Windows on the World - Beigbeder, Frederic
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Über 300 000 Exemplare in Frankreich verkauft!
Das Drama beginnt um 8:30 Uhr: Der texanische Immobilienmakler Carthew Yorston und seine beiden Söhne Jerry und David ahnen nicht, dass sie nur noch kurze Zeit zu leben haben. In 119 Kapiteln versucht Frédéric Beigbeder das "Unbeschreibliche" und gibt Minute für Minute die Gedanken des Familienvaters wieder, der am 11. September mit seinen Kindern im Luxusrestaurant Windows on the World frühstückt, als um 8:46 Uhr die erste Boeing in den Nordturm des World Trade Centers rast.…mehr

Produktbeschreibung
Über 300 000 Exemplare in Frankreich verkauft!

Das Drama beginnt um 8:30 Uhr: Der texanische Immobilienmakler Carthew Yorston und seine beiden Söhne Jerry und David ahnen nicht, dass sie nur noch kurze Zeit zu leben haben.
In 119 Kapiteln versucht Frédéric Beigbeder das "Unbeschreibliche" und gibt Minute für Minute die Gedanken des Familienvaters wieder, der am 11. September mit seinen Kindern im Luxusrestaurant Windows on the World frühstückt, als um 8:46 Uhr die erste Boeing in den Nordturm des World Trade Centers rast.

  • Produktdetails
  • Verlag: ULLSTEIN HC
  • Seitenzahl: 351
  • Deutsch
  • Abmessung: 30mm x 145mm x 220mm
  • Gewicht: 564g
  • ISBN-13: 9783550084539
  • ISBN-10: 3550084536
  • Artikelnr.: 12493614
Autorenporträt
Frédéric Beigbeider, geboren 1965 in Neuilly-sur-Seine, studierte Politikwissenschaft und lebt als Kritiker und Schriftsteller in Paris. Unter anderem arbeitet er für 'Elle', 'Paris Match' und die Kultursendung 'Masque et la plume' bei France Inter. Außerdem war er zehn Jahre lang als Texter in einer renommierten Werbeagentur tätig, die ihn nach der Veröffentlichung seines ersten Romans vom Fleck weg engagierte. Er gilt als Enfant terrible des französischen Literaturbetriebs.
Rezensionen
"11.09.2001: Die erste Boeing ist eingeschlagen, die Gäste im Restaurant des World Trade Centers werden unweigerlich sterben. Frédéric Beigbeder - immer gut für Tabubrüche - hat einen Roman daraus gemacht."

(Stern)

Besprechung von 05.07.2004
Im Minutentakt
Frédéric Beigbeder macht aus dem 11. September einen Roman

Der Verfasser gehört zu den Medienstars der französischen Gegenwartsliteratur. Frédéric Beigbeder war in der Werbung tätig, über die er den Bestseller "39,90" schrieb, dessen gesellschaftliche Wirkung im Rausschmiß des Autors aus seiner Agentur gipfelte. Am Nachmittag des 11. Septembers saß er im Archiv seines Verlags Grasset und gab der Fernsehsendung "Culture Pub" ein Interview über den Literaturbetrieb. "Die Aufgabe des Buches besteht darin, zu zeigen, was man im Fernsehen nicht sieht", soll er gerade zum Journalisten gesagt haben, als über dessen Handy die Nachricht von einem Flugzeugabsturz auf die Twin Towers eintraf. Sie machten weiter. "1 Flugzeug = 1 Unfall. 2 Flugzeuge = 0 Unfall." Aber was geschah, was man nicht schon tausendmal gesehen und oft gelesen hat?

40000 Liter Kerosin verbrannten, es entstand eine Temperatur von zweitausend Grad - Beigbeders Roman ist dokumentiert wie ein Sachbuch. Der Autor schildert den elften September am Beispiel fiktiver und vornehmlich banaler Figuren. Sie befinden sich an diesem Morgen in den Twin Towers und werden so zu außergewöhnlichen Opfern. Dazu inszeniert Beigbeder einen transatlantischen Dialog mit einem französischen Schriftsteller namens Ich, der regelmäßig Gast im Restaurant des Pariser Wolkenkratzers Tour Montparnasse ist.

