Produktdetails
  • Verlag: Oetinger
  • Seitenzahl: 79
  • Altersempfehlung: 8 bis 10 Jahre
  • Abmessung: 205mm
  • Gewicht: 230g
  • ISBN-13: 9783789132070
  • ISBN-10: 3789132071
  • Artikelnr.: 09408360
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 21.03.2001

Süß macht sauer
Die Geschichte einer Geschwisterrivalität
Mary hat einen Bruder und ein Schaf. Kein richtiges Schaf, eigentlich nur ein blaues Kissen. Ohne dieses Schaf, ein kleines Lamm, geht sie nirgendwo hin. Mary ist vier Jahre alt, und die Geschichte mit dem Lamm beginnt, als ihre Großmutter ihr ein Lied vorsingt. Daraufhin beschließt Mary, alles mit ihrem Lamm zu teilen: Essen, Pfefferminzbonbons und den leckeren Napfkuchen.
William hat kein Lamm, auch sonst kein Tier. Er ist Marys älterer Bruder. Als er sich eines Tages aufs Sofa setzt, sagt Mary: „Du sitzt auf Lamm. ” William solle doch aufstehen, sagen Mutter, Vater und Großmutter. So geht es in einem fort, ständig unterstützen alle Mary, finden sie und ihr Lamm süß. „William hatte nie Phantasie”, sagt seine Mutter.
So müssen sich Kinder fühlen, wenn sie plötzlich eine kleine Schwester oder einen kleinen Bruder haben und keiner sich mehr für sie interessiert. William hat die Nase voll, er sucht sich einen Freund, einen unsichtbaren. Und besser als einer sind immer noch sechs. Denn wenn Lamm einen Keks extra brauchte, konnte er sich sechs Kekse nehmen. Also denkt er sich sechs Wölfe aus, die aus Sibirien kommen und draußen im Gartenschuppen leben. Es beginnt ein Wettstreit der beiden Geschwister, bei dem es darum geht, wer am meisten Fantasie besitzt, um den anderen zu überbieten. Erfindet Mary Schimpansen, denkt sich William Ringelnattern aus. Sein Wissen über Ringelnattern setzt er gnadenlos ein. „Sollten sie dich beißen, sind es keine Ringelnattern,” sagt er zu Mary. Das vorläufige Ergebnis des Wettstreits ist ein Patt. Beide merken, dass es nicht darum gehen kann, sich ständig zu übertrumpfen. Zumal Fantasie anstrengend ist. William muss sich ständig Neues für seine Tiere einfallen lassen: Wölfe füttern, in den Schuppen treiben. Damit alles glaubhaft wirkt, müssen sie Spuren hinterlassen und William ruiniert das Blumenbeet mit den Narzissen. Keiner findet das lustig.
Es ist eine Geschichte über das Ausweichen in eine Traumwelt, in der alles funktioniert. In der echten Welt kann man sich weh tun und Ärger bekommen. William zieht sich in die Welt seiner Wölfe zurück. Bis er Marys Lamm verschwinden lässt. Dass sich am Ende alle Probleme auflösen, mag naiv erscheinen. Doch Kathryn Cave greift in ihrer kleinen, leicht erzählten Geschichte für kleine Kinder in erster Linie das Thema Eifersucht auf. Es ist ein liebevoller Blick in den Kinderkosmos, der ebenso hart sein kann wie die Erwachsenenwelt. Denn richtig süß sind Kinder selten. (ab 8 Jahre)
HUBERT FILSER
KATHRYN CAVE: William und die Wölfe. Mit Illustrationen von Chris Riddell. Aus dem Englischen von Irmela Brender. Oetinger Verlag 2001. 80 Seiten, 16,80 Mark.
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Hubert Filser gefällt das Kinderbuch von Kathryn Cave, das von einer Geschwisterrivalität handelt. Alle finden die kleine Mary mit ihrem Lamm, das eigentlich ein Kissen ist, süß. Nur ihr Bruder William nicht. Daher fantasiert er sich sibirische Wölfe in die Gartenhütte. Das Buch handele vom "Ausweichen in eine Traumwelt, in der alles funktioniert". Auch wenn das versöhnliche Ende "naiv" erscheinen mag, wirft die Autorin doch einen realistischen Blick auf die Härten der Kinderwelt, so der Rezensent. Ob das nun eher pädagisch wertvoll oder spannende Kinderlektüre ist, wird nicht ganz klar.

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