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  • Verlag: Aufbau-Verlag
  • ISBN-13: 9783351029159
  • ISBN-10: 3351029152
  • Artikelnr.: 24087566
Rezensionen
Besprechung von 26.06.2001
Wo sind die Chladnischen Figuren?
Con sordino: Udo Quak belauscht Goethes musikalische Interessen

Kein Textdichter der Neuzeit hat einen so eminenten Einfluß auf die Geschichte der Vokalmusik ausgeübt wie Goethe. Mit diesem Faktum kontrastiert die verbreitete Auffassung, daß die Musik von allen Künsten die geringste Rolle in seinem geistigen Leben gespielt hat.

Diese gängige Meinung, die zumal durch Goethes angebliche Gleichgültigkeit, ja ablehnende Haltung gegenüber den großen Komponisten der neuen Generation von Schubert bis Berlioz bestätigt wird, ist in jüngster Zeit nachhaltig erschüttert worden. Zu den wesentlichsten Neuerungen der zeitgenössischen Goethe-Forschung gehören die Analysen seiner musikalischen Poetik im Umkreis des letzten Jubiläumsjahres, dessen vielleicht wichtigsten Ertrag sie darstellen. Gekrönt wurden sie durch die dreibändige kommentierte Ausgabe des Briefwechsels zwischen Goethe und Zelter in der "Münchener Ausgabe" von Goethes "Sämtlichen Werken" (1998), mit der nach dem Urteil des Mitherausgebers Norbert Miller "die letzte Lücke der Goethe-Philologie geschlossen" wurde. Die Veröffentlichung der beiden großen Symposien in Frankfurt und Heidelberg über Goethe und die Musik im Sommer 1999 ist für dieses Jahr zu erwarten.

Mag Goethe sich auch im Umgang mit der Musik nach seinen Worten als "Gast in einer fremden Wohnung" gefühlt haben, so hat er doch für die Innenarchitektur dieser Wohnung nicht wenig geleistet. Selbst noch Anton Webern hat sich zu Goethe-Kompositionen inspirieren lassen, ja, der Einfluß von Goethes Farbenlehre und Morphologie auf seine Kompositionslehre, die Geburtshelferrolle, die sie für ihn bei der Entwicklung der Reihentechnik spielten, ist von fundamentaler Bedeutung.

Lange waren es fast ausschließlich Musikologen, die sich dieses Themas annahmen. Allein vier musikwissenschaftliche Bücher mit demselben Titel "Goethe und die Musik" gibt es: von Hermann Abert, Friedrich Blume, Hans Joachim Moser und zuletzt von Claus Canisius (1998). Von einem "bisher unterbelichteten Bereich der Goetheschen Biographie", wie der Umschlagtext des Buches von Udo Quak behauptet, kann heute wirklich nicht mehr die Rede sein. Zumindest gelingt es dem Verfasser nicht, über das bisher Bekannte hinaus neues Licht auf diesen Bereich zu werfen. Noch einmal wird in dieser ausschließlich biographischen Darstellung "Goethes musikalisches Leben" nachgezeichnet, wie es zum ersten Mal der Komponist Ferdinand Hiller - der Goethe noch in seiner Jugend kennengelernt hat - im Jahre 1883 unternommen hat.

Die musikalischen Eindrücke im Elternhaus, während der Studentenzeit und am Weimarer Hof werden ebenso getreulich wiedergegeben wie die Begegnung mit der Musik Italiens. Die musikalischen Freundschaften Goethes - allen voran natürlich diejenige mit Zelter -, seine Haltung gegenüber den großen Musikern seiner Zeit und seine Pflege der Oper, dies alles ist zitatreich belegt. Überraschende Quellen tauchen nicht auf und neue Einsichten schon gar nicht. Die theoretischen Aspekte des Themas bleiben unterbelichtet, damit auch Goethes "Tonlehre", seine Liedästhetik und musikalische Dramaturgie in Theorie und Praxis (nämlich in seinen Singspielexperimenten). Sein berühmter Brief an Zelter über Johann Sebastian Bach findet ebensowenig Berücksichtigung wie etwa seine Auseinandersetzung mit den Chladnischen "Klangfiguren".

Udo Quak vermag nichts anderes, als zu erzählen, aber das tut er gefällig-erbaulich - erfreulicherweise auch immer sachlich zuverlässig - im Stile von Anno dazumal, wie schon der Titel ahnen läßt. Wer mehr nicht will und wer es nicht allzu genau wissen will, der kommt in dieser musikalischen Biographie Goethes voll auf seine Kosten.

DIETER BORCHMEYER

Udo Quak: "Trost der Töne". Musik und Musiker im Leben Goethes. Aufbau-Verlag, Berlin 2001. 234 S., geb., 32,90 DM.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Die Begeisterung des Rezensenten Dieter Borchmeyer über dies "gefällig-erbauliche" Buch hält sich in Grenzen: wer mehr nicht wissen wolle und dies auch nicht allzu genau, der komme mit dieser musikalischen Biografie Goethes "voll auf seine Kosten". Überraschende Quellen tauchten nicht auf. Neue Einsichten schon gar nicht. Auch die theoretischen Aspekte des Themas werden kaum beleuchtet, meint Borchmeyer. Und von einem "bisher unterbelichteten Bereich der Goethe-Biografie", wie der Klappentext des Buches behauptet, könne beim Komplex Goethe und die Musik heute nun "wirklich nicht mehr die Rede sein". Für all jene, die es dann doch etwas genauer wissen wollen, hält der Rezensent dann einen Exkurs über einschlägige Symposien und Veröffentlichungen zum Thema bereit.

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