Jede Minute ein kurzes Kapitel: der Roman beginnt um acht Uhr dreißig und endet zehn Uhr neunundzwanzig. Beigbeder schreibt gut und zynisch; auch ein paar frivole Sexszenen gehören zu seiner Mischung. Jeglicher Antiamerikanismus ist ihm fremd. Der Mann versteht sein Handwerk. Ein kleiner Skandal steckt im Text und hat auch da und dort für Empörung gesorgt. (Es handelt sich um einen Auschwitz-Vergleich.) Frédéric Beigbeders Roman ist eine ideale Ferienlektüre für die Reise im Charter - Buch und Flug werden irgendwie aufregender. Nach der Landung in der Wirklichkeit gibt es wieder Besseres zu tun. Und zu lesen.

JÜRG ALTWEGG

Frédéric Beigbeder: "Windows on the World". Roman. Aus dem Französischen übersetzt von Brigitte Große. Ullstein Verlag, Berlin 2004. 352 S., geb., 22,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 03.04.2004
Das Au-weia-Erlebnis
Frédéric Beigbeder war am 11. September leider nicht dabei
Das Genre der Bahnhofliteratur wäre zu rehabilitieren. Statt auf Deutung, Erklärung oder Veränderung der Welt zielt sie bloß auf deren möglichst kurzweilige Durchquerung in einem Zugabteil. Das ist offenbar nicht das Ziel dieses Buchs. Sein Genre wäre erst noch zu erfinden. Wolkenkratzerliteratur? Trümmerkraterliteratur? Au-weia-Literatur? Elfter-September-Literatur? Ich-war-irgendwie-auch-dabei-Literatur? Das Problem bei Frédéric Beigbeder ist, dass die Charakterisierungsversuche bei ihm immer zu lang ausfallen. Er sei das „enfant terrible” der französischen Literatur, jubelt der Klappentext dieses Buchs. Das Wort „terrible” ist zu viel, „enfant” genügt.
Nach dem Verlassen seiner Pariser Schulbank trieb der heute Neununddreißigjährige sich auf diversen Spielwiesen herum, wie aus den Romanen seit „39,90” bekannt ist. Sein Fach ist nicht das Erfinden, sondern das publizistische Veranstalten von Geschichten. Die Realität ist Aufprallfläche, von der seine Phantasie zurückfedert: je härter, schneller, aktueller, desto besser. Wie musste es den Autor verdrießen, an jenem elften Septembertag zweitausendeins um 14,56 Uhr mitteleuropäischer Zeit nicht in einem benachbarten New Yorker Hochhaus, sondern im Kellergeschoss des Pariser Grasset-Verlags gewesen zu sein. So brauchte er zwei lange Jahre, um das Ereignis literarisch zu verarbeiten. Zusammen mit ihm legten im vergangenen Herbst auch schon andere französische Romanciers wie Luc Lang und Didier Goupil entsprechende Bücher vor. Die französische Kritik rang sich vorübergehend etwas Bewunderung ab. Beigbeders Roman ist tatsächlich phänomenal, darin nämlich, wie exakt ein Autor genau das schreiben kann, was man von ihm erwartet.
Er musste, da er am besagten Tag nicht in New York war und da auch die persönliche Twin-Tower-Erinnerung als Zwanzigjähriger zu wenig hergab, ein Ersatzhochhaus finden. In Paris bot sich der Montparnasse-Turm an. So setzte Frédéric Beigbeder sich täglich zum Frühstück ins Restaurant „Ciel de Paris” im 56. Stock der Tour Montparnasse und phantasierte sich schreibend ins Restaurant „Windows on the World” des World Trade Center hinein. Was nicht beschreibbar sei, müsse man erfinden, lautet Beigbeders Programm. So erfand er im „Ciel de Paris” bei Croissant, Café crème und Bonne-Maman-Marmelade die Figur des geschiedenen Carthew Yorston, der seine beiden Söhne an jenem Septembermorgen zum Frühstück ins „Windows on the World” ausführt. „Um beschreiben zu können, was jenseits des Atlantiks geschah, müsste ich erleben, wie ein Flugzeug unter meinen Füßen in diesen schwarzen Trum einschlägt”, schreibt der Autor auf dem Montparnasse-Turm. Da dies nicht passiert ist, haben wir dieses Buch. Im Minuten-Kapiteltakt wird darin von „08:30” bis „10:29” zwischen Paris und New York City ausgemalt, wie Frédéric B. sich die Dinge vorstellt.
