On China - Kissinger, Henry
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Examining China's history from the classical era to the present day, this title describes the essence of its millennia-old approach to diplomacy, strategy and negotiation, reflecting on these attitudes for our own uncertain future.

Produktbeschreibung
Examining China's history from the classical era to the present day, this title describes the essence of its millennia-old approach to diplomacy, strategy and negotiation, reflecting on these attitudes for our own uncertain future.
  • Produktdetails
  • Verlag: Penguin Books Ltd
  • Trade Paperback
  • Seitenzahl: 624
  • Erscheinungstermin: 26. April 2012
  • Englisch
  • Abmessung: 195mm x 128mm x 32mm
  • Gewicht: 450g
  • ISBN-13: 9780141049427
  • ISBN-10: 0141049421
  • Artikelnr.: 34252227
Autorenporträt
Henry Kissinger served as National Security Advisor and then Secretary of State under Richard Nixon and Gerald Ford, and has advised many other American presidents on foreign policy. He received the 1973 Nobel Peace Prize, the Presidential Medal of Freedom, and the Medal of Liberty, among other awards. He is the author of numerous books and articles on foreign policy and diplomacy, and is currently Chairman of Kissinger Associates, Inc., an international consulting firm.
Rezensionen
Besprechung von 14.06.2011
Kissingers China-Kino
Der ehemalige US-Außenminister und Sicherheitsberater will das ganze China erklären – aber das Land ist noch größer als er
Das symbolkräftige Foto eilte vor wenigen Wochen durch die internationale Presse: Präsident Obama und der englische Premierminister Cameron stehen gemeinsam an einer Tischtennisplatte, ihre Sakkos haben sie abgelegt, doch nicht ihre Schlipse – und sie spielen Pingpong. Damit reihen sie sich ein in eine ikonographische Tradition der Diplomatie, die 2012 ihren 50. Geburtstag feiern wird. Die Uraufführung der Inszenierung fand in 1972 in Peking und in Shanghai statt. Auf dem Programm stand die Demonstration eines kunstvollen Begräbnisses der Menschenrechte im Namen der Realpolitik. Henry Kissinger, einer der Mitgestalter des Spektakels, gibt nun Auskunft über Anlässe, Verläufe, Sequenzen und Verwirrungen, welche die Politik des Pingpong auslösten.
Naturgemäß handelt Kissingers Werk nicht nur von männlichen Schaukämpfern um den Sieg an einem eckigen Tisch: Kissinger berichtet über fast ein halbes Jahrhundert Zeitgeschichte und über eine fremde, uralte Kulturgeschichte. Das liest sicham spannendsten da, wo der Held des Buches, Kissinger, selbst auftritt. Über das vom Autor eher nachlässig Zusammengetragene und bereits von namhaften sinologischen Kritikern gerügte Beiwerk, etwa über viele Aspekte der Auslandspolitik früherer chinesischer Dynastien, ist mittlerweile Spannenderes bekannt, als die von Kissingers Team benutzten Quellen ergeben.
Doch wenn Kissinger wie in einem eigenhändig geschnittenen Dokumentarfilm seine Person in Bild und Ton bringt, beginnt das größere Kino. Dann erleben wir die alltägliche Einfalt der Mächtigen, die eine unzweideutige Absicht in eigensüchtigem Interessen mühevoll so klausulieren, als ginge es um ein moralisches Ziel, zu dem die Schuhspitzen von Immanuel Kant ihren Beifall geklopft hätten.
Symbolkräftig wurde jenes Bild der Männer am Tisch durch seinen historischen Bezug. Vor vierzig Jahren, mitten im Kalten Krieg, trafen sich Vertreter der amerikanischen Regierung nach einer Tischtennisweltmeisterschaft zunächst heimlich mit den damaligen Führern der Volksrepublik China, mit Mao Zedong und Zhou Enlai, um eine Allianz gegen die UdSSR zu schmieden. Einer verblüfften Öffentlichkeit wurde kurz darauf jener Schnappschuss präsentiert, der den greisen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas an der Platte mit einem kleinen Schläger in der Hand zeigt. Das Wort „Pingpong-Diplomatie“ war auf die Welt gekommen.
Das Wort Pingpong ist übrigens ein lautmalerischer Begriff aus dem Reich der Mitte. Die chinesischen Zeichen stellen zwei Soldaten dar, dem einen fehlt das rechte, dem anderen das linke Bein.
