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Nur wenige Menschen sind sich darüber im Klaren, dass die meisten Juden, ob religiös oder nicht, den Zionismus ablehnten, als er gegen Ende des 19. Jahrhunderts auftauchte. Diese Ablehnung ist bis zum heutigen Tag nicht verschwunden. Dieses Buch erklärt und interpretiert ein wichtiges, aber oft verdunkeltes Kapitel der Geschichte des modernen Israels, das ein anderes Licht auf den nun ein Jahrhundert währenden Konflikt im Heiligen Land wirft. Die Schrift des emeritierten Professors Yakov M. Rabkin wurde bis heute in vierzehn Sprachen übersetzt - darunter auch Arabisch und Hebräisch - und mit…mehr

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Produktbeschreibung
Nur wenige Menschen sind sich darüber im Klaren, dass die meisten Juden, ob religiös oder nicht, den Zionismus ablehnten, als er gegen Ende des 19. Jahrhunderts auftauchte. Diese Ablehnung ist bis zum heutigen Tag nicht verschwunden. Dieses Buch erklärt und interpretiert ein wichtiges, aber oft verdunkeltes Kapitel der Geschichte des modernen Israels, das ein anderes Licht auf den nun ein Jahrhundert währenden Konflikt im Heiligen Land wirft. Die Schrift des emeritierten Professors Yakov M. Rabkin wurde bis heute in vierzehn Sprachen übersetzt - darunter auch Arabisch und Hebräisch - und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. "Ein extrem interessantes und wertvolles Buch." Noam Chomsky "Ein Werk von tadelloser Wissenschaftlichkeit, das die Auswirkungen von Nationalismus und staatlicher Ideologie auf die jüdische Selbstwahrnehmung akribisch dokumentiert. Im Namen der Thora ist eine essenzielle und bahnbrechende Ergänzung zur Lehre des Zionismus." Gil Anidjar, Professor der Theologie, Columbia University, New York "Diejenigen die glauben, dass Zionismus eine Erweiterung des Judentums sei, würden gut daran tun dieses Buch zu lesen; aber diejenigen, die den Staat Israel mit einem jüdischen Staat verwechseln, müssen es lesen." Shlomo Sand, Professor für Geschichte, Tel-Aviv University "Ein brillantes Werk." Liberazione, Rom "Dieses Buch muss gelesen werden. Es ist gründlich und vor allem fair." Revue Esprit, Paris "Eine nützliche Erinnerung in einer Zeit, in der es beinahe so scheint, als hätte sich das Judentum zum Zionismus entwickelt." The Nation, New York "Rabkin packt den Stier bei den Hörnern. Dieses Buch sollte überall auf der Welt gelesen werden, nicht nur in Israel." Shaa tova, Tel Aviv

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  • Produktdetails
  • Verlag: fifty fifty Verlag
  • Seitenzahl: 432
  • Erscheinungstermin: 6. Juli 2020
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783946778158
  • Artikelnr.: 59794445
Autorenporträt
Yakov M. Rabkin ist Professor em. für Geschichte an der Universität von Montreal. Von der Wissenschaftsgeschichte bis hin zur jüdischen und israelischen Geschichte hat er auf verschiedenen Gebieten gewirkt. Als Berater hat er für unterschiedliche internationale Organisationen gearbeitet, darunter auch für die UNESCO und die OECD. Seine Arbeiten und Kommentare werden international rezipiert und veröffentlicht unter anderem in der "FAZ" und "Süddeutschen Zeitung".
Inhaltsangabe
Inhalt
Vorwort zur deutschen Ausgabe
Als israelischer Patriot und Philosoph
Vorwort von Professor Joseph Agassi
(Universität Tel Aviv)
1 Grundlagen
Säkularisierung und Assimilation
Die Geschichte als Schlachtfeld
Anti-Zionisten und Nicht-Zionisten
2 Eine neue Identität
Vom Messianismus zum Nationalismus
Die Geburt des säkularen Juden
Die unvollendete Umgestaltung
Judenheit, Judentum, Israel
Das moderne Hebräisch und die säkulare Identität
3 Das Land Israel zwischen Exil und
Rückkehr, zwischen Verbannung und Erlösung
Sünde und Strafe
Vorsicht Messias
Die zionistische Idee
Das zionistische Unternehmen
4 Der Einsatz von Gewalt
Kodifizierter Pazifismus
Russlands Juden: Vom Verlust der Hoffnung
hin zur Anwendung von Gewalt
Selbstachtung und Selbstverteidigung
Widersprüchlicher Nationalismus
Israels Siege
Die Wurzeln des Terrors
5 Die Grenzen der Zusammenarbeit
Der Widerstand gegen den Zionismus im Heiligen Land
Der Widerstand gegen den Zionismus in der Diaspora
Beziehungen zum Staat
Der Staat und das Judentum
6 Der Zionismus, der NS-Völkermord und
der Staat Israel
Der Genozid und seine Ursachen
Die Zionisten und der Genozid an den Juden in Europa
Wundersame Wiedergeburt oder Fortsetzung
der Tragödie?
