie ist die Erbin von Albert Madsen, der nach jahrelanger Odyssee das Wissen darum heimgebracht hatte, wie man als Schiffsmakler reich wird. Der nicht mehr junge Albert war für ihren kleinen Sohn Knud Erik zum Ersatzvater geworden, doch er hatte in ihm auch eine Sehnsucht nach dem Meer genährt, die Klara Friis ihm nicht austreiben konnte.
Während ihr Plan, Ærøs Flotte zu liquidieren, aufzugehen scheint, fährt Knud Erik auf von deutschen U-Booten und Bombern gejagten Geleitzügen des Zweiten Weltkriegs. Mit dessen Ende schließt der Roman, endet die erzählte Zeit – sieben Jahre, bevor Carsten Jensen als Sohn eines Marstaler Kapitäns geboren wurde. Ein wilder, nächtlicher Reigen reißt alle mit sich, die Lebenden und die Toten. Geschichten und Geschichte sind darin noch nicht gesondert. Erst am Morgen wird man die Toten zählen und trauern.
Carsten Jensen
Wir Ertrunkenen
Aus dem Dänischen von Ulrich Sonnenberg. Knaus Verlag, München 2008. 784 Seiten, 24,95 Euro.
Das literarische Denkmal einer kleinen Welt . . .
. . . inmitten einer großen und grenzenlosen
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 18.10.2008

Der Inbegriff des Schmökers

Wie löst man das Problem der Allwissenheit? Ganz einfach: indem man den Ich-Erzähler einfach tot sein lässt. Der Däne Carsten Jensen hat einen kalkulierten Roman draus gemacht.

Von Peter Urban-Halle

Wir Ertrunkenen" (ohne das n am Ende klänge der Titel schöner) ist ein sehr dickes Buch, in dem viel geschieht und ein Haufen Figuren vorkommt, es ist der Roman einer Stadt, Marstal auf dem dänischen Inselchen Ærø, und eines ganzen Jahrhunderts, vom ersten deutsch-dänischen Krieg 1848 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Unübersichtlich wird es deshalb nicht, weil der Roman im Grunde nur von vier Personen erzählt, einer Art Patchworkfamilie, vaterlos sind sie hier irgendwie alle. Am Anfang steht Laurids Madsen, mit ihm fangen auch die atemberaubenden Ereignisse an, die hier lückenlos aneinandergereiht werden, Laurids überlebt wunderbarerweise eine Explosion, verlässt jäh seine Familie und gründet in der Südsee eine neue; Albert, sein Sohn, sucht und findet ihn, kehrt enttäuscht zurück und wird ein reicher Reeder; die junge Klara Friis, eine Seemannswitwe, Alberts designierte Ehefrau und Erbin; und Knud Erik, ihr Sohn, der gegen ihren Willen zur See geht.

Carsten Jensen, geboren 1952 in ebenjenem Marstal, von dem hier alles ausgeht, benutzt einen Wir-Erzähler, der überdies tot ist: "Wir Ertrunkenen". Er habe damit, sagte er, erstens das Problem der Allwissenheit gelöst, weil in einer kleinen Stadt eben alle alles wissen, und zweitens das Problem mit dem Tod, weil der Einzelne stirbt, aber nicht eine ganze Einwohnerschaft. Wir kennen den Wir-Erzähler vom großen Gert Hofmann, im Gegensatz zu ihm ist Jensen nicht sehr konsequent, weil sich nämlich sein Wir-Erzähler mit einem (klassischen) allwissenden Erzähler abwechselt, und mittendrin gibt es sogar eine lange Ich-Erzählung, Alberts Suche nach dem Vater, vielleicht die packendste Episode des Buchs.

Als spitzzüngiger, mal gemeiner, mal ironischer Kommentator ist Jensen in Dänemark gefürchtet und umstritten. Sein Roman dagegen ist nicht gemein und nicht einmal ironisch. Der Autor Jensen scheint einen erstaunlichen Wandel durchgemacht zu haben. Wer ihn näher kennt, den beschleicht der Verdacht: Das Buch ist ein Paradebeispiel des kalkulierten Erfolgs, hier hat sich ein Autor wie ein Politiker im Wahlkampf verhalten: Wie dieser gewählt, will jener gelesen werden, er schreibt, was und wie es die Leute lieben.

Erstens erzählt er gut. Das war zu erwarten, weil er eben ein gewiefter, eloquenter und rasanter Autor ist und das Pathetische ebenso wie das simple, wirkungsvoll Dramatische beherrscht: "Eine Röte überzog ihre Wangen. Er hatte das Grauen in ihrem Blick gesehen." Oft kommt beides zusammen, gerade an scheinbar unspektakulären Stellen: "Ich stand am Ruder und spürte die Macht der See wie nie zuvor." In der Tat, es verschlägt einem den Atem, weil Jensen den Leser gern zutiefst mit Sätzen traktiert. Der Roman erfüllt Jungenträume, die für uns heute fast ein bisschen antiquiert sind, er spinnt Seemannsgarn, entführt uns in exotische Länder, serviert Menschenfresser und Schrumpfköpfe, Schiffskatastrophen und Kriegsgräuel, brutale Steuermänner und stolze Smutjes. Stofflich überraschend ist das nicht, es sind die klassischen Abenteuer, Jensen hat seine Gewährsleute. Er bedient sich beim Fundus berühmter Seefahrerromane, sein Kapitän Lewis ist dem verbissenen Ahab aus Melvilles "Moby Dick" nachempfunden, von Stevenson kommt die Schatzsuche, die Flaute auf See vielleicht von Joseph Conrad, stilistisch (das resolute Zusteuern auf eine Pointe) erinnert er an Frank Schätzing.

