Holding All The Roses' - Blackberry Smoke
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Produktdetails
Trackliste
LP
1Let me help you (find the door)
2Holding all the roses
3Living in the song
4Rock and roll again
5Woman in the moon
6Too high
7Wish in one hand
8Randolph County farewell
9Payback's a bitch
10Lay it all on me
11No way back to Eden
12Fire in the hole
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 26.01.2015

Hinter Lärm und Eile das Ständige finden

Gibt es eigentlich auch eine Southern-Rock-Band ohne lange Haare? Die Allmans, Lynyrd Skynyrd, Marshall Tucker, Molly Hatchet und so weiter - was hatten die für Matten! Die fünf Männer von Blackberry Smoke sehen auch aus wie 1975 eingefroren, und ihr nur gelegentlich durch empfindsame Akustikklänge aufgelockerter, harter, immer nah am Klischee operierender Boogie klingt entsprechend. Das hatte man also schon mal alles. Na und? Sie kommen zumal jetzt, da sich die Black Crowes, die vermutlich legitimsten Southern-Erben, endgültig, zermürbt vom ewigen Brüderstreit, in Luft aufgelöst haben, mehr als recht mit ihren sägenden Gitarren und der verhältnismäßig hohen, schneidenden Leadstimme Charlie Starrs - wer so heißt, kann ja wohl kein schlechter Rocker sein -, die irgendwo zwischen Bon Scott und Chris Robinson in einer sehr eigenen Umlaufbahn herumschwirrt. Nach dem vor einem Jahr erschienenen Debüt "Whippoorwill" legen sie nun zügig nach. "Holding All The Roses" (Earache/Warner), produziert vom Hardrock-Mainstream-Mastermind Brendan O'Brien, überzeugt in den dicht arrangierten, bisweilen geschickt ausgebremsten Breitwand-Krachern "Living in the Song", "Rock and Roll Again" und "Payback's A Bitch" restlos. Mit Blues hat das nicht mehr viel zu tun, hier sind andere Kräfte am Werk. Atlanta kann stolz sein auf seine Hurensöhne.

edo.

*

Die schöne Klarheit und Trauerschwere von Christy Moores irischer Ballade "Ride On" schien lange unübertrefflich. Aber mit Adrian Crowley ist nun ein Singer/Songwriter von der Grünen Insel zu hören, der in Moores Fußstapfen treten könnte: Sein Album "Some Blue Morning" (Chemikal Underground/Rough Trade) zeigt genau diese Qualitäten bei fast allen Liedern. Anstelle des Pferdes setzt Crowley auf die nicht minder mythische Elster ("The Magpie") oder sogar auf die wilde Sau ("The Wild Boar"). Seine Stimme, die manchmal auch zu gesprochener Lyrik anhebt, ist so rauh wie die Sprachbilder: Da droht schon einmal die Natur, den Dichter zu verschlingen ("The Hungry Grass"). Dezent erklingt dazu altertümliche Schlagzitter. Fern vom irischen Dudel-Folk ist das, und gerade deswegen unbedingt zu entdecken.

wiel

*

Vor dem Finale ein Gedicht: Das Horn preist sich als Bote aus der guten alten Zeit der Postkutsche. Da antwortet das Klavier: "Nicht deshalb ist das Alte gut, weil es vergangen, das Neue nicht vortrefflich, weil wir mit ihm gehen"; und endet goetheanisch: "An dir ist's, hinter Eile, Lärm und Mannigfaltigkeit das Ständige, die Stille, Sinn, Gestalt zurückzufinden und neu zu bewahren". Paul Hindemith hat das Gedicht geschrieben und 1943 in seine Sonate für Althorn und Klavier eingebaut. Der Hornist Teunis van der Zwart und der Pianist Alexander Melnikov sprechen es sogar auf der neuen CD "Sonatas for . . ." (harmonia mundi), die fünf Duo-Sonaten Hindemiths für Althorn, Cello, Posaune, Violine, Trompete, jeweils mit Klavier präsentiert. Das Gedicht hätte man sich akustisch deutlicher gewünscht. Allerdings: Ihr Spiel lässt in Klarheit, Witz und Sanftmut keine Wünsche offen. Und dass Hindemith ausgerechnet die Trompetensonate mit Choralvariationen über "Alle Menschen müssen sterben" enden lässt, zeigt einmal mehr, wie viel Nachdenklichkeit in diesem vordergründig hemdsärmeligen Komponisten steckt.

jbm.

*

Held einer neuen Monographie (Maxi Sickert: "Clarinet Bird") und mit 85 Jahren immer noch auf der Höhe seiner Kunst, ist Rolf Kühn weiter voller Unternehmungslust. Der Mann, der die Klarinette hochhielt, als sie aus der Jazzentwicklung fast verschwunden war - und natürlich auch, als sie unter anderem dank seiner Präsenz wieder Fuß fasste -, reiht auf dem Sampler "Timeless Circle" (Intuition/Codaex) eine Perle an die andere. Wilde Virtuosen-Duelle (etwa mit Michael Brecker), Austausch romantischer Gefühle (mit Till Brönner), lupenreinen Bebop (mit dem Tenorsaxophonisten Bob Mintzer) und feinste Gegenüberstellung mit dem vierzehn Jahre jüngeren Bruder Joachim am Klavier hört man dort ebenso wie innig-intellektuelle musikantische Umschlingungen mit Albert Mangelsdorff und mit einem Liebling der Deutschen, dem Altsaxophonisten Lee Konitz. Im Stil einer fröhlichen Jamsession mit gereihten Soli kann man Kühn mit Eddie Daniels und seinem ersten großen Vorbild Buddy De Franco vergleichen. Die tollsten Überraschungen kommen am Schluss. Der große Free-Jazz-Melodiker Ornette Coleman (Altsaxophon) hat eines seiner abstrakt sanglichen Themen mitgebracht, das zunächst unisono von beiden gespielt und dann zur Solo- und Kollektivimprovisation freigegeben wird: Vier Minuten große Kunst. Und schließlich singt Max Raabe noch überzogener sentimental als sonst mit einem kleinen Chor die Einleitung zu "When You Wish Upon A Star". Rolf Kühn und die RIAS Big Band bringen ihre Version zurück nach Hollywood.

u.o.

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