Virgilius Tulle auf Tortenjagd - Biegel, Paul
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Er will nur zum Bäcker, eine Torte holen. Aber bei Virgilius, dem kugelrunden Tulle-Zwerg mit den verrückten Ideen, wird daraus ein erdrutschartiges Abenteuer, bei dem er aus einer Bedrängnis in die nächste gerät. Wie konnte er bloß vergessen, dass die Menschen Zwerge nicht einfach ihrer Wege ziehen lassen! Erst muss er mit in die Schule, dann landet er in der Zeitung und im Fernsehen, darauf im Forschungslabor vor sieben taktlosen Professoren, bis er entführt, verschleppt und in ein Kuriositätenkabinett gebracht wird. Er landet in Glaspalästen, tiefen Brunnen, Rattenfallen und Abflussrohren,…mehr

Produktbeschreibung
Er will nur zum Bäcker, eine Torte holen. Aber bei Virgilius, dem kugelrunden Tulle-Zwerg mit den verrückten Ideen, wird daraus ein erdrutschartiges Abenteuer, bei dem er aus
einer Bedrängnis in die nächste gerät. Wie konnte er bloß vergessen, dass die Menschen Zwerge nicht einfach ihrer Wege ziehen lassen!
Erst muss er mit in die Schule, dann landet er in der Zeitung und im Fernsehen, darauf im Forschungslabor vor sieben taktlosen Professoren, bis er entführt, verschleppt und in
ein Kuriositätenkabinett gebracht wird. Er landet in Glaspalästen, tiefen Brunnen, Rattenfallen und Abflussrohren, bevor er schließlich mit beeindruckender List sein Ziel erreicht.
Paul Biegel gibt auch mit dieser zweiten Geschichte von den Tulle-Zwergen eine pfiffig gewürzte Kostprobe seiner großartigen Erzählkunst. Mies van Hout hat farbenfrohe,
herzerwärmende Illustrationen dazu geschaffen.
  • Produktdetails
  • Tulle-Zwerge Bd.2
  • Verlag: Urachhaus
  • Seitenzahl: 112
  • Altersempfehlung: ab 6 Jahren
  • Erscheinungstermin: 27. Februar 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 212mm x 147mm x 14mm
  • Gewicht: 274g
  • ISBN-13: 9783825178086
  • ISBN-10: 3825178080
  • Artikelnr.: 41946340
Autorenporträt
Marie-Therse Schins, geboren in den Niederlanden, machte nach dem Abitur eine Ausbildung zur Kinderbibliothekarin. Heute lebt sie in Hamburg als freie Autorin, Journalistin und Malerin. Sie rezensiert Jugendliteratur, u.a. für "Brigitte" und "Buchmarkt", und hat einen Lehrauftrag an der FH Hamburg. Schwerpunkt ihrer Arbeit mit Jugendlichen ist der Umgang mit Trauer in Schreib- und Malwerkstätten nach Methoden der Bibliotherapie. Sie ist Mitbegründerin des Instituts für Trauerarbeit in Hamburg. Seit einigen Jahren baut sie auch ein Netzwerk für benachteiligte Kinder in Indien auf.

Mies van Hout, geboren1962, studierte an der Kunstakademie in Groningen Grafikdesign. Seit 1989 arbeitet sie als freischaffende Illustratorin und Grafikdesignerin und hat inzwischen viele Bilderbücher illustriert.
Rezensionen
Besprechung von 30.03.2015
Frechheit siegt eben doch
Wie Paul Biegel der Welt einen Zwerg zumutet

Seit einigen Jahren erscheinen in Deutschland mit schöner Regelmäßigkeit die Kinderbücher von Paul Biegel. Und obwohl der niederländische Schriftsteller schon vor knapp neun Jahren verstorben ist, steht nicht zu befürchten, dass sich an dem schnellen Rhythmus der Veröffentlichungen bald etwas ändern könnte. Paul Biegel, der 1925 geboren wurde, hat im Laufe seines Lebens mehr als fünfzig Kinderbücher geschrieben, von denen viele erst jetzt zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt werden - so wie auch das jüngst erschienene "Virgilius Tulle auf Tortenjagd", das den Nachbarn in den Niederlanden schon seit 1979 vorliegt.

Merkt man dem Werk dieses aus Kinderaugen ja wohl biblisch zu nennende Alter von fünfunddreißig Jahren an? Überhaupt nicht. Eher im Gegenteil. Die Geschichte von Virgilius könnte zeitloser nicht sein, was vor allem, aber nicht nur daran liegt, dass Virgilius zur schon aus anderen Bänden bekannten Zwergenfamilie Tulle gehört. Und Zwerge werden alt. Ate etwa, von dem es gleich im ersten Satz heißt, er sei "der Älteste unter den Tulle-Zwergen", hat im Laufe der Jahre offensichtlich schon den Überblick verloren und behauptet nun, er werde demnächst seinen tausendsten Geburtstag feiern. Und was schenkt man einem, der tausend wird? Eine Torte natürlich, mit tausend Kerzen. Also macht sich Virgilius Tulle auf den Weg.

