Vespasian, Titus, Domitian - Sueton
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Nach Neros Tod im Jahre 68 und dem unseligen Dreikaiserjahr 69 kamen die Flavier in Rom an die Macht. Während Vespasian (69-79) und Titus (79-81) als "gute" Kaiser gelten, die die Herrschaft konsolidierten, fällt das Urteil über Domitian (81-96) ungünstiger aus. Sueton berichtet jeweils alle wissenswerten biographischen Fakten und Anekdoten, wie sie ein Leser von einer Kaiservita erwarten durfte.…mehr

Produktbeschreibung
Nach Neros Tod im Jahre 68 und dem unseligen Dreikaiserjahr 69 kamen die Flavier in Rom an die Macht. Während Vespasian (69-79) und Titus (79-81) als "gute" Kaiser gelten, die die Herrschaft konsolidierten, fällt das Urteil über Domitian (81-96) ungünstiger aus. Sueton berichtet jeweils alle wissenswerten biographischen Fakten und Anekdoten, wie sie ein Leser von einer Kaiservita erwarten durfte.
  • Produktdetails
  • Reclams Universal-Bibliothek 6694
  • Verlag: Reclam, Ditzingen
  • 1991.
  • Seitenzahl: 136
  • Erscheinungstermin: Januar 1991
  • Deutsch, Latein
  • Abmessung: 147mm x 95mm x 11mm
  • Gewicht: 72g
  • ISBN-13: 9783150066942
  • ISBN-10: 3150066948
  • Artikelnr.: 04359288
Autorenporträt
Sueton
Sueton, mit vollen Namen Gaius Suetonius Tranquillus, wurde, so lässt sich aus Angaben in seinem Werk erschließen, wahrscheinlich um das Jahr 70 n. Chr. geboren. Geburtsort könnte, wie eine lokale Inschrift nahelegt, Hippo Regius in Nordafrika sein. Er gehörte dem Ritterstand an und arbeitete als Anwalt. Unter Kaiser Trajan (Regierungszeit 98-117 n. Chr.) war Sueton wissenschaftlicher Sachverständiger und betreute zudem die kaiserlichen Bibliotheken in Rom. Unter Kaiser Hadrian (Regierungszeit 117-138) war er für die kaiserliche Korrespondenz zuständig. In dieser Eigenschaft hatte er Zugang zu den staatlichen Archiven. Im Jahr 121 n. Chr. verlor er sein Amt, weil er gegenüber der Kaiserin die Regeln der Hofetikette übertreten hatte. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 18.09.1999

Gekrönter Parvenü
Pragmatiker der Macht: Barbara Levicks Vespasian-Biographie

Der römische Kaiser Titus Flavius Vespasianus (9 bis 79 nach Christus) war alles andere als eine faszinierende, charismatische oder genialistische Gestalt. Doch wie Theodor Mommsen in seinen Kaiserzeit-Vorlesungen feststellte, ist "das römische Regiment am besten gefahren, wenn Männer zweiten Ranges an der Spitze standen. So war es mit Augustus, so mit Vespasian." Jedenfalls erwies sich der "sabinische Parvenu", wie ihn Ronald Syme bezeichnete, als ein äußerst erfolgreicher Pragmatiker der Macht. Zwar fehlte ihm die Legitimation einer Abstammung aus den alten Familien Roms ebenso wie aristokratischer Charme, aber der nüchterne, vitale Mann hatte sich bereits als erfolgreicher Administrator und fähiger Offizier erwiesen, als er in einem chaotischen Bürgerkrieg von den Legionen des Ostens und des Donauraumes auf den Thron erhoben wurde. Gerade durch ihn sollte das Imperium Romanum erneut stabilisiert werden, eine Leistung, die durchaus mit jenen des Augustus und Diokletian zu vergleichen ist: Die Dynastie der Flavier (69 bis 96 nach Christus) schuf die Grundlagen für die Blütezeit des Römischen Reiches im zweiten Jahrhundert.

Durch ihre Monographien über "Tiberius the Politician" (1976) und "Claudius" (1990) ist Barbara Levick vom St. Hilda's College in Oxford längst als Spezialistin der Römischen Geschichte des ersten Jahrhunderts ausgewiesen. Der lapidare Titel ihres neuen Buches täuscht: Obwohl das Werk im Rahmen einer Reihe "Roman Imperial Biographies" erschienen ist, bietet es alles andere als eine Biographie im konventionellen Stil eines Sueton oder Plutarch, um von den effektvollen literarischen Unternehmungen der Neuzeit zu schweigen. Es isoliert die zentrale Persönlichkeit gerade nicht, ordnet ihr Wirken vielmehr bewusst in die Gesamtentwicklung des frühen Principats ein, konzentriert sich in der Tradition Ronald Symes auf Verbindungsnetze und Gruppeninteressen, auf die Eliten wie die entscheidenden Machtfaktoren, die gesellschaftlichen wie die politischen Strukturen des Imperiums. Eine weithin auf epigraphischen Analysen fußende, "angewandte Prosopographie" bildet die wesentliche methodische Voraussetzung dieser Geschichte der tausend Namen. Wiederum wie bei Syme markieren daneben die Erfassung der Ideologie und der Militärgeschichte ausgesprochene Schwerpunkte der Darstellung.