Und zweitens präsentiert sich dieser gute Schreiber auch noch als moralisch guter Mensch, denn perfektes Handwerk allein bringt noch keine Stimmen. Bedeutungsvoll mahnt er die rechte Mischung aus gesunder Autorität und Geschmeidigkeit im Umgang mit der Mannschaft an, lebenswichtig für einen Kapitän. Und er feiert die Gemeinschaft. "Einigkeit macht stark", steht auf dem Gedenkstein, den der alt gewordene Albert in Marstal aufstellen lässt. Und Albert lobt das soziale Gewissen der Stadt, in der es "keine rücksichtslosen Großreeder gibt, die für einen geringen Profit das Leben ihrer Mannschaften aufs Spiel setzen". Das ist jetzt keine unerlaubte Gleichsetzung von Autor und Figuren! Jensen sieht und offenbart sich nämlich in ihnen, auch in den Bösen. Der Marstaler Jensen verehrt in den Marstalern sich selbst: "Verdammte Marstaler! Überall müsst ihr eure Nasen reinstecken, und überall seid ihr schon gewesen." Was für ein begeistertes (Eigen-)Lob. Natürlich ist auch das harte, actionreiche Seemannsleben reich an gefühligen Momenten: "Mein Retter legte seine Hand auf meine Schulter und sah mir in die Augen. Ich erwiderte seinen Blick. Ein Band war zwischen uns geknüpft." Bande werden hier noch öfter geknüpft. Auch bei der Liebesgeschichte von Knud Erik und Sophie auf Neufundland, die er verliert und später unter wenig glaubwürdigen Umständen wiederfindet. Aber meistens ist die Melodramatik für die Heimat reserviert. Hier steht im Mittelpunkt eine verbitterte Mutter, Knud Eriks Mutter, die aus Hass auf das Meer, das alle Frauen zu Witwen macht, der Hafenstadt Marstal die Lebensgrundlage entziehen will, indem sie die Schiffe aufkauft und stilllegt.

Abenteuerliche Reisen, Zauberinnen an fremden Gestaden, wartende Gattinnen und die Heimkehr des Helden - ein dänischer Homer ist Jensen freilich nicht. Er erschafft keinen neuen Mythos, ihm geht es nur um die Sturheit seiner Marstaler, die lieber mit Windjammern segeln. Und poetisch oder geistvoll ist der Roman auch nicht, weil alles dem Effekt untergeordnet ist, so dass Blut, Schweiß und Tränen und abgerissene Glieder beinah frivol erscheinen.

Jensens offensichtlicher Charakterwandel hat sich ausgezahlt, in Dänemark soll er die für das kleine Land spektakuläre Auflage von 120 000 Exemplaren erreicht haben. Dieses Buch ist angenehm spannend, angenehm kitschig, gefühlig und unterhaltsam. Es ist der Inbegriff des Schmökers.

- Carsten Jensen: "Wir Ertrunkenen". Roman. Aus dem Dänischen übersetzt von Ulrich Sonnenberg. Knaus Verlag, München 2008. 784 S., geb., 24,95 [Euro]

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Den Inbegriff des Schmökers sieht Peter Urban-Halle in diesem Seefahrer-Abenteuerroman des dem Rezensenten eigentlich als ironischer Kommentator bekannten dänischen Autors Carsten Jensen. Was ist geschehen? Ganz einfach, meint Urban-Halle: Der Autor hatte Lust auf Publikumserfolg. Dass der ihm gelungen ist, dafür legt der Rezensent die Hand ins Feuer und macht gleich eine ganze Reihe dafür verantwortlicher, genretypischer Faktoren aus: Die Effektvolle wie rasante Inszenierung von Blut, Schweiß und Tränen etwa, die auf Spannung, Kitsch und Gefühl abzielende Aneinanderreihung von atemberaubenden Ereignissen, an exotischen Orten, Menschenfresser und anderer Seemannsgarn inklusive, und, nicht zuletzt, ein moralisch integrer Wir-Erzähler. Da werden Jungenträume wahr, meint der Rezensent, ohne allerdings das Gefühl der Antiquiertheit loszuwerden. Gewährsleute wie Melville, Stevenson, Conrad oder Frank Schätzing (!) hin oder her. Kein neuer Mythos, urteilt Urban-Halle, sondern das Paradebeispiel des kalkulierten Erfolgs. Ein hartes Urteil.

© Perlentaucher Medien GmbH