Der schöne Anlass reicht, um in Bewegung zu setzen, was sich im Laufe der einunddreißig, selten mehr als drei Seiten zählenden Kapitel als eine Art Abenteuerroman für Kinder entpuppt. Denn auf der Heide, wo die Zwerge wohnen, gibt es keinen Konditor, bei dem man einfach eine Torte kaufen könnte, und so eine kleine Torte wäre wohl auch nicht angemessen. Es muss eine echte, also große Menschentorte sein, die Virgilius besorgen möchte, indem er sich in der Tasche einer Menschenfamilie versteckt, die auf der Heide gerade ein Picknick macht. Sie, so seine Hoffnung, wird ihn in die Stadt und in die Nähe eines Bäckers bringen, aber so einfach ist es natürlich nicht. Denn als ihn die Menschen erst einmal entdeckt haben, möchten sie Virgilius Tulle nicht mehr gehen lassen - aus unterschiedlichen Gründen: Die Leute vom Fernsehen möchten ihn interviewen, die Forscher untersuchen, ein Verbrecher Geld mit ihm verdienen, und die Raritätenprinzessin will ihn am liebsten behalten. Was für eine Rarität der Zwerg aber tatsächlich ist, das zeigt Paul Biegel vor allem in dem Umgang, den er seinen Virgilius mit all diesen Menschen pflegen lässt.

Denn Virgilius ist ein Muster an Furchtlosigkeit, ein Abenteurer nicht wider Willen, sondern mangels Alternative. Er kann gar nicht anders, als einfach immer zu tun, worauf er gerade Lust hat, und das bringt ihn eben nicht nur in unmögliche Situationen. Der ihm eigene und hier niedlich zu nennende Narzissmus führt ihn aus den misslichen Lagen ebenso zuverlässig auch wieder hinaus. Das eigentlich Überraschende an der unfreiwilligen Reise um die halbe Welt, auf die er sich in diesem Buch einlassen muss, sind deswegen auch weniger die Hindernisse, die ihm in Form von gläsernen Käfigen oder verlorengegangenen Kurbelwellenbefestigungsmuttern in den Weg gelegt werden. Viel erstaunlicher ist die Unverfrorenheit, mit der er sich allem stellt, was ihm in die Quere kommt. Angst kennt er nicht, Hoffnungslosigkeit ist ihm fremd, der Mut geht ihm nie verloren und wenn doch, dann reicht ein Erdnussbutterbrot, um ihn wieder zu wecken.

In gewisser Weise hat Paul Biegel die Anordnung in seinem kleinen Abenteuerroman also einfach verändert: Nicht sein Held wird getestet, sondern der Held testet die Welt. "Was soll denn der Blödsinn?", will er von den Fernsehleuten wissen, die ihm ein Mikrofon vors Gesicht halten, "und was ist denn das hier für ein Ding?" Selbst den Dieb, der den Zwerg aus dem Forschungslabor geraubt hat, um ihn der Raritätenprinzessin zu verkaufen, blafft er an, weil Virgilius nur 200 000 Gulden kosten soll: "Wieso nicht eine Million?" Und als er an Bord eines Schiffes, das ihn schließlich nach Hause bringen soll, gefunden wird, kommt er nicht etwa zaghaft aus seinem Versteck hervor, sondern stellt sich auf den Tisch und ruft: "Was hat das zu bedeuten? Wo bleibt meine Scheibe Brot mit Erdnussbutter?"

Dieser einfache Perspektivwechsel vermittelt den Lesern also eine Idee davon, dass die Welt nicht nur Raum voller zumutungsreicher Abenteuer sein, sondern dass man sich dieser Abenteuer auch bedienen kann. Das Gefühl, einer Situation ausgeliefert zu sein, weicht dann der Möglichkeit, sie im eigenen Sinn zu gestalten. Und dieser Einsicht, das wird auch Paul Biegel gewusst haben, als er seine Geschichte schrieb, können fünfunddreißig Jahre natürlich nichts anhaben.

LENA BOPP

Paul Biegel: "Virgilius Tulle auf Tortenjagd". Mit Illustrationen von Mies van Hout. Aus dem Niederländischen von Marie-Thérèse Schins.

Verlag Urachhaus, Stuttgart 2015. 112 S., geb., 13,90 [Euro]. Ab 6 J.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Von wegen alte Kamelle. Laut Lena Bopp besticht das bereits 1979 im niederländischen Original erschienene Kinderbuch von Paul Biegel über einen abenteuerlustigen Zwerg durch Zeitlosigkeit. Die wieder sieht Bopp aktiviert durch einen einfachen, aber wirkungsvollen Trick des Autors. Biegel nämlich lässt seinen furchtlosen Zwerg einfach den Spieß umdrehen, wie Bopp erläutert: Nicht der Held wird getestet, sondern der Zwerg geht los, die Welt zu testen, ob sie seinem Mut und seiner Freude an Hindernissen auch gerecht werde. Für Bopp eine wunderbare Idee, die das Buch bis ins Heute und darüber hinaus trägt, wie sie versichert.

© Perlentaucher Medien GmbH