Eine geraffte Schilderung von Herkunft und Werdegang Vespasians bis zum Oberbefehl im Jüdischen Krieg eröffnet den Band. Neben der konkreten Erfassung der einflussreichen Gesellschaftsgruppen und der Anhängerschaft der Flavier beeindruckt besonders die präzise Nachzeichnung der größeren militärischen Operationen, sei es in Britannien oder in Judäa. Die innere Zerrissenheit des fanatischen jüdischen Widerstandes ist selten so deutlich aufgezeigt worden wie hier, aber auch die Verteidigung jedes Dorfes bis zum ältesten. Ähnliches gilt für die Einzelheiten des Bürgerkrieges in dem insbesondere die Rolle von Vespasians Sohn Titus zu Recht hervorgehoben wird.

Die Geschichte Vespasians ist für Levick, wie sie immer wieder betont, eine "Erfolgsgeschichte". Die Ursachen dieses Erfolgs sieht sie primär in der Mobilisierung des Potentials kriegserfahrener Legionen, in der Akzeptanz eines bewährten Befehlshabers, in der Gewinnung einer leistungsfähigen Anhängerschaft, sei es des Statthalters von Syrien oder des Präfekten von Ägypten, sei es der Klientelkönige des Ostens. Im Laufe der Auseinandersetzungen kam schließlich immer stärker die Forcierung der Eigeninteressen von Offizieren und Einheiten, besonders des Donauraumes, hinzu, für die Vespasian immer eindeutiger zum Hoffnungsträger geworden war.

Zum Erfolg verhalf schließlich auch die Wirkung der Ideologie. Sicher werden die Aussagen von Münzbildern und -legenden ebenso vergegenwärtigt wie die Resonanz des Geschehens im Osten, die angeblichen Prophezeiungen, die "Wunderheiligen", die Vorgänge bei Vespasians Besuchen in Tempeln und Heiligtümern, kurz all das, was ihn als Mann der Vorsehung erscheinen ließ. Levick würdigt jedoch auch die Opposition gegen den neuen Herrscher, die unvermeidlichen Reibungen im Senat, die Aktivitäten der "Straßenphilosophen" wie die grundsätzliche Ablehnung durch Stoiker und Kyniker.

Den Kern des Buches bilden die großen Querschnitte, in denen die Lösung der katastrophalen Finanzkrise durch die entschiedene Ausschöpfung aller Rechtstitel und Finanzquellen, die Stabilisierung und Sicherung des Friedens, nicht zuletzt durch eine unermüdliche und korrekte Rechtsprechung, endlich die "physische und moralische Regeneration" des Reiches sowohl für Rom und Italien als auch für die Provinzen aufgezeigt werden. In Bevölkerungs- und Siedlungsgeschichte, in der Chronik von Bautätigkeit und anderen Leistungen wird die Realität dieses neuen Schubs der Romanisierung erfasst, danach auch die Problematik des Imperialismus, die Reorganisation der weithin verrotteten Bürgerkriegsarmeen, die charakteristischen Wechsel der Truppendislokationen besprochen. Die Schilderung der militärischen Einsätze gipfelt in der schon zuvor behandelten Einnahme und Zerstörung Jerusalems (70 nach Christus), die gerade nicht durch Pathos, sondern durch die kühle Sprache der Fakten besonders eindrucksvoll wirkt.

Im Schlussteil werden dann die Bedeutung einer neuen Elite, die durch die Eingliederung von fähigen und bewährten Italikern und Provinzalen geschaffen wurde, sowie die Sicherung der Kontinuität durch Vespasians Söhne erörtert. Ein erneuter Blick auf die antiken Quellen der Geschichte der Flavier, Beispiele des Nachlebens, eine knappe persönliche Charakterisierung Vespasians durch die Verfasserin und eine kritische Interpretation der Vespasian-Porträts stehen am Ende des Bandes, der zudem einen komplexen wissenschaftlichen Anmerkungsteil von rund sechzig eng bedruckten Seiten sowie anschauliche Karten und Abbildungen aufweist.

Mit all dem führte Frau Levick einen unprätentiösen, verantwortungsbewussten, nüchternen, aber auch humorvollen und jederzeit zugänglichen Herrscher ins Bewusstsein, einen durch civilitas und clementia ausgezeichneten Princeps. Vespasian war gewiss kein Revolutionär, sondern der Kaiser des Wiederaufbaus, der Stabilisierung und Regeneration von Gesellschaft und Staat, der die Effizienz und Kontinuität von System und Apparat garantierte. Levick selbst betont die Stetigkeit seines Handelns, die Vermittlung erneuter Zuversicht, die Schaffung eines "funktionalen" Principats. Mit Nachdruck unterstreicht sie die Veränderung im politischen wie im gesellschaftlichen Stil, die langfristigen Auswirkungen der Politik eines Herrschers, der weder Theoretiker noch ein Vorläufer der Militärmonarchie war.

Man mag in dieser neuen Geschichte des Römischen Reiches unter den Flaviern eine ausführlichere Behandlung der Unterschichten und der unterworfenen wie der benachbarten Stämme und Reiche vermissen, auch die stärkere Berücksichtigung moderner Kriterien und anderes mehr - es bleibt anzuerkennen, dass hier ein grundlegendes, für lange Zeit gültiges wissenschaftliches Werk geschaffen wurde.

KARL CHRIST.

Barbara Levick: "Vespasian". Routledge, London 1999. 310 S., 11 Karten, 34 Schwarz-weißabb., geb., 25,- brit. Pfund.

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