7 Untergangsprophezeiungen und
Überlebensstrategien
Die Stellung des Staates Israel in der jüdischen Geschichte
Die öffentliche Debatte und ihre Grenzen
Hoffnung oder Bedrohung?
Schlusswort
Danksagung
Lexikon der Fachausdrücke
Biographische Notizen
Bibliographie
Anmerkungen
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Ohne Seitenblicke auf das Buch geht Rezensent Elad Lapidot, selbst Dozent für Philosophie und Jüdische Studien in Bern und Berlin, in das Thema des Buches hinein. Immerhin erfahren wir von ihm, dass Autor Yakov M. Rabkin sein Buch im Original bereits 2004 veröffentlichte und dass er Teil einer "gut etablierten jüdischen Ideengeschichte 'gegen den Strich'" ist. Dann fährt Lapidot fort, das Publikum einzuweihen in die Problematik des Staates Israel als jüdischen Staat und des dagegen in Opposition stehenden Selbstverständnisses eines traditionellen, diasporisch-jüdischen Denkens als Haltung des Anti-Staatlichen und vor allem gegen Gewalt gerichteten Diskurses; d.h. für letzteren war der Staat selbst ein anti-jüdisches Projekt. Aus dieser Gemengelange ergeben sich Konflikte sowohl im innerisraelischen politischen Leben als auch Angriffsstellen für alle möglichen neu-antisemitischen Diskurse, so Lapidot. Rabkins Buch verschafft einem größeren Publikum faktengesättigten Zugang zu dieser Diskussion, das sich mit den Wurzeln des Antizionismus der "jüdischen Orthodoxie" beschäftigt, informiert uns der kenntnisreiche Kritiker.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 13.08.2020

Juden gegen
Israel
Eine historische Studie über orthodoxe Kritik am
Zionismus und die Politik von heute
VON ELAD LAPIDOT
Ist der Staat Israel jüdisch? Keine Frage, insofern sich der selbsternannte „jüdische Staat“ seit seiner Gründung 1948 nicht nur als Hauptvertretung der Juden weltweit längst durchsetzt hat, sondern auch zum Inbegriff dessen geworden ist, was „jüdisch“ heißt.
Fraglicher wird die Identifizierung zwischen Israel und Judentum bei kontroversen politischen Themen. Israels Politik ist durch Besatzung und Annektierung, die palästinensische Flüchtlingsproblematik und die Ungleichbehandlung seiner arabischen Bürger geprägt. Einst als Kriegsnotwendigkeit toleriert, machte diese Politik Israel nach mehreren Jahrzehnten allmählich zum chronischen Problemfall zeitgenössischer Nationalstaatlichkeit. Nicht Israels Jüdischsein, sondern Israels Demokratie wird immer häufiger angezweifelt.
Eben dadurch aber wird gerade das Jüdische fragwürdig: Liegt die Beeinträchtigung Israels als Demokratie darin, dass dieser Staat jüdisch ist und bleiben will?
Dass es so sei, ist heute Konsens, gar Staatsräson. Der israelische Staat übt seine Gewalt als Nationalstaat der Juden aus, er kämpft grundsätzlich um nichts anderes, als darum, jüdisch zu bleiben. So stark verschmilzt Israel Staatsgewalt mit dem Jüdischsein, dass Kritik seiner Politik schnell sein Existenzrecht als jüdischer Staat und somit das Existenzrecht der Juden überhaupt infrage zu stellen scheint.