1972 reiste Richard Nixon mit seinem außenpolitischen Berater Henry Kissinger nach China. Die USA hatten seit sieben Jahren erfolglos versucht, die Bevölkerung des nördlichen Vietnams entweder zur Räson oder in die Steinzeit zu bombardieren. Ihr republikanischer Präsident stand vor der Wahl für eine zweite Amtszeit, deren Ausgang eher zweifelhaft war. Die Volksrepublik China befand sich wirtschaftlich und innenpolitisch im Chaos der sogenannten Kulturrevolution, die ziemlich alles zerstörte, was zuvor gesellschaftliche Übereinkunft gewesen war. Seit 1969 lieferten sich zudem am Grenzfluss Ussuri, im Nordosten des Kontinents chinesische und sowjetische Einheiten blutige Scharmützel, die in Peking als drohende Vorzeichen für eine bevorstehende Invasion, wenn nicht einen Atomschlag der UdSSR gedeutet wurden. Wie gesagt, dem einen Soldaten fehlte das linke, dem anderen das rechte Bein.
Ob bei diesem Zusammenspiel die chinesische oder die amerikanische Seite den ersten Schritt unternahm, bleibt der historischen Forschung überlassen. Aktivitäten entwickelten damals sowohl demokratische wie republikanische Politiker des amerikanischen Senats. Völlig unstrittig ist dagegen, dass Henry Kissinger sehr aktiv an dem Projekt mitwirkte. Kissinger war zunächst Sicherheitsberater, ab 1973 dann Außenminister des amerikanischen Präsidenten und sehr früh schon ein Medienstar. Das bewirkten schon seine weiblichen Begleitpersonen. Mit Kissinger kam Hollywood nach Washington.
Dieser Umstand muss hier schon deshalb erwähnt werden, weil Politik mit dem Bohren dicker Bretter oft weniger zu tun hat als mit der Kunst der Inszenierung. Für den Erfolg der Pingpong-Diplomatie war nichts so entscheidend wie die geglückte Inszenierung: Ein Coup war es, dass Vertreter einer Regierung, die jahrzehntelang den „verbrecherischen US- Imperialismus“ gegeißelt hatten, die Hände von Männern schüttelten, die im Namen des Anti-Kommunismus weltweit, direkt oder indirekt, an übelsten Verletzungen der Menschenrechte beteiligt waren. Das erste Opfer war Vietnam, einer der späteren Begünstigten hieß Pol Pot.
Das Publikum in den Vereinigten Staaten erwärmte sich übrigens schnell für Pingpong. Und zu den beliebtesten Kuscheltieren amerikanischer Warenhäuser zählte ab 1972 der friedliche – entgegen jeder zoologischen Aufklärung – angeblich nur Bambus verzehrende Pandabär. Über Reaktionen der chinesischen Bevölkerung liegen der Zunft der Historiker bislang keine gesicherten Meldungen vor.
Vierzig Jahre nach jenen Treffen hat Henry Kissinger jetzt eine umfangreiche historische Begründung für die damalige Politik vorgelegt. Über den englischen Titel seines Buches, „On China“, maulten die angelsächsischen Sinologen nicht ohne Grund. Denn über das Reich der Mitte wird der Leser nur sehr bedingt klüger.
Selbstverständlich hält auch der deutsche Titel, „Zwischen Tradition und Herausforderung“, nicht, was er verspricht. Denn es geht in Wahrheit um jene Person, deren Name auf der Titelseite raumfüllender hervorgehoben wird als der Name des Landes. Es geht um Henry Kissinger, den Mitgestalter und mächtigen Interpreten historischer Verläufe. Er meint, dass die Volksrepublik China schon 1972 nicht einfach für einen kommunistischen Schurkenstaat gehalten werden durfte. China war und bleibt eben das ewig Andere.
Hermeneutisch ist übrigens der Versuch einer Analyse von Geschichte und Kultur Chinas zu politischen Zwecken ein tollkühnes, doch leider auch ein zum Scheitern verurteiltes Vorhaben. Henry Kissinger stellt sich hier in eine Tradition, die vom 18. Jahrhundert bis zu Max Weber reicht und deren Irrtümer ihn oder seine Berater hätten warnen können.
Beim Objekt China handelt es sich schließlich um eine weit mehr als zweieinhalb Jahrtausend Jahre alte Zivilisation, die häufig die Form gewandelt hat. Es müsste also verhandelt werden über Herrscher, um mit Kissingers Lieblingsfiguren anzufangen, die mal weise, mal unzurechnungsfähig waren, über Gelehrte, die an Götter und über Gelehrte, die nicht an Götter glaubten, über Aufklärer und Obskurantisten, Abenteurern und Visionäre, über mutige Frauengestalten, über die Sitte der Fußverstümmelung und, und, und... In den Begriffen der Informationstechnik würde man vom vergeblichen Versuch sprechen, die Einheit einer gigantischen Diversität herzustellen.
