Torero, English ed.: Matadors of Columbia, Mexico, Peru and Spain [Nov 01, 2001] Afanador, Ruven - Torero, English ed.: Matadors of Columbia, Mexico, Peru and Spain [Nov 01, 2001] Afanador, Ruven
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  • ISBN-13: 9783908163480
  • ISBN-10: 390816348X
  • Best.Nr.: 28199113
Rezensionen
Besprechung von 28.01.2002
Eros und Toreros
Es sind nicht die Augen des Experten, nicht die des Sportfans oder des Kunstliebhabers, die diese Bilder fanden. Zu vorsichtig, zärtlich, mitunter aber auch etwas überstürzt erotisch sind diese Fotografien gestaltet. Sie leben aus dem Paradox des inszenierten Schnapp schusses, der penibel kalkulierten Momentaufnahme. Ruven Afanador, der Fotograf, führt uns den spanischen und südamerikanischen Stierkampf dann wieder vor wie eine Modenschau, verliebt sich in Details der barocken Kostüme, kann sich aber wohl auch dem physischen Reiz der jungen Stierkämpfer kaum entziehen, wenn er die spannungsgeladene Körperlichkeit ins Bild rückt, wie auch die entspannte Ruhe, die sich insbesondere in den Studioaufnahmen einstellt.
Doch Afanador verfolgt keine oberflächliche Laufsteg-Ästhetik, auch wenn manche Aufnahmen einen fast naiven Glanz verstrahlen. Vielmehr tastet sich der bildsüchtige Kamerakünstler an die Grenzen des konventionell Geschmackvollen heran, offenbart die Schönheit einer brutalen Narbe, einer blutverschmierten Hose, eines krampfader-geschwollenen Fußes, aber auch eines mühsam verstauten Gemächts in der offenbar doch recht unkomfortablen Prachtuniform. Die scheint Körperhaltung und Bewegung zu diktieren, und man versteht, dass es einiger Übung bedarf, in diesem Korsett elegant zu wirken. Außerhalb der Arena greift der Nachwuchs-Torero in seiner Verzweiflung schon mal zur Jogginghose, wie auf unserer Abbildung.
Dem Verlag muss man danken, dass er die großformatigen Schwarzweiß- Tableaus in hervorragender Druckqualität herausgebracht hat. Nicht auszudenken, wie albern manche Bilder in schlechterer Wiedergabe gewirkt hätten. Besonders die Halbakte, aber auch die Gesichter und Posen. Die noch unvollkommenen, untrainierten Körperhaltungen der Stierkampf-Schüler, auch die plötzlich ebenso unsicher und zerbrechlich wirkenden der kampferprobten Meister. Afanador hat sich nicht rangeschmissen an sein Thema; bei aller spürbaren Faszination behält er eine voyeuristische Distanz, die Raum schafft für Geschichten, die den Abgelichteten bei sich sein lässt und ihm Würde gibt. Was auch an den eingefangenen Gesten liegt, an der ganz und gar nicht machohaften Eleganz, einer fast geschlechtsneutralen, quasi-natürlichen Motorik. Juan Belmonte, der legendäre Torero, war der Überzeugung, dass man seinen Körper vergessen muss, wenn man kämpfen will. Ruven Afanador gibt ihn den Wagemutigen kunstvoll gestaltet wieder zurück in seinem ungewöhnlichen Bildband über den Stierkampf.
HELMUTMAURÓ
RUVEN AFANADOR: Torero. Edition Stemmle, Zürich/New York 2001. 161 ganzseitige Abbildungen, 75 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.diz-muenchen.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Helmut Mauro ist begeistert von dem Fotoband über den spanischen und südamerikanischen Stierkampf, wobei er besonders das "Paradox des inszenierten Schnappschusses" faszinierend findet, dass sich in den Bildern zeigt. Er lobt den Fotografen dafür, nicht auf die "oberflächliche Laufstegästhetik" gesetzt zu haben, sondern "spannungsgeladene Körperlichkeit" festzuhalten. Besonders erfreulich findet er, dass die Fotos fern jeder "machohaften Eleganz" stehen, die sonst gern bei Toreros hervorgehoben wird. Auch dem Verlag spendet der Rezensent ein dickes Lob für die "hervorragende Druckqualität" der Bilder, ohne die, wie Mauro meint, manches, was in dem Buch jetzt beeindruckt, geradezu lächerlich gewirkt hätte.

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