Widerstand gegen Israels Politik wird auch mit Berufung auf die „deutsche Staatsräson“ als Antisemitismus verurteilt, so im Beschluss des Deutschen Bundestags im letzten Jahr, die schon in ihrem Titel „BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten – Antisemitismus bekämpfen“ einen unauflöslichen Zusammenhang postuliert. Der Entscheidung zur Verurteilung und Isolierung der Israel-Boykott-Bewegung wird dabei in einem Akt deutscher Staatspsychologie die Identifizierung zwischen Israel und Juden zugrundegelegt: „,Don’t Buy‘-Aufkleber der BDS-Bewegung auf israelischen Produkten wecken unweigerlich Assoziationen zu der NS-Parole ‚Kauft nicht bei Juden!‘“, heißt es im offiziellen Beschlusstext.
Assoziationen sind aber zweischneidig. Sosehr seine Verknüpfung mit den Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung den Staat Israel entschuldet, riskiert sie auch die Juden der Diaspora mit der israelischen Staatsgewalt zu belasten. Israels nationalstaatlichen Verfehlungen im Namen der Juden zu verteidigen, läuft Gefahr, eine Grundthese aller historischen Antijudaismen zu bekräftigen, Judentum sei Nationalismus.
Diese These zieht sich wie ein roter Faden durch die Brandmarkung des Judentums als ethnisch im christlichen Antijudaismus, als partikularistisch im linken Antisemitismus oder im neuantisemitischen Israelhass von Postkolonialisten sowie als fremd bis feindlich im rechten Antisemitismus, der bei sich autoritären Nationalisten wie Trump, Orbán und der AfD aktuell hinter der Fassade des philosemitischen Israelkults verbirgt. Gleiches gilt paradoxerweise für liberale Verbesserungsentwürfe, Israel demokratischer – neulich „utopisch“ – zu gestalten, dafür weniger jüdisch, am besten säkular, hauptsächlich unorthodox.
Gegen die scheinbar unbestreitbare Tendenz des Judentums hin zum Nationalstaat argumentiert Yakov Rabkin, Historiker an der Universität Montreal, in seinem 2004 auf Französisch veröffentlichten, inzwischen in 12 Sprachen übersetzten und soeben auch auf Deutsch erschienenen Buch „Die Jüdische Opposition gegen den Zionismus“. Damit ist nicht gemeint, dass es sogar Juden gibt, die den Zionismus kritisieren, sondern dass eine der grundsätzlichsten Kritiken gerade von orthodoxen Juden kommt, die sich „im Namen der Thora“ dem Nationalstaatsprojekt als unjüdisch, sogar antijüdisch widersetzen.
Dem herrschenden Common Sense gilt der jüdische Antizionismus als paradox und wird damit schnell als Meinung radikaler Minderheiten beiseitegeschoben. Doch ist Rabkins Buch kein Pamphlet, es gehört vielmehr zu einer seit ein paar Jahrzehnten in den USA und in Israel gut etablierten jüdischen Ideengeschichte „gegen den Strich“. Demokratisch motiviert, sucht die neue Historiografie nicht mehr, wie bisher üblich, Nationalismus mit Demokratie durch Distanzierung vom Judentum zu versöhnen, sondern Judentum mit Demokratie durch die Distanzierung vom Nationalismus. Neu erzählt wird dabei, was Jüdischsein überhaupt bedeutet und war, und wie es zum Zionismus steht.
Unbestritten bildete nicht erst der Nationalstaat, sondern schon die Bestrebungen nach einem solchen einen Bruch mit der jüdischen Tradition der Diaspora. Wie Rabkin zeigt, lehnte die absolute Mehrheit der Juden den Zionismus ursprünglich entschlossen ab. Der erste Zionistenkongress 1897 musste wegen Protesten der deutschen Juden von München nach Basel verlegt werden. Heute, mehr als 120 Jahren später, bleibt die damalige Streitfrage weiterhin offen: Erlöst der Zionismus die Juden durch seinen Bruch mit der Diaspora oder löst er sie eher ab, stellt der Nationalstaat die Vollendung des Judentums dar oder vielmehr sein Ende?
Dem heutigen konventionellen Narrativ des Zionismus zufolge wird die diasporische Geschichte der Juden in ihrer politischen Dimension als negative erzählt. Das traditionelle rabbinische Judentum sei demnach die Verfallsform einer vertriebenen Nation ohne Staat, eine unpolitische Religion der Unterdrückten, welche durch den wiedergeborenen Nationalstaat aufgehoben wurde. Die orthodoxe Opposition gegen den Zionismus sei die Opposition des Weltfremden zur Welt, des Geistlichen zur Politik, der Zombies zum Leben.