So bleibt dem Autor wie seinen Vordenkern hier notgedrungen nur ein eklektisches Vorgehen. Man erklärt Konfuzius zur kulturellen Leitgestalt, die weitgehende Zurückhaltung bei militärischen Operationen zur Maxime der Kriegsführung, die Regeln eines chinesischen Brettspiels zum Grundmuster strategischen Verhaltens. Das taugt für manches fragwürdige Feuilleton, erstaunlicherweise aber offenbar auch für die Begründung eines politischen Handelns, welches, zumindest aus Kissingers Sicht, neue Partnerschaften mit moralisch ebenso fragwürdigen Bettgenossen legitimierte.
Und der Erfolg scheint ihm Recht gegeben zu haben: Die Volksrepublik China, der bevölkerungsmächtigste Staat unter kommunistischer Herrschaft wurde in die Weltpolitik, wurde in die Pax Americana eingebunden. „Sie ticken eben wie wir“, hätte Asterix an dieser Stelle vermerkt und den kulturellen Deutungen von Obelix – und damit auch denen von Kissinger – einen Tritt versetzen lassen.
Vielleicht hätte das strategische Zusammengehen zwischen den USA und der VR China zu jenem Zeitpunkt nur eine konservative Regierung wie jene des Richard M. Nixon zustande bringen können. Der Autor Kissinger tritt hier in seiner Selbstdarstellung einen klugen Schritt aus dem Rampenlicht. Dennoch lässt er keinen Zweifel daran, wer die politische Szene intellektuell durchschauen konnte. Schließlich war er es, schreibt er, der begriffen hatte, „wie schwierig es war, Maos kryptische und aphoristische Kommentare zusammenzufassen, und manchmal sogar, sie zu verstehen.“
Das führt dann auch zu wunderlichen Voraussagen, wie Kissingers Versicherung an Gerald Ford, Nixons Nachfolger, dass China, sollten sich die Beziehungen zwischen den USA und der UdSSR drastisch verschlechtern „uns und die Sowjetunion angreifen und die Dritte Welt um sich scharen wird“. Ausgerechnet die Volksrepublik, die damals militärisch selbst dem benachbarten Taiwan unterlegen war, sollte sich mit den zwei Supermächten anlegen? Aber vielleicht liegt der Reiz dieser Passage ja in der Mitteilung, dass sich der neue amerikanische Präsident von derartigen Aussagen beeindrucken ließ.
In diesen Mitteilungen liegt einmal mehr die Attraktivität des Buches. Kissinger nimmt, hier sind wir wieder im Kino, den Leser an der Hand und zeigt ihm, wie es damals, wie es später war, als der große Coup in Szene gesetzt wurde und wie sich, aus seiner Sicht, die Dinge entwickelten. Sie entwickelten sich, weil „Führer den Mut besitzen, einen Kurs einzuschlagen, dessen Vorteile zunächst einmal vor allem sie selbst erkannt haben“.
Vom Volk, vom demokratischen Souverän, kann bei Kissinger da naturgemäß nur nebenbei die Rede sein. Es kann froh sein, wenn es unter dem Rubrum „Zustimmung“ auftaucht. Hier gilt, wie eine andere chinesische Weisheit behauptet, die gleichfalls dem Pingpong ihren Ursprung verdanken könnte: Wenn das eine Bein lang ist, muss das andere kurz sein. TILMAN SPENGLER
HENRY KISSINGER: China. Zwischen Tradition und Herausforderung. Aus dem Amerikanischen von H. Dierlamm, H. Ettinger, O. Grasmück, N. Juraschitz, M. Müller. C. Bertelsmann Verlag, München 2011. 606 Seiten, 26 Euro.
Der Schriftsteller Tilman Spengler ist ein führender deutscher China-Experte .
„Pingpong“: das sind zwei
Soldaten, denen je ein Bein fehlt
Chinesische Kriege: laufen sie
nach den Regeln eines Brettspiels?
Vom Volk ist bei Kissinger
nur nebenbei die Rede.
Die Kunst der Selbstinszenierung beherrscht Henry Kissinger, meistens jedenfalls. Zeichnung: Hurzlmeier
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