Rauch in Realzeit
Und sie fügten sich günstig. Vom „Ciel de Paris” herab konnte der Autor in die nahe gelegene Fondation Cartier schlendern, wo Paul Virilio vor einem Jahr gerade die Katastrophen-Ausstellung „Ce qui arrive” eingerichtet hatte: „Ich ergötze mich an dem Rauch, der auf einer Großleinwand in Realzeit von den beiden Türmen aufsteigt”. Am Fuß des Turms liegt auch der Friedhof Montparnasse: „Ich trete durch das Friedhofstor und lenke meine Schritte zum Grab von Charles Baudelaire.” Etwas Genius des Bösen kann nicht schaden: Der Autor zückt seine Polaroid – und schon haben wir das Foto der Grabfigur auf der Seite 139 im Buch. Überhaupt regen die umliegenden Montparnasse-Cafés zu manch lehrreichem Exkurs über französisch-amerikanische Literaturbeziehungen an, von Hemingway bis Gertrude Stein. Im transatlantischen Inferno der Romanfiktion macht der Amerikaner Carthew derweil wie der Italiener Begnini einst im Film seinen Söhnen vor, der Hochhausbrand sei nur ein raffiniertes Abenteuerspiel.
Im Kapitel „09:18” wird diese Fiktion wegen der Hitze dann unglaubwürdig. Das ist der Moment, wo der Romanheld Frédéric B. aus Liebeskummer mit der Concorde von Paris nach New York reist, denn „ich bilde mir ja nur ein, dass ich über den Elften September schreibe, in Wirklichkeit schreibe ich über die 70er Jahre: das Geburtsjahrzehnt des WTC, der Tour Montparnasse und der Concorde”. Auch wir bilden uns, zum Glück, wohl nur ein, dass wir einen solchen Roman lesen.
JOSEPH HANIMANN
FRÉDÉRIC BEIGBEDER: Windows on the World. Roman. Aus dem Französischen von Brigitte Große. Ullstein Verlag, München 2004. 351 Seiten, 22 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Frederic Beigbeder gehört in Frankreich zusammen mit Catherine Millet und Michel Houellebecq zum "Trio infernal des literarischen Skandals" in Frankreich, führt Jörg Magenau den Autor ein, der mit seiner Schrift "39,90" vor drei Jahren werbewirksam die Werbebranche attackiert und damit seine Schriftstellerkarriere lanciert hatte. Kein geringeres Thema als der 11. September durfte es sein, stellt Magenau fest und staunt, dass der Kapitalismuskritiker doch noch ein paar gute Seiten am westlichen Wirtschaftssystem gefunden und darüberhinaus einen "erzkatholischen" Roman geschrieben hat. "Windows on the world" - so hieß das in den oberen Stockwerken betriebene Restaurant des World Trade Center - ist nach Magenau ein überaus pathetisches und effektheischendes Buch, das sich mit Ironie über alle Widersprüche hinwegsetzt und Profanes mit Kitsch aufwertet. Den Kritiker nervt auch das "ausnehmend blöde" Personal des Romans, das durch das Höllenfeuer der brennenden Türme des WTT zwecks Reinigung ihrer verderbten Seelen geschickt wird. Aber auch das konkrete Ausmalen des Horrorszenarios, wie es den Menschen nach den Anschlägen im WTC ergangen sein könnte, bleibe weit hinter der Wirklichkeit zurück, mutmaßt Magenau. Dass der Autor das ganze als "Luxus-Gaskammer" bezeichnet, ist für ihn ein unverzeihlicher Fehlgriff, dessen sich der Autor wohl selbst bewusst war, denn er habe in Klammern "gestrichen" hinzugefügt und die Bemerkung doch stehen lassen, erklärt der Rezensent. Typisch Beigbeder, stöhnt Magenau - man darf und kann ihn nicht ernst nehmen.

© Perlentaucher Medien GmbH
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