Dagegen pocht die neue Geschichtsschreibung darauf, die jüdische Diasporazivilisation nicht als unpolitisch zu verstehen, sondern als anders politisch, nämlich als eine selbstbewusste Tradition von Gemeinwesen, die sich vom Nationalstaatsmodel unterscheidet, und zwar laut Rabkin vor allem durch ihre „prinzipielle Ablehnung jeglicher Gewaltanwendung“. Die Gewalt übernahm der Staat Israel, so das Argument, nicht aus der Torah, sondern aus dem europäischen Nationalismus, gegen den das talmudische Judentum noch heute eine reiche Quelle der Kritik darstellt.
Rabkins Buch ist eine Einleitung in den antizionistischen Widerstand in der jüdischen Orthodoxie, er präsentiert die wichtigen Argumente, Werke, Debatten, Figuren, Organisationen, Ereignisse und schafft damit einen ersten Zugang zu einem meist unbekannten, oft als irrelevant verkannten, doch aktuellen Kosmos von Theorie und Praxis.
Abgelehnt wurde der Zionismus zunächst als Idee von quasi allen Rabbinern in Europa und später, als immer mehr Zionisten nach Palästina einwanderten, auch von den dort alteingesessenen Juden, womit ein bitterer Konflikt begann, der 1924 zum politischen Mord an einem Vertreter der Antizionisten, Jacob Israël de Haan, durch die zionistische Untergrundorganisation Hagana führte. Nach der Vernichtung der europäischen Diaspora und der Gründung Israels setzte sich der Widerstand in immer kleineren Kreisen der „ultraorthodoxen“ Juden, korrekter „Charedim“ (die Gottes Wort „Fürchtenden“), fort.
Viele von ihnen leben heute in Israel, halten jedoch Abstand zum Staat, exiliert im Heiligen Land. Insbesondere verweigern sie den Militärdienst, lehnen je nach Radikalitätsgrad aber auch andere nationale Zeichen wie den Davidstern oder nationale Feiertage ab. Auch die Landessprache, das Neuhebräische, versuchen sie zu vermeiden und sprechen stattdessen, zum Ärger israelischer Patrioten, lieber Jiddisch. Politisch streben die antizionistischen Charedim danach, das Judentum von der Staatsgewalt zu retten, hoffen auf die gewaltlose Auflösung des jüdischen Staates nach dem Vorbild der Sowjetunion. Wenn es einen Staat geben muss, solle sich dieser nicht als jüdisch ausgeben, und im Zweifel besser palästinensisch sein. Auch der Holocaust, der immer wieder als Grund für die Notwendigkeit eines wahrhaften Judenstaates ins Feld geführt wird, bietet ihnen kein Argument gegen das Konzept der Diaspora, eher gegen das des Nationalstaats.
Letztendlich ist das prinzipielle Problem des jüdischen Antizionismus mit dem Staat Israel, dass sich dieser nicht nur unjüdisch verhält, sondern dabei als urjüdisch darstellt, wodurch das Judentum heute überall, auch in Deutschland, mit Israels Nationalpolitik identifiziert wird. Verstärkt wird die Gleichsetzung noch dadurch, dass der Zionismus nicht säkular blieb, sondern in Israel eine neue national gesinnte Orthodoxie entstand, die seit 1967 die Politik zunehmend bestimmt und die Landnahme religiös flankiert und fördert. Gegenwärtig orientieren sich auch immer mehr ursprünglich antinationale Charedim national um.
In dem hochmilitarisierten Besatzungsstaat, der den Juden das Überleben sichern sollte, droht die lange diasporische Tradition des Judentums mit ihrer Kritik der Gewalt zu verschwinden, so mahnt Rabkin. Dies zu verhindern, zunächst einmal wahrzunehmen, ist heute eine dringliche Aufgabe im Kampf gegen Antisemitismus.
Elad Lapidot ist Dozent für Philosophie und Jüdische Studien an der Universität Bern und an der Humboldt Universität Berlin.
Diese Ideengeschichte versöhnt
Judentum und Demokratie durch
Distanzierung vom Nationalismus
Die Diasporazivilisation ist nicht
unpolitisch zu verstehen, sondern
als Tradition von Gemeinwesen
Der Zionismus blieb nicht säkular,
es entstand eine neue national
gesinnte Orthodoxie in Israel
Yakov M. Rabkin:
Im Namen der Thora.
Die Jüdische Opposition gegen den Zionismus. Aus dem Hebräischen übersetzt von Abraham Melzer. Verlag fifty-fifty, Frankfurt/Main 2020.
463 Seiten, 24 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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