Marktplatzangebote
2 Angebote ab € 8,95 €
    Gebundenes Buch

Jugoslawien in den 70er- und 80er-Jahren: ein Land im Aufbruch, ein Land im Gleichschritt. Obwohl die Grenzen zum Westen nicht abgeriegelt waren, ist über Leben und Alltag wenig bekannt. Ana Tajder öffnet nun mit Titoland ein Fenster zu diesem Land, das uns seltsam fremd und vertraut scheint. Tajder wirft einen unsentimentalen Blick zurück in ihre Kindheit. Sie wächst in Titos Jugoslawien als einziges Kind einer angesehenen Familie auf, mit ihren Eltern - beide gut vernetzt in der Künstler- und Filmszene - erlebt Ana ein intensives Leben im pulsierenden Zagreb. Scheinbar nur lose miteinander…mehr

Produktbeschreibung
Jugoslawien in den 70er- und 80er-Jahren: ein Land im Aufbruch, ein Land im Gleichschritt. Obwohl die Grenzen zum Westen nicht abgeriegelt waren, ist über Leben und Alltag wenig bekannt. Ana Tajder öffnet nun mit Titoland ein Fenster zu diesem Land, das uns seltsam fremd und vertraut scheint. Tajder wirft einen unsentimentalen Blick zurück in ihre Kindheit. Sie wächst in Titos Jugoslawien als einziges Kind einer angesehenen Familie auf, mit ihren Eltern - beide gut vernetzt in der Künstler- und Filmszene - erlebt Ana ein intensives Leben im pulsierenden Zagreb.
Scheinbar nur lose miteinander verknüpfte Kindheitserinnerungen, vom Sommer am Meer, den Reisen ins "Draußen" oder dem stillen Glück, ein selbst genähtes und darum einzigartiges Kleid zu tragen, weben einen dichten literarischen Teppich vor dem Hintergrund des schrittweisen Zusammenbruchs von Titos Reich. Anas Kindheit endet nicht abrupt, sondern zerfällt schmerzhaft Stück für Stück, ganz wie das Land, in dem sie lebt. Wasfolgt, ist ein Aufbruch ins Ungewisse.
  • Produktdetails
  • Verlag: Czernin
  • Seitenzahl: 103
  • Erscheinungstermin: März 2012
  • Deutsch
  • Abmessung: 199mm x 134mm x 17mm
  • Gewicht: 207g
  • ISBN-13: 9783707604054
  • ISBN-10: 3707604055
  • Artikelnr.: 34625166
Autorenporträt
Ana Tajder, geboren 1974 in Zagreb, Kroatien. Lebt seit 1991 in Wien, wo sie ihr Studium der Betriebswirtschaft (MBA) absolvierte. Tätigkeiten im diplomatischen Dienst, im internationalen Marketing einesKonzerns und bei einer der welt-größten Werbeagenturen. Freie Autorin und Journalistin. Ihre gesellschaftskritischen Artikel erscheinen in diversen österreichischen, deutschen und kroatischen Zeitschriften. Österreichisches Staatsstipendium für Literatur 2010/11.
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 05.12.2012

Dieses Land ist abgebrannt

Ana Tajder wurde in Zagreb geboren und lebt heute in Österreich. In ihrem Buch "Titoland" erzählt sie erstaunlich naiv vom Leben im Land ihrer Kindheit.

Die kleine Ana hat ihr Pionierhalstuch und die rote Kappe verloren, dafür besitzt sie jetzt in Wien ein Dirndl. Tito, so meint die große Ana, wird im Himmel darüber lachen, und der Kaiser Franz Josef lacht gleich mit.

Dass der Marschall Tito überhaupt in den Himmel gekommen sein soll, dürfte so mancher Leser bezweifeln, schließlich war der einstige Partisanenheld ein Diktator, der sich auf einer seiner vielen Inseln ein Schloss und auf einer anderen ein Konzentrationslager bauen ließ, in das er seine Gegner verbannte. Ein paar Massaker, ein paar Zwangsvertreibungen, aber alles in allem ein toller Kerl. Wollen wir mal nicht so kleinlich sein!

Bei Ana Tajder, 1974 in Zagreb als Tochter, wie sie auf ihrer englischsprachigen Internetseite schreibt, eines kroatischen "Kunst- und Weltpower-Ehepaares" geboren, herrscht Titoland-Nostalgie. Ein Land, in dem alle gleich waren, nur, so darf man bei der Lektüre versichert sein, einige, darunter die Autorin, etwas gleicher. Man lebte in bescheidenen Wohnungen, sogar die Minister, man fuhr bescheidene Autos und freute sich an den wenigen bunten Dingen, die aus dem kapitalistischen Westen in die lustigste Baracke des Kommunismus hineinschneiten. Das alles wird lapidar dahergeplappert, in der Sprache der Heranwachsenden, selten distanziert und zuweilen auf den schmalen einhundertvier Seiten, die kaum die Genrebezeichnung Roman rechtfertigen, geradezu unerträglich naiv.

Die Mutter, eine bekannte Schauspielerin, war ein wenig chaotisch, nähte aber wunderbare Tutus und wusste überhaupt immer, wie man den Einheitsdresscode in Schule und Ballett umgehen kann. Der Vater, ein Architekt, baute überall auf der Welt. Es kommt zur Scheidung der Eltern und schließlich zu einer Zäsur. Die Erzählerin erkrankt an Skoliose und muss nach einer schwierigen Operation ein Korsett tragen, in dem man ein Gleichnis des schon bald in sich zusammenfallenden Jugoslawiens erkennen könnte. Der Rücken des Mädchens ließ sich heilen, der kommunistische Vielvölkerstaat hingegen geht wenige Jahre nach Titos Tod im Geschützfeuer hasserfüllter Nationalisten unter.

Am Ende sitzen Mutter und Tochter in einem Luftschutzkeller und fliehen nach Österreich, wo die Autorin heute lebt. Dort hat sie eine edle amerikanische Privatuniversität besucht und nach einigen Jahren im diplomatischen Dienst und der Wirtschaft ihr erstes Buch unter dem bemerkenswerten Titel "Von der Barbie zum Vibrator" herausgebracht, das im Stil von "Sex and the City" zweifelhafte Einblicke in die geistigen Tiefen einer hedonistischen Möchtegernelite liefert. "Titoland", wir wissen es, ist abgebrannt, aber - man muss das nicht mögen - im Zeitgeist einer postjugoslawischen Generation entsteht es noch einmal - als nostalgisch-kunterbunte Barbie-Welt.

SABINE BERKING

Ana Tajder: "Titoland". Eine gleichere Kindheit. Roman.

Czernin Verlag, Wien 2012. 104 S., geb., 17,90 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Erstaunlich, wie so eine Buch auf die Rezensionsliste gelangt. Das Wort "Fräuleinliteratur" bekommt, wenn wir Sabine Berking richtig verstehen, hier eine ganz neue Nuance. Die junge Autorin, beinahe noch frisch von der Exil-Eliteuniversität, schreibt über ihre untergegangene Heimat Jugoslawien zu Zeiten Titos und wie putzig damals alles war. Ton des Ganzen laut Rezensentin: lapidar plappernd und unerträglich naiv und nostalgisch. Mehr muss man dazu wohl nicht sagen.

© Perlentaucher Medien GmbH