Americana - Young,Neil & Crazy Horse
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Produktdetails
  • Anzahl: 1 Audio CD
  • Erscheinungstermin: 1. Juni 2012
  • Hersteller: I-DI / Reprise,
  • EAN: 0093624950851
  • Artikelnr.: 35575425
Autorenporträt
Neil Young, in Toronto, Kanada, geboren, blickt auf eine anhaltende Künstlerkarriere zurück. Zu seinem Werk zählen Welthits wie "Heart of Gold", "Like a Hurricane" oder "Hey Hey, My My". Er hatte ebenso Erfolge als Regisseur, Autor, Schauspieler, Produzent und Kameramann. Neil Young ist in dritter Ehe verheiratet und hat insgesamt 8 Kinder.
Trackliste
CD
1Oh Susannah00:05:03
2Clementine00:05:42
3Tom Dula00:08:13
4Gallows Pole00:04:15
5Get A Job00:03:01
6Travel On00:06:47
7High Flyin' Bird00:05:30
8Jesus' Chariot00:05:38
9This Land Is Your Land00:05:26
10Wayfarin' Stranger00:03:07
11God Save The Queen00:04:08
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 09.06.2012

Was denkt der sich?
Neil Young setzt Amerikas Tradition unter Starkstrom

Von Jan Wiele

Seit zwanzig Jahren, seit seinem Album "Harvest Moon", hat Neil Young den Anhängern seiner zurückhaltenderen, nichtelektrifizierten Musik fast nichts Hörenswertes mehr geschenkt. Man durfte daher wirklich sehr gespannt sein, als es hieß, er werde nun eine Kollektion von Traditionals und Coverversionen unter dem Titel "Americana" vorlegen. Denn gerade bei Stücken wie "Oh Susannah", "Tom Dooley" oder dem uramerikanischen "This Land is Your Land" von Woody Guthrie, die es schon in Hunderten von Varianten gibt, ist es ja eine hohe Kunst, sie noch einmal ganz neu zu spielen. Young wollte dies offenbar erreichen, indem er sie einer radikalen Subversion zum Garagenrock unterzog.

Das Klanggewand steht im denkbar größten Gegensatz zu den hübschen Wildwestromantik-Bildchen der Verpackung. Ein weiteres Überraschungsmoment sind Moll-Akkorde bei den Traditionals, welche die Songstruktur gleich mehrmals an das Lied "Venus" von der Gruppe Shocking Blue erinnern lassen. Selbst wenn man anerkennt, dass Neil Young den Lärm für genuines Musizieren hält und ihn etwa mit der Platte "Le Noise" (2010) zum Programm erhoben hat, ist die Nachlässigkeit dieser Produktion oft nur schwer zu ertragen.

Den verzerrten Stromgitarrenklängen des Altmeisters und seiner Band Crazy Horse fehlt jeder Biss; plötzlich gibt es einmal windschiefen Backgroundchor, dann bricht er ebenso abrupt wieder ab. Wenn dies der Versuch sein soll, vermeintlich erstarrte oder zu süßliche Sangestraditionen in der Folk- und Countrymusik aufzubrechen, dann kann man nur sagen: Es gibt auch andere Möglichkeiten der Verfremdung als die Dissonanz. Die regelrechte Zerstörung des Sklaven-Spirituals "Coming 'Round the Mountain" (hier unter dem Titel "Jesus' Chariot") ist fast ein Sakrileg - noch schlimmer als der Betriebsunfall der Musikgeschichte, der dieses Lied im Deutschen mit einer Tante aus Marokko in Verbindung brachte.

Einzig die alte Ballade "Wayfaring Stranger" gewinnt durch sachteres Arrangement im Stil von "Heart of Gold" noch etwas Charakter. Neil Youngs inzwischen schon ziemlich häufig kolportierte Beschwerden über die Klangqualität von digitalen Audiodateien wirken beim Anhören dieser Stücke fast belustigend: Denn bei solchem offenbar in sehr kurzer Zeit hingeschluderten Dreck-Rock ist es nun wirklich egal, in welcher Qualität man ihn wiedergibt.

Neil Young & Crazy Horse, Americana.

Reprise Records 2499793 (Warner)

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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